Forum: Politik
Parteien in Europa: Das Ende der Demokratie, wie wir sie kennen
DPA

SPD und CDU haben seit 1990 fast die Hälfte ihrer Mitglieder verloren. Die Erosion der Parteien ist kein deutsches Phänomen, sie findet in ganz Europa statt. Unsere Demokratie ändert sich dadurch grundlegend.

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dummmichel 23.02.2016, 11:28
90. Jeder ist sich selbst der Nächste.

Vereine haben ebenfalls mit dem Phänomen des Mitgliederschwundes zu kämpfen.

Egal ob Sportverein oder Freiwillige Feuerwehr, überall rennen die Mitglieder weg und der Nachwuchs bleibt gleich ganz fern. Und hier sind die Auswirkungen für die Allgemeinheit dann auch noch schädlicher, als bei irgendeiner Partei, die auch mit sehr wenigen Mitgliedern noch problemlos funktioniert.

Meiner Meinung nach liegt das aber auch an gesellschaftlichen Entwicklungen, die politisch durchaus auch genau so gewollt sind.

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lexus1234 23.02.2016, 11:30
91. Kein Wunder. Die Parteien SIND das Demokratieproblem!

Ein netter Artikel, allerdings stellt er die Gretchenfrage nicht: WARUM traut keiner mehr den Parteien und WARUM sind es trotzdem die Parteien, die uns regieren?

das erste warum: Die Parteien sind es, die demokratische Grundsätze seit Jahrzehnten mit Füßen treten. Die Parteien sind es, die seit Jahrzehnten vor den Wahlen etwas versprechen und dann das Gegenteil davon tun.

das zweite warum: es gibt kaum andere "Partizipationsformen" - dafür haben, ja, wiederum die Parteien gesorgt. Wenn tatsächlich mal die Volksstimme hochkocht, werden notfalls Bürger verstümmelt - siehe Stuttgart 21. Oder höchst symptomatisch die unterdrückte Debatte um TTIP: Millionen Bürger proben den Aufstand und werden arrogant als "hysterisch" abgekanzelt. Undemokratische Geheimgesetzgebung, Verfassungsbrüche durch Regierungen - wir sind zurück in dunkelsten Zeiten.

Parteien sind heute diktatorische, undurchlässige und vererbte Gebilde. Sie haben nichts mehr mit der Demokratie gemein. Sie wirken nur noch in manipulativer Hinsicht bei der Willensbildung des Volkes mit.

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irobot 23.02.2016, 11:32
92.

Zitat von Leser161
Das sehe ich anders. Es ist meines Erachtens kein Zufall das die flächendeckende Verbreitung moderner besserer Regierungsformen mit der technologischen Weiterentwicklung einherging. Je besser der Informationsfluss (ermöglicht durch Technologie) ist, desto einfacher wird die Willensbildung und Entschlussfindung für das einfache Volk, dass sich im Gegensatz zu einem König und seinen Beratern nicht mal eben im Kaminzimmer treffen kann. Von daher könnte das Internet entscheidende Verbesserungen an der Demokratie bewirken.
Das seh ich mittlerweile völlig anders. Das Internet wird zu einer stärkeren Zersplitterung führen. Jeder sucht sich nur noch die Themen heraus, die ihn interessieren und denkt dann irgendwann, das sei Mehrheitsmeinung.

Zumal es seit längerer Zeit eine gefährliche Tendenz gibt. Informationen, die in das eigenen Weltbild passen, werden völlig kritiklos übernommen, alles was außerhalb steht, wird pauschal als Lüge eingestuft. Mit so was kann man keine Politik machen.

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k.ockenga 23.02.2016, 11:33
93.

Ca. 450 Tsd? Falsch. Zieht man die Statistik-Leichen und die Subventionierten ab, bleiben vielleicht noch jeweils 400 Tsd.. Reduziert man weiter um die Mitläufer, Gelegenheitsmitglieder und "Arbeitsscheuen", dann wird der aktive Teil kaum 200.000, eher wohl nur 150.000 erreichen. Von denen sind dann auch noch mindestens 50 % im Rentenalter. Damit ist die Zukunft karikiert. Bei jedem Besuch von Ratssitzungen, zu denen die angeblich so interessierten Parteifremden und Alternativ-Bürger gar nicht erst gehen, ist dieser Zustand zu besichtigen. Die Resttruppe soll die Last aller demokratischen Rats- und Ausschuß-Funktionen, die Aufsicht und Kontrolle der Verwaltungen, der Werke und der sonstigen von den Partei-Bürgern zu bestückenden Ämter in den kleinsten Orten und allen anderen Organisationsstufen tragen? Und da besteht dann ja auch noch der parteiliche Anspruch, die Kernerarbeit in den Vereinen, Gerichten und zu den Wahlzeiten zu leiten. Die Ehrenamtlichen sind jetzt schon zeitlich häufig total überfordert. Das alles geht vielfach so gerade eben noch, its aber künftig zu vergessen. Und wenn man dann mit Müh und Not doch noch die Wahllisten gefüllt hat, kommt spätestens bei dem „natürlichen“ Ersatz der Erfahrenen und „Altgedienten“ die Frage der neuen Qualitäten. Dann zeigt sich nicht nur bei den Wählergemeinschaften, wie wichtig dann wirklich die übergeordneten Allgemeininteressen sind und doch die Privatinteressen dominieren. Heute mehr denn je. Was droht, das ist mangels Kontrollmasse ein demokratischer Verwaltungsstaat.

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mwroer 23.02.2016, 11:36
94.

