Forum: Politik
Pränataldiagnostik: Warum der Bundestag über Bluttests debattiert
Tatiana Dyuvbanova/ iStockphoto/ Getty Images

Intensive Debatte über ein emotionales Thema: Der Bundestag berät an diesem Donnerstag, ob pränatale Bluttests künftig unter bestimmten Bedingungen Kassenleistung werden sollen. Der Überblick.

Seite 2 von 12
artep 10.04.2019, 22:03
10. Worum geht es

Es geht darum, dass es eine neue Methode der Diagnostik gibt, um zu erfahren, ob das erwartete Kind unter einem Down- Syndrom leidet oder nicht ! Und darum, ob die Krankenkassen diese Diagnostik bezahlen oder nicht. Das heißt, armen Menschen wird das Risiko ein Kind mit Down- Syndrom aufziehen zu müssen eher zugemutet als besser situierten Menschen, die diese Analyse aus eigener Tasche bezahlen können. Wenn eine Mutter erfährt, dass das Kind, das in ihrem Leib wächst mongoloid ist, wird sie sich in den meisten Fällen für eine Abtreibung entschließen. Tut sie das nicht, aus religiösen oder ethischen Gründen, wird dieses Kind ihr gesamtes Leben und wahrscheinlich auch ihre Partnerschaft zerstören.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Der Sheldon 10.04.2019, 22:05
11. Ich habe mich mit dem Problem öfters befassen müssen:

Als Genetiker wird man öfters gefragt, was man von Pränataldiagnostik hält. Ich habe deshalb Kollegen, die in der humangenetischen Beratung tätig sind, befragt, was die Sorgen der Eltern sind, denen die Diagnostik "Trisomie 21" übermittelt wird. In den meisten Fällen war die Begründung für eine Abtreibung das fehlende Vertrauen in die würdevolle Betreuung für das Kind, wenn die Eltern selber dazu nicht mehr in der Lage sind. Die Tatsache dass das Down-Syndrom gehäuft bei älteren Eltern diagnostiziert wird, spielt hier eine Rolle. Ich habe auch im Kreis meiner Bekannten, die ein solches Kind bekommen hatten, den Kollaps der Familie gesehen-mit dem behinderten Kind als dem eigentlichen Opfer. Wir müssen in unserer Gesellschaft dazu kommen, dass wir beide Entscheidungen akzeptieren: Die für und die gegen ein Kind mit Trisomie 21. Im Übrigen: Es gibt auch tragische Varianten der Trisomie, die nur Leiden bedeuten und zwar für das Kind und für die Eltern und Geschwister. Es mag zwar christlich sein, zu glauben, dass dass Leid auch zu unserer Existenz gehört, dieser Auffassung mag ich mich als religionsferner Mensch aber nicht anschliessen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
casbavaria 10.04.2019, 22:08
12. Zweiklassenmedizin

Die, denen es leichter fällt aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten, ein behindertes Kind aufzuziehen, können sich auch den Bluttest leisten - und werden sich im Zweifelsfall auch für den Test und eine Abtreibung entscheiden. Die Ärmeren, für die ein behindertes Kind eine quasi nicht zu stemmende Belastung darstellt, können sich auch den Bluttest nicht leisten und dürfen ja die viel riskantere Fruchtwasseruntersuchung vornehmen lassen und eine Spätabtreibung?? Wie pervers ist das denn?
Ich verstehe auch nicht, worin der Gewinn liegt, wissentlich ein behindertes Kind zu bekommen - nicht alle Trisomie-21 Kinder sind die Musterkinder, die immer gern in der Presse gezeigt werden. Es gibt auch viele, die zusätzlich z.B. Herzfehler haben, immer auf dem Stand eines 2-jährigen bleiben und ihr Leben lang ein Pflegefall. Warum tauchen solche Beispiele, die es ja gibt, nie in den Berichten auf?
Die Entscheidung sollte jeder Frau überlassen bleiben - ohne wenn und aber.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
carlitom 10.04.2019, 22:12
13.

Zitat von Sensør
Dies könnte als Bildunterschrift unter dem Bild mit dem niedlichen Kind stehen. Wenn es denn also nur um Geld sparen und Bequemlichkeit gehen soll - bitte, deutsche Gesellschaft ....
Das ist eine scheinheilige und dumme Vereinfachung. Da Sie es offenbar nicht wissen: Fruchtwasseruntersuchungen werden auch von der Kasse bezahlt - selber Zweck, großes Risiko. Und auch die Bluttests gibt es schon länger, ohne dass jemand sie ethisch in Zweifel gezogen hätte. Nur musste man sie bisher selbst zahlen. Sie blieben also Wohlhabenderen vorbehalten. Ist es das, was Sie erhalten wollen? Um was anderes geht es nämlich nicht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
paleki79 10.04.2019, 22:13
14. Schwieriges Thema

