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Politischer Exorzismus: Unsere Stadt soll sauber werden
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Früher wurden Straßen nach Berühmtheiten benannt, die heute als zweifelhaft gelten. Der Botaniker Carl von Linné zum Beispiel hatte vor 200 Jahren das falsche Frauenbild. Und wie steht es eigentlich um Willy Brandt?

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Flugzeugfreak1 03.04.2017, 14:10
1. Haben wir keine größeren Probleme

als politisch korrekte Straßennamen?
Linee hat die Botanik vorangetrieben, Richard Wagner die Musik revolutioniert. Von seinem Judenbild wollen wir nicht reden. Leider können die "Soziologen" nicht erkennen, das seine Schriften in der damaligen Zeit vollkommen angebracht war.
Ich fahr jetzt vom Richard Wagner Platz mit dem Bus.

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seamanslife 03.04.2017, 14:13
2.

solange wie Straßen und Plätze nach einem ehemaligen NS-Journalisten (Kurt-Georg Kiesinger) benannt werden sollte man sich den Blick auf das "seltsame Frauenbild" sparen. Bei Goebbels durfte nur arbeiten wer auch strammer PG war.
Es sollte mich nicht wundern wenn es im Rheinland nicht irgendwo einen Globkeplatz gibt!

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streifenpuppe 03.04.2017, 14:13
3. einen hat er vergessen.... Martin Luther

Im Luther-Jahr sollte man das problematische Verhältnis Luthers zu Frauen, Juden und Bauern (Werktätige!) auch in Bezug auf Denkmäler, Städte (*-Wittenberg) Straßen etc. mal kritisch hinterleuchten. Vorschlag für die Kommission: die Feminismus-Beauftragte der EKD, die hat auch dem "Negerkönig" bei Pippi Langstumpf den Garaus gemacht

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romeov 03.04.2017, 14:13
4. Ich erinnere mich noch

...als die Straße, in der meine Großmutter wohnte, von "Friedhofstraße" in die Zeitgeist entsprechende, politisch korrekte "Marie-Juchacz-Straße" umgetitelt wurde und sie jedesmal, wenn sie einen Brief schreiben wollte, fluchend zum Straßenschild ging, um die korrekte Schreibweise zu sehen.

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newline 03.04.2017, 14:17
5. Mit den Frauen

und ihrer literarischen Produktion ist das so eine Sache. In meiner Stadt wird gerade eine Strasse umbenannt, weil die bisherige Namensgeberin, eine Schriftstellerin, Hitler sehr verherrlicht hat, weit über das damals übliche Maß.

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st.peterording 03.04.2017, 14:17
6. Antisemitismus ist ein Kriterium zur Umbenennung

Benennung von öffentlichen Einrichtungen oder Straßen nach Antisemiten geht natürlich gar nicht. Es wird dann nun Zeit, die diversen Lutherstraßen u.ä. umzubenennen und diesen ausgewiesenen Antisemiten nicht auch noch zu feiern.

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max_schwalbe 03.04.2017, 14:18
7. Historischer Zusammenhang muss respektiert werden

Namenspatrone und Straßennamen sind immer in einem gewissen historischen Zusammenhang zu sehen. Das ist doch völlig okay! Gut, Göring ist weg, auch Stalin wurde schon zu DDR-Zeiten aus der Öffentlichkeit verbannt. Es gibt also eine Grenze, ab der der historische Kontext nicht reicht, um ein Zeitzeugnis zu rechtfertigen. Ich finde es aber vollkommen überzogen, sämtliche Personen aus ihrem historischen Kontext zu reißen. Dann müsste man auch die Karl-Marx-Straßen umbennen, schließlich hatte sich auch Karl-Marx teilweise abfällig über Juden geäußert. So wie die meisten seiner Zeitgenossen ... wohin soll der neue Exorzismus also führen!

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Nania 03.04.2017, 14:22
8.

Eigentlich müsste ich ja wissen, was mich erwartet, wenn ich Fleischhauers Kolumne lesen - und dann noch zu so einem Thema.
Quintessenz dieses Textes ist im Grunde doch dann: belassen wir alles beim Alten und ändern wir nichts, auch wenn sich unsere Ansichten heute geändert haben.
Ich kann ja verstehen, dass manche Namensänderung oder manche Person auf der Liste, eher weniger auffällig sind oder in ihrem historischen Kontext dann doch eben eher "harmlose" Gestalten waren, die ihrerseits damals Meinungen vertreten haben, die Konsens waren. Ich nehme hier bewusst die verschiedenen nationalsozialistischen Größen wie Goebbels, Göring und Hitler raus! Denn diese Personen haben zwar einen damals gesellschaftlich verbreiteten Konsens begründet und natürlich auch vertreten, dieser ist aber nicht nur heute nicht mehr mit unserer Auffassung von Zivilisation vereinbar - weiter muss ich das glaube ich nicht erklären, oder?

Dass man sich im Allgemeinen aber mal Gedanken um so etwas machen sollte, ist nicht verkehrt. Denn nehmen wir mal folgenden Fall:
Die Stadt entscheidet sich, eine Straße nach einem großartigen Architekten zu benennen, der seinerseits auch einige der bekanntesten Gebäude der Stadt geschaffen hat. Nun stellt sich heraus, dass dieser Mensch aber ein ziemlich xenophober Typ gewesen ist, der generell gegen Menschen anderer Nationalität wetterte und zudem ein ziemlich fürchterlicher Frauenfeind war. Gestorben wäre dieser Mann in unserem hypothetischen Beispiel vor 10 Jahren im hohen Alter von 90 Jahren.
Wenn sich die Stadt entscheidet, eine Straße nach diesem Mann zu benennen - und das ist nach wie vor eine hohe Ehre - dann muss sie sich auch mit der Vergangenheit des Menschen auseinandersetzten wenn diese nicht so rühmlich ist, mit seine Meinungen und (öffentlich) getätigten Aussagen.
Man muss dann beachten, ob die geleisteten "guten" Taten (ob die nun politisch, künstlerisch, sportlicher Natur waren), diese Einstellung aufwerten oder deutlich übertreffen, oder ob nicht irgendwann einmal die Namensvergabe negativ auf die Stadt zurückfallen kann. Noch deutlicher als bei Straßennamen - über die Benennung einer Straße als "Karl-Marx-Straße" wurde übrigens auch schon debattiert - ist das, wenn man Institutionen wie Universitäten benennt. Dann sollte man eben noch genauer hinsehen.
Ob man jetzt Linné unbedingt da einsortieren muss, weiß ich nicht. Aber ab und an mal darüber nachzudenken, ist eigentlich keine Sünde.

Und schlussendlich zur Parität von männlichen und weiblichen Straßennamen: ja, es gibt deutlich weniger weibliche als männliche Wissenschaftler, Entdecker, Forscher, Literaten in den Jahrhunderten bis ins 20. Jahrhundert hinein, aber es gibt sie. Und es gibt dann erstaunlich wenig "Marie-Curie-Straßen", "Hildegard-von-Bingen-Wege", "Lise-Meitner-Alleen" (obwohl die ja nun schon aus dem 20. Jahrhundert ist), "Charlotte-Bronte-Straßen". Dafür aber überall Willy-Brandt-Straßen, Konrad-Adenauer-Alleen, Mies-van-der-Rohe-Straßen, Schiller-Straßen, Humboldt-Wege usw. Es gäbe genug Frauen!

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wgaenger 03.04.2017, 14:22
9. Selbstgefällig

sollte ein spoettelnder Beitrag doch wohl eher nicht enden?

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