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Populismus: Von Gauland lernen?
CLEMENS BILAN/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Alexander Gauland hat am Wochenende in der "FAZ" einen Artikel veröffentlicht, in dem er sich zum Populismus bekannte. Die Empörung war groß. Vermutlich, weil der Text nicht nur böse, sondern auch klug war.

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maxbee 09.10.2018, 06:43
190.

Einen linken Populismus sucht man deshalb vergebens, weil sich die heutige Linke längst von den Interessen der normalen Bürger verabschiedet hat. Daher haben diese auch von den bürgerlichen Parteien die Diffamierung des Begriffs "Populismus" (vom latein
. populus=Volk) übernommen. Den heutigen Linken sind die Normalbürger und deren Nöte so fern wie dem Establishment zu dem sie längst selbst zählen. Linke Spießbürger, die ihre in Staat und Gesellschaft erworbenen Pfründe von den rechten Populisten bedroht sehen. Mehr ist von der linken Bewegung nicht übrig geblieben. Daher überrascht es auch nicht, dass die Grünen lieber heute als morgen mit der CDU/CSU koalieren möchte, während DIE LINKE um Kipping & Co. mit denselben Grünen und der Abschafferin des Sozialstaates, der SPD, gerne die Regierung bilden möchte.

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jhea 09.10.2018, 07:11
191.

Zitat von DerDifferenzierteBlick
Die Rechtspopulisten sind also neben den Linkspopulisten die logische Gegenreaktion gegen die Globalisierung und die Verteilungsungerechtigkeit? Dabei sind es doch gerade diese Leute (angefangen mit Thatcher und Trump-Vorbild Reagan) die seit Jahrzehnten für einen schlanken Staat, gegen Sozialsysteme und für freien Handel trommeln. Multimilliardär Trump ist mit seinem Kampf gegen Obamas Krankenversicherung und sein Kampf gegen Abschottung anderer Märkte (fragen Sie mal Kanadas Milchbauern) da doch gerade ein Paradebeispiel. Und die AFD mit Forderung (steht im Parteiprogramm!) nach kompletter Abschaffung von Erbschaftssteuer, Vermögenssteuer und Gewerbesteuer, einer Steuergrenze, einem schlanken Staat etc. genau die gleiche Richtung. Und dass Sie mal wieder alle gemäßigten Parteien im Gegenzug als scheinliberal verunglimpfen und in einem Topf werfen ist doch selber purer Populismus. Bloß nicht differenzieren, sondern immer schön Pauschalurteile fällen. Und warum muss jetzt die Forderung nach einer gerechten Politik populistisch oder gar rechtspopulistisch sein? Kann man nicht ganz vernünftig als gemäßigt Linker vernünftige und sachliche Vorschläge für mehr Gerechtigkeit machen? Herr Augstein: Mir Ihrer Übernahme von rechtspopulistischen Einteilungen und Analysen und Ihrem Bashing gegen alle Gemäßigten mit einer gleichzeitigen Verherrlichung von Populismus fördern Sie nicht nur die Polarisierung der Gesellschaft und schüren Vorurteile und Verschwörungstheorien (gegen die "Elite"), sondern Sie machen schlicht Wahlkampf für die Populisten - und zwar auch für die von rechts!
Sieht wohl so aus.
Ich jedenfalls habe keine Lust mir vorschreiben zu lassen wie ich meine Schaumsüßigkeiten mit Schokoladenüberzug nennen soll, oder wie meine Paprikasauce für mein Schnitzel heißt.
Allein dabei fängt es doch schon an, dass 'die linken' mir vorschreiben wollen was heute politisch korrekt ist, und wie ich diverse Dinge nennen kann, damit auch ein jeder inkludiert wird.
Da bei solchen Blödsinnigkeiten dann auch jede andere Partei denen nachrennt die so einen Bullshit von sich geben und mir erklären wollen dass es über 76 Geschlechter gibt, nunja, dann muss ich mir halt jemanden suchen der sich wie ein normaler Mensch verhält. Denn über 99% der Gesellschaft denken wie normale Menschen und wissen dass es nur 2 Geschlechter gibt. Nennen Negerküsse, Negerküsse und wissen dass das nicht rassistisch ist und denken bei Zigeunersauce erst einmal an ein Schnitzel, statt an einen Wohnwagen wo 4 Sinti und / oder Roma drin wohnen und durchs Land fahren.

