Forum: Politik
Politische Borniertheit: Alles Nazis außer mir

Je gebildeter jemand ist, desto vorurteilsfreier blickt er auf die Welt - so die populäre Annahme. Experimente von Psychologen zeigen, dass genau das Gegenteil wahr zu sein scheint. Erklärt das vielleicht den Zustand des politischen Diskurses?

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linksrechtsmitte 25.01.2019, 20:26
350. Unkenntnis, leider

Zitat von im_ernst_56
"Oder reden Sie von der DDR, sind Sie 'gelernter DDR-Bürger'?" Kleiner Hinweis: In der DDR hat es 1968 eine Bewegung wie in der BRD und Frankreich nicht gegeben und konnte es unter den obwaltenden politischen Verhältnissen in der DDR auch gar nicht geben. Generalsekretär des ZK der SED und Vorsitzende des Staatsrates war noch Walter "Niemand hat vor eine Mauer zu bauen" Ulbricht. Aber noch unter seinem Nachfolger und politischen Ziehsohn Erich Honecker wäre eine solche Bewegung undenkbar gewesen. Der Mitforist meinte, dass vor 1968 der Korridor politischer Meinungsvielfalt in der BRD sehr eng gewesen sei. Natürlich war das Meinungsklima eher konservativ, aber kein Vergleich mit der DDR. Und natürlich war die 68er nicht nur liberal sondern sympathisierten durchaus mit autoritären linken Regimen. Die 68er habe ihre Verdienste, aber es gibt auch eine Menge Verklärung.
Meine Eltern sind die 68er des Ostens - Baujahr 44, passt also genau. Was Sie unterstellen ist sicherlich aus Ihrer Unwissenheit heraus geschrieben. Die waren sehr wohl auf einer Stufe mit den 68ern des Westens, konnten aber nicht offen agieren. Gut ein Viertel der Freunde meiner Eltern haben über Ausreiseantrag dann ihre politische Einstellung sehr konsequent verfolgt und ausgeübt. Der Rest hat bei den Kindern den Samen für 1989 gepflanzt - die Saat ging auf!
https://www.youtube.com/watch?v=5KT2BJzAwbU
Gilt übrigens auch für Ihren Vorredner.

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Aberlour A ' Bunadh 25.01.2019, 20:27
351. # 196 simon.gunkel.5 AN ALLE: UNBEDINGT LESEN

Zitat von simon.gunkel.5
...die man nur aus zweiter Hand kennt. Fleischhauer hat sie offenbar auch nur aus einer Erwähnung in der FAS und ich habe einige Zeit gebraucht um sie zu finden (Perkins, D. N., Farady, M., & Bushey, B. (1991). Everyday reasoning and the roots of intelligence. In J. Voss, D. N. Perkins, and J. Segal (Eds.), Informal reasoning (pp. 83-105). Hillsdale, New Jersey: Lawrence Erlbaum Associates.).. Zunächst mal ist die Studie ja auch schon älter und 91 gab es weder AfD noch Trumpisten. Und wenn Freischhauer von "Nichtakademiker[n]" schreibt, dann meint er damit die in der Studie untersuchten Neuntklässler. Die wurden verglichen mit Erstsemestern und graduate students, wobei letztere ausschließlich Juristen waren. Die Neuntklässler gaben im Schnitt 1,8 Argumente für die eigene Meinung und 0,6 dagegen (also ein Faktor von 3), die Erstsemester 2,9 und 1,1 (Faktor 2,6) und die Grads 3,3 und 1,3 (Faktor 2,5). Entgegen Fleischhauers Darstellung geht also dieser Faktor zurück. Bei den Fragen wurden solche gewählt, bei denen es für beide Positionen 6 populäre und rationale Argumente gab, die den Befragten hätten bekannt sein können Und die Zahlen unterschieden sich nicht signifikant zwischen den Personen die jeweils die anderen Meinungen vertraten. Man sollte auch darauf hinweisen, dass wenn es um persönliche Fragen geht, die Zahl der Argumente stark anwuchs und dass es eine Korrelation zwischen der Zeit, mit der sich jemand mit einem Thema beschäftigt und der Anzahl der genannten Argumente (nicht so überraschend) auch der Gegenseite gibt. Schließlich auch, dass sich die Zahl der Kontra-Argumente verdoppelte, wenn die Probanden explizit darum gebeten wurden auch die bestmögliche Gegenargumentation anzugeben. Ach ja und das es sich um eine Erziehungswissenschaftliche Studie handelt, die der Frage nachgeht, wie man Schülern beibringt ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Und ein weiteres Experiment zeigt, dass Schüler, die mit einem pädagogischen Konzept, das kritischen Umgang mit Quellen in den Vordergrund stellt deutlich weniger Bias zeigen und wenn sich dieses selbstreflexive kritische Denken verankert, dann wäre bei den Graduierten der Bias ganz weg.
Der absolut beste Beitrag hier. Danke, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, die Originalstudien zu eruieren und die Experimente in den richtigen Kontext zu stellen. Und das ganz uneigennützig, Verzeihung, nicht opportunistisch. Das wäre eigentlich die Aufgabe von Fleischhauer gewesen -seine Leser OBJEKTIV zu informieren - der daran kläglich gescheitert ist. Ich kann nur hoffen, dass Fleischhauer Ihnen sein Zeilenhonorar überweist. Verdient hätten Sie es im Gegensatz zu Fleischhauer allemal. Bildung kann also doch nichts schaden. Wer hätte das gedacht.

