Forum: Politik
Politik und Alkohol: Tabubruch im Berliner Trinkbetrieb

"Ich bin alkoholkrank": Der CDU-Abgeordnete Schockenhoff bricht mit seinem mutigen*Bekenntnis ein Tabu.*Trinkende Politiker gibt es in Berlin zuhauf, doch niemand redet gerne darüber.*Beginnt jetzt eine neue Debatte über das Thema Sucht und Politik?*

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RDetzer 08.07.2011, 20:48
140. Was heißt

Tabubruch im Berliner Trinkbetrieb. Wird zwischendurch auch einmal nüchtern Politik gemacht? Am Ende noch, wie wir es erhoffen wollen. Oh Mann, das wäre ja volksnah!

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doublebass 08.07.2011, 20:49
141. titel

Zitat von Klaraussage
Das übliche Verhaltensmuster nach Trunkenheitsfahrten ist wie folgt zu beschreiben: einmaliger Ausrutscher; kommt nicht wieder vor; habe ein Gläschen zuviel getrunken; war eine Panne und dergleichen mehr. Insofern bleibe ich dabei: es ist mutig, sich zu seiner Suchtkrankheit zu bekennen, und mit genau Ihrer Reaktion bestätigen Sie, daß man Mut braucht.

das hat er ja zunächst auch behauptet, nur 2 gläschen getrunken, und es war nicht seine erste alkoholfahrt.

erst als das ergebnis der blutprobe klar war (über 2 promille) gab er diese alkoholfahrt zu und trat die flucht nach vorne an. sie haben recht, dass ist typisch für suchtkranke menschen und ein schwerer schritt, aber mutig würde ich es dennoch nicht nennen wenn man diesen schritt erst macht wenn man derart in die enge getrieben ist, dass einem nichts anderes übrig bleibt. und auch das ist ganz typisch für suchtkranke menschen.

ich wünsche herrn schockenhoff und seiner familie gute besserung

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J-Créme 08.07.2011, 20:51
142. Hartz IV lässt sich (nicht) ertragen

Zitat von Eickert11
Nicht nur Politiker. Manager, gestresste Angestellte und Mitarbeiter mit Burn Out. Viele ertragen den Alltag, nur so. Ich trinke täglich 2 Liter :-) Das ist wie Fruchtsaft :-) Hartz 4 läßt sich so ertragen. Ich hab Tütenwein. Die Linke, die SPD und die CDU trinken Champagner. Die Investment Banker besuchen die Clubs. Die Versicherer machen die Lustreisen ( ERGO) + Alko. Also, macht kein Wirbel für die Abgeordneten. Alko überall.
Es ist aber so: Hartz-IV lässt sich NUR SO ertragen. Die 8-Riesen-im-Monat-Abgeordneten sollten sich an ihrem Erfolg, dem Geld, dem Prestige, ihrer Wichtigkeit genug berauschen können. Klar, dass sie auch Stress und viel Arbeit haben, aber dem können sie sich entziehen, wenn sie genug haben.

Hartz-IV-Empfänger können nicht Hinschmeißen, wenn sie genug haben. Es geht immer wo weiter - ohne Chance für die allermeisten. Was soll man da anders als Saufen?

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Haico 08.07.2011, 20:55
143. Ausreden

Zitat von sysop
"Ich bin alkoholkrank": Der CDU-Abgeordnete Schockenhoff bricht mit seinem mutigen*Bekenntnis ein Tabu.*Trinkende Politiker gibt es in Berlin zuhauf, doch niemand redet gerne darüber.*Beginnt jetzt eine neue Debatte über das Thema Sucht und Politik?*
Derer gibt es so viele von Verurteilern, die meinen, kein Problem damit zu haben um regelmäßig zu trinken:

"Das brauche ich, um mich abends zu enspannen, und die 4 halbe Bier sind am nächsten Tag weg."

"Ich trinke ja nur Wein. OK, einen Halben Liter am Abend, aber das ist etwas anderes, schmeckt einfach zum Essen."

Und ganz typisch für beginnende Alkoholiker aus "gehobenen" Kreisen: "Ich trinke ja keinen billigen Fusel, sondern etwas feines, um zu geniessen."

Unsere Politiker sind mit ihrem Alk-Konsum so lange tolleriert, wie sie nicht auffällig werden. Wenn sie es werden: Kreuzigen! Wie hält das jeder von uns normalen Menschen? Wir stehen nicht im Rampenlicht.

Aber auch Politiker scheinen mir nur ein Abbild unserer Gesellschaft zu sein. Quer durch alle Schichten.



"Wenn ich merken würde, das ich abhängig bin, würde ich es soforte lassen. Eine Frage des Willens."

