Forum: Politik
Politische Borniertheit: Alles Nazis außer mir

Je gebildeter jemand ist, desto vorurteilsfreier blickt er auf die Welt - so die populäre Annahme. Experimente von Psychologen zeigen, dass genau das Gegenteil wahr zu sein scheint. Erklärt das vielleicht den Zustand des politischen Diskurses?

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hanka32 25.01.2019, 11:47
280. Nutzen Sie Ihre Bildung und retten Sie den Qualitätsjounalismus!

Zitat von simon.gunkel.5
...die man nur aus zweiter Hand kennt. Fleischhauer hat sie offenbar auch nur aus einer Erwähnung in der FAS und ich habe einige Zeit gebraucht um sie zu finden (Perkins, D. N., Farady, M., & Bushey, B. (1991). Everyday reasoning and the roots of intelligence. In J. Voss, D. N. Perkins, and J. Segal (Eds.), Informal reasoning (pp. 83-105). Hillsdale, New Jersey: Lawrence Erlbaum Associates.).. Zunächst mal ist die Studie ja auch schon älter und 91 gab es weder AfD noch Trumpisten. Und wenn Freischhauer von "Nichtakademiker[n]" schreibt, dann meint er damit die in der Studie untersuchten Neuntklässler. Die wurden verglichen mit Erstsemestern und graduate students, wobei letztere ausschließlich Juristen waren. Die Neuntklässler gaben im Schnitt 1,8 Argumente für die eigene Meinung und 0,6 dagegen (also ein Faktor von 3), die Erstsemester 2,9 und 1,1 (Faktor 2,6) und die Grads 3,3 und 1,3 (Faktor 2,5). Entgegen Fleischhauers Darstellung geht also dieser Faktor zurück. Bei den Fragen wurden solche gewählt, bei denen es für beide Positionen 6 populäre und rationale Argumente gab, die den Befragten hätten bekannt sein können Und die Zahlen unterschieden sich nicht signifikant zwischen den Personen die jeweils die anderen Meinungen vertraten. Man sollte auch darauf hinweisen, dass wenn es um persönliche Fragen geht, die Zahl der Argumente stark anwuchs und dass es eine Korrelation zwischen der Zeit, mit der sich jemand mit einem Thema beschäftigt und der Anzahl der genannten Argumente (nicht so überraschend) auch der Gegenseite gibt. Schließlich auch, dass sich die Zahl der Kontra-Argumente verdoppelte, wenn die Probanden explizit darum gebeten wurden auch die bestmögliche Gegenargumentation anzugeben. Ach ja und das es sich um eine Erziehungswissenschaftliche Studie handelt, die der Frage nachgeht, wie man Schülern beibringt ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Und ein weiteres Experiment zeigt, dass Schüler, die mit einem pädagogischen Konzept, das kritischen Umgang mit Quellen in den Vordergrund stellt deutlich weniger Bias zeigen und wenn sich dieses selbstreflexive kritische Denken verankert, dann wäre bei den Graduierten der Bias ganz weg.
Das lernt man in jeder deutschen Schule:
Argumente, die man für eine Position vorbringt, sind auf Richtigkeit zu überprüfen. Hatten wir nicht gerade einen Spiegelredakteur, der falsche Fakten verbreitet hat?
Herr Fleischhauer, bitte lesen Sie die Studie, auf die Sie sich berufen, und berichtigen Sie Falschaussagen!
Mein Dank an simon.gunkel.5, der in Kommentar 196 Ihre Recherchearbeit übernommen hat... und an seine Lehrer.
Umfassende Bildung, kritisches Denken und Qualitätsjournalismus sind doch gute Gründe auf dieses Land stolz zu sein.
Wenn wir diese verlieren, überwiegen vielleicht die Gründe, sich dafür zu schämen. Nazis zum Beispiel...

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Steini 25.01.2019, 11:59
281. Konsevartiv ist?