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fördeanwohner 25.01.2019, 21:27
352. @mitdenker#347

Doch, und leidrr zeigen Sie anhand Ihrer Beispiele auf, dass Sie leider nicht differenzieren und im Prinzip sämtlichen Flüchtlingen den Flüchtlingsstatus verwehren wollen.
Ihre Kritik möchte ich zurückgeben: Mir scheint, Sie sind auf die AfD reingefallen, dass Sie so gar nicht differenzieren. Sie übertragen negative Beispiele, deren Existenz ich ja gar nicht bestreite, auf alle. Das tue ich nicht.
Nichts für ungut, Sie schreiben so, als wäre für Menschen aus Syrien alles in Ordnung, sobald sie Syrien verlassen haben. Da hat die AfD aber wirklich ganze Arbeit geleistet!
Wer das nicht tut, wer stattdessen sämtlichen Menschen, die zu uns kommen, quasi kriminelle Energie unterstellt, der ist fremdenfeindlich. Das ist ein Merkmal von Fremdenfeindlichkeit.

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10tel 25.01.2019, 21:52
353.

Zitat von Karl Stotz
Nein, es ist lediglich so, dass Fleischhauer völlig unbedaft sich was zusammenreimt. Er zitiert eine Studie, die aussagt, dass : *.konnten Studenten insgesamt mehr Argumente zu Papier bringen als Nichtakademiker, allerdings blieb die Zahl der Gegenargumente unverändert. *. Liegt auf der Hand, das Akademiker, eben Gebildete, mehr Pro-Argumente finden als Nivhtakademiker. Völlig normal. Und dann kommt Fleischhauer mit seiner privaten, nicht in der Studie zu findenden völlig unbedarften und unqualifizierten Schlussfolgerung, dass: *…..Der Hang zur Rechthaberei nimmt also, das muss man daraus folgern, mit dem Grad der Bildung nicht ab, sondern zu. * Das ist Fleischhauer-Nonsens. Weil ja, wie schon gesagt, Akademiker mit mehr Bildung ja erwartungsgemäss mehr Pro-Argumente finden als eben Nichtakademiker Das interpretiert Fleischhauer in seiner Einfalt dann völlig unqualifiziert als * rechthaberei *. Extra nochmal ffür Sie: Der Unterschied zwischen recht haben und rechthaberei ist gravierend. Rechthaberei basiert stark auf Beharren im Irrtum. Trotz Bildung.
Also ich kenne diese Studie nicht, weiß darüber nur genau das, was Fleischhauer dazu geschrieben hat.

Wenn man aber das als Diskussionsgrundlage nimmt, ist es nicht unbedingt so wie Sie schreiben.

Die Aufgabe an die Studienteilnehmer bestand eben nicht darin, möglichst viele Pro-Argumente, also die Argumente die der eigenen Position entsprechen, zu benennen.

Die Aufgabe bestand lt. Fleischhauer darin, alle denkbaren Pro- und Kontra-Argumente zu benennen, unabhängig von deren Güte. Ein kleiner, aber feiner Unterschied.

Es geht bei dieser Studie also überhaupt nicht darum, ob die Teilnehmer viele gute Pro-Argumente haben. Es geht darum, ob sie in der Lage sind, zu einer strittigen Frage auch Gegenargumente zu finden, selbst wenn diese falsch sind.

Wer sich Kontra-Argumente eher weniger vorstellen kann, läuft natürlich Gefahr, seine Pro-Argumente nicht vollumfänglich auf Richtigkeit zu prüfen.

Eindeutig ist das alles nicht, Fleischhauer bezieht sich ja nur auf das Verhältnis zwischen Pro- und Kontra-Argumenten. Ihre Erklärung dazu ist aber von erstaunlicher Schlichtheit und erfasst den Hintergrund der Studie leider überhaupt nicht.

