Forum: Politik
Partei in der Krise: Die SPD erneuert sich - und keiner merkt's
imago/ Emmanuele Contini

Dienstpflicht, Linkspartei-Debatte, Asylstreit: Die Union setzt die Themen des Sommers. Und die SPD? Arbeitet emsig an sich selbst.

Seite 6 von 12
Profdoc1 14.08.2018, 23:21
50. oha

Die SPD hat zwei Probleme. A) sie muss endlich die Diskussion um die Agendapolitik ablegen, auch in der Rhetorik und Programmatik; B) sie muss Zukunftsthemen, die zuhauf rumliegen, aufgreifen, um die Zukunft und nicht die Vergangenheit zu gestalten.

Zu A) Die Agendapolitik war zu der Zeit genau richtig für das Land. Bitte in die Geschichtsbücher schauen. Im Jahr 2018 ein Diskussion darüber anzufangen, ist lächerlich und rückwärts gewandt. Zu verschiedenen Bergriffen: in modernen Industriebetrieben wird niemand ausgebeutet, unterdrückt oder sonst etwas. Das gehört in die Schublade der Arbeiterromantik. Ich mags auch nicht mehr lesen. Natürlich gibt es Menschen in der Gesellschaft, die wenig bis keine Perspektive haben, die wird die SPD oder die Linke auch nicht retten. Natürlich haben Parteien die Verpflichtung, dass niemand auf der Strecke bleibt, und das ist auch gut so, aber deshalb das Revolutionäre zu erwarten, ist naiv.

Zu B) Bildung, Digitalisierung, Industrie 4.0, Arbeit 4.0, digitale Geschäftsmodelle, juristische Adaption einer modernen Gesellschaft, Infrastruktur (Vernetzung, Schiene, Straße), individualisierte Medizin, Zukunft der Pflege, auskömmliches Rentenmodell, Einwanderungsgesetz, etc. Da haben sie ihre drängenden Zukunftsthemen für Menschen in Deutschland. Da spielt auch die Musik.

Sie spielt jedenfalls nicht mehr bei den uralten 70/80er Jahre Themen der SPD, die ich teilweise kopfschüttelnd hier im Forum gelesen habe.
Nur so kann die SPD neue WählerInnen gewinnen - mit Zukunft, aber nicht mehr mit dem Blick in den Rückspiegel. Dann fährt man gegen die Wand!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
interessierter Laie 14.08.2018, 23:25
51. der Grund für die Schwierigkeiten...

liegt nicht bei der SPD. Er liegt beim Wähler. Allein die Kommentare hier reichen völlig aus, um das deutlich zu machen. Die SPD war einmal eine Partei für Leute, erst ordentlich rangeklotzt haben und dann mit Recht ihren Anteil am Ergebnis ihrer Arbeit eingefordert haben. Heute meint jeder, Forderungen stellen zu können. Der Staat hat gefälligst dafür zu sorgen, das jeder ein Stück abbekommt, ob er sich vorher krumm gemacht hat - Nebensache. Es ist ein behäbiger Haufen geworfen, der jedem nachläuft, der ihm bescheinigt, er sei für sein Schicksal nicht selbst verantwortlich. Die Verantwortung trügen die Migranten, die Kapitalisten, die Südeuropäer, Brüssel, das Establishment, die bösen Großkapitallisten. Die SPD und eigentlich alle seriösen Parteien sagen dazu genau das richtige: Der Staat sind wir. Er kann individuelle Härten abfedern und gemeinsame Aufgaben erfüllen, aber alle aus dem Nichts heraus versorgen kann er nicht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kenterziege 14.08.2018, 23:35
52. Ich teile Ihre Ansicht...

Zitat von jo125
Die Zeiten ändern sich - und auch die notwendigen Haltungen. Will die SPD wieder die Mehrheit vertreten, muss sie auch auf deren Wünsche hören. Es gibt in der Mitte keinen Klassenkampf mehr. Den gab es auch schon als ich eintrat, 1986, nicht mehr. Es gibt aktuelle Probleme, denen die Partei - wenn sie Mehrheiten finden will - begegnen muss. Und da meine ich nicht, die Welt zu retten oder alle Armen in unseren Sozialsystemen willkommen zu heißen, sondern unsere eigenen Systeme in Deutschland zu schützen und zu optimieren. Es kann doch nicht sein, dass die hier gezahlten Steuern fröhlich ins Ausland wandern - als Kindergeld oder sonst welche Unterstützungen oder Hilfen, von denen die hier Einzahlenden nichts haben. Auch Subventionen sind etwas, das stark zu hinterfragen ist. Wenn unser Betrieb in wirtschaftliche Probleme gerät, kommt Merkel auch nicht mit der Gießkanne. Warum bei der Agrarindustrie? Und anstatt Unsummen ins Ausland für "Entwicklungshilfe" rauszuhauen, würde ich lieber sehen, dass unsere Kitas, Schulen und Universitäten mehr Gelder bekommen. Von Senioren- und Pflegeheimen oder Kliniken mal ganz abgesehen. Statt dessen läuft eine völlig kranke Diskussion über Zwangsdienste für junge Leute. Es gibt so viele Baustellen, wo die SPD punkten könnte. Die sollte sie aber zunächst im eigenen Land suchen. Denn dort wird sie gewählt - oder auch nicht.
Heute hat gerade der Bundesrechnungshof (ich meine zu recht) die E-Auto-Prämie heftig gerügt. In den Wind geblasenes Steuergeld, das eher den Wohlhabenden, als der SPD-Klientel zugute kommt. Eines von vielen Beispielen sinnloser Subvention. Wenn etwas gut ist, setzt es sich von selbst durch, wie Pedelecs. Bei der Kindergelddebatte versagt die SPD auch. Sie verrät ihre eigenen Oberbürgermeister! So wird das nichts! An die eigenen Leute zu denken, heißt in der Tat auch mal an anderer Stelle zu kürzen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
deppjones 14.08.2018, 23:45
53. Die SPD ist nicht

