Forum: Politik
Proteste in der Islamischen Republik: Blackbox Iran
AFP

Iran erlebt die größten Proteste seit fast zehn Jahren. Eine Woche nach ihrem Beginn bleibt aber vieles im Unklaren: Was wollen die Demonstranten eigentlich? Und: Nützen die Unruhen dem Regime am Ende gar?

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krauseberg 03.01.2018, 17:16
10. Hunger und Armut - du leidest unter Realitätsverlust

Zitat von Farhad
Die Lage aktuell im Iran hat viele Parallelen zu vergangenen Ereignissen in Deutschland, Frankreich und Holland. Vorab ist es erwähnenswert, dass sich Analysen der deutschsprachigen Medien in den letzten Tagen insgesamt als bescheiden und verwirrt darstellen lassen. Die Voraussetzungen für den Trigger einer Revolution oder gewalttätiger und flächendeckender Unruhen o.Ä. waren und sind aktuell im Iran per se nicht gegeben. Die Arbeitslosenquote ist sogar im Vergleich mit Spanien und Portugal besser. Die Öffnung des Landes und eine intensivere Beziehung zu Europa entspricht dem Wunsch der Bereit der Gesellschaft. Die Inflation ist von 40 Prozent auf 10 Prozent reduziert. Die ökonomischen Faktoren sprächen insgesamt gegen Unruhen. Eine ungewöhnliche Preissteigerung gab es in der letzten Zeit auch nicht. Nun zu Parallelen in Deutschland und Frankreich: Es gibt immer Kräfte, welche ja das politische System herausfordern und am besten außer Kraft setzen möchten. Die potenziell erfolgreichste Strategie dafür besteht darin, Wut, Angst und Frust der Menschen gegen Regierungen zu stimulieren, egal ob man bessere Lösungen anbieten kann oder nicht. Dafür müssen Regierungen zu Feindbild und Frustursache der Menschen werden. Die Begründungen lassen sich irgendwie finden. Wichtig sind nicht die Substanz oder die Argumentationen sondern die Darstellungen. Zuletzt hat das Thema "Flüchtlinge" das politische System in Europa herausgefordert. Das Muster ist dasselbe: Dramatisierung der Probleme, Stimulation der nationalistischen Gefühle, Hassverbreitung gegen bestimmte Gruppierungen, berechtige und unberechtigte Schuldzuweisung für jedes Problem der Welt an die Regierende und am besten direkt an die obersten Positionen, Darstellung der Medien als Lügner und Fakes, damit sich die "Alternativfakten" durch soziale Netzwerke verbreiten und beeinflussen können. Ein besseres/effizienteres Erfolgrezept gibt es aktuell nicht, um die politischen Systeme zum Wackeln zu bringen. Die Unruhen im Iran sind durch ein in die Enge getriebenes Hardliner-Spektrum ausgelöst. Die USA und einige Länder in der Region gießen natürlich nach Möglichkeiten Öl ins Feuer. Die Rolle der Medien und vor allem sozialen Netzwerke ist riesig. Es gibt bis zu 50 Fernsehkanäle und unzählige Webseiten und soziale Netzwerke, finanziert durch die USA, Saudis und einige Länder in der Region, welche Tag und Nacht für den Umsturz der Regierung werben. Was aktuell im Iran geschieht, lässt sich eher als Putsch der Ultrahardliner kategorisieren.
Sorry, aber lies mal die Artikel über die wirtschaftliche Entwicklung im Iran auf SPON. Von dem was du hier behauptest stimmt einfach nichts, falls SPON nicht gerade Fake-News verbreitet

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Bürger Icks 03.01.2018, 17:18
11. Keine Einmischung von aussen?

Was ist dann mit der MEK/MOK/OMPI/Volksmodschahedin?
https://de.wikipedia.org/wiki/Volksmodschahedin
Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang der Abschnitt:
Unterstützung durch die CIA

Auch hier:
Die mit den schwarzen Mappen
http://www.taz.de/!341596/

Dann:
Saudi backed Mujahedin-e Khalq Organization (MKO) cooperate with ISIS
http://iran-interlink.org/wordpress/?p=7169

Und der Franzose steckt auch mit drin:
Iran's President Hassan Rouhani says an exiled opposition group is inciting violence in Iran, where anti-government protests have been held in a number of cities in recent days. In a phone call with his French counterpart Emmanuel Macron, Rouhani called on France to stop hosting the Mujahedeen-e-Khalq group, known as the MEK. Several of the group's leaders are based in Paris.
http://abcnews.go.com/International/wireStory/iran-450-protesters-arrested-days-tehran-52092203

Soviel zu "Keine Einmischung von aussen"!
USA/CIA, Saudi Arabien und Frankreich, nicht aussen?

