Forum: Politik
Politische Borniertheit: Alles Nazis außer mir

Je gebildeter jemand ist, desto vorurteilsfreier blickt er auf die Welt - so die populäre Annahme. Experimente von Psychologen zeigen, dass genau das Gegenteil wahr zu sein scheint. Erklärt das vielleicht den Zustand des politischen Diskurses?

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piccolo-mini 24.01.2019, 16:16
30. Möglicherweise sollte man sich beim Spiegel endlich Gedanken machen,

ob man rechtskonservativen Provokateuren, die inhaltlich nichts beizusteuern haben, weiterhin ein Sprachrohr geben möchte, oder man Herrn Fleischhauer einfach mal vor die Tür setzt. Er findet sicher bei achgut oder breitbart einen neuen, passenderen Job.

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Gut Reden 24.01.2019, 16:17
31. "Gebildet"

Zitat von pariah_aflame
Wessen Annahme ist denn das? Es ist doch viel logischer, dass ein gebildeter Mensch seine Meinung zu einem Thema auf mehr Informationen aufbaut als ein Ungebildeter. Die Konsequenz ist logischer Weise, dass er weniger leicht von seiner Meinung abzubringen ist, da er diese mit Fakten untermauern kann. ).
Die formal Gebildeten, lange verschulten, sind doch heute v.a. darin geübt, Meinungen und "Fakten" aufzusaugen und auf Anforderung wieder auszuspucken, nachzuplappern. Selbst- & kritisch denken fällt heute vielen Studis schwer, lieber zeigt man die richtige Gesinnung, das gewünschte Verhalten und Denkmuster. Selbst bei Interpretationen etc. im Fach Deutsch weiß man doch schon vorher genau, wie letzlich "richtig" interpretiert werden soll, gibt schließlich fertige Büchlein dazu.

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ty coon 24.01.2019, 16:18
32.

Wenn es denn wenigstens nur die Nazis wären, die man Nazis nennt. Heute ist ja jeder irgendwie Nazi, der nicht in den Chor der Linksradikalen einstimmen mag. Der illegale Einwanderung nicht so toll findet. Oder Religion ganz allgemein. Oder amtlich verordneten Sprachmüll. Oder Gender. Das sind ja dann auch alles Nazis, vor allem wenn sie auch noch weiß und männlich sind. Was ich übrigens für eine ebenso rassistische wie sexistische Zuschreibung halte, aber wem ich erzähle ich das. So wird im Twitter-Zeitalter debattiert: Wer nicht meiner Meinung ist, ist entweder Nazi oder, aus anderer Perspektive, Gutmensch. Damit hat sich die Debatte erledigt.

Das Problem ist nicht, daß wir einige AgD-Politiker und noch schrecklichere Vögel völlig zu Recht als Nazis bezeichnen. Das Problem ist, daß aus linker Warte jede abweichende Meinung mit Kommentaren belegt wird, die irgendetwas mit der Zeit zwischen 1933 und 1945 zu tun haben. DAS vergiftet den, und jetzt benutze ich dieses schreckliche Schwurbelwort auch einmal, Diskurs.

Daß übrigens Lobo und Fleischhauer sich hier beharken wie kleine Kinder auf dem Schulhof, halte ich für verzichtbar. Ich finde auch manches, was Fleischhauer so schreibt, ziemlich daneben, bin aber trotzdem dafür, daß er hierbleiben darf. Noch mehr Monokultur braucht der "Spiegel" wahrlich nicht. Und auch Lobo schreibt so einiges neben der Spur. Vorschlag, die Herren: Gehen Sie mal tüchtig einen saufen, streiten Sie sich, und geben Sie sich hinterher die Hand, wie es sich für Gentlemen gehört. Sie müssen Ihre Privatfehde nicht auf spiegel.de austragen.

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Rabirius 24.01.2019, 16:18
33. Stichwort Graubereich

Ich stimme dem Autor volkommen zu. Zum Stichwort Graubereich der friedlichen Koexistenz: Nur wenn man sich mit der Gegenseite auseinandersetzt, gewinnt man ein Gefühl für deren Positionen. Diese Denkmuster muss man dann nicht teilen, man muss nicht einmal die zu Grunde liegenden Antriebsgründe verstehen, aber man sollte versuchen die Gedankengänge logisch nachzuvollziehen. Nur dann kann man ein Bewusstsein für die andere Meinung entwickeln und so eine Möglichkeit für einen Kompromiss finden. Heutzutage scheinen immer weniger Menschen bereit zu Kompromissen zu sein, weswegen ich vor allem bei meinen Altersgenossen (bin um die 30) traurig, rechts wie links, bemerken muss: Bedingt demokratiebereit.

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annoo 24.01.2019, 16:19
34. Hätte Fleischhauer Ahnung

Hätten Sie, Herr Fleischhauer Ahnung von der Materie, und würden nicht nur ihre eigenen Vorstellung bedienen, wüssten Sie, dass es unter gebildeten Menschen weitgehend Konsens darüber gibt, dass es vorurteilsfrei gar nicht gibt. Vorurteile hat jeder. Aber wichtig ist zu hinterfragen, wo es ein Vorurteil ist, um eine Zuschreibung ist und was davon wirklich nachgewiesen ist. Deshalb spricht man im Wissenschaftskontext sinnigerweise von "vorurteilsbewusst".