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kelcht 25.01.2019, 22:14
354.

meine bayrischen Erfahrungen mit Flüchtlingen ein nigerianischer Bauarbeiter der hier als Schweißer arbeitet in Libyen war und es über Mittelmeer geschafft hat und nicht gut auf Muslime zu sprechen ist dem aber die Abschiebung droht, ein nigerianischer ex Farmer und Logistikarbeiter der ein anerkannter Asylant ist und in der Gastronomie arbeitet. Ein syrischer Flüchtling der kurz bei uns arbeitete nach dessen Religion ich nicht gefragt habe der aber Fußballfan war und Informatik bei uns studieren wollte, eine Ukrainerin. Gut ich kam nur mit gut integrierten Flüchtlingen in Berührung die es aus dem Asylheim in soziale Einrichtungen geschafft haben bzw. dort Unterstützung erhalten haben aber auch von anderen deutschen Besuchern der sozialen Einrichtungen rassistisch angefeindet wurden. Gut die blöden rassistischen Sprüche machen aus denen das macht aus den Flüchtlingen aber auch keine Bedrohung.

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kelcht 25.01.2019, 22:15
355.

meine bayrischen Erfahrungen mit Flüchtlingen ein nigerianischer Bauarbeiter der hier als Schweißer arbeitet in Libyen war und es über Mittelmeer geschafft hat und nicht gut auf Muslime zu sprechen ist dem aber die Abschiebung droht, ein nigerianischer ex Farmer und Logistikarbeiter der ein anerkannter Asylant ist und in der Gastronomie arbeitet. Ein syrischer Flüchtling der kurz bei uns arbeitete nach dessen Religion ich nicht gefragt habe der aber Fußballfan war und Informatik bei uns studieren wollte, eine Ukrainerin. Gut ich kam nur mit gut integrierten Flüchtlingen in Berührung die es aus dem Asylheim in soziale Einrichtungen geschafft haben bzw. dort Unterstützung erhalten haben aber auch von anderen deutschen Besuchern der sozialen Einrichtungen rassistisch angefeindet wurden. Gut die blöden rassistischen Sprüche machen aus denen das macht aus den Flüchtlingen aber auch keine Bedrohung.

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michlauslöneberga 25.01.2019, 22:46
356. Alleine

Zitat von Patrik74
Nun, ich denke die gängige Interpretation ist, dass man in Weimar zu viel zugelassen hat, und sich deshalb die radikalen Kräfte mit offen anti-demokratischen Umtrieben so weit breitmachen konnten, dass die das System ausgenutzt, dann ausgehöhlt und zuletzt abgeschafft haben. Aufgrund dieser Erfahrung, ist unser aktuelles System als "wehrhafte Demokratie" ausgeschaltet, um sich nicht abermals wie der tumbe Tanzbär am Nasenring durch die Manege führen zu lassen und schließlich auf die Schlachtbank. Die Lehre ist, dass die Welt eben kein idealer Ort ist. Theoretisch mag ihre Argumentation zwar stimmig sein - wie die damalige Verfassung - in der Praxis hat sich aber herausgestellt, dass man mit intoleranten nicht tolerant sein kann. Da unsere staatlichen Organe recht Umtriebe aber "nicht erkennen" konnten, selbst wenn sie vor ihren Augen stattfanden, hat die Wehrhaftigkeit der Demokratie leider etwas zu wünschen übrig gelassen. Was verstehen sie in diesem Zusammenhang eigentlich als "Selbstjustiz"? Dass man sich als Privatperson erdreistet, der rechten Hetze zu widersprechen? Wenn Widerspruch schon eine Einschränkung der Meinungsfreiheit bedeutet, dann ist das wohl das Ende jeder Diskussionskultur...
die Tatsache, dass Sie nur einen Teil meines Post zitieren, ist, neben Ihrer Überschrift, für mich beredetes Zeugnis, dass Sie genau der Typ Mensch sind, den ich skizziert habe. Sie bezeichnen andere als intolerant, denen gegenüber es keine Toleranz geben könne. Es mag Ihrer Auffassung eines Umgangs entsprechen, meine ist es nicht. Tolerare bedeutet ertragen, und auch Ihre Auffassung müssen andersdenkende ertragen. Was das Thema Selbstjustiz angeht, sicherlich ist nicht der Widerspruch zu einer anderen Meinung eine solche, aber das bewußte Stören und Angreifen der Versammlungen politisch Andersdenkender ist es allzumal, und das ist hier das Thema! Sie erdreisten sich also den Begriff der wehrhaften Demokratie in den Mund zu nehmen, obgleich Sie derartig undemokratisch agieren? Das ist lachhaft, wie auch Ihr Fabulieren einer ausgeschalteten wehrhaften Demokratie. Sie haben da, wie auch Ihr etwas kryptisches Bild von Weimar hinlänglich zeigt, einiges oder fast alles nicht verstanden, halten sich aufgrund Ihrer Weltanschauung jedoch durchaus zu Dingen legitimiert, die Sie anderen nicht zustehen wollen. Für Menschen Ihres Schlages ist jeder sofort rechts, Nazi oder Revisionist, der nur anderer Auffassung ist, als Sie. Schwache Vorstellung, aber das Leben ist halt nur in dem Maße kompliziert, als wie man in der Lage ist, es zu begreifen.

