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Parteitag: SPD sehnt sich nach Steinbrück-Neustart
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Zwei Monate fremdelte Peer Steinbrück mit seiner Kanzlerkandidatur. Jetzt will er die Pannenserie endlich beenden und der SPD neuen Schwung verleihen. Der Parteitag in Hannover soll zur Steinbrück-Show werden - allerdings möglichst ohne zu viel Kitsch.

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Scheidungskind 09.12.2012, 09:38
270. ...

Zitat von luny
Hallo Scheidungskind, mittlerweile trauen sich auch Arbeitnehmer nicht mehr, eine Familie zu gründen, die als Leiharbeiter oder Praktikanten eingestellt werden. Nicht einmal der Ort für ihren beruflichen Einsatz ist fix. Eine Wohnung kaufen oder ein Haus bauen, alles Fehlanzeige. Die Politik hat auf ganzer Linie versagt. Einmal sichere Arbeits- verhältnisse wurden dem Raubtierkapitalismus vor die Füße ge- worfen. Leider hat der geneigte Wähler keine wirkliche Wahl mehr, nachdem die Opposition auf Regierungslinie ist bzw. schon vorher war. LUNY
Hallo Luny,

Sie haben recht: Die Familiengründung wurde in den letzten Jahrzehnten weiter und weiter nach hinten verschoben.

Das ist - meine Meinung - letztlich eine Folge der Perspektivlosigkeit, die eine jahrzehntelang steigende Massenarbeitslosigkeit hervorbrachte.

Die Agenda schaffte für junge Arbeitnehmer härtere Bedingungen, die ihnen jedoch eine langfristige Perspektive eröffnet, die sie vorher nicht mehr hatten. Laut Demographen steigt die Zahl der Geburten je Frau erstmals wieder.

Die SPD ist für mich die Partei, die ihr ungeliebtes Kind Agenda 2010 am ehesten wieder abschafft oder so ändert, dass die größten Härten gemindert werden. Darum haben wir eine Wahl - wenn der Wähler denn wählt.

Eine Illusion muss ich Ihnen zuletzt noch nehmen: Es gibt - außer im Beamtentum - keine sicheren Arbeitsplätze. Wenn man einen Arbeitsplatz in einem am Markt agierenden Unternehmen als unabänderliche Institution definiert, wird er langfristig so wenig abwerfen, dass keine neuen geschaffen werden. Haben wir jahrzehntelang erlebt.

Schöne Grüße,

Scheidungskind

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prqc 09.12.2012, 12:42
271.

Zitat von Kurt2.1
Werter Forist. Ich teile Ihre Positionen nahezu. Nuancen liessen sich sicher bereinigen. Ich bin aber ueberrascht, dass Sie sich als Christdemokrat verorten und glauben, ausgerechnet dort diese Ziele zu erreichen. Um zum Beispiel eine flächendeckende Buergerversicherung umzusetzen, halte ich es fuer zwingend, die Abgeordneten, deren Versorgung sich an der der Beamten orientiert
Volle Zustimmung zu Ihrem Vorschlag, die Abgeordneten auf Bundes- und Landesebene privat und zu 100% für ihre eigene Altersvorsorge aufkommen zu lassen. Eine entsprechende Erhöhung der Besoldung wäre für den Steuerzahler längerfristig eher profitabel.

Zu Ihrer Beobachtung seitens meiner politischen Verortung: Ja, ich verorte mich als fortschrittlicher, pragmatischer Christdemokrat. Ich meine, dass die CDU sich radikal erneuern muss, wenn sie eine Zukunft haben will: Ergo, Einführung von Vorwahlen für die Kanzlerkandidatur, eine realpolitische Position gegenüber der EU (anstatt dem naiven "gelebten Idealismus" à la Kohl und Merkel), aber auch eine energische Verteidigung der freien Marktwirtschaft verbunden MIT einem Mass an Menschlichkeit, das in der zweiten Hälfte der Kohl-Ära verloren ging. Wir sind das Land mit einer niedrigen sozialen Mobilität - und darüber spricht niemand. Aber das müssen wir, denn die derzeitige Unzufriedenheit ist Zeichen einer Frustration und Hoffnungslosigkeit, ebenso wie der inkonsistenten Anwendung der Regeln der Marktwirtschaft. Grosse, "too big to fail"-Banken und Energiekonzerne (Vorbild: Standard Oil) müssen geteilt und zum Wettbewerb gezwungen werden, das Apothekenmonopol muss weg und den Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen mehr Vertrauen geschenkt werden, dass sie selber wissen, wie sie ihr Geld ausgeben wollen.

Und anders als der Spiegel es in seiner Printausgabe gerne tituliert, muss die Politik wieder zu einer Berufung werden, statt einer "Karriere". Das braucht Zeit - aber wenn meine Partei überleben will, wird sie sich mehr ändern müssen, als uns Frau Merkel mit ihren kosmetischen Änderungen am Programm glauben machen will.

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Bhur Yham 09.12.2012, 13:10
272. Was rauchen Sie eigentlich, Herr Köster?

Zitat von Kurt Köster
Wir haben zwei Kanzlerkandidaten: Frau und Herrn . Erstere will Eurobonds verhindern, letzterer will sie schnellstens auf den Weg bringen, um Schaden vom deutschen Volk abzuwenden und der internationalen endlich das Handwerk zu legen.
Mit der Begründung "Schaden von Deutschland abzuhalten" hat Schröder die Deregulierung begründet. Wenn jetzt nochmal Schaden vom deutschen Volk abgehalten werden muß, steht das Ende kurz bevor.

