Forum: Politik
Politbeben in Österreich: Wiener Geschnetzeltes
imago/ imagebroker

Die FPÖ-Minister sind entlassen, Bundeskanzler Kurz will nun mit einer Übergangsregierung weitermachen bis zur Neuwahl. Doch am Montag könnte ihm der Sturz per Misstrauensvotum drohen.

Seite 1 von 5
joes.world 21.05.2019, 20:04
1. Das Urlaubsvideo der Burschen aus Ibiza

könnte mittelfristig der FPÖ sogar gut tun.

Denn so mussten zwei gehen, die - neben dem Unentschuldbaren in dem Video - auch sonst Problemfälle für die Gemäßigteren in der FPÖ waren. Hofer, der nun übernimmt, hat zwar zu lange dafür gebraucht, ist nun aber strikt für die Entlassung aller Funktionäre aus der Partei, die jetzt noch mit zu rechten Sprüchen auffallen.

Strache war so weit noch nicht. Hat er doch mit Gudenus einen strammen Rechten zum Fraktionschef seiner Partei gemacht. Dessen bekannt schlechtes Verhältnis zur Intelligenz war für Strache weniger wichtig als dessen Loyalität. Ein Treppenwitz der Geschichte nur, dass es die Dummheit des Gudenus war, über die Strache stürzte. Führte er doch Strache die scharfe, reiche Braut aus dem Osten zu.

Gudenus ist einer, der die Krim gleich nach der Besetzung durch Russland besuchte und das geschobene Referendum über ihren Anschluss an Putins Russland als "unabhängiger" Wahlbeobachter beobachtete. Und als fair und demokratisch beurteilte. Er zeigte also schon hier, was für ein Demokratieverständnis er hat.

Kurz wusste genau, als er die Koalition mit der SPÖ sprengte und zur FPÖ schritt, auf was und vor allem wen er sich da einlässt!

Durch das Video sieht nun ganz Österreich ,wessen Geistes Strache und Gudenus sind. Und als sie entfernt wurden, war das eine Möglichkeit, die FPÖ ein wenig weniger rechts zu drehen. Mit Hofer. Das hätte Kurz in Zukunft das Regieren sogar leichter gemacht! Die gesamte Koalition wäre ein Stück weit bürgerlicher und weniger dump-rechts geworden. Durch den Abgang des rechten Vizekanzers und des noch rechteren Gudenus aus der Fraktionsführung.

Was aber machte Kurz? Er zeigte nun sein wahres Gesicht. (Auch das eine Folge dieses Videos). Bot der FPÖ erst an, weiter mit ihr zu regieren, wenn nur Strache und Gudenus gehen. Als die aber stante pede entsorgt wurden, glaubte Kurz noch mehr heraus holen zu können. Er pokerte und wollte auch das Innenministerium von der FPÖ. Ein Affront und eine Demütigung des kleineren Regierungspartners, dessen Funktionären und Stammwählern die strikte Einwanderungspolitik dieses Miniseriums so wichtig waren. Hätte Kurz sich da durchgesetzt - wäre es in der FPÖ zu einem Aufstand der Basis kommen können. Bis hin zu einer neuerlichen Parteispaltung.

Kurz wurde auch von ÖVP-Ministerpräsidenten schlecht beraten. Unter Druck gesetzt? Denn die ÖVP hatte viele Jahre das Innenministerium inne und viele eigene Leute dort untergebracht. Und fürchtete, dass ihre Leute ausgetauscht werden könnten.

Nur sind ÖVP-Ministerpräsidenten nie objektive Ratgeber für einen Parteichef. Immer schon war denen die eigenen, rein persönlichen, Machterhaltsinteressen wichtiger als das Gesamtinteresse der Bundespartei.

Kurz alleine unter Haien.

So ließ Kurz sich falsch beraten, überzeugen, pokerte wieder mal und dachte wohl, dass ein Wunderkind wie er das alles hinbekommt. Und nach der nächsten Wahl noch stärker wird.

Wir werden sehen, wie das alles endet. Im September.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
joes.world 21.05.2019, 20:10
2. Vielleicht haben die Österreicher Glück

und das illegale Video kann wie eine Medizin für die gesamte Ösi-Politik wirken. Eine Möglichkeit zur Karthasis für eine Machtbesessene Politiker-Clique. Wo bisher fast jeder zuerst an sich und kaum einer an den Staat dachte. Zu hoffen, dass dieses Video und vor allem desen Auswirkungen wenigstens ein paar Politiker heilt - wäre zu vermessen. Aber vielleicht hilft es ein paar Aufrechten, ein wenig mehr über die eigenen Fehler nachzudenken, ins Grübeln zu kommen, ob man wirklich so werden wollte, wie man heute ist, als man vor vielen Jahren in die Politik ging.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
oligol127 21.05.2019, 20:10
3. Glückwunsch zum Titel...

Wiener Geschnetzeltes...
...wenn dieser Titel nicht wie die Faust aufs Auge passt, dann weiss ich auch nicht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
widder58 21.05.2019, 20:23
4. Was ist eigentlich passiert?

