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Pränataldiagnostik: Warum der Bundestag über Bluttests debattiert
Tatiana Dyuvbanova/ iStockphoto/ Getty Images

Intensive Debatte über ein emotionales Thema: Der Bundestag berät an diesem Donnerstag, ob pränatale Bluttests künftig unter bestimmten Bedingungen Kassenleistung werden sollen. Der Überblick.

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g_bec 11.04.2019, 13:50
110. Ja nun.

Zitat von MondVogel
Naja; Ich persönlich gebe Ihnen zwar recht aber es ist OK wenn andere Menschen sich diese Entscheidung nicht so einfach machen. Wer auf dem Punkt steht, dass Leben mit der Befruchtung der Eizelle beginnt, hat eine nachvollziehbare Argumentation dass jegliche Abtreibung in Folge Mord wäre. Und damit wäre es NICHT Ihre Entscheidung und NICHT Ihr Körper weil das Wohlergehen des Lebens eine höhere Priorität hätte.
Nachvollziehbar. Aber die Übernahme des Tests als Kassenleistung bedeutet ja weder, dass die "Befruchtung=Lebensbeginn"-Vertreter diesen auch machen müssen noch dass anschließend auch zwingend eine Abtreibung zu erfolgen hat. Es geht ja in der Debatte nur um die Möglichkeiten, diesen Test auf Wunsch unabhängig vom finanziellen Hintergrund allen Frauen (hier sogar nur den Risikogruppen) zugänglich zu machen. Es bleibt am Ende eine individuelle Entscheidung, hier sollten also Vertreter-Gruppen eigentlich nicht gehört werden dürfen.

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carlitom 11.04.2019, 13:56
111.

Zitat von aurora77
Grundsätzlich ist Pränataldiagnostik sinnvoll. Jedoch sollte sie der Erhaltung des ungeborenen Lebens dienen. Meines Erachtens könnten viele Abtreibungen verhindert werden, wenn man das Gesetz strikter anwenden würde. Entgegen der landläufigen Meinung gibt es nämlich keine straflose Abtreibung wegen Behinderung des Kindes. 218 a StGB erlaubt die Abtreibung nach der 12. Woche nur, wenn die körperliche oder psychische Gesundheit der Mutter bei Fortsetzung der Schwangerschaft in Gefahr ist.
"Jedoch sollte sie der Erhaltung des ungeborenen Lebens dienen." Sagt wer? Sie? Die Gründe, warum sich jemand für Pränataldiagnostik entscheidet, und was die Betreffenden für Konsequenzen daraus ziehen, gehen Sie gar nichts an.

Straflos ist jede Abtreibung bis zum Ende der 12. Woche, egal, aus welchen Gründen. Einzige Voraussetzung: die Beratung in Anspruch genommen zu haben. Ihre Auslegungen sind willkürlich und falsch.

Da der Test schon in der 9. Woche möglich ist, ist es total unwichtig, welche Bedingungen nach der 12. Woche gelten. Es steht aber fest, dass eine Behinderung sehr wohl auch ein Grund zur späteren Abtreibung sein könnte. Doch, wie gesagt, steht das im Zusammenhang mit dem diskutierten Test gar nicht zur Debatte.

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jonas_schwebe 11.04.2019, 16:38
112. Traurig...wie vereinfacht das Thema diskutiert wird

Es macht mich sehr betroffen, wie sehr das Thema verkürt wird. Bei den Bluttests handelt es sich nicht nur um einen Test auf Trisomie 21, es werden mittlerweile auch viele andere Chromosomstörungen zuverlässig erkannt wie zum Beispiel Translokationen, Trisomie 18; Prader Willy und so weiter - die uzm Teil aller schwerste Erkrankungen und stille Geburten zu Folge haben könnten.
Die Bluttests können Risiko-Schwangeren einen invasiven Eingriff wie die riskante Fruchtwasseruntersuchung erstparen und eine ohnehin schon riskante Schwangerschaft und die damit verbundenen Sorgen etwas erträglicher machen.

Wir persönlich würden mit einer Trisomie21-Diagnose die Schwangerschaft nicht beenden, aber diese Entscheidung ist eine persönliche, und keiner der nicht in einer entsprechenden Situation war, sollte sich anmaßen darüber zu urteilen.