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P.Delalande 09.12.2012, 14:49
273.

Zitat von Scheidungskind
Die Agenda schaffte für junge Arbeitnehmer härtere Bedingungen, die ihnen jedoch eine langfristige Perspektive eröffnet, die sie vorher nicht mehr hatten.
Welche langfristigen Perspektiven phantasieren Sie denn da schon wieder?
Die Politik wie auch die Wirtschaft hat die Entwicklung der Arbeit verschlafen oder schlicht ignoriert. Vollbeschäftigung wird es unter den herrschenden Bedingungen nie wieder geben. Die Industriegesellschaft geht Ihrem Ende entgegen und die vielgepriesene Dienstleistungsgesellschaft kann die entstehenden Lücken nicht füllen.


Zitat von Scheidungskind
Eine Illusion muss ich Ihnen zuletzt noch nehmen: Es gibt - außer im Beamtentum - keine sicheren Arbeitsplätze. Wenn man einen Arbeitsplatz in einem am Markt agierenden Unternehmen als unabänderliche Institution definiert, wird er langfristig so wenig abwerfen, dass keine neuen geschaffen werden. Haben wir jahrzehntelang erlebt.
Eine Illusion muss ich Ihnen zuletzt nehmen: es gibt keinen funktionierenden Arbeitsmarkt, denn dessen Funktionieren wurde ja gerade durch die Agenda 2010 und HartzIV außer Kraft gesetzt.
Einen funktionierenden Mark kann es nur Geben, wenn die Marktteilnehmer zu gleichen Bedingungen beteiligt sind und nicht wenn die eine Seite politisch gestützt und die andere Seite politisch behindert wird.
HartzIV hatte nie eine anderen Sinn als genau diese Ungleichheit zu manifestieren und das war den Machern vollkommen bewusst, denn nicht ohne Grund wurde die Regelung vom Personalvorstand eines Konzerns ausgearbeitet.

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derandersdenkende 09.12.2012, 16:38
274. Natürlich werde ich es akzeptieren,

Zitat von Kurt2.1
Ich bin ein Mensch von der Strasse - und nicht einmal SPD-Mitglied. Ihre Vermutungen (Unterstellungen?) gehen also ins Leere. Es gibt Menschen, die finden den Weg der SPD richtig. Erkennbar wird dies am Wahltag werden, wenn die SPD 30+x% erreicht hat. Sie werden es akzeptieren müssen, werter andersdenkender.
wie ich alle Wahlergebnisse akzeptieren werde, die als Ergebnis demokratischer Wahlen zu Stande kommen. Ich versuche, im Vorfeld einer Wahl meine Meinung einzubringen und wenn sich dann einer bei mir beklagt, kann ich sagen, du hast es ja nicht anders gewollt.
Insofern tun mir schon im Vorfeld diejenigen leid, die gleich nach der Wahl gegen ihre eigenen Kandidaten zu schimpfen beginnen.
Ja werter Forist, ich habe keine Scham andersdenkend zu sein, ich bin sogar stolz darauf.
Vor allem darauf, daß trotz meines Alters mein Gedächtnis offensichtlich noch besser funktioniert, als bei so manchem Mitforisten.
Deshalb kann ich auch keinerlei Freude bei Steinbrücks Nominierung empfinden.

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Gerlinde66 09.12.2012, 20:42
275. Nicht hier im Forum

Ihr solltet nicht denen folgen die dem System folgen, sondern denen die NICHT bis an die Haarwurzel von Staats- und Parteienfrömmigkeit erfüllt sind - und die NICHT an das Primat der Politik glauben. Wo man die findet? Tja - das ist das eigentliche Problem - jedenfalls nicht hier im Forum.

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Bondurant 11.12.2012, 10:10
276.

Zitat von Scheidungskind
Sie haben recht: Die Familiengründung wurde in den letzten Jahrzehnten weiter und weiter nach hinten verschoben. Das ist - meine Meinung - letztlich eine Folge der Perspektivlosigkeit, die eine jahrzehntelang steigende Massenarbeitslosigkeit hervorbrachte.
das halte ich mit Verlaub für eine Rationalisierung der wahren Gründe: tatsächlich ist es so, dass in diesem Lande ungewöhnlich viele Menschen gar nicht erst Kinder wollen. Das darf aber nicht überraschen, wenn man an die durch die Nazis gebrochene Seele dieses Volkes denkt und daran, dass in der Reaktion darauf die Familie als Hort faschistischen Gedankengutes von vielen grundsätzlich abgelehnt wurde. Die Konsequenzen sind da, und vielleicht ist es ja auch gut so.

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e-cdg 12.12.2012, 12:23
277. und der Witz daran ist

Zitat von ChakaChaka
Wie soll das denn gehen? Die SPD ist doch von allen guten Geistern verlassen, dass sie ausgerechnet diesen Gralshüter der Finanzindustrie zum Kanzler machen will. Der Mann hat keinen Instinkt. Der setzte mit einem hochdotierten Vortrag (15000€) doch glatt .....?
Die SPD reitet diesen Steinbrück-Kurs immer weiter. Ja die Genossen orientieren sich nach oben, zu den Futtertrögen, nicht nach unten zu den Tafeln, obwohl letztere immer zahlreicher werden. Aber Geldverdienen ist ja so schön, und wenn einer eine Leistung bringt, soll er auch verdienen - aber dann bitte auch für die aufstehen, deren Lebensmittelpunkt die suppenküche geworden ist, und nicht als Kanzlerkandidat bei den Sozis auftreten und Gerechtigkeit zum Wahlkampfthema hochhalten.

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