Forum: Politik
Populismus: Von Gauland lernen?
CLEMENS BILAN/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Alexander Gauland hat am Wochenende in der "FAZ" einen Artikel veröffentlicht, in dem er sich zum Populismus bekannte. Die Empörung war groß. Vermutlich, weil der Text nicht nur böse, sondern auch klug war.

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demokrat2 09.10.2018, 09:13
210. Wer hätte das gedacht?

Augstein lobt Gauland. Wenn er das auch anschließend wieder relativiertt, kommt Gauland insgesamt gut weg. Weil Augstein Verständnis zeigt. Auch die FAZ, ein wahrer Freund der Sozialdemokratie, bietet Gauland eine Bühne zur Völkerverständigung. SPD-Scholz haben sie konsequent niedergerungen. Erst haben sie ihn todgeschwiegen, dann verteufelt, als er Themen lieferte. So ist das mit den achso neurtalen Medien. Jetzt gehört Gauland dazu, und Scholz ist für immer weg.

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dirk.resuehr 09.10.2018, 09:25
211. Der Irrtum

den Rechten Intelligenz abzusprechen ist alt, wirkt bis heute.
Jemanden als Nazi zu bezeichnen ist ein Totschlagsbefriff, setzt ihn in eine dumpfe und dumme Ecke. In Mode seit den 60igern. Dafür haben es die Nazis seinerzeit und heute recht weit gebracht. Also einigen wir uns darauf, daß Intelligenz kein ausschließliches Kriterium für Politiker ist, die gibts rechts und sogar links, auch wenn man es manchmal nicht merkt. Was bitte ist denn ein linker Weg? Die bis heute bekannten sind sämtlich gescheitert und für einen intelligenten Menschen erkennbar. Wo ist der Dini Index z.B. besonders hoch? In sozialistischen oder kommunistischen Ländern! Sollte ein Augstein wissen. Intellegere heißt erkennen und das ist nicht so schwierig. Also brauchen wir noch andere Kriterien, Bildung, Erfahrung, Werte. Wer keine Werte nach kantschem Imperativ verinnerlicht hat, sollte keine führende Position inne haben, ohne Moral gehts auch-wie man sieht- aber nicht für alle und dauerhaft gut.
Der Herr Gauland wird durchschaut und der linke Herr Augstein trägt unverständlicher Weise dazu bei, ihm positive Eigenschaften zuzusprechen Merke: Das ist das perfide an rechter Intelligenz, sie ist lebensgefährlich!

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catler 09.10.2018, 09:29
212. Patriotismus

Zitat von prologo
Patriotismus wurde vergessen, denn wer sich Sogen um die Zukunft seines Landes macht ist ein Patriot. Und solche Bürger werden sowohl von den Politikern wie auch den Medien sofort in die rechte Nazi Ecke geschoben. Sowie auch jeder Politiker und Bürger, der nur vor der Verfremdung in diesem Lande warnt, wird sofort angegriffen und schon im Keim erstickt. Deshalb stehen wir jetzt da, wo wir stehen. Diese Bürger wehren sich jetzt, indem sie zur AfD wandern, oder diese nur wählen, das ist schlicht reine Notwehr. Wenn Politiker aus der CDU/CSU und allen Parteien, so kann man lesen, zur AfD wechseln, dann stimmt doch was nicht mehr in dieser Politik. All diese Zeichen werden einfach ignoriert, und ganz im Gegenteil wird unverändert weiter gemacht. Deshalb werden die nächsten Wahlen sehr schlimm für diese angeblich etablierten Altparteien ausgehen. Die Flüchtlingspolitik von Merkel ist die Hauptursache dafür, wie auch die gescheiterte Migrations Politik. Patrioten wollen das nicht. Gauland sagte auch, dass sie von Merkels Politik leben, aber nicht mal das berührt diese etablierten Betonköpfe. Aufwachen tun die erst, wenn sie ihren Abgeordneten Platz los sind, und das ist Demokratie, nur die funktioniert noch in diesem Lande. Wenigstens nimmt sich Herr Augstein noch dieses Thema vor.
ist vielschichtig. Ich z. B. betrachte mich als Patriot da ich stolz darauf bin, weil es dieses Land geschafft hat nach einer Diktatur eine Demokratie aufzubauen. Mit allen positiven Merkmalen: freie Meinungsäußerung, freie Wahlen, Vielfalt usw. Der Patriotismus der AfD ist für mich eher einfältig. Mehr als Deutschland den Deutschen hört man aus der Ecke eben nicht.

