Forum: Politik
Politische Borniertheit: Alles Nazis außer mir

Je gebildeter jemand ist, desto vorurteilsfreier blickt er auf die Welt - so die populäre Annahme. Experimente von Psychologen zeigen, dass genau das Gegenteil wahr zu sein scheint. Erklärt das vielleicht den Zustand des politischen Diskurses?

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mostly_harmless 25.01.2019, 09:59
260.

Zitat von T. Roth
[...] "Es wird mir eine Freude sein, die Entsiffung des Kulturbetriebs in Angriff zu nehmen." (Marc Jongen, kulturpolitischer Sprecher AFD-Bundestagsfraktion)
Tja, so ist das mit der AfD und Ihren Anhängern. eine Rechte wie Mike Tyson wenns ums Austeilen geht, aber ein Ganzkörper-Glaskinn wenns ums Einstecken geht.

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lautlos 25.01.2019, 10:01
261. Bekannt

Zitat von pariah_aflame
"Je gebildeter jemand ist, desto vorurteilsfreier blickt er auf die Welt - so die populäre Annahme." Wessen Annahme ist denn das? Es ist doch viel logischer, dass ein gebildeter Mensch seine Meinung zu einem Thema auf mehr Informationen aufbaut als ein Ungebildeter. Die Konsequenz ist logischer Weise, dass er weniger leicht von seiner Meinung abzubringen ist, da er diese mit Fakten untermauern kann. Beziehungsweise brauchen wir gar nicht weiter darüber zu diskutieren, wenn es um Themen geht, zu denen man einen Meinung, aber keine Fakten haben kann (Bier A schmeckt mir besser als Bier B als praxisnahes Beispiel). Kritisch ist doch heutzutage vielmehr, das zahlreiche Menschen in "Meinungsblasen" leben und nie gelernt haben, wie man sich umfassend und zu einem Thema informiert.
Es gibt gutes Datenmaterial z. B. darüber, dass Juden in Polen viel häufiger von einfachen Menschen geholfen wurde als von gebildeten Menschen. Also in der Relation. Der gebildete Mensch hat viel mehr zu verlieren, der einfache Mensch kann sich selbst nicht so gut von Verantwortung freisprechen "mit guten Argumenten".

Im übrigen, zu den ersten Institutionen die im Dritten Reich mit wehenden Fahnen die Seite gewechselt haben waren: Richtig, die Universitäten. Ich denke das wäre heute nicht anders. Nirgends lebt sich der opportunistische Zeitgeist so aus wie an den Unis.

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siri_paibun 25.01.2019, 10:02
262. Upps, da hat ja einer.....

....quasi die Weltformel der Verbohrten gefunden. Ich kann nur zustimmen. Der Mensch agiert innerhalb der sozialen Gruppe, zu der er bestenfalls gehört oder gehören möchte. Mit einem großen Teil seiner Selbstreflexion bestätigt er seinen Platz in eben dieser Gruppe. Und nun die Kernaussage dieses Kommentars: Je gebildeter, desto mehr und gescheitere Argumente findet der Mensch seine soziale Gruppe zu supporten, seine Verbleiben in der Gruppe zu rechtfertigen. OK, gehe ich mit. Durch reines Nachdenken schaffen es die wenigsten, sich auf einen anderen Weg zu begeben. Meist ist es ganz schnöder ganz persönlicher materieller Vorteil der zum Umdenken führt.

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Karl Stotz 25.01.2019, 10:04
263. Herr Fleischhauer sucht den Nazi