Die SPD ist nicht die Partei der kleinen Leute, sie ist die Partei der Arbeiter. Und sollte, wenn sie sich einigermaßen intelligent positioniert, die Partei der Arbeiter und Angestellten werden wollen. Was ist so schlimm daran Angestellte mit sagen wir mal auch 75T bis 100T Euro Jahreseinkommen (oder mehr) zu repräsentieren. Stattdessen raufen sich Die Linke und die SPD um Leute, die zu einem großen Anteil sowieso nicht wählen gehen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
pr8kerl 14.08.2018, 23:50
54. Die SPD ist nicht sexy und Andrea Nahles ist es auch nicht

Die Grünen machen es vor: Ein smarter Robert Habeck ist viel interessanter als eine keifende, giftige Claudia Roth. Inhaltlich hat sich bei den Grünen nichts getan, aber schon gehen die Umfragen nach oben. Auf die Attraktivität der Spitze kommt es an, und da waren die neuen Frontleute in Frankreich oder Österreich eben vorzeigbar. Die SPD hat seit Gerhard Schröder kein attraktives Spitzenpersonal. Nicht Schulz, schon garnicht Nahles, und nicht Scholz.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Fuxx2000 14.08.2018, 23:53
55. Falsche Analyse

Die SPD hat weder den Kurs gewechselt noch schlecht kommuniziert. Sie hat einfach nur Politik gegen die Masse der Menschen gemacht. Vor allem gegen ihre Wähler. Und sie sucht nur nach einem Weg das immer weiter zu tun. Das ist der Grund wieso sie keiner mehr wählen wird...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
krassper 15.08.2018, 00:26
56. @ 37

Ich wollte ja eigentlich einen eigenen Beitrag verfassen, aber nach der Lektüre ihres Beitrags kann ich diesem nur beipflichten. Die SPd hat es als erste Reaktion sehr gut gemacht, erstmal auf Abstand zu gehen, die Sondierungsverhandlungen habe aufgrund der Verantwortung durch die Wählerstimmen auch noch verstanden, aber das Ergebnis hat nicht zur Entscheidung gepasst. Da hätte Corbynin genommen werden müssen, genau zu dem Zeitpunkt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
quark2@mailinator.com 15.08.2018, 00:48
57.

Es mag in Vergessenheit gekommen sein, aber die SPD war zusammen mit den Kommunisten die Partei, welche den Kapitalismus los werden wollte - nicht so radikal wir die KPD, aber immerhin. Das, was sich jetzt da angeblich erneuert, hat absolut nichts mit Sozialisten zu tun. Das ist einfach eine bürgerliche Partei, die das System nicht infrage stellt, sondern im Zweifelsfall sogar bereit ist, es besonders unsozial zu machen. Oder ich sage es mal mit anderen Worten: Wer nicht grundlegende Kritik an den Wirkmechanismen übt, welche dazu führen, daß arm ärmer, reich reicher und große Firmen immer größer werden, der ist kein Sozialist, sondern jemand, der einfach bischen Deko an die Wand klatschen will. Ich möchte damit nicht sagen, daß der bürgerliche Standpunkt falsch ist, denn darum geht es mir hier gar nicht. Es geht mir darum, daß eine Erneuerung der SPD mMn. erfordern würde, sich klarer gegen den Status Quo zu positionieren und grundlegende Verbesserungen zu fordern, nicht nur Deko. Insofern sehe ich keine Erneuerung. Das ist auch nicht verwunderlich, denn Frau Nahles ist ja nun wirklich nicht gerade die Zukunft.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
blödbacke 15.08.2018, 00:51
58.

Zitat von prologo
Genau die hat die SPD mit der Aufhebung der Tarif Autonomie in den niedrigen Lohn Sektor gebracht, von dem man nicht mehr leben kann, ...
Den Mindestlohn muss man auch sofort wieder abschaffen, ist auch ein Eingriff in die Tarifautonomie.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
nixblicker00 15.08.2018, 01:18
59. Warum macht ihr nicht einfach das Licht aus ...

und geht nach Hause?

Euch braucht keiner, euch mag keiner. Es gibt kein einziges politisches Thema, in dem Ihr den Takt schlagt. Ihr seid so dermaßen überflüssig, dass man so irgendwo zwischen Mitleid und Fremdschämen schwankt. Das wird so weitergehen, bis bald alle vergessen haben werden, für was die Lettern S, P und D mal stehen wollten.

Ist ja auch klar: Statt auch nur ansatzweise eigenständige Politik mit wenigstens einem Hauch Format zu machen, hechelt ihr wie einst die braven Klassenstreber - sooo sexy, yeah! - hinter Frau Merkel her. Da endet auch die großspurige Ankündigung, dem CDU-Kanzlerinnenverein nicht weiter als Mehrheitsbeschaffer zur Verfügung zu stehen, auf der Regierungsbank. Schwach, schwächer, am SPDsten. Nennt sich dann Verantwortung übernehmen. Das Einzige was Ihr noch übernehmt, sind vielleicht Diäten und Pensionen.

Versetzt Euch doch mal in die Wähler. Wer soll so eine schwache Politik denn wählen? Eure sogenannte Klientel? Werden gerne von Linken, Grünen und der AfD umschmeichelt. Und Ihr glaubt doch nicht ernsthaft, dass Eure politische Nullnummer irgendeinen Freidenker überzeugen könnte.

Also, Licht aus!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 6 von 12