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Philosophin Ágnes Heller über die Wahl: "Orbán zerstört die Seele Ungarns"
REUTERS

Viktor Orbán hat die Wahl in Ungarn klar gewonnen - und die Philosophin Ágnes Heller bangt um ihr Heimatland. Hier warnt sie vor den Ambitionen des Premiers, die auch Europa gefährden könnten.

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Reinhardt Gutsche 12.04.2018, 13:11
40. Es gibt keine europäischen Werte

Zitat Heller: „Es gibt keine europäische Verfassung, demzufolge kann man auch keine festgeschriebenen europäischen Werte verletzen.“

Das dürfte der wohl wirkmächtigste Satz in diesem Interview sein. Im übrigen kann man die Befürchtungen der Philosophin und Lukács-Schülerin nur zu gut verstehen.

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bejaflor 12.04.2018, 13:11
41. Einfach nur traurig

Wir erleben gerade die weltweite Renaissence des politischen Totalitarismus und mit Ungarn und Polen mitten in der EU. Klar demokratisch gewählt - muss also gut sein.
Auch die NSDAP wurde damals demokratisch mit 37% zur stärksten Fraktion gewählt. Ihre Methoden waren Manupilation, Gewalt und Populismus, wie auch von Orban und Kaczyński. Es ist erschreckend, wie schnell die Menschen vergessen.
Und es ist zutiefst beschämend und widerlich, dass die CSU den Schulterschluss mit einem Demagogen wie Orban sucht.
Mit dem Einzug der AFD und der manipulativen Wissens-Blasen, in denen sich viele Menschen einkerkern und die zu einen sich selbst bestätigenden geschlossenen, paranoiden Weltbild führen, wurde der Damm gebrochen. Die Sehnsucht nach starken Männern, die für "den guten Zweck" Gesetze brechen und demokratischen Werte verleugnen bzw. abbauen scheint vielem im "Volke" das Hirn zu vernebeln.
Wie heißt es es so schön in einer bezeichnenden Szene von "Starwars: Die Rache der Sith" als das Parlament unter großem Jubel aufgelöst wird. "Jubelnd geht die Welt zugrunde!
Mögen viele ihre Stimme gegen diese Verblendung erheben!

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playintime 12.04.2018, 13:11
42.

Zitat von unumvir
Demokratie bedeutet, dem Willen der Mehrheit der Bürger zu entsprechen. Dieses Votum scheint in Ungarn recht eindeutig; die Korrektheit der Wahl wurde von keiner Seite angezweifelt. Aus der Ferne geäusserte abweichende Meinungen ändern daran nichts.
Doch. Es wurde angezweifelt. Die Jobbik (ultrarechten) wollen eine Neuauszählung.

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zeisig 12.04.2018, 13:17
43. Jeder darf seine Meinung äußern.

Die Meinung dieser Philosophin ist Eine unter Vielen. Für mich wiegt sie nicht schwerer als die Meinung eines beliebigen ungarischen Bürgers, der bei der letzten Wahl für Victor Orban und seine Partei votiert hat.

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ktomy69 12.04.2018, 13:23
44. Hon

Zitat von kenterziege
...Vokabular der Frankfurter Schule anklingen. Das sind ja auch zum Teil Wortstanze, die aneinandergereiht immer gut klingen mögen. Orban ist doch nur die Antwort auf vieles, was in Ungarn schief gelaufen ist und in Brüssel immer noch schief läuft. Gleichzeitig wird er nicht nur von den Visegradstaaten unterstützt sonder auch von Bayern und Österreich. Ich halte Ungarn für zu klein, um hier den Teufel an die Wand zu malen. Zu so einer intellektuellen Betrachtung sollte auch eine anthropologische Ergänzung hinzukommen, die erklärt, weshalb sich Menschen vom Internationalismus der EU abwenden. Im Bund und in Bayern sind extra Heimatministerien etabliert worden. Die Zeit der internationalen Solidarität hat ihr Ende gefunden - genau so, wie die anderen Lehren unserer Linken. Den Ungarn scheint es wirtschaftlich gut zu sehen. Das erklärt alles. Erst kommt das Fressen und dann die Moral.
Das ist wirklich ein Hon den Sie hier anbringen. Er Orban wettert gegen den Supf der EU und hat seinen im Land vielleicht beseitigt, dafür hat er einen neuen angelte. Ihr Kommentar ist deplatziert und scheint von der Formulierung her auch aus der von ihnen zitierten Frankfurter Schule zu kommen.