@Patrick74
Zitat:"Und grade konservative sind Meister dieses Faches. Das wohl auffälligste Merkmal konservativer ist ihre Fähigkeit, diese Schlupflöcher zu finden"
Konvervative hängen halt an Ihren alten Werten, sie sind nicht offen für Veränderungen, Verbesserungen und mögen auch keine kritische Betrachtung Ihrer Ideale.
Staunend habe ich schon als Jugendlicher bemerkt wie Konsevartiv selbst linke 68 an Ihren Weltbildern hängen.
Nicht die Ausrichtung unterscheidet Konsevartive von Anderen, es ist schlicht egal welche politische Farbe ihre Scheuklappen tragen.
Konsevartiv sind halt die, welche meist blind die Werte von einstigen Aufklärern befolgen und jegliche Abweichung als falsch betrachten.
Das Dumme daran, sie haben oft nichts gemein mit den Begründern Ihrer Ideale und hätten Ihre Propheten wohl einst gar als gefährliche Querköpfe verteufelt.
Gefühlt sind die Deutschen sehr Konservartiv, nur halt mit Unterschiedlichen Wertbildern.
Wobei eherliche Tolleranz ja gegenseitiges Verständnis ist und nicht nicht Oberflächliches, Wegsehen und Duldung.

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holdir 25.01.2019, 12:59
282. Lieber Gestalten!

Zitat: "Man sollte nicht naiv sein. Man wird Rechtsradikale nicht dazu bringen, von ihren Überzeugungen abzulassen, indem man ihnen den Dialog anbietet, so wie man auch einen radikalen Tierschützer oder einen Anhänger von "Cuba Sí" nicht durch Gesprächsbereitschaft umstimmen wird. "
Sicherlich nicht. Man kann aber evtl. verstehen, warum jemand gewisse Gedanken pflegt und überprüfen, ob sich hier Ansätze zum Handeln ergeben.
Es gibt immer einen großen Anteil an Personen, die mit ihrer Meinung noch nicht wirklich gefestigt sind. Jeder Wahlkämpfer weiß, dass es gilt, um diese Personen zu kämpfen. Das ist nicht neu.
Mit der aktuellen Polarisierung schafft man nur eine „schweigende Mehrheit“ auf Zeit. Wenn man sich nicht inhaltlich mit den Leuten auseinandersetzt, dann ist es irgendwann zu spät.
In diesem Sinne rufen viele Meinungsführer einen Zustand eher herbei, den sie eigentlich verhindern wollen. Demokratie heißt um Mehrheiten zu kämpfen. Es ist aber sicherlich angenehmer aus der eignen Peer-Group ein positives Feedback zu erhalten. Jeder der so denkt, ist ein Lobbyisten einzelner Interessen und keine (möglicher) Gestalter des Gemeinwohls.
Dass ein (Herr) Schulz sich in diesem Kontext "unfollowed" wundert mich nicht und passt zu meiner Einschätzung seiner Person.

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Antidot 25.01.2019, 13:00
283. Schon wieder ein Eigentor

Dieser Fleischhauer kann es offensichtlich nicht lassen. Seine Kolumnen, die mich früher ganz im Sinne des Autors provozierten, taugen seit geraumer Zeit nur noch zur Belustigung. Wie verzweifelt muss jemand sein, der selber in seinem Artikel seine eigene intellektuelle Unzulänglichkeit wiederholt durch seine eigene Aussagen belegt. Es braucht gar keinen Sascha Lobo, um Herrn Fleischhauer den Spiegel vorzuhalten, dass macht er mit seinen Kolumnen regelmäßig selbst. Es ist amüsant, mit anzusehen, dass Herr Fleischhauer redlich um Beobachtung zweiter Ordnung bemüht ist, sich dann aber selbst wieder in seinen eigenen Kontingenzen verfängt. Herrn Fleischhauers Fähigkeit zur Selbstreflexion scheint doch sehr minderbemittelt zu sein. Seine blinden Flecken, die er regelmäßig stolz wie Oscar öffentlich zur Schau stellt, beweisen jedes Mal aufs Neue, wie wenig Herr Fleischhauer von dem mitkriegt, was er so schreibt. Amüsant wird es zu beobachten sein, ob ihn irgendjemand aus seinem Umfeld mal auf seine blinden Flecken hinweist und ob Herr Fleischhauer dann aufhört, regelmäßig mit seiner Kolumne Eigentore zu schießen. Allein daran zu glauben fällt mir schwer. Der Kaiser trägt keine Kleider.