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Free Iran 03.01.2018, 17:24
12. Bald

das Regime ist fast am Ende und die deutschen(Regierung, Wirtschaft, Journalismus und Kultur) auch mit.
die Frage ist nicht ob sondern wann..ich empfehle euch weiter so machen..Mullas wie bisher mit allen Mittel.
die Rechnung ist schon lange geschrieben.

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Sonia 03.01.2018, 17:50
13. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt ...

Als ich in der Tagesschau Bilder von Randalierenden sah, angezündete Feuerwehr, angezündete Pkw, Vermummte mit Knüppeln auf Autoscheiben einschlagend - irgendwie G20 Hamburg. Wie weit sich einst unsere Medien aus dem Fenster lehnten, als es ähnliche Demos in Kairo u.a. ägyptischen Städten gab u. wie das endete, einfach mal nachdenken. Wie es endete, nachdem sich der intégere Außenminister Powell einst mit einem dicken Lügenpaket vor die Weltpresse stellte, wissen wir auch; auch, wie es in Libyen endete; "Seit Jahren rüstet die CIA Kämpfer in Syrien auf", war noch am 20. 7. 17 in taz online zu lesen u. nun also der Iran - eine Mischung aus vorstellbarer Unzufriedenheit und natürlich auch im Interesse der USA, der Saudis und ggf. Israels. Egal, wie es dort weitergeht - Opfer werden, wie in all den anderen arabischen Ländern die Bürger sein und Europa. Dass die Politiker u. Militärs dieser Länder in Syrien nicht ihr Ziel erreichten, dürfte zu einem noch gefährlicheren Konflikt im Iran führen. Mögen meine Ängste überzogen sein, dass können wir uns alle nur wünschen.

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barbierossa 03.01.2018, 17:54
14.

Zitat von krauseberg
Sorry, aber lies mal die Artikel über die wirtschaftliche Entwicklung im Iran auf SPON. Von dem was du hier behauptest stimmt einfach nichts, falls SPON nicht gerade Fake-News verbreitet
Womöglich sollten Sie nocheinmal nachlesen. Die Faktendarstellung durch Farhad deckt sich mit dem, was ich hier bei SPON lese. Nur die Einschätzung ist anders, und ich halte diese Einschätzung für durchaus bedenkenswert. Eine Hungerrevolte ist das nicht - die Armut der Bevölkerung ist nicht schlimmer geworden, sondern nur nicht in dem erhofften Maße gesunken.

Letzten Endes scheint mir hier die youth bulge

https://de.wikipedia.org/wiki/Youth_Bulge

der entscheidende Faktor zu sein: wenn's zuviele nachdrängende junge Männer gibt, die keine Chancen auf Job/Karriere und - in islamischen Ländern damit eng zusammenhängend - eine Frau haben, dann droht Ärger. Ob dieser Ärger sich auf einen äußeren oder inneren Feind richtet, ist eigentlich egal. Frust ist da, Frust muß rausgelassen werden.

An der Stelle sehe ich's übrigens völlig anders als Farhad: wir haben hier in Europa keine solche Youth bulge und die hiesigen "Wutbürger" sind ein ganz anderes Phänomen als die überwiegend sehr jungen Protestler im Iran (hab gehört, dass über 90% der festgenommenen Demonstranten unter 25 Jahren alt waren), getragen von einer durchschnittlich wesentlich älteren Bevölkerungsgruppe.

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bella-1956 03.01.2018, 17:59
15. Soziale Proteste....

...der Armen gegen die Reichen, wie im Iran, wären auch in Deutschland notwendig. Wie würde die regimetreue Presse hierzulande dann berichten?

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blogreiter 03.01.2018, 18:00
16. Hunger und Armut - du leidest unter Realitätsverlust

Zitat von krauseberg
Sorry, aber lies mal die Artikel über die wirtschaftliche Entwicklung im Iran auf SPON. Von dem was du hier behauptest stimmt einfach nichts, falls SPON nicht gerade Fake-News verbreitet
Also wenn ich mich über wirtschaftliche Zusammenhänge zu einem Land informieren will, dann ganz bestimmt nicht bei SPON. Da gibt es seriöse Fachinformationsdienste in Deutschland, sogar weitgehend kostenfrei für die Grunddaten.
Damit liegt der Realitätsverlust woanders.
Wenn ich auf diese Grunddaten zurückgreife, muss ich dem Foristen Farhad zustimmen.
Aus meiner Sicht (und regionaler Erfahrung), das belegt auch der Artikel, sind es vorwiegend Arbeitslose und Arme, die da in den ärmeren Provinzstädten protestieren. Dazu kommen noch arbeitslose Uni-Absolventen, die mangels Praxis-Erfahrung auch nicht wirklich von der Wirtschaft nachgefragt werden und sich abgehängt fühlen. Hier muss etwas im beruflichen Bildungssystem getan werden, damit Absolventen auf den Markt kommen, die mit ihrer Ausbildung auch von der Wirtschaft benötigt werden.
Das ist leider nicht von heute auf morgen zu schaffen, weil die Strukturen derzeit nicht danach sind. Die Gefahren sind erkannt, man arbeitet daran. Aufgrund aber der ständig nötigen Abstimmung zwischen Parlament und Wächterrat ist das auf den Wegbringen der neuen Gesetze etwas mühsam.

