Forum: Politik
Politische Borniertheit: Alles Nazis außer mir

Je gebildeter jemand ist, desto vorurteilsfreier blickt er auf die Welt - so die populäre Annahme. Experimente von Psychologen zeigen, dass genau das Gegenteil wahr zu sein scheint. Erklärt das vielleicht den Zustand des politischen Diskurses?

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der_mitdenker 24.01.2019, 23:25
230. Bayern Wahl hat es gezeigt

Zitat von kelcht
Wieso kann man dann nicht etwas vernünftiges Wählen wie die Freien Wähler oder die Union?
Was man aus der Bayern Wahl mitnehmen konnte war, dass die Freien Wähler in Bayern kommunal sehr stark sind und den Protest gut einfangen konnten. Wo man eine erprobte Alternative hat, nimmt man diese auch wahr. Was man auch gesehen hat, ist dass es trotz anders lautender Berichte im öffentlich rechtlichen Fernsehen kaum Abwanderung von der CSU zu den Grünen gab. Die Grünen haben nur 8,9 % zugelegt, obwohl die SPD 10,9 % verloren hat. Das ist für mich kein Erdrutsch.
Die CSU hat sogar sage und schreibe 10% besser abgeschnitten als die CDU zeitgleich in Hessen. Das ist bemerkenswert, wo es doch Wochen und Monate zuvor geheißen hat, dass die CSU wegen ihres Auftretens in der GroKo abgestraft werden würde. Und wenn man die Ergebnisse aller Parteien rechts der Mitte addiert (CSU, FDP, FW und afd) kommt man auf sage und schreibe 64,1 %
Was sagt uns das? Die Menschen möchten aktuell eine konservative Politik und die afd bekämpft man nur indem man konservative Realpolitik macht und nicht mit Beschimpfungen wie es aktuell läuft. Diese Chance wurde von der CDU vergeben, mit Küngelei und Seilschaften konnte Frau Merkel ihre Nachfolgerin in den Thron hieven (JU Chef den Sitz des Generalsekretärs versprochen). Die öffentliche Demontage von Friedrich Merz durch die Medien kam auch wie bestellt. Aber egal was die Medien uns erzählen wollen. Wenn es so weitergeht haben wir bald schwedische Verhältnisse wo es immer mehr Parteien Bedarf um eine Koalition ohne “die Rechten“ zustande zu bringen.

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Schartin Mulz 24.01.2019, 23:33
231. Links??

Ich lese hier ständig was von "Linken".
Leute, das ist kein Kampf links gegen rechts, das ist ein Kampf des politischen Mainstreams gegen alles, was davon irgendwie abweicht,
DIeser Mainstream kämpft gegen alles, was links von der SPD ist, mit der Kommunismus-Keule genauso wie gegen alles, was rechts der CDU steht mit der "Nazi"-Keule.
Ich bin noch in den Siebzigern politisch groß geworden. Da hingen große Teile der Union noch Träumen von den Grenzen von 1937 nach, als hätte es den WK II nie gegeben, in der SPD dagegen wurde die Annäherung an das kommunistische Regime in Moskau betrieben.
Und heute ist man Kommunist, wenn man die Vermögenssteuer wieder einführen möchte und Nazi, wenn man die EU oder den Islam nicht so ganz prickelnd findet.

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fpa 24.01.2019, 23:33
232. Kontext beachten

Zitat von Jürgen E.
Man muss nur die Diskussionsbeiträge im Forum lesen, um zu erkennen, dass der Artikel von Herrn Fleischauer nicht ganz daneben liegt. Wenn man sich nicht einmal mehr in die Denkweise und Empfindungen anderer hineinversetzten und damit auch ihre Argumente nachvollziehen kann (nicht gutheißen), dann ist das ein Zeichen von Hybris und nicht von Überlegenheit oder moralischer Stärke.
Natürlich liegt Fleischauer in dem Artikel nicht ganz daneben. Aber er stellt jene zitierten Untersuchungen in einen Kontext, der den zweifellos wahren Kern jener Untersuchungen auch ein bisschen missbraucht.

