Forum: Politik
Politische Sprache: Was ist rechtspopulistisch, was rechtsextrem?
DPA

Wie nennen wir die neuen rechten Parteien und Bewegungen? Die Konfusion der Bezeichnungen ist groß und ihr Gebrauch keineswegs einheitlich. Der Historiker Ralf Melzer weist einen Weg durch den Begriffsdschungel.

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westhighland10 30.06.2016, 12:43
40.

Wenn Regierende und Opposition mitte bis links sind, dann kann alles andere nur rechts sein und das sollte zu denken geben. Demokratie geht anders und deshalb brauchen wir ein wertekonservatives Gegengewicht. Wertekonservativ wird heute gleichgesetzt mit rechtspopulistisch, rechtsradikal und was auch immer. Die Begriffe nutzen sich allmählich ab, weil sie inflationär gebraucht werden.

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vera gehlkiel 30.06.2016, 12:43
41.

Zitat von paulvernica
Zitat aus Artikel : die sich - häufig in Verbindung mit Gewaltbereitschaft - offen rassistisch, antisemitisch und demokratiefeindlich positionieren, sind rechtsextrem Zitat Ende : Das würde auch für Salafisten und orthodoxe Muslime in Deutschland gelten. Sind die Begrifflichkeiten Rechts und Links nicht längst überholt ?
Nein, das gilt nicht per se für Salafisten und orthodoxe Muslime. Sie behaupten, diese würden sich alle im öffentlichen Diskurs positionieren, was aber mitnichten der Fall ist. Solange jemand seine Religion als seine ureigendste private Angelegenheit auffasst, ist dies vom Gesetz strikt geschützt, und das gilt sogar für abseitige politische oder religiöse Aufassungen. Ich darf daran glauben, dass nächsten September Weltuntergang ist, und ich darf mir sogar den Keller mit Konserven und Wasservorräten auffüllen, um darauf aus meiner Sicht angemessen zu reagieren. Was jemand denkt, wird erst dann zu einem öffentlichen Problem, wenn er es selbst in die Öffentlichkeit trägt. Alles andere wäre Diktatur, dort will man bekanntlich das Private abschaffen, aber nicht in der Demokratie. Was die Begrifflichkeiten Rechts und Links angeht, sollte man damit aufpassen, denn wenn sie abgeschafft sind, könnte man plötzlich erkennen, dass alle Radikalen für sich in Anspruch nehmen, die einzig wahre Mitte zu besetzen. Daher wäre mein Appell hier, es lieber so präzise zu lassen, wie man es bisher kannte, und demzufolge bei Rechts vs Links zu bleiben.

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stefan taschkent 30.06.2016, 12:43
42. Moment mal

Also wenn ich die Brüsseler Bürokraten als solche bezeichne und meinen Unmut über die Bürokratie kundtue - es gibt in der EU sogar einen Anti-Bürokratie-Beauftragten, also scheint es soweit nicht hergeholt zu sein - bin ich ein Rechtspopulist? Interessant.

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kruderich 30.06.2016, 12:45
43. Wie man sie nun nennt ist doch

zweitrangig: gleich ist ihnen allen, daß sie rückwärtsgewandte Nationalisten sind. Sie verkennen die Realität, die sie nicht aufhalten können...nun zeigt sich übrigens, daß der Einkauf der DDR ein riesen Fehler war: Wir haben uns die Antidemokraten ins Land geholt anstatt sie ihre selbsteingebrockte Suppe erstmal selbst auslöffeln zu lassen. Das gleiche gilt für die Osterweiterung der EU! Die schimpfen doch tatsächlich über die Kosten, die durch die Flüchtlingsaufnahme enstehen werden, anstatt mal drüber nachzudenken, welche Kosten sie selbst verursacht haben...Jetzt bin ich aber abgeschweift: Ich nenne diese einfach durch die Bank Rechtsradikale...der Begriff trifft es doch...wozu noch differenzieren? Wirklich: Wozu?

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hasimen 30.06.2016, 12:45
44. zu einfach ...

Ja ... links und rechts können wir bestens auseinanderhalten, lebenswichtig im Straßenverkehr ! Der Versuch eine politischen Deutung scheitert jedoch immer am eigenen Standpunkt. Wenn ich also monatlich soviel Steuern zahle wie manche "zugewanderte" nie in Leben jemals hier einzahlen würden, darf man nachdenken. Ich erhalte keinen Gegenwert, die die nichts zur Gesellschaft beitragen aber schon ... auf meine Kosten. Darüber nachzudenken ist nicht "rechts". Das ist legitim und realistisch !

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suelzer 30.06.2016, 12:46
45.