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Epsola 12.04.2018, 13:23
45.

Zitat von zeisig
Die Meinung dieser Philosophin ist Eine unter Vielen. Für mich wiegt sie nicht schwerer als die Meinung eines beliebigen ungarischen Bürgers, der bei der letzten Wahl für Victor Orban und seine Partei votiert hat.
Der einen Meinung liegt der kategorische Imperativ zu Grunde, der anderen nicht. Also nein, die Meinungen wiegen nicht gleich schwer.

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kuac 12.04.2018, 13:35
46.

Zitat von unumvir
Demokratie bedeutet, dem Willen der Mehrheit der Bürger zu entsprechen. Dieses Votum scheint in Ungarn recht eindeutig; die Korrektheit der Wahl wurde von keiner Seite angezweifelt. Aus der Ferne geäusserte abweichende Meinungen ändern daran nichts.
Demokratie besteht nicht nur aus einer Wahl. Kritikfähigkeit, Pressefreiheit und unabhängige Justiz gehören ganz bestimmt dazu.

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genervterbuerger 12.04.2018, 13:40
47. Der Faschismus in Ungarn

war bereits vor Orban ein Problem. Schon in meiner Kindheit sind schwarz gekleidete Trupps durch Budapest marschiert, mit Fahnen und Pfeilkreuzlerarmband. Antisemitismus ist tief verwurzelt. Allerdings gelang es diesem Herrn Orban, all das Negative zu sammeln und nach oben zu spülen. Ungarn ist kein Teil Europas. Seit Orbans Herrschaft betrete ich das Heimatland meines Vaters nicht mehr. Er würde sich im Grab herumdrehen, hätte er die Entwicklungen in Ungarn noch erleben müssen.

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kuac 12.04.2018, 13:42
48.

Zitat von zeisig
Die Meinung dieser Philosophin ist Eine unter Vielen. Für mich wiegt sie nicht schwerer als die Meinung eines beliebigen ungarischen Bürgers, der bei der letzten Wahl für Victor Orban und seine Partei votiert hat.
Sie verwechseln da etwas. Jeder hat nur eine Wählerstimme und sie ist gleichwertig. Aber, was die Meinung betrifft, die Meinungen der Entscheider oder Kenner der Materie sind anders zu gewichten als derer, die keine Meinung haben oder keine Kenntnisse bzw. keine Entscheidungsbefugnisse haben.

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csapo-f 12.04.2018, 13:43
49. Sozialneid?

Zitat von playintime
Dann verlassen sie mal in Budapest den inneren Ring, die Prachtalle Andrássy út, oder die budaer Villenvierteln. Bis die erwähnten Stadtteile immer schöner werden, verkommt der große Rest immer mehr. Ich bin immer wieder, beim Besuch,.....
"Nicht zufällig suchen Millionen in Ausland Arbeit."
Sie bringen hier einige Sachen ordentlich durcheinander. Viele Ungarn suchen nicht deshalb eine Arbeit im Ausland, weil es Außenbezirke gibt, die nicht so attraktiv sind wie die Innenstadt oder die "Villenviertel". Sie gehen ins Ausland, weil die gleiche westliche Firma, die beispielsweise in Ungarn 500-1.000 EURO zahlt, im Westen das Doppelte und Dreifache für die gleiche Arbeit bezahlt. Es ist übrigens in jeder Großstadt der Welt so, dass es auch weniger schöne Bezirke gibt. Die Spuren von 1945, wo sich Deutsche und Russen heftige Kämpfe geliefert haben und die Spuren von 1956, wo die Russen mit massiven Militäreinsatz den Ungarn-Aufstand niedergeschlagen haben, sind an vielen Stellen noch sichtbar. Und sichtbar sind die im Sozialismus errichteten "Plattenbauten", Hochhäuser, wie man sie nach 1989 nicht mehr gebaut hat. Sozialneid ist in Ungarn sehr verbreitet. Alle die es zu nichts gebracht haben, beklagen, dass alle "korrupt" sind und "stehlen". Das hat mit Kritik nichts zu tun. Das ist Verleumdung. Wer gegen Gesetze verstößt, sollte bestraft werden. Auch für unbewiesene Beschuldigungen.

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