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Pränataldiagnostik: Warum der Bundestag über Bluttests debattiert
Tatiana Dyuvbanova/ iStockphoto/ Getty Images

Intensive Debatte über ein emotionales Thema: Der Bundestag berät an diesem Donnerstag, ob pränatale Bluttests künftig unter bestimmten Bedingungen Kassenleistung werden sollen. Der Überblick.

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DerLaunige 10.04.2019, 22:24
20. Ich weißer heterosexueller Mann hab ne Frage

Kann mir das bitte jemand erklären?
Jahrelang bekommt man gesagt, dass man das Recht der Frauen auf ihren Körper respektieren soll.
Das ein Abbruch in der Regel nicht leichtfertig gerät.
Das der Abbruch nur die Frau angeht und keine Außenstehenden.
Dass es falsch ist, dass Verhalten anderer Menschen damit zu entschuldigen, dass eine Frau dies oder das mit ihrem Körper gemacht hat.
Und das klang für mich immer einleuchtend.
Aber jetzt soll das plötzlich eine riesige Diskussion sein?
Was ist plötzlich anders?
Ich soll es respektieren wenn eine Frau sagt "Ich kann jetzt kein Kind großziehen" (und das resp. ich auch) aber wenn sie sagt "Ich hab nicht die Kraft und den fam. Rückhalt ein Kind mit Behinderung großzuziehen" dann ist sie plötzlich eine NxxxSchlxxxx??????
Und warum kriegen wir dann immer Storys von Menschen mit Down-Syndrom gezeigt die das blöd finden? Die geht das doch gar nicht an was andere Leute mit ihrem Uterus tun!
Und wenn dann die Krankenkasse tatsächlich kommen sollte und sagt "Tja Frau XY, sie hätten das Kind auch abtreiben können, wir zahlen nix!" Warum haben wir dann jetzt prohylaktisch ein Problem mit den Frauen und nicht mit der verdxxxx Krankenkasse????
Ich meine ich kann verstehen das es für Menschen mit Down-Syndrom beleidigend sein kann, dass soviele abgetrieben werden. Das es eine riesige Zurückweisung ist. Aber rechtfertig das wirklich dieses Eingriff in die körperliche Seblstbestimmung der Frauen? Konservative Christen sind auch beleidigt wenn abgetrieben wird, aber ich dachte es wäre Konsens das wir denen trotzdem kein Mitbestimmungsrecht für fremde Frauen Uterus gewähren wollen.
Und dann wie die Medien darauf reagieren find ich noch seltsamer. Zum einen soll man Menschen mit Trisomie 21 respektieren, wenn dann aber einer in einem Interview den größten frauenfeindlichen Käse und ganz offensichtliche Falschinformationen zum besten gibt, dann steht in den seltensten Fällen einer auf und fragt nach.

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carlitom 10.04.2019, 22:26
21.

Zitat von Der politische Beobachter
"Habt ihr das nicht vorher gewusst?"
Dieser Satz wird derzeit nur Wohlhabenden gestellt. Faktisch bedeutet also derzeit ein Trisomie 21-Kind gleichzeitig, dass die Eltern nicht genug Geld hatten, den Test zu bezahlen. Wenn das nicht gleich ein doppeltes Stigma ist...

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Johannes3,16 10.04.2019, 22:26
22. Das falsche Signal

Sollte dieser Test zur Regel werden, müssen sich zukünftig Eltern von Kindern mit Behinderung vermutlich öfter rechtfertigen so ein Kind nicht angetrieben zu haben. Die Möglichkeiten einer Selektion werden immer größer, vermeintlich unlebenswertes Leben soll ausgelöscht werden. Eine Gesellschaft wird kalt wenn sie den Schwächsten keine Chance mehr gibt

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spon-4bv-8ddi 10.04.2019, 22:29
23. Vorteile des Tests!

Wieso wird so selten über die Vorteile des Test gesprochen?
Er ist für die Mutter des ungeborenen Kindes risikofrei und relativ sicher in der Diagnose!
Ultraschalldiagnostik trifft nur Wahrscheinlichkeitsaussagen und eine Fruchtwasseruntersuchung oder Mutterkuchenbiopsie sind mit Risiken für Mutter und Kind verbunden.
Glaub ehrlich auch nur einer derjenigen, die sich hier für den Schutz des Ungeborenen aussprechen, dass Eltern die Klarheit über die Gesundheit ihres Kindes wollen, sich diese nicht auch ohne den Bluttest verschaffen. Ich wage zu behaupten, dass nicht eine Schwangerschaft mehr als jetzt abgebrochen durch den Bluttest. Die Büchse der Pandora ist schon lange geöffnet!

