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Podcast "Stimmenfang": Wie einig sind sich Ost- und Westdeutsche eigentlich?
Lutz Schmidt/ AP

Wer die wirtschaftlichen Zahlen betrachtet, sieht auch 30 Jahre nach dem Mauerfall klare Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. Aber wie weit ist die gefühlte Einheit?

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thomas_rettenmund 03.10.2019, 19:08
1. Muss den wirtschaftliche "Einheit" bestehen?

Als Schweizer, im Ausland lebend, verfolge ich diese Entwicklung aufmerksam. Mir scheint, dass der Fokus ständig auf wirtschaftliche Faktoren und deren Gleichheit orientiert, komplett daneben ist. Auch im Westen, vom Süden zum Norden des Landes gibt es deutliche Unterschiede. Ist in der Schweiz so, auch in Holland und eigentlich überall. Also, es wird weder bei den Einkommen je eine totale "Gleichheit" bestehen, auch nicht bei den Renten! Wichtig sind die Lebenserhaltungskosten im Verhältnis zu Einkommen und Rente.
Was ich aber entscheidend finde ist die Wertschätzung, das Verständnis und, auch von zentraler Bedeutung, dass in den Führungsgremien in Politik, Lehre und Wirtschaft die Mehrheit von "Ossis" präsent sein müssen. Das scheint mir überhaupt nicht der Fall zu sein.
Auch müssten massive Programme gegen die Entvölkerung gestartet werden. Nicht durch die Bundesregierung, nicht durch die Länder, sondern - mit den nötigen Mitteln ausgestattet - durch die Gemeinden. Denn nur die wissen was nötig und möglich ist. In Deutschland ist das ganze System viel zu "Kopflastig", d.h. von Oben nach Unten. Etatistisch nennt man das auch.

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garfield53 03.10.2019, 20:16
2. mmm

Was bedeutet "einig" sein als "Deutsche" im "vergrößerten"Westdeutschland.
Das "zufällig" 1945 aus geostrategischen und ideologischen Gründen die "Trümmer" des zu Recht untergegangenen faschistischen Deutschland über 40 Jahren "Freilandversuch" und Spielball amerikanischer und sowjetischer Interessen in zwei anscheinend "unabhängigen"Staaten war, ist allseits bekannt und belegt.
Das die Sowjetunion aus reinen wirtschaftlichen "Überlebensgründen" ihre "Kriegsbeute" im gesamten Osten Europas angesichts der gigantischen und noch nicht entgültig bezifferten menschlichen und wirtschaftlichen Verluste brauchte ( die DDR trug bis weit in die fsechziger Jahre gigantische Reparationskosten und -leistungen, welche die eigene wirtschaftliche und soziale Entwicklung hemmte ) und im Gegenzug "Westdeutschland", trotz materiellen und wirtschaftlichen Verlusten in Italien, Griechenland, Großbritannien von der gigantischen anmerikanischen "Kriegsindustrie" aus reinen ideologischen Gründen profitierte, ist bekannt und belegt.
Die gewollte eilig umgesetzte s.g. "Entnazifizierung" weiter Teile der westdeutschen Wirtschaftselite, welche gigantisch am 2. Weltkrieg verdient hatten, einschliesslich der Sklavenarbeit hunderttausender Häftlinge und Zwangsarbeiter, kalter Kaffee, das hunderttausende faschistische Beamte, Pädagogen, Militärs und Funktionäre der NSDAP und aller Gliederungen die "neue" Bundesrepublik in weiten Teilen mit "aufgebaut" und beeinflusst haben, alte Geschichten.
Dabei mit allen Möglichkeiten und Mitteln, als willige Handlanger der geostrategischen Interessen USA und GB im s.g. Kalten Krieg", alles weltweit und bis Anfang der Siebziger zu tun, der DDR mit ihren äußerst bescheidenen materiellen, politischen und finanziellen Möglichkeiten, auch wegen der "begrenzten" politischen Entscheidungsgewalt durch die Sowjetunion, zu schaden und bis 1961 durch die "scheunentoroffenen" sprichwörtlich die Luft abzudrehen, bestreitet mittlerweile kein seriöser Historiker,
Das unter diesen Umständen Millionen ehemalige DDR-Deutsche trotz der "Faselei" von einen Volk und der bis heute nur stückweisen Bewältigung unserer faschistischen Vergangenheit, ihre "Probleme" mit dem "wiedervereinten" Deutschland haben, ist nicht weg zu jubeln.