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lautlos 25.01.2019, 13:01
284. Was?

Es ist spannend, welche Reaktionen dieser Artikel auslöst. Das meiste was Herr Fleischhauer sagt, ist in der Organisationspsychologie, Soziologie und Totalitarismusforschung seit Jahrzehnten Lehrmeinung. Besonders "gebildete" Leser hier regen sich aber über diese "Angriffe" auf "gebildete" Menschen auf.

Der Opportunismus ist das Wesen des Menschen und hat seine Funktion. Wie banal. Trotzdem scheint das hier einige aufzuregen. Denn sie sind natürlich alles Widerstandskämpfer! Ich verrate ein Geheimnis (was eigentlich keins ist): Sobald es ernst wird, findet sich hier im Forum kein einziger Widerstandskämpfer. Im Gegenteil, alle werden sich überbieten im Opportunismus. Wer sich dem nicht stellt, der mag gebildet sein. Aber auch dumm.

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J.Simon 25.01.2019, 13:05
285.

Zitat von interessierter10
Kein Sadist nennt sich selbst Sadist... Was versucht Fleischhauer da zu rechtfertigen?
...vor allem seine eigene, rechtskonservative Orientierung:

Man kann Menschen auch in die Selbstradikalisierung treiben, indem man ihnen sagt, dass man sie für den letzten Dreck hält.

Das paßt doch wieder in Fleischhauer's ewige Ideologieschleife: Politisch linksorientierte sind schuld daran, daß sich politisch rechts(außen)orientierte radikalisieren und umgekehrt. Das langweilt - zumal er diese Tatsache mit seinen loghorroitischen Ergüssen in seiner Kolumne regelmäßig zu verschleiern versucht. Gelingt ihm nur immer schlechter.

*gaehn*....

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pric 25.01.2019, 13:09
286. Unstrukturierte Kolumne, Hr. F.

Dem Multikulti-Verfechter Hrn. Fleischhauer sei gesagt: Wenn er reklamieren will, etwas von Geschichte zu verstehen, sollte er es unterlassen in einen "Früher-war-es-besser"-Duktus einzustimmen. Politische Diskurse waren wahrscheinlich in Deutschland nie so offen wie heute. Natürlich verschieben sich die Koordinaten dessen, worüber Allgemeinkonsens herrscht. Gerade zu Zeiten des zweigeteilten Deutschlands war der öffentliche politische Diskurs insbesondere auch aus dem konservativen Lager sehr beschränkt. Ein Radikalenerlass zeugt von anderen politischen Stimmungen. Es ist weiterhin Allen zu empfehlen Alle auf Twitter, Instagramm usw. zu 'unfollowen', deabonnieren etc. Das hat nichts mit Rückzug in Filterblasen zu tun, sondern mit staatsbürgerlicher Bildung und Verantwortung. Diese Räume kann man getrost den Selbstverkäufern überlassen. Herrn Perkins Experiment sagt außerdem weniger über Bildungsgrad und Reflexionsvermögen von 'Gebildeten' aus, sondern beschreibt eher das soziale Millieu dieser vermeintlichen Elite-Universitäten, Stichwort "IYI". Wer sich auf deren Bildungs- und Intelligenzbegriff einlässt, darf sich über solche Ergebnisse nicht wundern. Möglicherweise ist diese Definition für Sie, Hr. Fleischhauer, adäquat. Das würde aber auch wiederum mehr über Sie als über die von Ihnen beschriebene Gesellschaft aussagen.