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klabuebaer 08.07.2011, 20:55
144. titel

Zitat von friedericusrex
Wer über diesen Mann urteilen will, sollte sich mit seinem für mich abstoßenden Verhalten in seinem Wahlkreis beschäftigen.
Amüsieren Sie uns doch mit ein paar Details.

Zitat von friedericusrex
Wo sind wir eigentlich langsam gelandet, dass wir für alles und jeden Verständnis haben? - Ich kann so schon nicht mehr gut schlafen, wenn ich an diesen überhastigen Atomausstieg oder die Griechenlandhilfen denke. Wenn diese Entscheidungen nun auch noch von Alkoholikern getroffen werden - ein Alptraum!!!
Der Zusammenhang erschließt sich -jedenfalls mir- nicht. Gehen sie doch doch einfach mal davon aus, daß Alkoholismus nichts mit minderer Intelligenz, cerebralen Minderfunktionen oder ähnlichem zu tun hat.

Zitat von friedericusrex
Dieser Mann ist gesundheitlich und charakterlich für die ihm übertragenen Aufgaben nicht geeignet. Er sollte seine Konsequenzen ziehen und gehen!
Sagt wer? Sie? Wer sind Sie denn, daß Sie und Ihre Kristallkugel das beurteilen können. Aus u.A. Furcht vor diesem gesunden Volksempfinden (ein passenderer Begriff fällt mir jetzt spontan nicht ein) lassen viele ihre Krankheit treiben, bis sie wirklich ganz unten angelangt sind.

Denken Sie mal darüber nach.

btw: ich habe keine Probleme mit Alkohol (ohne auch nicht :-)), aber als Vorgesetzter schon das eine oder andere Drama begleitet und einiges dabei gelernt.

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J-Créme 08.07.2011, 20:59
145. Doch parlamentarische Demokratie

Zitat von veszprem
Hm, also ich lese aus dem Artikel 20 GG etwas anderes heraus: Wortlaut des Artikels 20 GG (1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat. (2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt. (3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden. (4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist
Wieso was anderes? Insbesondere (2) spricht doch von "Organen". Damit ist nicht jeder einzelne Wähler gemeint (ein Individuum ist kein Organ), sondern zweifellos der Bundestag, bestehend aus gewählten Volkvertretern. Zweckmäßigerweise vertretet ein Abgeordneter nicht nur sich selbst, sonst hätten wir zig Millionen Abgeordnete im Bundestag. Mann, wäre das teuer und ökologisch bedenklich!

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klabuebaer 08.07.2011, 21:03
146. ja, grünau

Zitat von ernstmoritzarndt
.... ich empfinde diese Diskussion als ziemlich peinlich. Quer durch unsere Gesellschaft vom sprichwörtlichen Straßenbauarbeiter bis zum Vorstandsvorsitzenden und Spitzenpolitiker sind Alkoholikerkarrieren fast die Regel. Pastoren, Ärzte, Rechtsanwälte - jeder ist betroffen. Im Ergebnis entscheidet sich die Frage der Alkoholabhängigkeit aufgrund bestimmter physischer und psychischer Komponenten, die mir nicht im Einzelnen bekannt sind. Insofern empfinde ich das "Aufgeplustere" einige Forumsteilnehmer als ziemlich pharisäerhaft. Die sollten sich einmal umschauen in ihrem engsten Umfeld: jeden Abend, den der Herr werden läßt, zwei drei Gläser Wein ("in Ehren...."), der einmal im Quartal 3 Tage vernehmungsunfähige Schwager ......, die nette Ehefrau und Nachbarin, die zweimal die Woche ihren Sektkreis mit Freunden hat ....., der Rechtsanwalt, der täglich mit seinem Partner zum Mittagessen in feinster Umgebung die Flasche .... leert, der Pastor, der nie Ausfallerscheinungen aufweist, aber ohne einen gewissen Grundpegel (man kann es meistens nicht riechen) zittrige Hände hat - nach den herkömmlichen medizinischen Definitionen alles Alkoholiker, sie fallen nur nicht auf.
trifft es auf den Punkt. Und alle streiten es nach meiner erfahrung vehement ab, Alkoholiker zu sein und schreiben vermutlich hier im Forum und plustern sich auf über jemanden, der die Flucht nach vorne angetreten hat.

Ich gönne jedem einzelnen sein Quantum Alk, aber bitte, bitte, nicht im Glashaus sitzen und mit Steinen schmeißen.