Ich vertrete schon seit 1984 die Meinung, dass die alte BRD von Anbeginn an ganz tief in der Nazitradition verwurzelt war/ist. Es gibt zahlreiche Belege dafür, unter anderem das "Braunbuch". Die Kommentare, die hier durchgelassen werden, bestätigen mir die Richtigkeit meiner Ansichten. Zu Beitrag 5: nein, Dregger würde nicht als Nazi durchgehen. Er war einer. Was die Nazitrolle von den Gidas, AfD und anderen Kameraden im Netz verbreiten, beweist die triefbraune Färbung der Gesinnung der Mehrheit unserer Bevölkerung. Da die Nazitrolle sehr aktiv im Netz sind, gehe ich mal davon aus, dass sie entweder Zeit dafür haben, weil sie reich sind und deshalb nicht arbeiten (als Chef etwas delegieren ist keine Arbeit) oder dass sie faul sind und nicht arbeiten (so wie der GRÖFAZ, der soll sich ja für echte Arbeit auch zu fein gewesen sein). Jetzt bin ich mal auf einen Shitstorm gespannt. Mal sehen, wer sich selbst entlarvt.

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Alvy Singer 30.06.2016, 12:47
46.

Sind die Hervorhebungen durch Fettschrift vom Autor vorgegeben worden? Um die wichtigen Stellen von den superwichtigen zu unterscheiden, könnte zusätzlich mit Unterstrich formatiert werden. Ein "endlich verständlich" in der Überschrift, eine vorangestellte Auflistung "was ist passiert" mit einer abschließenden Zusammenfassung in Kursivschrift machte die Verballhornung von Journalismus komplett.

Peinlich sowas zu lesen.

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seine-et-marnais 30.06.2016, 12:48
47. Wie im richtigen Leben

http://www.liberation.fr/france/2015/04/20/la-comparaison-fn-pcf-de-hollande-tout-un-programme_1253982
Hollande am 19.04.15 au Canal+ «Mme Le Pen parle comme un tract du Parti communiste des années 70.» / Mme Le Pen spricht wie ein Flugblatt der kommunistischen Partei der 70er Jahre. Ich habe es damals anhand von Dokumenten nachgeprüft. Marine Le Pen (anders als Marion Maréchal-Le Pen) predigt in etwa das was Georges Marchais damals Chef des PCF in den 70ern sagte. Und ein Jahr später: verblüffend wie ähnlich sich Marine Le Pen vom FN und Mélenchon von den Linken sind.
Und es gibt nicht nur auf dem rechten Flügel Parteien die den Systemzusammenbruch herbeisehnen, aber auch auf dem linken. Völker hört die Signale, auf zum letzten Gefecht..... ist sicherlich kein Lied das das bestehende System lobpreisen will.
Das Problem ist ein ganz anderes: in Europa sind wir dabei das Links/Rechtsschema abzuschaffen, und zu ersetzen durch ein Anti-EU/Pro-EU-Schema. Und das ist es was die politische Landschaft durcheinanderwirbelt, vom Brexit hin zu exotischen systemerhaltenden Jamaica-, Kenya- und sonstigen Koalitionen im Wahlproporzstaat Deutschland, hin zum Ausschluss von PS in PACA und Hauts-de-France im Mehrheitswahlrechtstaat Frankreich.

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blitzunddonner 30.06.2016, 12:48
48.

Zitat von gekreuzigt
braucht mir nicht feine Unterschiede der rechten Seite zu erklären. Diese aus Steuergeldern finanzierten Stiftungen der Parteien sollten ohnehin abgeschafft werden. Für mich sind das lediglich Propagandazentralen.
"linkspopulismus" ist eine sprachkonstrukt der rechtspopulisten. man ist links aufgrund intellektueller einsichten in die ungerechtigkeiten des systems. "ökofachisten" ist ein anderes prägnantes beispiel.

"populismus" sind einfache antworten auf fragen, die oftmals noch gar nicht gestellt wurden. sie sprechen ausschließlich emotionen an, solche, wie die z.b. die aus dem tierreich bekannte revierverteidigung.

populisten diskreditieren sich automatisch und können niemals links, also demokratisch, sozial gerecht, vermögensgerecht, aufklärerisch, tolerant sein.

am ende steht aber die conclusio, dass "rechtspopulismus" nur ein verharmlosender begriff für beginnenden rechtsradikalismus ist.

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briefzentrum 30.06.2016, 12:48
49. Populismus - Kampfbegriff statt politikwissenschaftliche Kategorie

Deutlich geworden ist vor allem, dass Herr Melzer kein Anhänger der AfD ist. In seiner Lesart ist Populismus also vor allem ein Kampfbegriff, der von politischen Parteien zur Diskreditierung politischer Gegner eingesetzt wird. Eine geschichtswissenschaftliche oder politikwissenschaftliche Analyse und Definition bleibt er indes schuldig. Zudem bleiben die von ihm vorgenommenen Differenzierungen und Setzungen nebulös: Was ist eine „Anti-Establishment-Attitüde“ und wie kann politische Auseinandersetzung ohne Polarisierung und politischen Gegner auskommen – vor allem im Wahlkampf? „Freiheit oder Sozialismus“ und die „Roten Socken“ waren dereinst jedenfalls keine Programmatik der NPD sondern der CDU. Neigt die Partei Merkels also zu Rechtspopulismus?

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