Abenteurer, Hasardeure und drittklassige Politiker aus Westdeutschland haben die kapitulierte DDR deindustriealisiert und mit medialer und politischer Unterstützung, auch ostdeutscher "Williger", gesellschaftlich und politisch fast irreparabel geschadet.
Populistische, rassistische und gar neofaschistische Entwicklungen und Tentenzen wurden, da man sich der politischen Macht in den "neuen" Ländern sicher war, weitgehend ignoriert.
Auch mit eine Ursache, warum die westdeutschen politischen und wirtschaftlichen Eliten weitgehend panisch und kopflos auf der "Bedrohung" ihrer Macht reagieren.
Wo soll da eine "deutsche" Einheit entstehen, wenn auch heute noch ca. 50 % der "Westdeutschen" Unkenntnis und Desinteresse zeigen und die in 40 Jahren gewachsene scheinbare "materielle" Überheblichkeit viellerorts noch Maßstab aller Dinge sind.

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H21K 03.10.2019, 20:23
3. Enttäuschung war vorhersehbar

Wer Kanzler Kohl die in drei Jahren versprochenen "blühenden Landschaften" abgenommen hat, der ist jetzt bitter enttäuscht. Das habe ich von Anfang an kommen sehen. Viel zu viele "Ossies" waren einfach zu blauäugig. Vieles ist nach der Wiedervereinigung falsch gelaufen, aber an mangelnder Solidarität der Wessi-Bevölkerung lag das nicht. Die Soli-Milliarden zeigen ihre Wirkung. Bisher habe ich allerdings noch kein anerkennedes, geschweigen denn ein Dankeswort aus dem Osten vernommen. Man ist dort dabei, in blinder Wut einen zweiten Fehler zu begehen , indem man rechten Hazardeuren nachläuft und deren Heilsversprechungen glaubt.

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brooklyner 03.10.2019, 20:50
4.

Die Unterschiede im Denken und Auftreten kann man eigentlich täglich gut auf Radioeins in Berlin hören. Da gibt es diese Ex Mitläufer Ostalgiker, die immer von DT64 schwadronieren wie Marion Brasch, Knut Elstermann und sein trauriges Sidekick oder den Verkehransagestyp, der dann neulich bei Serdar Sumuncu zu Gast war und sich nicht entblödete, pauschal zu behaupten, Ostdeutsche hätten eine grössere Allgemeinbildung, dies aber auf Nachfrage dann nicht untermauern konnte. Oder so Leute wie diese Hohlbirne Flake (bedeutet im Englischen übrigens Depp) von Rammstein, der Wessis hasst und das in seiner Schlichtheit auch noch kundtun muss. Und dann gibt es offene und lustige Moderatoren, die meist aus dem Westen kommen, intelligent, schlagfertig und gewinnend. Es gibt Ausnahmen wie Gotti Gottschild (ein grossartiger Typ), aber als täglich Hörender ist das schon sehr auffallend und peinlich provinziell für einen eigentlich guten Sender.

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vitalik 03.10.2019, 21:08
5.