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carlitom 10.04.2019, 22:29
24.

Zitat von DerLaunige
Kann mir das bitte jemand erklären? Jahrelang bekommt man gesagt, dass man das Recht der Frauen auf ihren Körper respektieren soll. Das ein Abbruch in der Regel nicht leichtfertig gerät. Das der Abbruch nur die Frau angeht und keine Außenstehenden. Dass es falsch ist, dass Verhalten anderer Menschen damit zu entschuldigen, dass eine Frau dies oder das mit ihrem Körper gemacht hat. Und das klang für mich immer einleuchtend. Aber jetzt soll das plötzlich eine riesige Diskussion sein? Was ist plötzlich anders? Ich soll es respektieren wenn eine Frau sagt "Ich kann jetzt kein Kind großziehen" (und das resp. ich auch) aber wenn sie sagt "Ich hab nicht die Kraft und den fam. Rückhalt ein Kind mit Behinderung großzuziehen" dann ist sie plötzlich eine NxxxSchlxxxx?????? Und warum kriegen wir dann immer Storys von Menschen mit Down-Syndrom gezeigt die das blöd finden? Die geht das doch gar nicht an was andere Leute mit ihrem Uterus tun! Und wenn dann die Krankenkasse tatsächlich kommen sollte und sagt "Tja Frau XY, sie hätten das Kind auch abtreiben können, wir zahlen nix!" Warum haben wir dann jetzt prohylaktisch ein Problem mit den Frauen und nicht mit der verdxxxx Krankenkasse???? Ich meine ich kann verstehen das es für Menschen mit Down-Syndrom beleidigend sein kann, dass soviele abgetrieben werden. Das es eine riesige Zurückweisung ist. Aber rechtfertig das wirklich dieses Eingriff in die körperliche Seblstbestimmung der Frauen? Konservative Christen sind auch beleidigt wenn abgetrieben wird, aber ich dachte es wäre Konsens das wir denen trotzdem kein Mitbestimmungsrecht für fremde Frauen Uterus gewähren wollen. Und dann wie die Medien darauf reagieren find ich noch seltsamer. Zum einen soll man Menschen mit Trisomie 21 respektieren, wenn dann aber einer in einem Interview den größten frauenfeindlichen Käse und ganz offensichtliche Falschinformationen zum besten gibt, dann steht in den seltensten Fällen einer auf und fragt nach.
Alles vollkommen richtig. Da stimmt ich Ihnen in jedem Punkt zu.
Mir fällt auf, dass es häufig besonders Männer sind (gerne auch welche mit Namen, die auf ein höheres Alter schließen lassen), die in Leserbriefen (der Zeitung z.B.) sich ablehnend zu den Abtreibungen behinderter Föten äußern. Das finde ich seltsam. Vor allem deren Vehemenz. Auch da frage ich mich häufig: was an der Frage eigentlich deren Problem ist und was es sie angeht, was Frauen machen, die letztlich die Folgen - häufig auch komplett alleine - über Jahrzehnte tragen müssen. Übrigens inklusive dem ständigen Kampf um jedes Hilfsmittel und jede Therapie mit den Krankenkassen, die jetzt auch den Test nicht so gerne zahlen möchten.

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CancunMM 10.04.2019, 22:35
25. @stimmtdas

ich glaube Ihnen das sofort, aber wie ist Ihre Haltung zur Abtreibung von Föten, die keine Trisomie haben? Sind diese dann keine liebenswerten Kinder? Wird das Kind nur durch die Trisomie liebenswert? Außerdem wir in der Diskussion immer so getan als ob bis jetzt nicht auf Trisomie getestet werden kann. Jeder Erstgebärenden über 35 und jeder Spätgebärenden wird eine Amniozentese zu Lasten der GKV angeboten mit erhöhtem Risiko für eine Fehlgeburt. Soll man also eine Frau, die sich den Test nicht leisten kann. einem grösseren Risiko aussetzen als einer Frau, die sich den Test leisten kann. Gegen den Test spricht, dass ja nur auf Trisomie getestet wird und nicht wie bei der Amniozentese auf verschirdene Erkrankungen. Egal wie...aber niemals darf der Test dazu führen, dass jemand durch das Ergebnis gezwungen wird Abzutreiben oder es gegen seinen Willen auszutragen.

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carlitom 10.04.2019, 22:36
26.