Z.B. denkt jeder Mensch unbewusst in den Kategorien "wir" und "die anderen". Man kann das gerne "Vorurteile" nennen. Genauso ist es richtig, dass wir Menschen gar nicht in der Lage sind, rational zu denken und zu handeln, sondern: Wir handeln intuitiv und interpretieren anschließend unser Verhalten; d.h. wir rationalisieren.

Was man mit dieser absolut menschlichen Ausgangsbasis aber anstellt, dass haben wir selbst in der Hand. Z.B. reagiert jeder erst einmal automatisch (ohne dass es bewusst wird) mit Angst auf die Begegnung mit Menschen anderer Ethnien. Sind wir aber wirkliche Anhänger eines Sportvereins, kann allein schon die Fan-Kleidung diesen Ethnien-Reflex mit einem anderen "wir" und "die anderen" überlagern.

Und welchen Unterschied kann dabei Bildung bewirken? (Im Durchschnitt, nicht für jeden. Klar.) Wer sich seiner Ängste bewusst wird und annimmt, geht anders damit um, wie derjenige, der sie krampfhaft zu verdrängen versucht.
- Der gebildetere reflektiert und arbeitet folgerichtig an sich selbst, indem er z.B. meditiert, sich ehrenamtlich betätigt, usw. D.h. er unternimmt selbst etwas in seinem "wir", welches ihn und sein Leben zufriedener und glücklicher, wodurch seine Stress-Resilienz enorm steigt. Genauso das Selbstwertgefühl, sodass sein Charakter wachsen kann.
- Dem weniger Gebildeten fällt die Reflexion ungleich schwerer. Das fängt schon an mit seinem Wortschatz, sodass er kaum in der Lage ist, seine Wahrnehmungen, seine Gefühle und seine Reaktionen als solche zu spüren und differenzieren zu können. Für ihn ist das alles ein "ist so", und ein Widerspruch dazu ein Angriff auf seine Identität. Für seine Angst-Situation, die er ja sogar(auch vor sich selbst) leugnet, macht er andere Verantwortlich. Auf diese Weise wird er anfällig für Hassprediger, Vereinfacher, "Rattenfänger" - Hauptsache sie bedienen seine wütenden Gefühle.

Ergo: Die mit mehr Bildung landen in einem anderen Topf des "wir" als jene mit weniger Bildung. Rationalisieren, entsprechend der eigenen (auch Gruppen-)Vorurteile, tun dann wieder beide Gruppen. Klar. Erstere neigen dabei eher zum Moralisieren. Letztere eher dazu, gegebenenfalls sogar ganz auf Moral und Anstand zu pfeifen. Erstere fühlen sich als Individuum sicherer, letztere sind anfällig in einen Massenwahn einzuschwenken.

Fleischauer würde ich folgende Literatur empfehlen:
- https://www.hfph.de/studium/lehrveranstaltungen/wintersemester-2018-19/robert-sapolsky-gewalt-und-mitgefuehl-die-biologie-des-menschlichen-verhaltens
- https://www.youtube.com/watch?v=2bnSY4L3V8s (besonders auch ab 1:15:15)

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der_mitdenker 24.01.2019, 23:35
233. Sie sind ja ein feiner Demokrat

Zitat von harronal
...wird also langsam zum letzten Rückzugsort einer permanent falsch verstandenen Clique alter weißer Männer, die ein völlig normales "Hau ab, Du Ausländerfeind!" schon als "seltsamst" empfinden und ernsthaft der Fleischhauerschen Folkloristik-Schmonzette von den damaligen Politikern, die es angeblich toll fanden, wenn sie auch die Nichtgläubigen ihrer Ideologien "erreichten", auf den Leim gehen. Noch mehr verbal totschlagender als die großen Straußs, Schmidts, Kohls und Wehners ging ja wohl nicht.
Es ist schon bezeichnend für unsere Zeit dass man jemanden Gesellschaftlich akzeptiert als "alter weißer Mann" diffamieren kann.
Ich würde mich nicht trauen eine Frau die viel redet als "schrullige Laber-Tante" zu bezeichnen.
In so gut wie jeder Gesellschaft auf der Welt sehen diese alten Männer ihre Aufgabe darin ihre Familien und Gemeinschaften zu beschützen, ich finde nicht dass das etwas falsches ist.

Vielleicht würden heute einige junge Menschen noch am Leben sein, hätten Sie auf diese alten weisen Männer gehört.