Zitat von thomas_rettenmund
Als Schweizer, im Ausland lebend, verfolge ich diese Entwicklung aufmerksam. Mir scheint, dass der Fokus ständig auf wirtschaftliche Faktoren und deren Gleichheit orientiert, komplett daneben ist. Auch im Westen, vom Süden zum Norden des Landes gibt es deutliche Unterschiede. Ist in der Schweiz so, auch in Holland und eigentlich überall. Also, es wird weder bei den Einkommen je eine totale "Gleichheit" bestehen, auch nicht bei den Renten! Wichtig sind die Lebenserhaltungskosten im Verhältnis zu Einkommen und Rente. Was ich aber entscheidend finde ist die Wertschätzung, das Verständnis und, auch von zentraler Bedeutung, dass in den Führungsgremien in Politik, Lehre und Wirtschaft die Mehrheit von "Ossis" präsent sein müssen. Das scheint mir überhaupt nicht der Fall zu sein. Auch müssten massive Programme gegen die Entvölkerung gestartet werden. Nicht durch die Bundesregierung, nicht durch die Länder, sondern - mit den nötigen Mitteln ausgestattet - durch die Gemeinden. Denn nur die wissen was nötig und möglich ist. In Deutschland ist das ganze System viel zu "Kopflastig", d.h. von Oben nach Unten. Etatistisch nennt man das auch.
Sie haben Recht, dass es in Deutschland viele Regionen mit unterschiedlichen Wirtschaftkraft usw. gibt. Der Unterschied ist aber, dass die Unterschiede zwischen zB Nord und Süd nicht schriftlich festgehalten sind. Es gibt keine Trennung nach Süd/Nord Rente, aber eben eine nach Ost und West. Dabei geht es nicht darum, dass der Osten mehr Geld bekommt, sondern darum, dass der Rentenpunkt am Ende genau so viel Wert ist. Ich weiß nicht, ob Sie sich mit dem deutschen Rentensystem auskennen, aber in Deutschland werden Rentenpunkte gesammelt, die am Ende die Höhe der Rente bestimmen. Aktuell sieht es folgendermaßen aus:
JahrRentenwert (West)Rentenwert (Ost)
201731,03 €29,69 €
201831,99 €30,65 €
201933,05 €31,89 €

Das sind institutionelle Benachteiligungen, die abgeschafft werden sollten.

Auf der anderen Seite sehe ich (im Gegensatz zu Ihnen) keine Notwendigkeit irgendwelcher Quoten oder Subventionen für Ostdeutsche. Wenn man Regionen subventionieren will, dann sollte man einen Schlüssel finden, der alle Regionen in Deutschland abdeckt, die diese benötigen. Gezielte Regionenförderungen ist besser als das Gieskannenprinzip für den Osten.

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madwupper 04.10.2019, 11:17
6. Wie einig sind sich Ost- und Westdeutsche eigentlich?

Eigentlich gut, doch die Regierung trägt schuld das es zu immer wieder Streitigkeiten kommt Unterschiede im Verdienst zu viele Kriminelle Ausländer, die man längst abgeschoben haben könne, auch viel kriminelle Immobilenmarkler Berlin, sollte man auf die Finger gucken woher die die Gelder haben und warum die Kaufen wie Kaugummi im Kiosk z.B. Mieten steigen rasant durch dunkle betrügerische Finanz, vielleicht aber auch Geldwäsche durch Drogen Vitamindrogen Ecstasytabletten Geschäftemachereien, Scheinläden aufmachen wie Läden aller Arten auf machen, da muss die Regierung nun mal jetzt aufräumen, es kann auch nicht sein, dass immer Mehr Türken Häuser kaufen könnten, woher haben die das Geld geräubert? Da muss schnellsten was gemacht werden. Kommen hier her sitzen 2 Jahre in Arbeit und dann in HartzIV und fahren dicke Fahrzeuge, warum ignoriert man das, warum lässt man das links liegen? Es kann nicht sein das ein 20-30 J Türke Albaner Iraker etc. einen 125.000 Fahrzeug fahren könnte Häuser kauft ! Bei den Arabischen haben die das mittlerweile im kleinerem Griff. Doch die Dunkelziffer hier in 16 Bundesländer ist davon weit höher betroffen als die Justiz Regierung glaube, dass wäre es.

Warum schaltet der Justizminister auf Stumm, wenn es um größere Kriminalität ginge? Die Hosen voll?