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Nietzsche 09.10.2018, 07:14
192. Treffende Analyse

Zitat von prologo
Patriotismus wurde vergessen, denn wer sich Sogen um die Zukunft seines Landes macht ist ein Patriot. Und solche Bürger werden sowohl von den Politikern wie auch den Medien sofort in die rechte Nazi Ecke geschoben. Sowie auch jeder Politiker und Bürger, der nur vor der Verfremdung in diesem Lande warnt, wird sofort angegriffen und schon im Keim erstickt. Deshalb stehen wir jetzt da, wo wir stehen. Diese Bürger wehren sich jetzt, indem sie zur AfD wandern, oder diese nur wählen, das ist schlicht reine Notwehr. Wenn Politiker aus der CDU/CSU und allen Parteien, so kann man lesen, zur AfD wechseln, dann stimmt doch was nicht mehr in dieser Politik. All diese Zeichen werden einfach ignoriert, und ganz im Gegenteil wird unverändert weiter gemacht. Deshalb werden die nächsten Wahlen sehr schlimm für diese angeblich etablierten Altparteien ausgehen. Die Flüchtlingspolitik von Merkel ist die Hauptursache dafür, wie auch die gescheiterte Migrations Politik. Patrioten wollen das nicht. Gauland sagte auch, dass sie von Merkels Politik leben, aber nicht mal das berührt diese etablierten Betonköpfe. Aufwachen tun die erst, wenn sie ihren Abgeordneten Platz los sind, und das ist Demokratie, nur die funktioniert noch in diesem Lande. Wenigstens nimmt sich Herr Augstein noch dieses Thema vor.
Will aber keiner hören.
Genau das ist der Grund, warum ich und viele meiner Bekannten von Union zur AfD gewechselt sind.
Aber man will uns nicht hören, man will sich mit den Problemen nicht auseinander setzen. Man behauptet einfach es gibt keine Probleme.
Kann man machen. Wählen wir weiter AfD.

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herb70 09.10.2018, 07:34
193. Jedes vielleicht nicht,

Zitat von ser4t
Nein, so einfach ist es nicht. "Heimat" ist das Schlüsselwort jedes Bürgers, der auf Geborgenheit in seinem Umfeld Wert legt. Uns das dürfte immer noch auf die Mehrheit zutreffen. Der Gegenbegriff heißt "Globalisierung". Die nützt aber nicht dem ortsansässigen Steuerzahler, sondern zuvörderst den multinationalen Konzernen. Und genau das wollen immer weniger Wähler in unserer Heimat.
aber der Begriff Heimat ist definitiv kein Begriff, den man den Rechten kampflos überlassen sollte.
Heimat ist z.B. auch der Hambacher Forst - und dort, unter den wackeren Baumhäuslern und Sympathisanten, vermute ich eher weniger Anhänger der AfD.
Ich persönlich gehe sehr gerne wandern in meiner fränkischen Heimat...was ich dort nie zu sehen bekomme, sind genau die Menschen, die den Begriff "Heimat" permanent mißbrauchen und benutzen.
Der Gegenbegriff zu Heimat ist allerdings mitnichten Globalisierung. Ausgerechnet die fortschreitende Digitalisierung ermöglicht z.B. immer öfter auch Heimarbeitsplätze, also Arbeiten im eigenen Büro zuhause oder im eigenen Garten - mehr Heimatnähe geht nicht.
Wir sollten aufhören mit dieser Dämonisierung der Globalisierung. Fakt ist, daß derzeit noch die Falschen profitieren, aber sowas läßt sich durchaus ändern.
Fakt ist auch, daß die Grünen gerade gewaltig zulegen im eher konservativen Bayern - grad weil viele Konservative erkennen, daß die Grünen einen deutlich größeren Bezug zu dem haben, was man Heimat nennen mag - daß Populisten wie Gauland mit dem Begriff hausieren gehen und dadurch bei Leuten punkten, die mit Heimat eher das Gasthaus "Zur toitschen Eiche" verbinden, ist die eigentliche Tragödie...

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prof.unrat 09.10.2018, 07:36
194. Klugheit?