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mostly_harmless 09.10.2018, 09:30
213.

Zitat von demokrat2
Augstein lobt Gauland. Wenn er das auch anschließend wieder relativiertt, kommt Gauland insgesamt gut weg. Weil Augstein Verständnis zeigt. Auch die FAZ, ein wahrer Freund der Sozialdemokratie, bietet Gauland eine Bühne zur Völkerverständigung. SPD-Scholz haben sie konsequent niedergerungen. Erst haben sie ihn todgeschwiegen, dann verteufelt, als er Themen lieferte. So ist das mit den achso neurtalen Medien. Jetzt gehört Gauland dazu, und Scholz ist für immer weg.
Für die konservative Kampfpresse (zu der FAZ/FAS gehören) sind Linke (egal ob moderat oder extrem) nach wie vor der primäre Feind. Extreme Rechte werden eher als korrektiv wahrgenommen. gucken Sie in Springer "WELT" (da ist das etwas offensichtlicher), die machen seit 2016 ohne Unterlass Wahlkampf für die AfD.

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Das Grauen 09.10.2018, 09:32
214. Vielversprechender Start, aber dann doch nur das typische Gelaber

Bei den ersten paar Absätzen war ich noch beeindruckt: Endlich mal geht ein linker Kolumnist das Phänomen AfD an, ohne sich gleich vom Igitt-Reflex stoppen zu lassen. Und dann auch noch Augstein, dem ich das eher nicht zugetraut hätte! Doch nach einer guten Zusammenfassung der Strategie Gaulands reicht die intellektuelle Power des Autors leider nicht aus, um aus den Einsichten konkrete Schlußfolgerungen für linke Parteien zu ziehen. Einfach nur “Gerechtigkeit!“ zu rufen, ist zu billig. Das wurde schon viel zu oft versucht, ohne daß dann ein überzeugendes Programm geliefert worden wäre. Daran ist auch Martin Schulz gescheitert. Ursächlich für die Schwierigkeit, mit gerechterer Politik zu Punkten, ist, daß die Prioritäten, je nach persönlicher Situation der Betroffenen, völlig unterschiedlich bewertet werden.
Linke Politik hat sich vermehrt darum bemüht. Gerechtigkeit für immer kleinere Gruppen zu schaffen. Diese vieldiskutierte Identitätspolitik ist aber kaum mit der Realität einer Volkspartei vereinbar. Viele kleine Gruppen zu vereinen ist schwieriger und bietet dem politischen Gegner zu viele Möglichkeiten, mittels “teile und herrsche“ die wacklige Allianz zum Auseinanderbrechen zu bringen. Sehr gut zu Sehen am Chaotenladen SPD, der vor innerem Gezänk zahlreicher Seilschaften überhaupt keine einheitliche Außendarstellung mehr zustandebringt. Gerade deswegen ist Populismus, der Themen anspricht, hinter denen sich große Wählergruppen sammeln können, deutlich erfolgreicher. Sahra Wagenknecht hat das erkannt und sucht mit #Aufstehen nach den Anliegen, die den linken Flügel vereinen statt weiter zu spalten. Und zwar ohne Berührungsängste, denn wenn man den Bürgern wichtige Aspekte wie die Flüchtlingspolitik aus ideologischen Gründen ausklammert, ist das Ziel nicht zu erreichen.
Gerade da scheitern Augstein und viele andere Linke, denn sie mögen aus ideologischen und sicher auch persönlichen Gründen nicht eingestehen, daß es für eine kosmopolitische Politik keine Mehrheit in der Bevölkerung gibt. Kaum jemand will völlige Abschottung, doch die grenzenlose, internationale, unpatriotische und hyperindividualistische Welt, die sich hippe Linke wünschen, ist beinahe ebenso wenig populär. Für erfolgreichen Populismus muß man von solchen Ideen, die von vielen Wählern abgelehnt werden, Abstand nehmen und stattdessen eine Politik propagieren, die mehrheitsfähig ist. Solange zur Forderung “Gerechtigkeit“ nicht auch eine Einwanderungspolitik gehört, die von einer großen Zahl von Bürgern, die hier auch tatsächlich wählen dürfen (siehe SPD, die Partei der Nichtwahlberechtigten), als gerecht und realistisch angesehen wird, kann man der AfD nicht das Wasser abgraben. Hoffentlich wird auch Herr Augstein irgendwann zu dieser Erkenntnis kommen.