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ulrich-lr. 06.10.2019, 20:02
7. Historisches Gedächtnis

Zusätzlich kann nicht wegdiskutiert werden, wer damals wen draußen gelassen hat. Die Bundesrepublik wurde am 23.Mai 1949 ausgerufen. Völlig ohne Rücksprache oder gar Beteiligung ostdeutscher Kräfte. Die Ossis blieben draußen. Damit war die Teilung erst einmal perfekt. Die DDR wurde hektisch am 7.10.1949 gegründet. Zugunsten der Westbindung wurde auch das österreichische Modell für ein einheitliches Deutschland von der Bundesregierung abgelehnt. Dann wäre ja ev. auch die dünne Mehrheit für die CDU futsch gewesen. NATO wäre dann auch nicht drin gewesen. Einheit ging also gar nicht. So hatten wir 40 Jahre lang einen super kalten Krieg mit der Option, dass Deutsche eines Tages auf Deutsche schießen.

Und dann die vielen herrlichen westlichen Sanktionen und Embargos, unter denen die ostdeutsche Wirtschaft litt. Mal waren's die Röhren, bestimmte Metalle, dann Hightech. Irgendwas war immer. Da ist es schon drollig, wenn der vom Westen gewollte desolate Zustand ab 1990 genau im Westen angeprangert wird. Ja, selber schuld. - So ein kleines bisschen, gell? Hat man nicht gedacht, dass man sich - zeitlich verzögert - ins später eigene Fleisch schneidet?

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ulrich-lr. 06.10.2019, 20:03
8. Historisches Gedächtnis

Zusätzlich kann nicht wegdiskutiert werden, wer damals wen draußen gelassen hat. Die Bundesrepublik wurde am 23.Mai 1949 ausgerufen. Völlig ohne Rücksprache oder gar Beteiligung ostdeutscher Kräfte. Die Ossis blieben draußen. Damit war die Teilung erst einmal perfekt. Die DDR wurde hektisch am 7.10.1949 gegründet. Zugunsten der Westbindung wurde auch das österreichische Modell für ein einheitliches Deutschland von der Bundesregierung abgelehnt. Dann wäre ja ev. auch die dünne Mehrheit für die CDU futsch gewesen. NATO wäre dann auch nicht drin gewesen. Einheit ging also gar nicht. So hatten wir 40 Jahre lang einen super kalten Krieg mit der Option, dass Deutsche eines Tages auf Deutsche schießen.

Und dann die vielen herrlichen westlichen Sanktionen und Embargos, unter denen die ostdeutsche Wirtschaft litt. Mal waren's die Röhren, bestimmte Metalle, dann Hightech. Irgendwas war immer. Da ist es schon drollig, wenn der vom Westen gewollte desolate Zustand ab 1990 genau im Westen angeprangert wird. Ja, selber schuld. - So ein kleines bisschen, gell? Hat man nicht gedacht, dass man sich - zeitlich verzögert - ins später eigene Fleisch schneidet?

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k70-ingo 06.10.2019, 21:46
9.

Zitat von ulrich-lr.
Zusätzlich kann nicht wegdiskutiert werden, wer damals wen draußen gelassen hat. Die Bundesrepublik wurde am 23.Mai 1949 ausgerufen. Völlig ohne Rücksprache oder gar Beteiligung ostdeutscher Kräfte. Die Ossis blieben draußen. Damit war die Teilung erst einmal perfekt. Die DDR wurde hektisch am 7.10.1949 gegründet. Zugunsten der Westbindung wurde auch das österreichische Modell für ein einheitliches Deutschland von der Bundesregierung abgelehnt. Dann wäre ja ev. auch die dünne Mehrheit für die CDU futsch gewesen. NATO wäre dann auch nicht drin gewesen. Einheit ging also gar nicht. So hatten wir 40 Jahre lang einen super kalten Krieg mit der Option, dass Deutsche eines Tages auf Deutsche schießen. Und dann die vielen herrlichen westlichen Sanktionen und Embargos, unter denen die ostdeutsche Wirtschaft litt. Mal waren's die Röhren, bestimmte Metalle, dann Hightech. Irgendwas war immer. Da ist es schon drollig, wenn der vom Westen gewollte desolate Zustand ab 1990 genau im Westen angeprangert wird. Ja, selber schuld. - So ein kleines bisschen, gell? Hat man nicht gedacht, dass man sich - zeitlich verzögert - ins später eigene Fleisch schneidet?
Also ist der Westen am desolaten Zustand der Zone schuld - nicht etwa 45 Jahre Sozialismus?

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