Forum: Politik
Piloten-Mord: Das Grauen

Der Tod des jordanischen Piloten Moaz al-Kassasbeh hat die Welt in Schrecken versetzt. Was für ein Verbrechen! Barbarisch? Ja. Unmenschlich? Leider nein. Wir alle sind Lehrmeister des Grauens.

Seite 25 von 26
ihawk 06.02.2015, 11:51
240. Wie so oft: Keine Erwähnung der Ursachen

Ein beeindruckender Kommentar, nur einen deutlichen Hinweis auf die Ursachen die zur verwirrend schnellen Verbreitung des IS geführt haben und immer noch führen, bleibt vollständig ausgeblendet.
Städte wie Dubai und Abu Dhabi sollten als Mahnmale der pervertierten und korrupten Regierungsform dienen, denen der "normale" Mensch völlig egal ist und die Geldmengen auf eine relativ kleine Gruppe beschränkt ist die zufällig in die "richtige" Familie geboren wurden - da aber "existiert" Geld in schier unglaublichen Übermaß und Menschenverachtung lernen diese angeblich Privilegierten bereits beim Konsum der Muttermilch.

Beitrag melden
rkjeld 06.02.2015, 11:55
241. Intention?

Das Töten zu politischen Zwecken ist pervers, da kann man Augstein wohl kaum widersprechen. Wer aber ungewollte Zivilopfer eines Krieges durch fehlerhaften Drohneneinsatz gleichsetzt mit kaltblütigem und intentionalem Mord, stellt die Grundlagen unserer Moral auf den Kopf. Man muss das nur einmal umgedreht denken: Dann gäbe es auch historisch keinen Unterschied mehr zwischen US-Airforce-Bomberpiloten und Auschwitz-Lagerwächtern.
Ganz sicher hat "der Westen" die Moral nicht gepachtet, Menschenrechtsverstöße der Supermacht USA und auch anderer NATO-Nationen sind an der Tageordnung. Nur: Macht das den IS jetzt besser? Oder irgendwelche Terroristen in Afrika? Gibt der Zynismus der Bush-Außenpolitik den Terroristen das Recht dazu? Augstein ist ein bisschen arg auf Antiamerikanismus, NATO- und Israelkritik fixiert.

Beitrag melden
robins3 06.02.2015, 12:00
242. Grausamer Alltag

Dem Grauen eines lebendig verbrannten Menschen, den Körper in einem Autoreifen eingezwängt konnte sich der Zuschauer im ZDF am Dienstag/Mittwoch-Nacht nur durch Abschalten entziehen. "Savages-Im Auge des Kartells".
Ein Mosaikstein im Schreckensbildnis das die heutige Weltgesellschaft der Nachwelt hinterlässt.

Beitrag melden
lupenreinerdemokrat 06.02.2015, 12:18
243.

Zitat von rkjeld
Das Töten zu politischen Zwecken ist pervers, da kann man Augstein wohl kaum widersprechen. Wer aber ungewollte Zivilopfer eines Krieges durch fehlerhaften Drohneneinsatz gleichsetzt mit kaltblütigem und intentionalem Mord, stellt die Grundlagen unserer Moral auf den Kopf. Man muss das nur einmal umgedreht denken: Dann gäbe es auch historisch keinen Unterschied mehr zwischen US-Airforce-Bomberpiloten und Auschwitz-Lagerwächtern. Ganz sicher hat "der Westen" die Moral nicht gepachtet, Menschenrechtsverstöße der Supermacht USA und auch anderer NATO-Nationen sind an der Tageordnung. Nur: Macht das den IS jetzt besser? Oder irgendwelche Terroristen in Afrika? Gibt der Zynismus der Bush-Außenpolitik den Terroristen das Recht dazu? Augstein ist ein bisschen arg auf Antiamerikanismus, NATO- und Israelkritik fixiert.
Ich würde mal sagen, Sie haben den Text Augsteins wohl nicht so ganz richtig interpretiert, oder zumindest nicht genau gelesen.
Augstein verurteilt die Taten des IS genauso wie die der Militärmächte, die übrigens den IS erst aus der Taufe gehoben haben und unerklärlicherweise kaum Anstrengungen unternehmen, diesen zu bekämpfen.

Augstein geht es allerdings nicht um die Taten selbst, sondern darum, wie die Öffentlichkeit darauf reagiert.

Großes Entsetzen über den getöteten jordanischen Piloten (vor allem unserer Politiker).
Marginales Schulterzucken, wenn eine US-Kampfdrohne einmal mehr eine afghanische Hochzeitsgesellschaft ausradiert hat.