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syracusa 25.01.2019, 22:48
357.

Zitat von zzipfel
die -zig Millionen Tode durch ihren "Klassenkampf" zu verantworten haben, ist kein "Verdienst" sondern schwere Schuld der 68er.
Sie verdrehen die Fakten ins totale Gegenteil. Warum?

Die 68er haben sich aber gerade gegen die linksfaschistischen Systeme des Ostblocks gestellt. Die 68er im Westen waren auch die 68er in der Tschechoslowakei. Die 68er stehen v.a. für die Bildung der offenen Gesellschaft und für deren Demokratisierung. Das ist die Kulturrevolution, die den freien Westen erst frei gemacht hat!

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der_mitdenker 25.01.2019, 23:08
358. Wir leben alle in unserem Mikrokomos

Zitat von kelcht
meine bayrischen Erfahrungen mit Flüchtlingen ein nigerianischer Bauarbeiter der hier als Schweißer arbeitet in Libyen war und es über Mittelmeer geschafft hat und nicht gut auf Muslime zu sprechen ist dem aber die Abschiebung droht, ein nigerianischer ex Farmer und Logistikarbeiter der ein anerkannter Asylant ist und in der Gastronomie arbeitet. Ein syrischer Flüchtling der kurz bei uns arbeitete nach dessen Religion ich nicht gefragt habe der aber Fußballfan war und Informatik bei uns studieren wollte, eine Ukrainerin. Gut ich kam nur mit gut integrierten Flüchtlingen in Berührung die es aus dem Asylheim in soziale Einrichtungen geschafft haben bzw. dort Unterstützung erhalten haben aber auch von anderen deutschen Besuchern der sozialen Einrichtungen rassistisch angefeindet wurden. Gut die blöden rassistischen Sprüche machen aus denen das macht aus den Flüchtlingen aber auch keine Bedrohung.
Es gibt solche und solche Menschen. Der größte Fehler den wir machen können ist, die Erfahrungen die die anderen Menschen um uns gemacht haben nicht ernst zu nehmen. Wenn Sie z.B. an einer dt. Hochschule arbeiten, werden die Migranten die sie sehen Personen sein die hier zum forschen, arbeiten oder studieren hergekommen sind. Wenn sie aber einer der Arbeiter sind, die es sich nicht leisten können aus Berlin Neukölln wegzuziehen, sehen ihre Erfahrungen anders aus. Besser wäre es gewesen, wenn vorher einen Plan gehabt hätte, statt hinterher zu sagen "nun sind sie halt da". Jetzt wird, auch aufgrund der öffentlichen Meinung eine Rückführungsmaschinerie angeschmissen werden, die leider auch die falschen treffen wird. MfG

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joachimrang 25.01.2019, 23:44
359. Meinungsvielfalt

Man darf sich freuen, dass der SPIEGEL so unterschiedliche Kolumnisten beschäftigt, die sich auch ab und an mal ein kleines Fernduell liefern dürfen.
Ich stehe in diesem Punkt Herrn Fleischauer deutlich näher, die ganzen "Haltung-zeigen" - Initiativen kommen mir ein wenig unheimlich vor: Ich habe oft das Gefühl es gilt im Wesentlichen sich selbst rein zu waschen (ich hab ja was getan) als das Übel wirklich zu bekämpfen. Aber vermutlich tue ich den Menschen unrecht und die Motive sind lauter und man möchte wirklich tun, was man kann. Die Ausgrenzung und Stigmatisierung die damit einhergehen sind aber real und nicht nur kontraproduktiv sondern vielfach auch ungerecht. 95% der Menschen sind gut - das sagt einem die Lebenserfahrung. Als junger Mensch war ich noch so naiv zu glauben, es gibt gute und schlechte Menschen und man müsste sich den guten anschließen. Diese Polarisierung verkennt jedoch das menschliche Wesen vollkommen, wird aber durch diese "Haltung-zeigen"-Initiativen immer wieder aufgewärmt.

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