In einem bin ich mir schon mal relativ sicher - dass Sie sich häufig Vorurteilen bedienen und - so glaube ich - Ihnen das Bewusstsein dafür fehlt - anders kann ich mir Ihre Urlaubserzählung von neulich nicht erklären, nach der intuitiv "wussten" wie alle Menschen dort denken. Was sagt uns das jetzt über Ihre Bildung aus? Schau mer mal - ich beschäftige mich dann mal mit der beschriebenen Studie, wenn ich verlässliche Quellen dazu finde.

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consilio 24.01.2019, 16:19
35. Fleischhauer wagt sich (zu) weit vor

Hallo,

Entspräche der Satz

"Intelligenz und Bildung begünstigen nicht Selbstkritik und Erkenntnisfähigkeit"

der Wahrheit, dann würde das im Umkehrschluß bedeuten:

Dummheit und fehlende Bildung begünstigen Selbstkritik und Erkenntnisfähigkeit.

Das glaube ich Herrn Fleischhauer nicht. Außerdem empfinde ich über einen, der sich von Rassismus und Antisemitismus abwendet mehr Freude und Genugtuung als über neunundneunzig Menschen, die schon immer frei von diesen Vorurteilen waren.

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Sturholz 24.01.2019, 16:21
36. Ich danke Ihnen im Namen aller liberalen Humanisten...

...aber wie man an den Kommentaren unschwer erkennen kann, reicht solch ein kurzer Beitrag nicht aus. Sie haben es auf den Punkt gebracht, aber gerade dadurch tappen Sie zielsicher ins Feindbild der bornierten Selbstvergötterer. "Jemand, der die AfD wählt, muss automatisch ein Nazi sein und jemand, der das anders sieht, muss auch automatisch ein Nazi sein" - solche extrem kurzen, extrem generalisierenden Schlüsse sind leider inzwischen die Realität, und genau dieses reflexartige Schubladendenken ist es ja auch, der der AfD mit ihren Nazi-Parolen und Nazi-Politikern ihren gewaltigen Aufwind gibt in einem Land, das vielleicht 2% eingefleischte Nazis hat.

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claus7447 24.01.2019, 16:21
37.

Zitat von Peter Schmidt -fsb
Ich kann Herrn Fleischauer außnahmsweise nur zustimmen. Würde aber aber noch weiter gehen. Wenn sich die CDU/CSU weiter in die Mitte bewegt, dann ist es sogar notwendig für einen vernünftigen Meinungsbildungsprozess, dass es eine Partei rechts davon gibt. Nach Lage der Dinge wird dies bis auf weiteres die AFD sein. Worauf wir aber schon alle achten sollten, ist, dass die AFD nicht den politischen Diskurs vergiftet und das politische Entscheidungen weiterhin auf Basis von Fakten und nciht von Fake News getroffen werden. Das die Politik der AFD ihren Wählern nicht hilft ist persönliches Pech der Betroffenen. Aber das ist ja auch bei allen anderen Parteien nicht immer der Fall.
Sie sagen

Worauf wir aber schon alle achten sollten, ist, dass die AFD nicht den politischen Diskurs vergiftet

Und genau das macht sie. Würde die AfD sich hier ändern wäre sie obsolet.

Im übrigen, naja Fleischauer halt, Vorurteile und Bildung. Es wird nicht die Regel sein, nur wer sich mit Bildung auseinander setzt und BILDET, hat sich besseren Überblick und weniger Vorurteile.

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Dengar 24.01.2019, 16:21
38.

Aus dem FAS-Artikel ging übrigens auch noch hervor, dass es Rechten (nicht Rechtsextremen) leichter fällt, sich in die Gegenseite hineinzuversetzen als Linken, was mit weniger Exklusionsbestrebungen einhergeht. Toleranz Andersdenkenden gegenüber ist auf linker Seite durchaus noch entwicklungsbedürftig.
Aber vielleicht ist die momentane Hysterie der Linken auch einfach nur dem absehbaren Ende der '68er-Ideologie geschuldet, ein letztes verzweifeltes Aufbäumen, bevor vielleicht mal so etwas wie Normalität und Gelassenheit einziehen kann. Ich jedenfalls wünschte mir das.

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oisisi 24.01.2019, 16:23
39. mal wieder Fleischhauer ...

mal wieder Fleischhauer, der uns ja - und deshalb lese ich ihn, obwohl er mit seinen kruden Argumentationsketten bei mir doch hin und wieder Würgereize auslöst - immerhin regelmäßig lehrstückhaft vorführt, wie populistisches Zurechtbiegen und Falschverknüpfen vermeintlicher Kausalitäten funktioniert ... im vorliegenden Fall wird - was Rechtspopulisten auch gerne tun - so getan, als ob die einen nicht nur nicht viel besser, sondern geradezu noch schlimmer als die anderen seien. Doch kehren Fleischhauer und alle, die mit ihm d´accord gehen, hier eines unter den Teppich: Es gibt die Grundannahme der ausnahmslos geltenden Human Rights als Basis unseres Zusammenlebens - und wer diese Grundannahme streicht, kann nicht mehr Freund derer sein, die das nicht tun.

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