Ich persönlich stehe einem Pränataltest durchaus skeptisch gegenüber, da ich der Meinung bin, dass damit der gesellschaftliche Druck steigt, ein gesundes Kind zur Welt bringen zu müssen. Denn je weniger behinderte Menschen es gibt, desto weiter werden deren Bedürfnisse und Ansprüche marginalisiert, da deren Lobby immer kleiner wird. Und desto öfter werden Eltern eines solchen Kindes gefragt werden, "ob das nicht zu vermeiden war".
Dennoch sollten die GKVen den Test am Ende bezahlen. Damit am Ende nicht der Geldbeutel darüber entscheidet, ob ein Kind behindert zur Welt kommt oder nicht.
Im Übrigen gibt es auch andere Trisomien, bei denen die Neugeborenen nur wenige Tage / Wochen unter großen Qualen überleben. Diesen Kindern und ihren Eltern sollte man das Leid möglichst ersparen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Grünspahn 10.04.2019, 22:14
15.

Es gibt Familien, die mit der Belastung, die ein behindertes Kind mit sich bringt, umgehen können und andere Familien zerbrechen daran. Ich halte es für nicht geboten, als nicht Betroffener, Frauen bzw den Familien vorzuschreiben, wie sie sich zu entscheiden haben. Daher bin ich für das Angebot des Tests als Kassenleistung, wer es nicht wissen will kann den Test ablehnen. Und egal, wie sich eine Frau entscheidet, die Gesellschaft hat es zu akzeptieren.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
maquick 10.04.2019, 22:15
16. Der Test bringt keine neue Erkenntnis

Der Bluttest bringt keine neue Erkenntnis. Heute werden schon Nackenfaltenmessung und Fruchtwasseruntersuchung gemacht, die potentiell die gleiche Information liefern. Der Unterschied ist,dass der Bluttest genauer (im Vergleich zur Nackenfaltenmessung) und risikoloser (im Vergleich zur Fruchtwasseruntersuchung) ist.
Es wird also auch jetzt schon auf Trisomie 21 untersucht, nur ist der Bluttest besser und sicherer und kann damit werdende Eltern unterstützen,da das Ergebnis weniger Unsicherheit hat in einer Situation, die die betroffenen Eltern eh schon stark verunsichert.
Und wenn irgendwer denkt, dass mit dem Bluttest die Entscheidung zur Abtreibung leicht wird, war noch nie in der Situation.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
stimmtdas 10.04.2019, 22:15
17. Danke Nr. 4

Ich hätte den wunderbarsten Menschen den ich kennengelernt habe vielleicht nie gesehen..

Denkt bitte darüber nach was einige von Euch mal eben schreibt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
lucky99 10.04.2019, 22:16
18. Verantwortung

Wir standen vor 7 jahren vor dieser Entscheidung den riskanten Test zu machen. Es ging alles gut. In dieser Hinsicht ist der Bluttest ein Fortschritt. Es geht hier um Verantwortung von Eltern für ihr ungeborenes kind. Jeder Fall ist anders und es sind die nicht leicht fallen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
crisalide 10.04.2019, 22:16
19.

Menschen mit einer leichten, kaum Wahrnehmbaren Behinderung und Trisomie 21 sind äußerst selten. Die absolut überwiegende Anzahl hat ausgeprägte körperliche und geistige Einschränkungen. So können einer aktuellen Studie zufolge von den über 31-jährigen Betroffenen nur 30% sich selbst eine einfache Mahlzeit zubereiten oder ein öffentliches Verkehrsmittel nutzen. Nachzulesen hier: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1002/ajmg.a.61004 Das sind Basis-Fähigkeiten, die ein durchschnittliches gesundes Kind bereits mit Eintritt ins Schulalter erreicht hat. Für die Eltern dieser Trisomie 21-Kinder heißt das: lebenslange Betreuung eines Kleinkindes im Körper eines Erwachsenen mit Bedürfnissen eines Erwachsenen. In Anbetracht dieser gravierenden Auswirkungen sollte jeder Frau ermöglicht werden einen Bluttest durchzuführen. Die Heuchlerei vieler Politiker in Bezug auf dieses Thema ist unerträglich, im Falle einer eigenen „ Betroffenheit“ mit all ihren bitteren Konsequenzen wäre vermutlich den Meisten der Schutz des Lebens dann doch nicht mehr so wichtig. Wer ein Kind mit Down-Syndrom bekommt, sollte darüber Bescheid wissen dürfen um dann auch Wirklich eine informierte Entscheidung treffen zu können. Alles andere ist zutiefst unethisch den Betroffenen Eltern gegenüber.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 2 von 12