Zur Klugheit gehört für mich auch soziale Intelligenz. Ansonsten ist man nur "durchtrieben". Klugheit bedeutet auch, dass man sein eigenes Wohlergehen nicht auf Kosten anderer gründet. Und da gibt es zwischen rechts und links gravierende Unterschiede. Die Rechten haben nur ihre eigenen Interessen im Blick.

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hpkeul 09.10.2018, 07:42
195. Das Gauland nicht blöd ist

liegt auf der Hand. Und das er ein par Begründungen für seinen Erfolg sieht, liegt auf der Hand. Die Geschichte ist voll von überaus klugen Menschen, die ein Unglück für die Welt waren. Ein gewisser Josef Göbbels ist ein Beispiel dafür. Augsteins Bewunderung bezieht sich dann folgerichtig auf die Teile der Gaulandschen Analyse, wo es Schnittmengen mit der Linken gibt. Globalisierung? Freier Welthandel? Ganz furchtbare Bedrohung der verelendenden deutschen Bevölkerung? Das ist ein Paralleluniversum, das nur in den Köpfen verängstigter Menschen existiert. Jedenfalls in diesem besten Deutschland aller Zeiten. Es wird Zeit für ein Aufstehen. Nein nicht mit der Tante W. Sondern der Demokratie.

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rant.biden 09.10.2018, 07:51
196.

Es ist köstlich, mitanzusehen, wie Augstein sich windet zuzugeben, was längst in so gut wie allen gesellschaftlichen und politischen Themen allgemeine Erkenntnis ist: Braun und Rot sind ein und dasselbe. Das Ideologiegebäude hinter dem dem Extremismus, hinter dem Wutbürgertum ist Fassade, der Wutbürger ist in erster Linie ein Psycho, ein Hasser. Die Rechten sind bloß ein bisschen weniger stalinistisch, weshalb sie lachend die Übereinstimmungen benennen können.

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Leser161 09.10.2018, 08:04
197. Populisten Lobbyisten

Populisten sind für mich die Lobbyisten des kleinen Mannes. Sie habe keine Lösungen, sie stellen lediglich oberflächlich sinnvoll klingende Forderungen für ihre Geld/Stimmengeber.

Ich wünschte Populisten wären nicht nötig. Aber in einer öffentlichen Diskussion die von den durchsichtigen Forderungen ("Alles für die Wirtschaft, wenn es der Wirtschaft gut geht geht es allen gut") aus Lobbyquelle dominiert wird braucht es vielleicht ein Gegengewicht wie den Populisten.

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juba39 09.10.2018, 08:12
198. Treffende Analysen

Man muß sich mit den, mit feiner Ironie gemischten, Analysen Augsteins gar nicht so tief befassen. Ein Blick in Augstein und Blome tut es auch.
Und wer die Bestätigung braucht, einfach mal das Morgenbriefing von Frau Hoffmann lesen.
1. Die Grünen, die NEUE VOLKSPARTEI!
2. Und die Krokodilstränen über Russlands evtl. Rückkehr in den Europarat, wo, nach gleichen Maßstäben, mindestens ein Dutzend Länder des Wertewestens dann gleichfalls nichts zu suchen hätten.
Das alles zusammengenommen. DAS ist der Brei, der die Massen einfach nur noch anekelt.
Ich gebe mal einen Gedankenansatz, den ich vor ca 10 Jahren in privater Runde schon mal geäußert habe. (da war von der AfD noch gar keine Rede!)
Wenn es den Rechten gelingt, eine, besser mehrere, charismatische Führungsfiguren hervorzubringen, wird das ganze deutsche Parteiensystem auf den Kopf gestellt.
Die Ansätze haben wir jetzt schon. Gauland ist leider zu alt, und die Charismatiker sind (noch nicht!) in Sicht.
Was bieten uns die satten Altparteien, tatsächlich von Linke bis CSU als Alternativen dazu an? Würde jetzt Bände füllen. Augstein hat EINE von vielen Antworten.

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meinungsforscher 09.10.2018, 08:19
199. selten!

Meistens finde ich die Beiträge von Herrn Augstein zu weit weg vom Leben und politisch sowieso... Hier muss ich ihm Recht geben! Die Zukunft in der Politik hat die Partei oder Bewegung die Heimat und Gerechtigkeit verbindet und endlich wieder die Familien in den Vordergrund rückt: die gestrige Diskussion bei Plasberg war schon mal ein guter Anfang: es fehlen die Taten!

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