Es besteht ein Unterschied, dass erstere mit voller Absicht töten und bei den Drohneneinsätzen ein mehr oder weniger unabsichtliches Töten attestiert werden kann. Allerdings sollte man sich nicht immer hinter einem Versehen und "Kollateralschäden" verstecken, wenn klar ist, dass das System stinkt.

Beitrag melden
klangschmied 06.02.2015, 12:18
244.

Was wollen sie genau mit dieser Aussage, Herr Augstein? Weil die USA ungerecht ist, kann der IS nun auch seelenruhig Menschen bei lebendigem Leibe verbrennen, wie die Kirche im Mittelalter? Dass wir uns nicht mehr bemühen sollen, sondern aufgeben, weil der Mensch immer barbarisch sein wird? Meinen sie das ernst? Und wie genau ist der Horror eines Filmes mit der Realität vergleichbar? Würden sie diese Aussagen auch gegenüber der Familie des Verbrannten vertreten? Es lässt sich so schön auf den Menschen blicken und richten aus einem Glashaus der Sicherheit.
SIe haben zu dieser Entwicklung genauso beigetragen, wie die Linke, die Rechte und alle Unrechtsstaaten mit ihrer Akzeptanz des angeblich Unvermeidlichen. Vielleicht wird es Zeit, dass sie selbst mal da runter gehen und erfahren was Angst wirklich bedeutet. Ich war da. 10 Jahre lang.

Beitrag melden
sporty.hk 06.02.2015, 12:21
245. oh doch das wären Sie

Zitat von atech
"Wir" sind keine Barbaren: wir, das sind die Menschen, die nie dazu inder Lage wären, einen anderen Menschen zu foltern, Bomben auf Familien zu werfen oder einen Menschen bei lebendigem Leibe zu verbrennen.
In dem bemerkennswerten Film von Coppola den Augstein hier ins Felde führt fällt noch ein anderer wahrer Spruch: *Jeder Mensch hat seinen Zerreißpunkt. Sie und ich ebenfalls.* Ich versichere Ihnen, es gibt Umstände in denen Sie genau dazu in der Lage sind das zu tun, was Sie im jetzigen Moment für unvorstellbar halten.

Beitrag melden
BoomTschak 06.02.2015, 12:24
246. Verzerrte Wahrnehmung

Wir leben hier in Friede, Freude, Heiterkeit, ja nicht einmal in den Medien bekommt man die Abgründe der weltweiten kriegerischen Auseinandersetzungen zu sehen.
Ja, das Verbrennungsvideo ist außerordentlich abscheulich, dieser Mensch hat die Hölle erlebt - vor seiner Verbrennung und während dessen - möge seine Seele in Frieden ruhen!
Für uns verwöhntes Westvolk mögen die Bilder eines Menschen, der in der Feuerglut schmilzt, einzigartig grauenvoll anmuten.
Man sollte sich aber immer in Erinnerung behalten, dass viele der IS Kämpfer verbrennende Menschen nicht zum ersten mal sehen. Weil sie den Schrecken des Krieges miterleben mussten und sich an solche Bilder mittlerweile wohl schon gewöhnt haben, nur dass sie ihrer eigenen Familie beim Sterben zusehen mussten.
Nein, das ist ebenfalls wie Augsteins Kommentar keine Aufrechnung. Aber auf der Suche nach einer Lösung, im Bemühen um einen Weltfrieden, sollte man sich zuerst einmal in Selbstreflexion üben.
Der Westen hat in den letzten Jahren an vielen Orten vielen Menschen die Hölle bereitet. In Afghanistan. Im Irak. Im Gaza. Das Dumme dabei ist, dass all diese "chirurgisch" durchgeführten Militäroperationen alles andere als chirurgische Auswirkungen hatten! Die Zahl der umekommenen unschuldigen Zivilisten ist grauenhaft hoch, gehen in die abertausende. Alle diese Kriege des Westens waren in der Auswirkung außerordentlich grauenhaft für die Bevölkerung. Direkt, durch die Kriegshölle selbst als auch indirekt durch zerstörte Staaten und deren Infrastrukturen, die eine lebenslange Hölle weiterbestehen lassen.
Ich möchte hier nichts rechtfertigen, aber man darf doch nicht allen ernstes erwarten, dass es keine Gegenwehr nach völlig unverhältnismäßigen Kriegsschlägen geben wird.
Als Sahnehäubchen kommt oben drauf, dass der Westen bis heute nicht damit aufhört, unverhätnismäßig schreckliche Kriegsschläge durchzuführen - in Form von Drohnenkriegen, die wesentlich mehr Unschuldige tötet als tatsächliche Terroristen. Und man muss dabei die Qualität der Angriffe betrachten. Es ist nicht etwa so, dass diese Drohnenkriege in einer ausgewiesenen Kriegsfront durchgeführt werden, von der Unbeteiligte fliehen könnten. Nein, sie werden im gesamten Staat durchgeführt in der gesamten Gesellschaft, praktisch überall. Das Bewusstsein, als Unschuldiger jederzeit getötet werden zu können, ist immer präsent. Dagegen ist die westliche Angst vor Terroranschlägen wohl eher Kindergeburtstag in der Krabbelgruppe.
Ich kann Augsteins Argumentation sehr gut verstehen. Wenn man sich über die Gräuel des IS echauffiert, muss man auch die Gräuel der eigenen Reihen ebenfalls bedenken! Nur so kann es auf der Welt wieder einmal friedlicher zugehen!
Wer hier nun jegliche Selbstkritik als Antiamerikanismus unterstellt, die Gräuel aus eigener Reihe verharmlost und immer nur die Anderen als Bestien ansieht, gegen die etwas getan werden muss, befeuert die Kriege nur weiterhin!