Der Herr Lobo scheint den Herrn Fleischhauer beschleunigt an die Tastatur getrieben zu haben. Da findet man dann so:
„Kaum etwas bringt AfD-Anhänger so verlässlich auf die Palme wie der Vorwurf, sie seien Nazis. Selbst Nazis reagieren mitunter empört......“
Ja sowas. Da will Fleischhauer wohl zum Ausdruck bringen, unter den AfD-Anhängern gäbe es keine Nazis. Is ja doll. Dann weiter:
„....was mir zeigt, dass offenbar selbst sehr rechts eingestellte Menschen mit der Mehrheitsgesellschaft bestimmte moralische Werte teilen.“
Klar doch. Kein Nazi fährt gerne nackt Straßenbahn. Und weiter:
„Ein echter Rassist dürfte.....“
Fragt sich, was ist dann ein unechter Rassist. Ist das jemand, der sagt „Ich habe nichts dagegen, wenn meine Tochter einen Neger heiratet?“ Da schließt sich dann nahtlos die Frage an, was denn dann ein unüberzeugter Nationalsozialist ist. Ja sakra. Sind das dann die, welche gerade im bayrischen Landtag so dringend aufs Klo mussten? Und weiter:
„Der Mensch ist Opportunist, auch das gehört zur anthropologischen Wahrheit.“
Die anthropologische Wahrheit ist, dass man im 3. Reich so 6 Millionen Juden ermordet hat. Wohl aus Opportunismus, Herr Fleischhauer. Hat wohl deshalb einen schlechten Ruf, der Opportunismus. Und weiter:
„ -Nazis raus - funktionieren dabei wie Tattoos oder auffällige Piercings: Man signalisiert Gleichgesinnten, dass man auf der richtigen Seite steht.“
Aha! Man signalisiert „Gleichgesinnten“. Alle die, welche also die Werte der Aufklärung, der Menschenrechte,der Kultur und der Demokratie aufrecht halten, sind „Gleichgesinnte“. Also sowas wie ein Nazi mit seinen Gleichgesinnten, nur eben kein Nazi. Die Werte der Aufklärung und der Menschenrechte und der Demokratie sind also Gesinnung und keine allgemeingültigen Werte!
„Man kann Menschen auch in die Selbstradikalisierung treiben, indem man ihnen sagt, dass man sie für den letzten Dreck hält.“
Typisch Fleischhauer. Die anderen sind Schuld daran, dass ein Nazi ein Nazi ist. Ein Nazi ist da völlig schuldlos. Wie Herr Fleischhauer an seinem Senf.

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LeBigMacke 25.01.2019, 10:05
264. Jeder Mensch ist gerne im Recht,

es benötigt jedoch eine gewisse Intelligenz, zu erkennen, wenn man selbst im Glauben statt Wissen spricht und sich seiner eigenen Vorurteile bewusst zu werden. Wenn man eine Ansicht vertritt, hat man logischerweise mehr oder stärkere Argumente für die eigene Meinung als dagegen, denn auf irgendetwas muss diese ja fußen.

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lautlos 25.01.2019, 10:06
265. Kunst

Zitat von T. Roth
Haben Sie sich mit dieser Aktion auch nur eine Sekunde auseinandergesetzt? "Mit der NRW-Erklärung der Vielen wird der Zusammenhalt in Kunst und Kultur als Teil des zivilgesellschaftlichen Engagements gegen rechtspopulistische sowie völkisch-nationale Strömungen artikuliert." Das also stößt Ihnen "sauer auf"? Na dann prost! Darf ich Sie daran erinnern, dass die AFD kontinuierlich die Arbeit von Kulturschaffenden diffamiert und die Theater, auch Ihres, zur Einhaltung sogenannter "Leitlinien", notfalls auch mit Budgetkürzungen zwingen möchte? Soll heißen: Die Theater sollen deutscher werden. Das ist ein Angriff auf die Kunstfreiheit und die Kulturlandschaft unseres Landes (und nicht zuletzt auf das Publikum) und erinnert doch stark an die dunklen Zeit vor '45. Darf ich Sie außerdem daran erinnern, dass im Nationalsozialismus Künstlerinnen und Künstler die nicht linientreu waren, inhaftiert, deportiert und getötet wurden? Und Sie fühlen sich "zwangseingemeindet" von einer Aktion, die als direkte Reaktion der Angriffe von rechts zu verstehen ist? Wenn mir als Kulturschaffender wegen der Ausübung meiner Arbeit Gewalt angedroht wird, dann versuche ich mich dagegen zu wehren. Der überwältigende Teil des Publikums solidarisiert (das ist übrigens das Wort, das Sie gesucht haben) sich, weil es verstanden hat, dass dieser Angriff auf ihr Theater auch einen Angriff auf sie darstellt. Wenn Sie das anders sehen, ja dann geben Sie doch Ihr Abo ab! "Es wird mir eine Freude sein, die Entsiffung des Kulturbetriebs in Angriff zu nehmen." (Marc Jongen, kulturpolitischer Sprecher AFD-Bundestagsfraktion)
Kunst und Kultur war noch nie "von Vielen" oder "für Viele". Entweder unter den Künstlern sind viele, die diese Bezeichnung nicht verdienen. Oder man meint seine Blase am Prenzlberg. Schafft die Subventionen ab, dann sinds auch nicht mehr "Viele"........

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irgendwieanders 25.01.2019, 10:15
266.

Zitat von syracusa
Fleischhauer-Zitat: "Der Hang zur Rechthaberei nimmt also, das muss man daraus folgern, mit dem Grad der Bildung nicht ab, sondern zu." Das, Herr Fleischhauer, hoffe ich aus tiefstem Herzen. Wozu sonst wäre Bildung denn gut als genau dazu, weniger Fehler als andere zu machen, also öfter als andere recht zu haben?
Er ist darauf eingegangen, dass mit der höhe der Bildung die Anzahl der Argumente für die eigene Position steigt, aber nicht der selbst gesehenen möglichen Kritikpunkte.
DAS ist Rechthaberei.
Es gibt da einen alten Spruch aus der griechischen Philosophie, der lautet sinngemäß

"Je mehr ich weiß, desto mehr erkenne ich, was ich nicht weiß"

Bildung sollte jemand befähigen, seine Position/Meinung aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu hinterfragen, und nicht ausschließlich zur Verfestigung der eigenen Meinung dienen.