Vorteilnahme, Versprechungen, eine übel konstruierte Falle um sie politisch zur Europawahl auszuschlachten. Der einzige Unterschied zu ähnlichen Geprächen des gesamte politischen Spektrums ist, dass sich Strache und Co. haben erwischen lassen. Ansonsten sind schlüpfrige Angebote schon immer Teil der Politik gewesen. Diejenigen, die sich heute als Saubermänner profilieren wollen könnten schon in Kürze ähnliche Erfahrungen machen. Also mal schön den Ball flach halten.
Die Art und Weise wie Strache vorgeführt wurde ist auch nicht gerade die feine Art der politischen Gegner.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
RolandScholten 21.05.2019, 20:42
5. Österreich plotzlich so wichtig wie noch nie

In den vergangenen zwei Jahrzehnten wüsste ich nicht, wann österreichische Innenpolitik in Deutschland jemals eine Topschlagzeile wert gewesen wäre. In den letzten Tagen lese ich auf Spiegel Online jedoch fast nichts anderes. Ist Österreich plötzlich so wichtig, oder versucht man hier einfach den eigenen Exklusiv-Coup weiter auszukosten und aufzuwerten?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Neandiausdemtal 21.05.2019, 20:52
6. Echt schwierig!

Auch aus Sicht der SPÖ sollte m. E. einiges bedacht werden.
Möglicherweise wäre es ein kluger Schachzug eine ÖVP-Minderheitsregierung zu stützen. Dafür kann man sich garantiert was einkaufen und stünde hinterher noch als verantwortungsvolle und staatstragend da. Nachteilig wäre natürlich, dass Kurz dann mit Kanzlerbonus ins Rennen ginge. Andererseits ist der sowieso beliebt und würde den Sozialdemokraten im Falle der Nichtunterstützung eine Dolchstoßlegende anlügen. Und nach der Neuwahl kann es passieren, dass eine Minderheitsregierung immer noch die einzige Möglichkeit ist, sollte sich die SPÖ weiter verweigern, was sehr verständlich wäre. Rot - Grün ist bei den Ösis wohl eher unwahrscheinlich.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
claus7447 21.05.2019, 21:24
7. Nur falls sie es nicht mitbekommen haben

Zitat von RolandScholten
In den vergangenen zwei Jahrzehnten wüsste ich nicht, wann österreichische Innenpolitik in Deutschland jemals eine Topschlagzeile wert gewesen wäre. In den letzten Tagen lese ich auf Spiegel Online jedoch fast nichts anderes. Ist Österreich plötzlich so wichtig, oder versucht man hier einfach den eigenen Exklusiv-Coup weiter auszukosten und aufzuwerten?
Österreich war das versuchslabor wie und ob man mit rechtsextremen Parteien eine erfolgreiche Koalition führen kann. Labor Nr. 2 ist Italien. Da haben die Lega Bakterien die 5 Sterne schon ziemlich verkleinert.

Ist doch interessant.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Michiko 21.05.2019, 21:27
8. In dem einen Blatt torkelt Kurz, für die...

...Öffentlich-Rechtlichen ist die Situation für Kurz sehr gefährlich und für den SPIEGEL droht ihm der Sturz.
Geradezu putzig, wie Progressive sich Schreckensszenarien für Kurz ausmalen.
Man kann drüber diskutieren, ob's klug war, mit der FPÖ eine Koalition einzugehen.
Richtig war es jedenfalls, Kickl den Stuhl vor die Tür zu setzen, selbst um den Preis des eigenen Jobverlustes.
Kurz hat Chuzpe und sollte es tatsächlich zu einem Mißtrauensvotum kommen, wird weder die SPÖ, noch die FPÖ Gewinner sein.
Kurz wird als alleiniger Sieger aus den Neuwahlen hervorgehen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
pavel1100 21.05.2019, 21:29
9. Hätten sie wohl gern?

Zitat von widder58
Vorteilnahme, Versprechungen, eine übel konstruierte Falle um sie politisch zur Europawahl auszuschlachten. Der einzige Unterschied zu ähnlichen Geprächen des gesamte politischen Spektrums ist, dass sich Strache und Co. haben erwischen lassen. Ansonsten sind schlüpfrige Angebote schon immer Teil der Politik gewesen. Diejenigen, die sich heute als Saubermänner profilieren wollen könnten schon in Kürze ähnliche Erfahrungen machen. Also mal schön den Ball flach halten. Die Art und Weise wie Strache vorgeführt wurde ist auch nicht gerade die feine Art der politischen Gegner.
Da will ein korrupter Parteivorsitzender und heutiger Viezekanzler sein Land an die russische Mafia verraten und sie wollen dass der Ball flach gehalten wird? Kommt gar nicht in Frage. Die Leute die Strache da vorgeführt haben kannten ihn wohl gut und wussten bereits vorher dass er korrupt ist. Nur so konnten sie ihn überführen. Danke, Spiegel für die Veröffentlichung.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 5