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garno 09.10.2018, 09:34
215. Linke Spießbürger mit Idealismus

Zitat von maxbee
Linke Spießbürger, die ihre in Staat und Gesellschaft erworbenen Pfründe von den rechten Populisten bedroht sehen. Mehr ist von der linken Bewegung nicht übrig geblieben.
Immerhin haben diese "linken Spießbürger" auch noch Idealismus und Sozialromantik im Angebot. Damit verbünden sie sich mit der Moral der Kanzlerin. Ignorieren aber das verlorene Heimatgefühl vieler Menschen. Heimat als Gefühl von Sicherheit und zuhause. Es sind letztlich nicht nur die Migranten, die sich heimatlos fühlen, sondern zunehmend auch viele Einheimische.
Das nun mit einem "Dogma" von Globalisierung außer Kraft setzen zu wollen, das ist die Nahrung der AFD.

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schorri 09.10.2018, 09:35
216. Betreutes Denken von Rechtsaußen

Zitat von RolfWolf
Natürlich gibt es linken Populismus, der ist aber nicht auf die SED- Nachfolger begrenzt. Im Grunde ist die gesamte 68er Bewegung linkspopulistisch, aber sei es drum. Der Gauland war noch nie Nazi, sonst hätte er wohl kaum in der Staatskanzlei arbeiten dürfen und einige politische Parteiämter innehaben. Der politische Gegner macht ihn aber zum Nazi, weil das ein griffiger Begriff ist, den selbst der Dümmste versteht. Betreutes Denken eben, und von linker Seite. Wie hieß doch eine TV- Serie, die neulich gezeigt wurde? Wer anders denkt, ist Feind. Handelte zwar von der DDR /Stasi, trifft aber auf unsere Verhältnisse voll zu. Wehe dem, der angesichts der desaströsen Politik der letzten Jahre wagt, eine Augenbraue zu heben.
Ob der Gauland Nazi war, will ich hier nicht diskutieren, auch nicht behaupten dass er es war oder ist.
Aber das - nuja, sagen wir - einfältigste Argument, das man dafür bringen kann, jemand sei keiner gewesen, ist, dass er/sie nach 1945 in einer irgendwie geartete politsichen Verantwortung stand.
Schauen Sie nur mal hier nach (unterste Recherche-"Kompetenz" sozusagen: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_ehemaliger_NSDAP-Mitglieder,_die_nach_Mai_1945_politisch_tätig_ware n
Ihre Schlusforlgerung ist, um mit Ihren Worten zu sprechen "betreutes Denken" - aber von rechts.

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rainking 09.10.2018, 09:35
217.