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rogkam 25.01.2019, 00:22
234. Herr Fleischauer,

ich fand Ihre Beiträge mal interessant und irgendwie anders, gerade als Gegenpol zu Herr Augstein. Jetzt haben Sie aber nicht nur den Zenit, sondern auch den Rubikon überschritten. Ihre Texte sind demaßen selbstverliebt, dass Sie offensichtlich selbst nicht mehr wissen, was Sie eigentlich sagen wollten. Ihre Positition beim Spiegel entspricht wohl der von Andrea Nahles: sie sagen nur noch „ätschibätschi“ und hauen auf jeden ein, der nur die kleinste Angriffsfläche bietet, Hauptsache, er hat einen ansatzweise linken Touch, oder noch schlimmer: einen grünen. Sie mögen stolz darauf sein, dass Sie soviel Widerspruch hervorrufen. Aber das nutzt sich schnell ab. Und dann bleiben die Überschriften wie „Nazis rein“. Alles, was Sascha Lobo über Ihre undiffenzierte Polemik geschrieben hat, würde ich 1:1 unterschreiben. Und Ihr zynischer Grinsemund in Talkshows und Diskussionsrunden wird auch bald verschwinden: wegen Inkomptenz, Wichtigtuerei und nachlassendem Interesse des Publikums.

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ghp2 25.01.2019, 00:48
235.

Zitat von TS_Alien
Die AfD ist ein Sammelbecken für Frustrierte, Ungebildete und / oder Rechte und hat etlichen merkwürdigen bis gescheiterten Existenzen einen gut bezahlten Abgeordnetenplatz beschert. Mit Menschen aus der AfD zu diskutieren, ist vergeudete Zeit. Mit AfD-Wählern zu diskutieren, bringt auch nichts. Wer sein Kreuz bei der AfD gemacht hat, hat die Demokratie in Deutschland beschädigt. Da fehlt jede Grundlage für eine Diskussion.
Und damit ändern Sie...........nichts!
Ich kannte mal einen deutsch nationalen, der ne' blöde deutsch-blonde Göre auseinander genommen hat weil diese sich einer alten (türkischen) Frau respektlos gegenüber verhalten hatte.
Und einen vom Kommunistischen Bund Westdeutschlands, der alle von der DKP und KPD(/ML) usw. für Pflegefälle hielt.
Die zwei haben sich nie kennen gelernt, aber vermutlich hätten sie sich verbal die Köpfe eingeschlagen und sich auf die nächste Diskussion gefreut.
Stellen Sie sich einfach mal vor, dass ein deutsch nationaler welche, die in der SS waren niemals gegrüsst hat weil er keine Schweine grüsst, auch wenn's der Chef war.
Mit anderen Worten - unsere lieben deutsch nationalen AfD'ler
müssen ihren Ehrbegriff mal überdenken. Verstanden?

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Erythronium2 25.01.2019, 01:13
236.

Ein interessanter Beitrag von Herrn Fleischhauer! Wenn ich mir die letzten beiden Kolumnen seines Widersachers Lobo anschaue, dann sehe ich da allerdings nicht in erster Linie das Bedürfnis, die eigene Tugend anzuzeigen oder die persönliche Filterblase von Widerspruch freizuhalten, sondern eher die Befürchtung, die Rechten in Deutschland gefährdeten die Sicherheit und Ordnung, verlangten Menschenfeindliches, ja gefährdeten sogar die Demokratie. Das ist ja so alles noch ganz respektabel, teilweise mit Beispielen belegt und nicht in jeder Hinsicht falsch. Das Problem in meinen Augen ist, dass Herr Lobo an diesem Punkt nicht mehr bereit ist, zwischen verschiedenen Personen zu differenzieren. Ich persönlich habe den Verdacht, dass viele Linke sich angesichts der Wahlerfolge der AfD so fühlen, als ob sie eine Zeitreise ins Jahr 1930 gemacht hätten, weshalb sie jetzt darauf drängen, die von ihnen samt und sonders als Rechtsextremisten bzw. Nazis wahrgenommenen Rechten möglichst entschlossen als Staats- und Menschenfeinde zu bekämpfen und in Bausch und Bogen zu verdammen, damit die Katastrophe von 1933 nicht nochmals eintritt. Das ist dann m. E. genau die Historiendarstellerei, die Herr Jürgen Kaube in der FAZ so trefflich angeprangert hat, vgl. https://tinyurl.com/Historiendarsteller .

