Forum: Politik
Politische Borniertheit: Alles Nazis außer mir

Je gebildeter jemand ist, desto vorurteilsfreier blickt er auf die Welt - so die populäre Annahme. Experimente von Psychologen zeigen, dass genau das Gegenteil wahr zu sein scheint. Erklärt das vielleicht den Zustand des politischen Diskurses?

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nobody_incognito 24.01.2019, 18:12
130.

Zitat von syracusa
Fleischhauer-Zitat: "Der Hang zur Rechthaberei nimmt also, das muss man daraus folgern, mit dem Grad der Bildung nicht ab, sondern zu." Das, Herr Fleischhauer, hoffe ich aus tiefstem Herzen. Wozu sonst wäre Bildung denn gut als genau dazu, weniger Fehler als andere zu machen, also öfter als andere recht zu haben?
Irgendjemand muss ja Recht haben, bzw. die Vernunft für sich gepachtet haben. Vllt. will Herr Fleischhauer andeuten, dass es kein "richtig" und "falsch" gibt, sondern nur die Macht zu bestimmen was "richtig" und "falsch" ist. Im Zweifel sind wir sowieso nur amtlich zertifizierte Querulanten, bzw. nur die Nähe zur Macht bestimmt in wie weit wir überhaupt Recht haben können.

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phg2 24.01.2019, 18:13
131.

Zitat von muellerthomas
Das kommt nun ganz auf die Definitionen an. Ist Merkel eine Konservative oder doch eher sozialdemokratisch oder links? Und wenn Sie die Historie büer Jahrhunderte heranziehen: Im Vergleich zu früheren Jahrhudnerten, haben wir in Westeuropa seit Jahrzehnten nur noch liberale Politiker.
Gott ist gnädig und hat auch Konservativen Lernfähigkeit mitgegeben.

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logikmensch 24.01.2019, 18:13
132. Ein falscher Vergleich wird auch durch die Aufzählung von Pro und Kontra nicht richtiger

Rechte verurteilen Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, Herkunft und Sexualität. Linke verurteilen Menschen aufgrund ihrer Besinnung. Und das macht ein großer Unterschied! Jeder hat die freie Wahl sich der Identität von Linken anzuschließen - ja auch Nazis haben ein Recht sich zu besinnen. Die eigene Herkunft und Sexualität kann man nicht
ablegen. Rechte geben also einer bestimmten Gruppe von Menschen gar nicht die Möglichkeit sich zu "besinnen".
Wenn also der Vergleich schon keinen Sinn ergibt rettet ihn auch eine Pro und Kontra Liste nicht.

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luny 24.01.2019, 18:17
133. Aufgabe

Zitat von parsimony
Nicht jedes Urteil ist ein Vorurteil. Es erscheint doch wohl recht naheliegend, dass die eigenen Standpunkte dadurch geprägt sein könnten, dass man jeweils mehr Argumente für als gegen diese Standpunkte im Kopf hat. Da muss nicht erst postuliert werden, dass der eigene Standpunkt durch prähistorische Verhaltensmuster bedingt wäre und das dieser dann nur durch vermehrte Vorurteile begründet werden könnte.
Hallo Parmonysi,

die Aufgabe bestand darin, alle Argumente für und wider zu nennen,
unabhängig von der eigenen Meinung zur strittigen Frage.

Das stelle ich mir vor wie bei der Erörterung im Deutschunterricht.

Also These/Antithese/Synthese.

Im von Herrn Fleischhauer beschriebenen Experiment war die Liste
der Argumente, die die eigene Meinung stützen eben sehr viel länger
als die mit der Gegenmeinung.

LUNY

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nobody_incognito 24.01.2019, 18:19
134.

Zitat von frank.huebner
Tod der Diskussionskultur Das unfehlbare Selbstverständnis vieler Diskutanten heutzutage macht es fast unmöglich, mit Vertretern von Links, Rechts, Mitte etc eine sinnvolle, normale Duskussion zu führen. Jeder informiert sich zu oft in seiner Social Media-Blase, fühlt sich ständig bestätigt, wird in seiner Meinung betonhart gefestigt. Und jeder, der nicht dessen Meinung ist, ist automatisch ein Nazi, ein linksgrünversiffter Gutmensch, ein Opportunist. Ich ahbe es selbst so oft erlebt, dass sich die Menschen genau erklärter Argumente nicht mehr zugänglich zeigen. Das gilt für alle Seiten. Die Presse und die Politik sind da auch nicht ganz unschuldig dran.
Ein "faktsiches" Zeitalter gab es ohnehin noch nie, insofern ist es auch Humbug von einem "postfaktischen" zu sprechen. Das Problem liegt in der Subjektivität, d.h. als wahr gilt das was einem in den Kram passt. Und solang es funktioniert, ist es Beweis genug. Auch eine Frage des Horizonts, aber manchen reicht da die eigene Lebenserwartung. Wenn man Pech hat, geht's einem dann wie Bernie Ponzi Madoff.

