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Politischer Exorzismus: Unsere Stadt soll sauber werden
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Früher wurden Straßen nach Berühmtheiten benannt, die heute als zweifelhaft gelten. Der Botaniker Carl von Linné zum Beispiel hatte vor 200 Jahren das falsche Frauenbild. Und wie steht es eigentlich um Willy Brandt?

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Linus Haagedam 03.04.2017, 16:04
80. Laaangweilig

es gibt so Themen, bei denen könnte man sich empörungstechnisch zu Tode gähnen. PC-Bashing gehört dazu.
Nur soviel: In jeder Zeit wurden munter Straßen benannt und umbenannt. Wenn Freiburg nun einige Namen entfernt (die ich übrigens nicht entfernen würde) und andere Städte evtl. einige Namen behalten, die ich vielleicht entfernen würde. Na und?
In 20 Jahren werden sowieso wieder neue Namen gefunden. Wir sollten uns in der Tat nicht so wichtig nehmen und nichts bleibt, wie es ist. Da hat Fleischhauer doch recht. Aber gerade da widerspricht er sich in seiner verkrampft zur Schau gestellten Psudogelassenheit auch.
Ich plädiere für echte Gelassenheit.

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Boone63 03.04.2017, 16:04
81. Wen schon, denn schon

Warum überhaupt Straßennamen, es reichen Zahlen und Nummern.
Man weiß ja nie was jemand hinter verschlossenen Tueren so anstellt.
Und überhaupt, Namen.
Man sollte auch persönliche Namen entfernen, irgednwie sind die ja auch vorbelastet. Am besten auch hier Nummern und Zahlen einführen.
An einem "2017adffr237 möchte aus dem Småland abgeholt werden" kann man nun nichts aussetzen.
Die Stimmen der Gruenen hätte man auf alle Fälle.
Und wieder hat Deutschland die Welt ein wenig gerechter und morlischer gemacht!

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normalerfamilienvater 03.04.2017, 16:09
82.

Zitat von jonny_68
18 und 88 ok, verstehe ich, aber 28 ? Schonmal vom Landkreis Bühl gehört? Autokennzeichen BH ?
http://www.spiegel.de/auto/aktuell/verbotene-kfz-kennzeichen-keine-nazi-nummernschilder-a-1025284.html

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syn4ptic 03.04.2017, 16:11
83.

Zitat von Nania
Aber würden Sie gerne in einer Straße wohnen, die nach einem bekennenden Antisemitisten, Frauenfeind, Rassisten usw. benannt ist?
Ich würde, weil ich mich selbst nicht über den Namen meiner Wohnstraße definiere. Faktisch tut das niemand, die meisten dürften sich wohl eher daran stoßen "was die anderen denn da denken?", ähnlich wahrscheinlich bei dem Beispiel der Bordellstraße. Da wird man gleich das Ziel von Hohn und Spott.

Was kümmert mich der Name meiner Straße? Sachlich bedeutet das für mich erst einmal überhaupt nichts. Man wohnt eben da, zog da hin, die Straße heißt nun einmal so. Was dann unsere werte, ach so vorurteilsfreie Gesellschaft daraus zimmert ist allerdings ein anderes Thema... ich sehe das viel mehr als: wir tun etwas, damit etwas getan wurde und das gerne möglichst öffentlichkeitswirksam. Andere, drängendere Probleme gäbe es mit Sicherheit. Die sind dann jedoch meist etwas zu komplex, als dass sie sich durch eine einfache Umbenennung lösen zu ließen.

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quak_quak 03.04.2017, 16:19
84. Nein Danke

Zitat von twistie-at
"1. Straße 44" statt "Willy Brandt Straße", "1. Platz" statt Hauptplatz, Zentralplatz, von xy-Platz usw. und schon geht es problemlos.
Gar nicht problemlos; von der scheußlichen Gesichtslosigkeit (Oberschule Nr. 17) abgesehen, lässt sich ein Zahlendreher weniger leicht aufklären als ein falsch geschriebener Name. Alternativ bleiben nur dauerhaft unverfängliche Namensgebungen; mit der einhergehenden Inhaltsleere und Infantilisierung (irgendwann sind die Bäume und Vögel aus, dann eben Marienkäferweg, Bärenstraße...) müssen wir halt leben. Ich finde es erbärmlich, zumindest wenn fragwürdigen ´Ismen` (Sexismus, Antisemitismus, Rassismus...) eine bis heute nicht bestrittene Lebensleistung gegenübersteht.

