Forum: Politik
Piloten-Mord: Das Grauen

Der Tod des jordanischen Piloten Moaz al-Kassasbeh hat die Welt in Schrecken versetzt. Was für ein Verbrechen! Barbarisch? Ja. Unmenschlich? Leider nein. Wir alle sind Lehrmeister des Grauens.

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wiseguyno1 06.02.2015, 10:26
220. Wenn schon, denn schon

Zitat von tmhamacher1
Es ist eine typische moralische Verirrung der Linken, die notwendigen moralischen Probleme eines grundsätzlich moralischen Handelns (z.B. die Bombadierung deutscher Städte im 2. Weltkrieg) zum Anlass zu nehmen, die Zuflucht im Pazifismus zu suchen und Moral höher zu hängen als Verantwortung. Dieses Schwarz-Weiß-Denken scheitert an der latent überkomplexen Realität, die uns zum Handeln zwingt. Gerade deshalb ist die Linke eben regierungsunfähig, weil sie sich einer Moral verschrieben hat, die an der Realität scheitert, und die Realität ist nicht schön, aber sie ist real.
Wenn Sie schon Kant in den Diskurs einbringen, dann sollten Sie aber auch dessen These mit anführen, dass es eigentlich kein 'gutes' oder 'moralisches' Handeln an sich gibt, sondern allenfalls nur der jeweilige Wille dahinter als 'gut 'oder 'moralisch' angesehen werden kann.
Man kann aus einer Handlung selbst nicht dessen moralische Intension ableiten.

ZB allein die Bombardierung selbst als 'moralisch' einzustufen, greift viel zu kurz. Was zählt ist der dahinter stehende Wille. Man kann neben einem 'guten Willen' den Krieg (und somit weiteres Leid) abzukürzen genau so gut einem 'bösen Willen' des Leids der bombardierten Zivilbevölkerung als reines 'Mittel zum Zweck' gegenüber stellen.
Gleiches gilt auch für den Pazifismus. Ist es wirklich reiner Friedenswille (gut) oder lediglich Feigheit, sich dem Terror entgegen zu stellen (böse).

Sogar Ihre Aussage kann man kurioserweise nach dem gleichen Prinzip betrachten: Wollen Sie nur aufzeigen, dass der Pazifismus (der Linken) keine allgemeingültige Lösung darstellt oder nutzen Sie lediglich eine schöne Gelegenheit, um auf eine unliebsame politische Partei verbal einzudreschen.

Sehe ich mir Ihre anderen Forenbeiträge an, so muss ich hier leider Letzteres vermuten...

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klartext22 06.02.2015, 10:28
221. Das dumme Wörtchen

Unvermeidbar, dass in solchen unappetitlichen Statements das auch in Talkshows so gerne genommene Wörtchen "wir" ständig auftaucht. Nein, Bruder Jakob: "Wir", das wäre der Großteil der Menschheit, der NICHT dazu in der Lage wäre, Greueltaten zu begehen. Nur, wenn ich mich mit aller Kraft verteidigen würde, wenn jemand mein Leben angreift, habe ich noch lange keine Bestie in mir.

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M. Michaelis 06.02.2015, 10:37
222.

Zitat von veritas31
Mich kotzt diese Heuchelei im Westen schon lange an. Der Pilot wurde von geisteskranken verbrannt -
Ich bezweifle dass dieser medizinische Befund für die Täter zutreffen dürfte.

Tatsächlich liegt die besondere Verwerflichkeit und Unvergleichlichkeit darin dass hier ein Mensch zum zwecke der öffentlichen medialen Inszenierung in einen Käfig gesperrt und angezündet, verschüttet und überfahren wird.

Solches kann man keinem westlichen Staat vorwerfen.

Augstein exkulpiert und entschuldigt die Täter indem er behauptet diese Taten seien nur die Spiegelung westlicher Untaten. Damit macht er sich letztlich ohne dies zu wollen zum Komplizen.

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mathiew69 06.02.2015, 10:40
223. also ich mag Augstein überhaupt nicht

aber so gaaaaanz unrecht hat er TEILWEISE nicht. Wenn ein Pilot eines Kampflugzeuges, welches vorher evtl. meine Familie gekillt hat, mir in die Hände fallen würde, naja ich würde ...... Das Problem Augsteins ist halt, alles immer so darzustellen, dass es in seine linke westenphobische Ideologie passt. Was wenn ein Bericht käme, eine Horde Deutscher hätte einen russischen Bomberpiloten (ja ich weiss das waren amerikanische und britische, ist ja nur ein Beispiel) übelst gekillt. Dann wären natürlich wieder diese bösen Deutschen die Bestien und der Pilot der Gute. Was einem Sorge bereiten kann ist, dass da evtl. "deutsche" Hobby/Outdoor-Erlebniskämpfer mitgemacht haben, die später wieder in den deutschen Fußgängerzonen und U-Bahnen rumlaufen.

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dr.d.magoge 06.02.2015, 10:41
224. Moralische Standpunkte

Alle empören sich über die linken Aussagen von Wagenknecht und Augstein.