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stefank 24.01.2019, 18:25
135. Perkins-Studie

Der im Text zitierte Beitrag von Leander Steinkopf in der FAS bezieht sich auf eine Studie von Perkins, Allen und Hafner aus dem Jahr 1983. Leider gibt Steinkopf Ziel, Inhalt, Ablauf und Ergebnis der Studie völlig falsch wieder.
Kurz gefasst wurden seinerzeit u.a. Jura-Studenten eine Frage zur Stellungnahme vorgelegt, die eine eindeutige Position provpziert, wie etwa "Würde ein nuklearer Abrüstungsvertrag die Gefahr eines Weltkriegs verringern?". Die Auswertung ergab, dass die jeweilige Gegenposition zur eigenen Ansicht von den Probanden kaumbehandelt wurde. Unter Berücksichtigung ders Intelligenzquotienten der Probanden ergab sich, dass die intelligenteren Probanden zwar elaboriertere Begründungen ihrer Position ablieferten, aber ebenfalls kaum Argumente für die Gegenposition ablieferten.
Die zitierte Schlussfolgerung von Steinkopf, den Fleischhauer ungeprüft übernimmt, findet sich in der Studie an keiner Stelle. Genau im Gegenteil dazu sagt Perkins: "Moreover, the series of studies revealed a provocative pattern in the relationship between IQ, which was also measured, and attention to the other side of the case. The correlation between the two was zero."

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Fuxx81 24.01.2019, 18:26
136. Keine voreiligen Schlussfolgerungen

Zitat von
Der Hang zur Rechthaberei nimmt also, das muss man daraus folgern, mit dem Grad der Bildung nicht ab, sondern zu
Das kann man nicht unbedingt verallgemeinern, finde ich. Dass einem mehr Argumente für die eigene Position einfallen, als dagegen, ist jedenfalls nur logisch, sonst wäre man ja nicht dieser Meinung. Was ich im politischen Diskurs beobachte ist eine zunehmende Weigerung sich überhaupt mit Argumenten zu befassen. Es geht weniger darum, was gesagt wird, sondern mehr darum wer es sagt.

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mima84_84 24.01.2019, 18:26
137.

Zitat von print1939
Die ritualisierte Herabsetzung des ideologischen Gegners als "undemokratisch" oder als "Nazi" signalisiert, dass man an freier Meinungsäußerung nicht interessiert ist. Es geht vielmehr um Deutungshoheit, also um Macht. Mit Verve wird der politische Gegner mundtot gemacht und vom öffentlichen Diskurs ausgeschossen. Wie verkommen die Sitten in dieser Hinsicht schon sind, kann man bezeichnenderweise nirgendwo besser beobachten als an den Orten, wo Meinungsfreiheit eigentlich das höchste Gut sein sollte: an den Ausbildungsstätten sogenannter geistigen Eliten, an den Universitäten.
Bezeichnend, dass Sie das Volksverräter Geschrei und das Sprechen von Altparteienkartell nicht erwähnen. Zufall, oder?

Und als Nazi und undemokratisch werden lediglich Naziparolen und undemokratische Positionen bezeichnet. Das ist einfach ein Fakt.

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nesmo 24.01.2019, 18:28
138. Das Thema des Artikels

sollte weiter öffentlich diskutiert werden. Schon die Reaktionen hier im Forum bestätigen, dass politische Borniertheit ein wachsendes und wichtiges Thema unserer Zeit ist. Schon wie heftig die schöne und erhellende These, Bildung schützt nicht vor Borniertheit, sondern fördert sie sogar, hier angegriffen bzw. teilweise nicht mal verstanden wird, ist bezeichnend. Insbesondere, wenn ausgeschlossen wird, dass ein gebildeter Mensch in der Lage sein sollte, zu einem Problem gleichviel für und wieder sprechende Argumente zu benennen. Ich finde, dass muss mehr in der Ausbildung geübt werden und die Fähigkeit hierzu als wichtiges Bildungsziel begriffen werden. Vielleicht sind, oh Gott, sogar viele der in den letzten Jahren gewachsenen politischen und gesellschaftlichen Probleme die Folge einer höheren Akademisierung der Gesellschaft.

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der_mitdenker 24.01.2019, 18:29
139. Argumentativ schlecht

Zitat von cnine
Wow, was für ein unreflektierter Rundumschlag. Wer den "aktuellen Linksgerichteten" vorhält vor nihts zurück zu schrecken, der sollte sich mal besser das Verhalten von rechtskonservativen Populisten wie Trump, Bolsonaro, Salvini und co anschauen, die lügen und betrügen den ganzen Tag lang.
Klassischer Fall von Whataboutism. Ich bin kein Freund vom dümmlichen Trump und auch nicht vom Ex-Militär Bolsonaro. Aber der Sieg der Rechten ist immer auch eine Niederlage der Linken. Die Linke befindet sich global in einer Krise. Hillary konnte die linke nicht hinter sich vereinen obwohl ihr Gegner sich von Fettnapf zu Fettnapf verirrte. Der alte Sturkopf Corbyn ist der nützliche Idiot der Tories, weil Sie wissen dass der Mann keinen Wahlkampf gewinnen kann. Wir wählen noch das kleinere Übel. Nicht den Kandidaten den wir wollen.

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