Zitat von dingstabumsta
Am beispiel Griechenlands zeigt es sich am deutlichsten, wo eine Sozialistische Regierung sich einer Kapitalistischen "Troika" unterstellen muss, Gesetze gegen das Volk verabschiedet.....
Verwechseln Sie das bitte nicht - Griechenland hatte und hat die Möglichkeit den Euro zu verlassen, den Staatsbankrott zu erklären und mehr oder weniger 'neu' anzufangen. Viele Länder haben das getan. Einige mit Erfolg.

Griechenland tut dies nicht weil all die Fördergelder die es schon früher aus dem EU Strukturfonds bekommen hat und das Geld aus den 'Hilfen' verschleudert wurde. Es wurde nichts nachhaltiges gebaut.

Das ist allerdings Schuld der griechischen Regierungen, nicht die der Troika,

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H-Vollmilch 23.02.2016, 11:36
95.

Das ist leichter gesagt als getan.
Wissen sie eigentlich wieviele Parteien es gibt? Genau. Sehr viele.
Und wieviel ändert sich dadurch? Genau. Leider nichts.
Was also sollte sich ändern wenn jetzt Hinz und Kunz noch mehr Winzig-parteien gründen? Genau, nichts!
Die Piraten sind angetreten um genau solche fundamentalen Dinge zu ändern und wurden (auch hier im Spon-Forum) von Anfang an zerredet.
Wenn sich die AfD jetzt immer mit durchschnittlich 10% auf Landes- und Bundesebene etabliert, werden wir in Zukunft nur noch große Koalitionen aus SPD und CDU sehen. Der Garant dafür, das sich nie irgendwas ändern wird.
Die Party der Lobbyisten kann ungehindert weiter gehen.

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bigroyaleddi 23.02.2016, 11:38
96. Nur rummeckern

ist leider alles, was den vielen Politikdesinteressierten einfällt. Der Hinweis, daß heute durch die vielen Apps man ja ganz schnell seine Meinung kundgeben kann, zieht meines Erachtens.
Aber eines ist ganz klar. Wenn ich mich als Bürger eines Landes nicht und nirgendwor einbringe, wird eines Tages das mit der Politik UND der freiwilligen Feuerwehr und auch dem Roten Kreuz nicht mehr funktionienren.
Schon vergessen? Wie oft haben die Einsatzkräfte über Anpöbelung und Angriffe im Einsatz geklagt. Nixmittun in der neuen orwellschen Gesellschaft und dann noch das Nachlaufen hinter Facebookträumen. Gute Nacht Europa!

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scoopx 23.02.2016, 11:38
97. Parteien sind unerläßlich

Nur eine moderne, programmgebundene Volkspartei kann Richtungskämpfe und kleinteilige Partikularinteressen aus dem Parlament heraushalten und es damit entlasten. Die Parteien erziehen den Wähler, indem sie ihm sagen: du hast nur die Wahl zwischen, sagen wir, 5 - 6 Parteiprogrammen. Deine Privatideologie und dein Gemecker zählen nicht.

Die erste moderne Volkspartei der Welt war die SPD. Sie verstand es als erste, den Wähler an sich zu binden: Sie hatte eine Farbe (rot), Fahnen und Lieder, eine Ideologie und ein Programm. Alle Parteien davor waren politische Clubs, und gewählt wurde nicht die Partei, sondern der Mann. Er konnte nach Gutdünken eine Regierung zu Fall bringen, indem er gegen das Staatsbudget stimmte.

Ein abschreckendes Beispiel für eine Demokratie mit politischen Clubs anstelle von Parteien war die französische Dritte Republik, in der die Regierungen selten länger als ein paar Monate an der Macht blieben. Nebenbei ist der auf sich gestellte, "unabhängige" Abgeordnete noch viel anfälliger für Korruption als der parteigebundene.

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exilant64 23.02.2016, 11:39
98. Na auf,...

Zitat von lexus1234
Ein netter Artikel, allerdings stellt er die Gretchenfrage nicht: WARUM traut keiner mehr den Parteien und WARUM sind es trotzdem die Parteien, die uns regieren? das erste warum: Die Parteien sind es, die demokratische Grundsätze seit Jahrzehnten mit Füßen treten. Die Parteien sind es, die seit Jahrzehnten vor den Wahlen etwas versprechen und dann das Gegenteil davon tun. das zweite warum: es gibt kaum andere "Partizipationsformen" - dafür haben, ja, wiederum die Parteien gesorgt. Wenn tatsächlich mal die Volksstimme hochkocht, werden notfalls Bürger verstümmelt - siehe Stuttgart 21. Oder höchst symptomatisch die unterdrückte Debatte um TTIP: Millionen Bürger proben den Aufstand und werden arrogant als "hysterisch" abgekanzelt. Undemokratische Geheimgesetzgebung, Verfassungsbrüche durch Regierungen - wir sind zurück in dunkelsten Zeiten. Parteien sind heute diktatorische, undurchlässige und vererbte Gebilde. Sie haben nichts mehr mit der Demokratie gemein. Sie wirken nur noch in manipulativer Hinsicht bei der Willensbildung des Volkes mit.
... Jogginghose hochgezogen und machen Sie es besser.

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januario 23.02.2016, 11:39
99. ...und was ist mit den USA?

Jedenfalls gibt es dort auch jemanden, der wie Jeremy Corbyn gegen das Establishment kämpft: Bernie Sanders. Vermutlich ist es die Möglichkeit, was gegen das Establishment zu unternehmen, die für viele interessant ist. Sanders und Corbyn sind offenbar Politiker, die von vielen als nicht zum Establishment gehörig angesehen werden. Und das Establishment besteht aus den im Artikel beschriebenen Parteipolitikern, die an die Stelle der früher vorhandenen politischen Programme getreten sind.

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