Zitat von Johannes3,16
Sollte dieser Test zur Regel werden, müssen sich zukünftig Eltern von Kindern mit Behinderung vermutlich öfter rechtfertigen so ein Kind nicht angetrieben zu haben. Die Möglichkeiten einer Selektion werden immer größer, vermeintlich unlebenswertes Leben soll ausgelöscht werden. Eine Gesellschaft wird kalt wenn sie den Schwächsten keine Chance mehr gibt
Ach, wissen Sie, es lässt sich leicht moralisieren, wenn man nicht betroffen ist. Wer aber mal zu spüren bekommen hat, dass Trisomie21-Kinder nicht nur die dauerlächelnden immer gut gelaunten Sonnenscheine sind, als die sie gerne dargestellt werden, sondern häufig aggressiv, launisch, verzweifelt und besonders häufig schwer krank und in vielen Fälle zu keinem eigenständigen Leben fähig, der überlegt sich das vielleicht doch nochmal, wen er dafür verurteilen möchte, dass derjenige sich diese Belastung (ja, dieses Wort darf man in dem Zusammenhang verwenden, es zu leugnen, wäre scheinheilig), einfach nicht zutraut.

Manche müssen es einfach spüren, um es zu begreifen.

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der-junge-scharwenka 10.04.2019, 22:37
27.

Doch, es ist eine heikle Entscheidung. Ich habe drei Kinder, und im familiären Umfeld gibt es ein (älteres) Kind mit einer schweren angeborenen Behinderung. Ein wundervoller Mensch, der nur Liebe kennt. Und dennoch bin ich jeden Tag dankbar dafür, dass meine Frau und ich die Entscheidung, um die es hier geht, in keinem der drei Fälle treffen mussten. Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, wie die Entscheidung ausgegangen wäre. Und ich könnte mir vorstellen, dass alle die, die hier so fest das Reine und Wahre vertreten, auch nur Trockenschwimmen veranstalten. Ich glaube, dass sich so eine Entscheidung der moralischen Beurteilung durch Unbeteiligte ganz einfach entzieht.

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wincel 10.04.2019, 22:38
28.

Sorry aber wenn sie schon einen Artikel schreiben, der aufklären soll über den Test und Trisomie, dann müssen sie auch korrekt beschreiben, was letztere beinhaltet und nicht nur verbreiten, was die meisten DENKEN, was Trisomie 21 heisst.
Es sind nicht nur verlangsamte geistige Entwicklung sondern häufig Herz und Nierenschäden, Autoimmunerkrankungen und erhöhte Wahrscheinlichkeit für schwere Infektionserkrankungen, überdehnbare und damit leicht geschädigte Gelenke, Zölikie, Hör- und Augenschäden, Schilddrüsenfehlfunktion, Skelettfehlbildungen.

Die Bluttests messen die DNA der Plazentazellen, die teilweise im Blut der Mutter vorkommen - aber nicht die Zellen des eigentlichen Embryo's or Fötus.
Sehr früh in der Schwangerschaft teilt sich die Eizelle auf in diese beiden Zelltypen und es gibt eine geringfügig höhere Chance für geschädigte Zellen, in die Plazentabildung "ausgestossen" zu werden. D.h. wenn der Bluttest Trisomie 21 anzeigt, dann gibt es eine ca 3% Chance, dass die Trisomie NUR die Plazenta betrifft, aber nicht auch den Embryo (placental mosaicism). Ansonsten ist der Bluttest aber zu über 99% correct in der technischen Messung der DNA.

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thoerchen 10.04.2019, 22:42
29. 300 gut investierte Euro!

„Risikoschwangerschaft“, da jenseits der 35. Nackenfaltenmessung eher wenig aussagekräftig, dazu eine wenig emphatische Ärztin und schon hat man eine unglückliche Partnerin, die vor Sorge um das Wunschkind nicht schlafen kann. Und 4 Wochen bis zur nächsten Pränataldiagnostik warten müsste.
Also den Bluttest gemacht, 300 Taler bezahlt, Kind gesund, Partnerin glücklich.
Andersherum wäre sicherlich ein Abbruch erfolgt.
Die einzig relevante Frage ist, ob die Partnerschaft/Familie ein „behindertes“ Kind dessen Leben lang aushält. Bzw. die damit verbundene Mehrbelastung. Diese Frage können ausschliesslich die werdenden Eltern beantworten - einzig sie haben das Recht dazu. Wir hätten das nicht gewollt. Und die Antwort ist von der Gesellschaft zu akzeptieren - so oder so!
Insofern ist eine Kostenübernahme durch die GKV mehr als wünschenswert, denn auch 100 Euro können viel Geld für eine Schwangere sein und auch diese sollte das Recht haben, auf Basis aller Fakten eine Entscheidung zu treffen.

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