Beitrag melden
clausbremen 06.02.2015, 12:59
247.

Zitat von galahad610
und ich dachte schon die Wagenknecht wäre übel,weil sie uns,die wir versuchen frieden und Wohlstand zu bringen,so in die Pfanne haut,aber sie sind NOCH schlimmer: während der westen versucht frieden zu stiften,gleichberechtigung und ähnliches,sind sie sich nicht doof genug um uns mit denen gleichzusetzen. mann muss sich das mal vorstellen,auch wenn es makaber klingt: bei einem angriff werden durch uns (auch) unschuldige getroffen und getötet...das ist bittere Realität...und deswegen sind wir genauso gut oder schlecht wie diese vollkommen schwachsinnigen des is,die wissentlich und vorsätzlich einen gefangenen bei lebendigem leib verbrennen? JA,sie haben ohnehin ein vollkommen verschobenes Weltbild,aber jetzt tun sie mir auch noch leid...und sie beleidigen ihren großen Nachnamen..mann,einpacken!
Das kann man - das MUSS man - kommentarlos und uneingeschränkt unterstützen. Besser lässt sich das Wuseln und Irrlichtern Augsteins nicht kritisieren.

Beitrag melden
stand.40 06.02.2015, 13:15
248. Wer standig an Augstein

kritik übt , liest aber immer wieder seine Kolumnen. Sollte seine Nerven schonen . Auch mit der Aussage : Er mag die Amerikaner nicht. Wer die Amerikaner mag , ist selbst schuld !!!

Beitrag melden
sunabi0404 06.02.2015, 13:23
249. Auf die Sichtweise kommt es an

Hr. Augstein spricht wie so oft in seinen Kolumnen einen entscheidenen Punkt an. Eine Gewalteskalation entsteht nie aus dem nichts heraus, sondern entwickelt sich immer aus vorhergehenden Gewaltakten und aus einer falschen Schlussfolgerungen der jeweiligen moralischen Sichtweise. Wenn in Afganistan durch einen amerikanischen Drohnenangriff, der urprünglich dazu dienen sollte, die terroristische Gefahr zu bekämpfen, unschuldige Menschen ums Leben kommen, dann mag das für westliche Betrachter "nur" ein Kollateralschaden sein, der einem höheren moralischen Zweck gedient hat. Für den afganischen Familienvater, der dadurch Frau und Kinder plötzlich auf brutale Weise verloren hat, ist es dagegen ein terroristischer Akt seitens der Amerikaner.
Aus diesem Grund hat Fr. Wagenknecht völlig recht mit ihrem Vergleich. Wenn wir uns darüber Gekanken machen, in welcher Welt wir zukünftig leben wollen, dann müssen wir uns diesen Betrachtungsweisen stellen. Das hat rein gar nichts mit "realitätsfremd" zu tun, wie viele Foristen hier meinen. Leider reicht das intellektuelle Niveau der meisten Politiker (wie z.B. der im Artikel erwähnte Hr. Oppermann) auch nicht aus, eine moralische Selbstreflexion durchzuführen für die Dinge, die in der Vergangenheit falsch gemacht wurden und die das heutige Terrorproblem erst erschaffen haben.

Beitrag melden
Seite 25 von 26
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!