Ich finde man muss nicht per se glauben, dass alle von uns (Westeuropäer) dazu fähig wären einen anderen Menschen auf grausamste Weise zu töten.

Das ist aber auch nicht wirklich das, was Wagenknecht und Augstein meinen.

Wir im Westen ruhen uns in der moralischen Hängematte aus im guten Gewissen im Recht zu sein.
Der IS ist eine Gruppe von Bestien, die mordend und brandschatzend durch die Gegend ziehen.
Verachtenswert... keine Frage.
Aber unsere scheinbare weiße Weste ist eben auch nicht so weiß wie sie gerne beschrieben wird.

Der Drohnenkrieg... darüber kann man sicherlich geteilter Meinung sein... die einen sagen Feige und hinterhältig... die anderen sagen effizient und sicher für die eigenen leute...
Guantanamo... und abu Greib( oder wie das hieß ) auf der einen Seite wollen wir natürlich infos über die üblen hintermänner des Terrorismus herausbekommen...
Auf der anderen seite werden Menschen gefoltert...
natürlich wird das nicht öffentlich gezeigt...
Ich denke wenn man zeigen würde wie der CIA oder ein anderer Geheimdienst ihre Gefangenen foltert, würde die Tonart hier im Forum auch ganz anders klingen.
Auf Youtube gibt es unzählige Einsatzvideos von Amerikanischen oder anderen Truppen in Afghanistan... da wird mit Hubschrauberwaffen und Artillerie auf Menschen geschossen auf bloße Vermutung dass es sich um Feinde handeln könnte.

Die Menschen, die sich hier darüber echauffieren dass unsere Truppen mit denen vom IS gleichgesetzt werden sollten zumindest wissen, dass auch unsere Einsätze eine dunkle Seite haben, die keiner gerne zeigt.
Die einen Töten Menschen aus völlig bekloppten religiösen oder pseudoreligiösen Gründen, die anderen, weil ein Vorgesetzter das befohlen hat.
Hat jemand der anwesenden schon einmal ein Opfer eines Scharfschützen oder eines Raketenangriffs aus der Nähe gesehen? Man darf davon ausgehen, dass die Opfer ähnlich unschön aussehen, wie der arme Pilot, der bei lebendigem Leib verbrannt wurde.

Ich glaube man kann sich darauf einigen, dass in einem bewaffneten Konflikt immer unschöne Dinge passieren. Auf beiden Seiten.
Und daher ist das Filmzitat von Herrn Augstein extrem gut gewählt. Weil dort genau das beschrieben wird.

Es geht nicht darum die Verbrechen der IS zu verharmlosen, es geht darum uns den Spiegel vorzuhalten damit wir nicht vergessen, dass wir nicht zu solchen Monstern werden dürfen.

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maxderzweite 06.02.2015, 10:41
225. Es ist doch normal,

wenn ich aus Berlin komme, sind 10 Tote Berliner näher für mich als 10 Tote Freiburger. So verhält es sich immer. In Nigeria sind 100Tote Deutsche auch kein Grund auf die Straße zu gehen. Zudem kommt es für mich auf das Motiv an, wollte die Bundeswehr Zivilisten töten, weil sie Kopftücher anhatten? Nein!
Wollten die Paris-Attentäter Charlie Hebdo angreifen und die Menschen, wegen ihrer Meinung töten? Ja!

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meier_7 06.02.2015, 10:53
226.

Sicherlich ist es vom sogenannten Westen verlogen, sich in moralischer Überlegenheit zu generieren und eine Änderung westlicher Außenpolitik ist genauso geboten, aber relativiert dies den Druck, endlich für eine bessere Welt zu kämpfen?! Und in dieser Welt haben nicht nur die grenzenlose Gier von Kapital und Macht, sondern auch der ideelle Faschismus religiöser Fanatiker keinen Platz.

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Bescheiden 06.02.2015, 10:54
227. Danke Herr Augstein

Hut ab für Ihren Mut, die Dinge beim Namen zu nennen.
Die Verlogenheit der Politiker und der Mainstream-Medien ist nicht mehr zu ertragen.

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FNagel 06.02.2015, 10:58
228. Das Echo auf diese nüchterne Feststellung verrät...

...daß wir nicht nur Lehrmeister des Grauens, sondern auch der Verdrängung und Projektion sind. Der Bösewicht ist unentbehrlich, um das quälende Bewußtsein der eigenen Bosheit entsorgen zu können.

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stand.40 06.02.2015, 10:58
229. Der Chat ,

zeigt immer wieder wie unterschiedlich die Meinungen der Kolumnen v.Hr.Augstein bewertet werden. Seine Vergleiche sind doch o.k. So auch von Sara Waagenknecht.Mord von wem auch immer ob IS oder andere die im eigenem Land Brüder auf Brüder hetzen und töten . Auch wer Waffen liefert ist beteiligt wenn auch nicht direkt aber indirekt . Wann hören diese Kriege auf ? Wer nicht mehr arbeiten muß und Zeit für die täglichen Berichte Reportagen u.Talkshows hat , den wird Angst und Bange.

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