Zitat von juba39
Man muß sich mit den, mit feiner Ironie gemischten, Analysen Augsteins gar nicht so tief befassen. Ein Blick in Augstein und Blome tut es auch. Und wer die Bestätigung braucht, einfach mal das Morgenbriefing von Frau Hoffmann lesen. 1. Die Grünen, die NEUE VOLKSPARTEI! 2. Und die Krokodilstränen über Russlands evtl. Rückkehr in den Europarat, wo, nach gleichen Maßstäben, mindestens ein Dutzend Länder des Wertewestens dann gleichfalls nichts zu suchen hätten. Das alles zusammengenommen. DAS ist der Brei, der die Massen einfach nur noch anekelt. Ich gebe mal einen Gedankenansatz, den ich vor ca 10 Jahren in privater Runde schon mal geäußert habe. (da war von der AfD noch gar keine Rede!) Wenn es den Rechten gelingt, eine, besser mehrere, charismatische Führungsfiguren hervorzubringen, wird das ganze deutsche Parteiensystem auf den Kopf gestellt. Die Ansätze haben wir jetzt schon. Gauland ist leider zu alt, und die Charismatiker sind (noch nicht!) in Sicht. Was bieten uns die satten Altparteien, tatsächlich von Linke bis CSU als Alternativen dazu an? Würde jetzt Bände füllen. Augstein hat EINE von vielen Antworten.
Genau da sehe ich auch das eigentliche Problem der heutigen etablierten Parteien. Es wird die ganze Kraft damit vergeudet, den politischen Gegner zu attackieren, anstatt abzustellen, was man selbst dazu beigetragen hat, dass der politische Gegner überhaupt erst zur heutigen Größe aufsteigen konnte. Ich warte noch heute auf die von Schulz und Gabriel angekündigte inhaltliche Auseinandersetzung mit der AFD. Wurde seither mehrmals mangels eigener inhaltlicher Masse verschoben. An den staatlichen Diskussionsrunden im Fernsehen darf die AFD wegen drückender Überlegenheit schon gar nicht mehr teilnehmen.
So gewinnt mich weder CDU/CSU, noch die SPD zurück - die Grünen und die Pünktchenpartei sind eh indiskutabel.

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catler 09.10.2018, 09:36
218. Die Ausländer

Zitat von Sportzigarette
Sorry Herr Augstein, aber die LINKE ist sehr populistisch, nur hat sie damit eben keinen Erfolg! Wäre die LINKE ebenfalls in der Lage gewesen, "die Ausländer" statt "die Märkte" und bösen Kapitalisten zum Sündenbock zu machen, wäre auch sie erfolgreich gewesen. Dennoch zeichnen links und rechts ein völlig verzerrtes Bild unserer Verhältnisse in Deutschland.
mal wieder.... Sie finden es also in Ordnung gegen Ausländer zu hetzen um beim Wähler Erfolg zu haben? Es geht hier um Menschen, das vergessen die AfD-Jubler leider immer wieder. Und eine Bitte habe ich noch: Beschreiben Sie doch mal in welchen Bereichen Linke ein völlig verzerrtes Bild haben. Bei den Rechten kann ich das nachvollziehen.

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abro90 09.10.2018, 09:45
219. AFD Denunzieren löst das Problem nicht

Ich finde die Analyse in diesem Artikel nicht schlecht. Es gibt zu viele Menschen in unserem Land die sich abgehängt fühlen und die von den etablierten Parteien nicht ernst genommen wurden. So entstand die AFD.
Es geht um etwas mehr als nur Verteilung von Wohlstand, es geht auch um Werte, aber konzentrieren wir uns mal nur auf ersteres.

In 2017 hat Deutschland einen Exportüberschuss von 245 Milliarden erzielt. Angesichts dieser unbestritten Fakten kann niemand behaupten die Globalisierung würde Deutschland schaden.
Ich selbst bin Gewinner der Globalisierung. Gut bezahlter Ingenieur in einem internationalen Konzern. Meine Arbeit bringt Geld aus aller Welt nach Deutschland. Aber was passiert dann damit?

Ich bin gegen mehr Sozialsubventionen. Leistungsgerechtigkeit ist ein wichtiger Motivator. Maßnahmen wie z.B. der Mindestlohn haben aber durchaus dazu beigetragen Geld gerechter zu verteilen. Der von allen Gegner propagierte Effekt der Arbeitplatzvernichtung hat sich als Schreckgespenst erwiesen. Also warum nicht den Mindestlohn erhöhen und gleichzeitig strengere Reglen für Überstundenregelungen in Berufen mit mittlerer bis geringer Qualifikation?
So erhält jeder faire Bezahlung, kann seinen Lebensunterhalt finanzieren und gleichzeitig entstehen mehr Stellen, weil die Arbeit verteilt werden muss.
Ich zahle jedenfalls lieber beim Friseur, Bäcker und Supermarkt mehr, als über eine absurd hohe Lohnsteuer. Denn hier kann ich selbst entscheiden wen ich mit meinem Geld unterstütze. Und ich unterstütze üblicherweise die Menschen gerne, die ihren Job vernünftig erledigen.

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