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Sonia 03.01.2018, 18:16
17.

Zitat von blogreiter
Also wenn ich mich über wirtschaftliche Zusammenhänge zu einem Land informieren will, dann ganz bestimmt nicht bei SPON. Da gibt es seriöse Fachinformationsdienste in Deutschland, sogar weitgehend kostenfrei für die Grunddaten. Damit liegt der Realitätsverlust woanders. Wenn ich auf diese Grunddaten zurückgreife, muss ich dem Foristen Farhad zustimmen. Aus meiner Sicht (und regionaler Erfahrung), das belegt auch der Artikel, sind es vorwiegend Arbeitslose und Arme, die da in den ärmeren Provinzstädten protestieren. Dazu kommen noch arbeitslose Uni-Absolventen, die mangels Praxis-Erfahrung auch nicht wirklich von der Wirtschaft nachgefragt werden und sich abgehängt fühlen. Hier muss etwas im beruflichen Bildungssystem getan werden, damit Absolventen auf den Markt kommen, die mit ihrer Ausbildung auch von der Wirtschaft benötigt werden. Das ist leider nicht von heute auf morgen zu schaffen, weil die Strukturen derzeit nicht danach sind. Die Gefahren sind erkannt, man arbeitet daran. Aufgrund aber der ständig nötigen Abstimmung zwischen Parlament und Wächterrat ist das auf den Wegbringen der neuen Gesetze etwas mühsam.
Ähnliches berichteten mir junge Syrer. Die Hoffnungslosigkeit im eigenen Land - nicht nur der Bürgerkrieg und Fahnenflucht - trieb sie zu Tausenden nach Europa. Einem Kontinent, von dem sie nur wussten, wie gut die Menschen hier leben, dass hier Millionen Arbeitskräfte fehlen würden, dass es hier Wohnungen gibt, studiert werden kann mit billigen Krediten u., wer keinen Job fände, bekomme jeden Monat Geld vom Staat zum Leben, kostenlose Gesundheitsfürsorge etc. Über z.B. die deutsche Geschichte wussten sie gar nichts. Es sei regelrecht in Flüchtlingscamps in der Türkei geworben worden nach Deutschland, Schweden, Österreich usw. zu gehen. Und im Iran wird m.E. sehr wohl diese Unzufriedenheit benutzt von Außen, um ein Regime zu stürzen und eigene Interessen durchsetzen zu können. Es ist m.E. völlig absurd zu glauben, dass diese teilweise brutale Zerstörungswut von Eigentum iranischer Bürger (Pkws, Geschäfte, Krankenwagen, Feuerwehren ...) so einfach aus dem Bauch heraus von Studenten durchgeführt wird. Mögen unsere Medien diese Märchenstunden nicht weiter bedienen. Die Situation ist auch für uns viel zu gefährlich.

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busytraveller 03.01.2018, 18:36
18. Die Unruhen kommen ungelegen

Die Unruhen kommen den linken westlichen Iranfreunden ungelegen. Denn sie hatten auf Rohani und das Atomabkommen gesetzt. Es ist ja aber wohl schon seit langem ersichtlich, dass der Iran keineswegs an innere Reformen glaubt und aggressiv seine Macht in der Region ausweiten will. Und die ist extrem religiös - fundamentalistisch. Deshalb muss sich die westliche Welt zwischen Saudi Arabien (mit Israel und den USA) und Iran entscheiden. Saudi Arabien scheint mir langfristig innenpolitisch reformfähig und pragmatisch regiert zu sein. Iran auf absehbare Zeit nicht.

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andreas.nemitz 03.01.2018, 18:39
19.

Zu Ihrem Beitrag Herr Sydow muss ich doch einige Anmerkungen machen. Ganz banal ist der Abfall des Wirtschaftswachstums mit dem Zusammenfall der Wahl von Donald Trump, der Sanktionen nicht aufheben wollte, obwohl alle verhandelnden Staaten sich hierauf geeinigt hatten.
Zum anderen ist Unruhe in der Bevölkerung heutzutage einfach zu schüren. Hat im Irak, in Libyen,Syrien und in Ukraine doch auch schon gut funktioniert. Die Staaten sind nur leider zustört oder befinden sich im Krieg.
Vielleicht schafft man den Iran ja auch noch.

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