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Patrik74 25.01.2019, 02:04
237. Bemerkenswert

Zitat von
Demokratische Wandlung setzt allerdings voraus, dass politisch Versprengten erlaubt wird, sich zu besinnen. Man kann Menschen auch in die Selbstradikalisierung treiben, indem man ihnen sagt, dass man sie für den letzten Dreck hält.
Wie feinfühlig der Rechte für die Belange von Minoritäten wird, wenn er merkt, dass er selbst einer angehört...

Vielleicht sollte man sich das überlegen, bevor man daran mitgewirkt, denjenigen den Teppich auszurollen, die Ausländer pauschal als Messermänner, Kopftuchmädchen und Asyltouristen diffamieren, sprich: sie "für den letzten Dreck" halten. Wie sagt der Engländer: "When shit hits the fan, everyone gets sprinkled." Und das gilt in besonderer Weise für diejenigen, die die Nähe dieser braunen Masse suchen.

Zitat von
Wir sind "die Vielen", wie eine Erklärung des deutschen Kulturbetriebs heißt - die anderen sind die Nazis und Deppen.
Das beschreibt ziemlich genau die bundesdeutsche faktische Wirklichkeit, Realität akzeptieren.

Also, lasst die Mehrheitsgesellschaft endlich mit eurem Dreck in Ruhe, wir haben wichtigeres zu tun - unter anderem müssen wir Leute finden und integrieren, die in ein paar Jahren den alten weißen Dackelkrawatten-Männern die Hintern abwischen; denn nicht einmal dazu sind deren aufrechten bio-deutschen Söhne des Vaterlandes willens oder in der Lage.

Würde mich mal interessieren, wie viele von diesen vermeintlichen Rettern des Abendlandes sich schon freiwillig zu einem "sozialen" Jahr bei Frontex gemeldet haben, um die drohende Rassenschande durch den "lebensbejahenden afrikanische Ausbreitungstyp" zu verhindern (wird man ja noch mal sagen dürfen, ohne gleich ein Nazi zu sein...); das Maul aufreißen, können sie ja...

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deviet 25.01.2019, 02:31
238.

Zitat von syracusa
Das, Herr Fleischhauer, hoffe ich aus tiefstem Herzen. Wozu sonst wäre Bildung denn gut als genau dazu, weniger Fehler als andere zu machen, also öfter als andere recht zu haben?
Genau ihre Hoffnung ist ihr Problem. Sie gehen dank ihrer Bildung davon aus, weniger Fehler zu machen. Sie sind die Elite. Die Anderen haben ihnen zu folgen. Oder, sie sind eben die Deppen, gegebenenfalls auch die Nazis.

Ihr Fehler ist es, aus ihrer Bildung eine besonders hohe moralische und soziale Kompetenz herzuleiten. Den weniger Gebildeten diese abzusprechen.

Fleischhauers verweise auf die Studien zeigen aber, dass die Fähigkeit der Reflektion nichts mit dem Grad der Bildung zu tun hat. Im Gegenteil. Wie sie es auch ausdrücken, mit dem Grad der Bildung nimmt die Arroganz gegenüber der weniger Gebildeten zu. Das spaltet unsere Gesellschaft.

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tom_fiebig 25.01.2019, 02:34
239. Das ist die wahrheit

Ich habe den Text schmunzelnd gelesen.
Generell bezeichne ich den gebildeten Menschen nicht wirklich Intelligent. Wissen aneignen qualifiziert längst nicht zu Intelligenz.
Ich denke das Ergebnis trifft eher auf gebildete Menschen zu welche nicht wirklich Intelligent sind.
Letztendlich: Es ist die Wahrheit!
Es ist ein wirklich sehr guter Beitrag. Eine fantastische Beobachtung und Einschätzung unserer Gesellschaft.
Darüber sollte vielleicht wirklich der ein oder andere mal nachdenken.
Vielleicht könnte dann auch wieder ein bisschen Wärme in der Gesellschaft entstehen.

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