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herrenreiter 25.01.2019, 13:11
287. Üble Nachrede

bleibt tatsächlich nach einer aktuellen Studie der Humboldt-Universität Berlin besonders im Gedächtnis, auch wenn sie ohne jede Grundlage ist. In diesem Zusammenhang finde ich den augenblicklichen Zustand unserer Diskussions-"Kultur" sehr bedenklich. Soll Politik künftig auf Vorurteilen, statt auf sachlicher, faktengestützter Diskussion basieren? https://www.deutschlandfunk.de/psychologisches-experiment-ueble-nachrede-bleibt-im-gehirn.676.de.html?dram:article_id=438895

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kein Lemming 25.01.2019, 13:26
288.

Zitat von vox veritas
Je länger man die Beiträge in diesem Thread liest, desto mehr hat man den Eindruck, daß Herr Fleischhauer einen wunden Punkt getroffen hat. Selbstkritik sucht man hier vergeblich.
Ja, ist auch mein Eindruck gewesen, beim Durchlesen.

Schuld sind ja immer nur die anderen. Engstirnig sind erst recht immer nur die anderen. Man selbst ist in allem so unfehlbar, hat immer Recht und hegt selbst nicht den leisten unschönen Gedanken.

Und genau das ist auf BEIDEN Seiten gleichviel verteilt. Man schreit nur jehweils andere Parolen. Doch das dahinter, da gibt es nicht einen einzigen Unterschied. Beide Seiten sind schon lange nicht mehr fähig anderer Meinungen zu aktzpetieren, geschweigedenn sie noch sich anhören zu können, ohne gleich beim kleinsten eventuell irgendwie deutbaren Wort an die Decke zu gehen. Auf beiden Seiten kommt mir immer wieder gleichsam verteilt ein "mit denen reden wir nicht" entgegen. Das ist einfach nur noch idiotisch!

Was diesem Land dringend gut täte, wären endlich wieder mehr Menschen, die beiden Lager gleichsam ein Nein entgegen sprechen. Diese "und bist du nicht für mich, bist du gegen mich" Mentalität gehört in den Reifeprozeß eines Kindergartenkindes, aber nicht zu erwachsenen Menschen. Hört euch mal richtig unsere Kinder an, was sie dazu sagen. Schon 8-jährige fragen zu recht, warum man von ihnen etwas verlangt, was ihnen derzeit tagtäglich anders entgegen prallt.

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annoo 25.01.2019, 14:07
289. DAS wiederum finde ich eine unzulässige Verallgemeinerung. ;-)

Zitat von kein Lemming
Beide Seiten sind schon lange nicht mehr fähig anderer Meinungen zu aktzpetieren, geschweigedenn sie noch sich anhören zu können, ohne gleich beim kleinsten eventuell irgendwie deutbaren Wort an die Decke zu gehen. Auf beiden Seiten kommt mir immer wieder gleichsam verteilt ein "mit denen reden wir nicht" entgegen. Das ist einfach nur noch idiotisch!
Für mich kann ich das nicht unterschreiben. Mehr noch, nicht nur dass ich diskutiere (ich könnte in der gleichen Zeit auch etwas Anderes tun), sondern dass ich außer dem WAS (sagt mein Gegenüber) auch hinterfrage, WARUM jemand was sagt und und welche Argumentationsstruktur sich hinter einem Statement oder einer Diskussionskultur verbirgt. Insofern kann ich Ihre Verallgemeinerung nicht unterschreiben. Sie beklagen Polarisierung, betreiben aber durch eine meines Erachtens unzulässige Verallgemeinerung eine ebensolche. Könnte man - um nicht immer im Negativduktus zu bleiben - eher zum Dialog ermuntern als sich darüber zu beklagen, dass "die andere Gruppe" nicht zuhören will oder - laut Herr Fleischhauer - im Falle entsprechenden Bildungshintergrund gar nicht zuhören kann?

Mein Wunsch: Mehr echte Neugier auf die Meinung Anderer und weniger Hineindeuten, was man meint zu wissen was Andere antreibt. Ich glaube das wäre ein erster wichtiger Schritt.

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