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annoo 25.01.2019, 10:19
267. Dankeschön

Zitat von spon_4_me
Beide Seiten sind - um Ihren Begriff zu borgen - genauso "doof", wenn es darum geht, dass Positionen, die ihnen lieb und teuer sind, angegangen werden. Bildung macht das nicht besser, sondern sorgt nur dafür, dass man für den Kampf um die eigene Haltung mehr Munition hat. Wenn Sie möchten, können Sie den dazu gehörenden Artikel in der Zeitschrift "The Atlantic" aus dem Dezember 2011 nachlesen. Und wenn Sie das Phänomen des systematischen Selbstbetrugs zugunsten des sozialen Erfolges interessiert, darf ich Ihnen das Buch "The elephant in the brain" von Simler und Hanson empfehlen, das in Sprache und Argumentation auch einem breiten Publikum zugänglich ist.
Danke. Ich ich glaube nämlich auch, dass Gebildete/Linke/Intellektuelle nicht nur mehr Munition haben, sondern durch Eloquenz oft überzeugender wirken. Das sagt aber nichts über richtig oder falsch aus oder die Bereitschaft, Anderen zuzuhören. Dass Gebildete aber generell eher Vorurteile haben, erschließt sich mir nicht. Wie ich schon mal angemerkt hatte, hat jeder Mensch Vorurteile. Blitzschnell urteilen zu können war ein überlebenssichernder Vorteil im Aufeinandertreffen mit Säbelzahntigern und feindlichen Stämmen, weshalb es in unserem Hirn tief verankert ist. Da wir aber nicht mehr in Höhlen sitzen, ist es hilfreich unsere Vorurteile auch gegenüber fremden Gruppen zu hinterfragen - inwiefern es sich um eine Zuschreibung handelt die nur auf eigenen Ängsten beruhrt.

Ich freue mich auf die von Ihnen aufgeführte Studie.

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irgendwieanders 25.01.2019, 10:24
268.

Zitat von noctem84
Eines vorweg: Nazis sind der letzte Dreck, ich hoffe für den Autor, dass dies nicht relativiert werden sollte. Hier geht es immerhin darum mit einer Ideologie zu sympathisieren welche dafür gesorgt hat das millionen Menschen ermordet wurden. Unter dem Gesichtspunkt und auch der verfassungsfeindlichkeit wären die Leute schon sehr dumm sich dazu zu bekennen. Ich denke das viele sich aus Kalkül distanzieren wenn sie drauf angesprochen werden aber trotzdem mit Hitlergruß und Nazi Flagge auf vermeintlich privaten Bildern posieren. Ich kann für vieles Verständnis aufbringen aber da ist eine rote Linie.
Tja, wenn die aufgeführten Punkte zutreffen und die Person sozusagen durch Camouflage versucht sein wahres Gedankengut zu verbergen, dann kann man sie durchaus Nazi nennen.
Wenn man den kompletten "Wertekanon" der Nationalsozialisten nimmt, und jede Meinung die nur eine klitzekleine Entsprechung dazu hat als Nazi zu diffamieren, dann ist das halt extrem Kontraproduktiv.
Weil man drängt einen immer größeren Personenkreis in eine bestimmte Ecke, und irgendwann sind diejenigen, welche nur eine geregelte Zuwanderung und eine konsequente Anwendung bestehender Gesetze fordern mit den strammen braunen Altnazis vereint und bilden die Mehrheit.

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ruhepuls 25.01.2019, 10:43
269. WENN man recht hat...

Zitat von syracusa
Fleischhauer-Zitat: "Der Hang zur Rechthaberei nimmt also, das muss man daraus folgern, mit dem Grad der Bildung nicht ab, sondern zu." Das, Herr Fleischhauer, hoffe ich aus tiefstem Herzen. Wozu sonst wäre Bildung denn gut als genau dazu, weniger Fehler als andere zu machen, also öfter als andere recht zu haben?
Nun ist es aber eher so, dass "man" die Bildung dazu benutzt, sich hinter mehr Argumenten zu verschanzen, den eigenen Irrtum also besser zu verteidigen. Die schlimmsten Schlächter der Geschichte waren - verglichen mit ihren Zeitgenossen - gebildet. Folge ich Ihrer Argumentation, dann hatten die also recht?

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