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achazvonthymian 08.07.2011, 21:05
147. Alkohol ist oft das billigste Getränk

Ich war heute bei ALDI ubd habe verglichen:

Limonade 1,5 L 0,35 EURO + Pfand

Milch 1 L 0,54 EURO

1 L Doppelkorn 2,95 EURO

Der Nährwert ist bei Doppelkorn am größsten, man spart sich ein richtiges Mittagessen, Hungergefühle kommen tagsüber kaum auf.

Solang die Diäten für Hinterbänkler so gering sind, sind sie zum Alkohol verurteilt.

Wer das beklagt, muss die Diäten erhöhen. Wer will das schon?

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weltexperte 08.07.2011, 21:06
148. Respekt

Ein sehr ehrlicher Bericht! Weiterhin viel Erfolg auf dem steinigen Weg!




Zitat von Haico
Zuerst um mich zu outen: Ich bin Alkohliker. Weitgehend trocken, aber nicht immer. Trotz mehreren freieilligen und ernstgemeinten Therapien. Viele werden nun sgen: Charakterschwäche. Ich lese hier Beiträge wie "Ich trinke jeden abend gerne eine Halbe Flasche Wein zum essen, würde ich merken, dass ich ohne das nicht mehr kann, würde ich sofort aufhören." Das regt mich auf. So ein Unsinn. Wenn man spürt, dass man ohne das nicht mehr kann, ist man schon abhängig... Und Alkoholfahrten? Laut Statistik wird nur jede 1000ste Alkoholfahrt mit dem Auto entdeckt. Und der größte Teil der Leute, die damit dann doch mal von einer Streife entdeckt werden, sagen dann: Einmal etwas zu viel getrunken und prompt erwischt. Noch mal so ein Unsinn. Niemand, der mit Alkohol im Strassenverkehr erwischt wird, hat das das erste Mal getan, meine feste Überzeugung. Und? Wirklich kein Problem damit? Natürlich nicht. Kavaliersdelikt, immer noch. Und bitte bitte, Verständnis, dass ich bei einmal trinken erwischt worden bin. Ich bein ja kein regelmäßiger Alkohol-Konsument. Kein Alki, auch wenn ich jeden Abend einen halben oder ganzen Liter Wein trinke und mich ohne das nicht wohl in meiner Lebensqualität fühle.... Ich als Alki habe seit über 30 Jahren noch meinen erstewn grauen Lappen, weil ich nicht betrunken hinters Lenkrad krabbele. Ich denke, viele, die sich nätürlich nicht für abhängig halten, sind den schon mal los geworden. Ich habe Respekt vor jedem, der bekennt, ein Problem mit der legalen und überall angebotenen Volksdroge Alkohol zu haben. Ich habe keinen Respekt vor Leuten, die mit dem Finger auf andere zeigen und sich keinen Feierabend ohne diverse Biere oder Gläser Wein und keinen Grillabend oder Vatertag ohne einen Kasten Bier vorstellen können. Und meinen, sie könnten jederzeit ohne, ohne es je über ein halbes Jahr probiert zu haben. Grüße an alle Pharisäer, die einfach nur weitertrinken wollen!

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Pat-Riot 08.07.2011, 21:08
149. Die Mühe nicht wert

Zitat von weltoffener_realist
Von der Pubertät bis ins hohe Alter herrscht in Deutschland informeller Trinkzwang, dem man sich nur mit Mühe widersetzen kann.
Kommt drauf an, was Sie unter Mühe verstehen. Ein einfaches "Nein, ich möchte jetzt nicht" ist für Sie schon "Mühe"? Nun, ein bisschen Zivilcourage gehört vielleicht dazu, aber schwimmen Sie auch sonst immer mit dem kräftigsten Strom? Ich habe noch nie Trinkzwang erlebt.

Wenn mir als Jugendlicher in den 1970ern einer ein Bier ausgeben wollte, aber nicht die von mir gewünschte Cola, dann eben nicht. Musste er halt alleine trinken.

Ich trinke Alkohol nur, wenn ich das wirklich will. Und ich will halt vergleichsweise selten - nicht aus moralischer Überlegenheit, sondern weil es meinem Körper und meinem Geist nach mehr als zwei Gläsern Wein nicht eben besser geht. Wird allgemein akzeptiert, ich habe bislang keinen Zwang gespürt. Nun gut, ich arbeite nicht auf dem Bau, nicht in einer Kneipe und nicht im Bundestag.

Es herrscht eine zweifelhafte Tendenz, mehr und mehr Selbstverantwortung für das eigene Tun an der Garderobe abzugeben. Immer sind die anderen schuld, die Gesellschaft, der Gruppenzwang. Eigenverantwortlich durchs Leben zu gehen, das wäre eine "Mühe", die sich lohnt.

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