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artep 11.04.2019, 16:56
113. Tempolimit und Pflegefall

Zitat von MisterD
es gibt den Praena-Test bereits. Wir haben den vor 3 Jahren schon gemacht. Es geht nicht darum, ob dieser Geist durch ein Verbot zurück in die Flasche soll, das geht sowieso nicht mehr... Es geht einzig und allein darum, ob auch einkommensschwache Menschen in den Genuss kommen sollen, indem er Kassenleistung wird... Über den Rest brauchen Sie sich den Kopf nicht zerbrechen. Wer sich den Test leisten kann, der wird ihn machen. Und um mal davon wegzuschweifen, weil ein anderes Thema ja auch gerade durchs Dorf getrieben wurde: Wenn Behinderung, Tod und Leid doch zu einer Gesellschaft dazugehören, ja sie sogar bereichern. Warum dann eigentlich ein Tempolimit? Ist doch schön, wenn auf der Autobahn jährlich viele Menschen zum Pflegefall werden? Bereichert unsere Gesellschaft...
Zu Ihrem letzten Abschnitt: Haben Sie denn diese vielen potentiellen Organspender bedacht, die wegen Leichtsinn auf unseren Straßen verunglücken ? DAS ist eine Bereicherung unserer Gesellschaft !

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mundi 11.04.2019, 18:52
114.

Zitat von mumuwilli1975
was soll das? Es ist mein Körper, meine Entscheidung! Und ja, wenn der Test negativ ausgefallen wäre, hätte ich abgetrieben. Wie kann sowas in Frage gestellt werden? Und natürlich soll der Staat dafür aufkommen. Immerhin zahlt der Staat ja auch für die dementsprechenden Einrichtungen, in die man behinderte Kinder gibt.
Manche potentielle Eltern möchte ein kluges Kind haben, ein musikalisches Kind, ein Kind mit blauen Augen und schwarzem Haar, einen Jungen oder ein Mädchen.
Es wird bald möglich sein, diese Diagnose risikofrei zu stellen.

Die Fragen, die sich stellen sind: brauchen die Eltern dieses Wissen in „guter Hoffnung“ vor der Geburt
Soll ich als Beitragszahler diese Diagnose mitfinanzieren?

Man stelle sich ein totalitäres Regime wie die Nazis vor.
Dort wäre möglich, dass man nur die Geburt von wertvollem Menschen, im Sinne des Regime zulässt.

Welcher Mehrwert steckt in der pränatalen Diagnostik von Elementen, die man (noch) nicht verändern kann?

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macjackson 12.04.2019, 11:09
115. Bleiben Sie beim Thema...

Zitat von mundi
Manche potentielle Eltern möchte ein kluges Kind haben, ein musikalisches Kind, ein Kind mit blauen Augen und schwarzem Haar, einen Jungen oder ein Mädchen. Es wird bald möglich sein, diese Diagnose risikofrei zu stellen. Die Fragen, die sich stellen sind: brauchen die Eltern dieses Wissen in „guter Hoffnung“ vor der Geburt Soll ich als Beitragszahler diese Diagnose mitfinanzieren? Man stelle sich ein totalitäres Regime wie die Nazis vor. Dort wäre möglich, dass man nur die Geburt von wertvollem Menschen, im Sinne des Regime zulässt. Welcher Mehrwert steckt in der pränatalen Diagnostik von Elementen, die man (noch) nicht verändern kann?
... Es geht hier nicht um Designerbabys. Es geht um das Erkennen von Behinderungen. Und hören Sie gefälligst auf von totalitären Staaten zu schwadronieren. WIR leben hier erstens in keinen totalitären Staat. Und zweitens ist die Technik dazu bekannt. D.h. wenn ein totalitärer Staat das was Sie da so schön aus dem Religions- oder Ethikunterricht reflektiert haben, vorhätte, würde die kassenärztliche Zahlung in Deutschland das auch nicht verhindern. Das Down Syndrom kann in verschiedenen Formen auftreten. Und es ist ALLEIN Sache der Frau zu entscheiden, ob sie das möchte oder nicht. Das ist der Mehrwert. Und die Höhe desselben, kann jeder für sich selbst beurteilen. Und ja, SIE als Beitragszahler sollen diese Diagnose mitfinanzieren. Genauso, wie die Gesellschaft die spezielle Versorgung IHRES Kind mit Down Syndrom mitfinanziert, für dass SIE sich AKTIV entschieden haben. Ich halte das für durchaus angemessen.

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wilhelm.weiss74 12.04.2019, 16:39
116. Falsche Fragestellung

Im Bundestag sollte nicht darüber diskutiert werden, ob der Bluttest von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird, sondern darüber, ob der Test erlaubt oder verboten wird. Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass reiche Frauen den Test wie selbstverständlich machen können, während die armen auf die gefährliche Fruchtwasseruntersuchung verwiesen werden. Aber in unserem kapitalistischen Land scheint das niemanden zu stören, nicht mal von der Linken ist dieser Vorwurf bis heute zu vernehmen.

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