Beängstigend finde ich, dass auf sämtlichen Ebenen, von EU über Bund bis in die Kommunen, offensichtlich großen Problemen ausgewichen wird, indem man Aktionismus im Kleinen zeigt. Wir haben zwar keine Ahnung, wie unsere Sozialsysteme dauerhaft aufrecht erhalten werden sollen und wie die innere Sicherheit mittelfristig gewährleistet werden kann, aber bei Sexismus in Straßennamen (und in der Werbung) gehen wir ganz scharf ran. Das reicht jedenfalls, um gewählt zu werden.
Schöner Nebeneffekt: man wird nicht mehr täglich mit der eigenen Unwissenheit konfrontiert (diese subtilen Unterdrückungsmechanismen des Bildungsbürgertums!). Vielleicht ist das der eigentliche Grund.

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kai.ramisch 03.04.2017, 16:20
85. QR-Code

Vielleicht läßt sich das Problem ja lösen, indem man auf jedem Straßenschild einen QR-Code anbringt, so daß man auf der kommunalen Website einen Disclaimer nachlesen kann, z.B. "wir verehren den großen Botaniker Carl von Linne, distanzieren uns aber entschieden ..."

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ulisses 03.04.2017, 16:22
86. Arndt-Universität

Die Universität in Greifswald muss ihren Namen nur minimal ändern und kann weiterhin Arndt-Universität heißen. Damit wäre eine gewisse Kontinuität gewährleistet, was für macht- und prestigebewusste (und darum geht es doch hier!!) Instititutionen sehr wichtig ist. Anstelle eines bösen, weißen Mannes kann ganz einfach eine verdienstvolle, ungescholtene Frau (leider auch weiß, alles auf einmal geht nicht) die Namenspatronin sein. Frau Professorin Susan Arndt aus Bayreuth forscht passenderweise genau über das Thema "Rassismus" in Literatur und in der Sprache an sich. Dem unermüdlichem und unerschrockenen Kampf von wachsamen Personen wie Frau Arndt haben wir es zu verdanken, dass Monostatos heutzutage in seiner Arie politisch korrekt sein Liebesleid besingt, Karl Mays Held Winnetou nicht mehr fälschlicherweise dem Subkontinent Indien zugesprochen wird. Selbstverständlich werden auch Wörter, die ganze Völker, ups, äh Bevölkerungsteile, beleidigen durch politisch korrekte ersetzt. So werden die bösen N-Wörter wie Nutte, Nazi oder Nasenbär durch die nicht diffamierenden Wörter "Sexarbeiterin", "politisch Brauner" ersetzt. Der Erfolg ist vielversprechend. Durch bloßes Austauschen von Wörtern konnte in diesen Fällen tatsächlich sämtlicher Rassismus zwischen den Zeilen ausgemerzt werden und überall ist Friede, Freude und Eierkuchen und alle singen Kumbaja. Lediglich die armen Nasenbären warten noch auf eine Umbenennung. Doch sicherlich müssen wir nicht bis zum Jahr 2084 warten, bis wir vom totalen Sieg des politisch korrekten Neusprechs beglückt werden.
In diesem Sinne hoffe ich, dass wir schon bald und nie wieder böse Wörter verwenden müssen. Jehova, Jehova sei Dank, dass es so wachsame Zeitgenossinnen gibt. (Hinweis an die SPON-LektorInnen: Das ist kein Schmähgedicht und wird deswegen hoffentlich veröffentlicht.) Und nein, ich bin weder Reichsbürger, PEGIDA-Krakeler noch AFD-Wähler. Mit viel Liebe für alle, Ulrich Müser

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dolledern 03.04.2017, 16:29
87. ich wittere

eine Verschwörung. Die Hersteller von Stempeln, Strassenschilder und Drucker verdienen doch jedes mal bei Namenswechsel...also ich finde, die Nachtigal trampelt....und alles schön unter dem Deckmantel der PC....

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Crom 03.04.2017, 16:30
88.

Zitat von Nania
Es gab da mal den Fall mit der Bordellstraße (oder einem ähnlich anrüchigen Titel). Da wollten die Leute einfach nicht mehr wohnen. Wenn es ......
Ich lebe am liebsten in einer Straße, die nach gar niemanden benannt ist.

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substanzlos12 03.04.2017, 16:30
89.

Zitat von romeov
...als die Straße, in der meine Großmutter wohnte, von "Friedhofstraße" in die Zeitgeist entsprechende, politisch korrekte "Marie-Juchacz-Straße" umgetitelt wurde und sie jedesmal, wenn sie einen Brief schreiben wollte, fluchend zum Straßenschild ging, um die korrekte Schreibweise zu sehen.
Es wäre folglich Ihrerseits nett gewesen, Ihre Oma darauf hinzuweisen, sich den Namen auf einem Zettel zu notieren.

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