Forum: Politik
Protestwelle in Frankreich: Hollande findet kein Rezept gegen die Arbeitslosigkeit
AFP

Eben noch gefeierter Anti-Terror-Kämpfer, nun wieder unpopulärer Reformer: Frankreichs Präsident Hollande steht eine neue Streikwelle bevor, seine Arbeitsrechtsreform bringt die Massen auf die Straße.

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pom_muc 31.03.2016, 11:52
30.

Zitat von stefan_fi
wenn man ehrlich ist, dann ist die Arbeitslosenquote in Deutschland auch nur ein riesen Fake. Hinter den Fassaden geht es vielen schlecht, aber dei sieht man nicht auf den Shoppinboulevards. Ab 55 Langzeit fällt man in D aus der Statistik,bei Weiterbildung auch und wenn man einen sozialversicherungspflichtigen Job ab 450 Euro hat dann auch, davon kann aber keiner Leben. So gesehen hat Deutschland auch mindestens 5 Millionen Arbeitslose...wegen der Flüchtlingswelle gab Masseneinstellungen bei Kommunen und Behörden, deswegen siehts eben so geschönt aus
Wenn man nach Jahrzehnten immer noch über die Aussagekraft von amtlichen Statistiken streitet sollte man eventuell darüber nachdenken besser Einkommenszahlen zu veröffentlichen.

Vielleicht ist der ehemalige Siemens-Ingenieur mit 57 Jahren "arbeitslos". Aber nicht jeder Arbeitslose ist auch "arm" oder tatsächlich an Arbeit interessiert.

Natürlich gibt es Alleinerziehende mit Teilzeitjob. Aber die müssen doch nicht von ihren 1200€ für die 20-Stunden-Woche leben.

Ich denke dass die Einkommenszahlen die neben Lohneinkommen auch andere Einkommensarten und vorhandenes Vermögen sowie staatliche Transferzahlungen berücksichtigen ein besseres Lagebild abgeben würden.

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ariane2006 31.03.2016, 12:11
31. Sie waren wohl in letzter Zeit nicht in Frankreich ...

Zitat von brüggebrecht
Ich liebe die Franzosen für ihren Widerstand gegen sogenannte "Reformen", die aus Frankreich nur ein zweites Deutschland machen würden: Minijobs und prekäre Beschäftigungsverhältnisse en masse, Altersarmut, Einschränkung der Mitbestimmung und zurückdrängenden gewerkschaftlicher Aktivitäten und und und. Das sollte man wirklich nicht kopieren!
... sonst wüssten Sie, dass es hier folgendermaßen aussieht: 25% der Jugendlichen haben gar keine Arbeit; andere 50 % der Jugendlichen (und Erwachsenen) hangeln sich in sogenannten CDD (Zeit-Arbeitsverträge) von Mini-Job zu Mini-Job, manchmal sind diese Verträge nur 1 (!) Tag lang gültig. In den letzten Jahren wurden quasi 80% aller Arbeitsverträge nach diesem Muster geschlossen, also auch bei Erwachsenen - d.h. neben der hohen Arbeitslosigkeit auch noch sehr viele prekäre Arbeitsverhältnisse. Altersarmut: höher als in D, v.a. für Rentner, die in den großen Städten wohnen und extreme Mieten bezahlen müssen (es fehlen in F mehr als 500.000 Sozialwohnungen - auch ohne Flüchtlinge!). Einschränkung der Mitbestimmung: die gab's in Frankreich quasi nie; und gewerkschaftliche Aktivitäten laufen lediglich auf Streikorganisation hinaus, um das Land lahmzulegen und grundsätzlich "dagegen" zu sein.

Die Franzosen machen keinen "Widerstand" gegen "Reformen" (die meisten, die heute demonstrieren/streiken, haben das neue Gesetz nicht mal gelesen und wissen nicht, was drin steht), sondern Franzosen sind einfach "reformunwillig", da sie bis heute nicht begriffen haben, dass sich die Welt geändert hat: seit der Wende 1990 leben wir in einer globalisierten Welt und jedes Land muss sich anpassen (auch wenn's schwer fällt und viele darunter leiden), nur die Franzosen haben's nicht begriffen, und denken, sie können weiterhin leben als Grande Nation mit einem Sozialnetz à la DDR. Ich gebe F noch 5 Jahre, wenn sie weiterhin keine Reformen machen, aber wahrscheinlich wird vorher FN gewählt und dann haben sie eben ein nationales und sozialistisches Land und werden sich im Nachhinein noch ein paar "Reförmchen" à la Hollande herbeiwünschen...

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Wotan 279 31.03.2016, 12:15
32. Ganz einfache Lösung

Die Arbeitslosenlösung ist denkbar einfach für Herrn Hollande: Sofortiges Aussteigen aus dem Euro und Wiedereinführung einer nationalen Währung zusammen mit Finanzhoheit. Dadurch lässt sich die Arbeitslosigkeit binnen zwei Jahren beseitigen.

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bauklotzstauner 31.03.2016, 12:16
33.

Zitat von axelmueller1976
Aber Frankreich war schon vor Einführung des EUROS schlecht aufgestellt und hätte den Franc abwerten müssen. Es fehlen dort im Gegensatz zu uns Arbeitsmarkt-Reformen ähnlich wie sie bei uns gelaufen sind.
Aber genau in diese Richtung gehen die Maßnahmen doch! Und was hätten solche "Reformen" denn gebracht? Das Ergebnis in Deutschland ist inzwischen bekannt: Die Arbeit ist nicht mehr geworden. Sie ist nur anders aufgeteilt worden und wird jetzt in der Masse sehr viel schlechter bezahlt.

Das Ergebnis ist eine neue Klasse von "Working Poor", die durch Arbeit nicht mal oder gerade so das Existenzminimum selbst erarbieten können (dürfen) und noch vom Staat subventioniert werden, während sich die "Arbeitgeber" mit den Gewinnen deren Arbeit aus dem Staube machen. Wir haben 10 bis 13 Millionen Erwerbsfähige, die entweder arbeitslos sind (reale Zahl um die 5-6 Millionen), oder aber von ihrem Lohn nicht leben können.

Dazu wurden die zukünftigen Renten derart massiv gekürzt, daß schon fast die HÄLFTE der Erwerbstätigen (40 Prozent und steigend) sich auf einen Lebensabend in HartzIV (Grundsicherung) einrichten darf. Deutschland wird zum Armenhaus Europas!
Die Franzosen müßten mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn sie das mit sich machen ließen!

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behemoth1 31.03.2016, 12:20
34. Falsch

Zitat von Wotan 279
Die Arbeitslosenlösung ist denkbar einfach für Herrn Hollande: Sofortiges Aussteigen aus dem Euro und Wiedereinführung einer nationalen Währung zusammen mit Finanzhoheit. Dadurch lässt sich die Arbeitslosigkeit binnen zwei Jahren beseitigen.
Das ist total falsch, denn Frankreich hatte als eigenständiges Land schon damals sehr große Probleme, die man nur gut kaschiert hatte und alle machten da mit.
Sie sollten mal lieber sich das genauer anschauen und die sozialistischen Träumerein beseite schieben.

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seine-et-marnais 31.03.2016, 12:53
35. La loi El Khomry oder populär la loi El Connerie

Da kommt was auf uns in Frankreich zu. La loi El Khomry oder wie auch oft gesagt El Connerie (Connerie = Schwachsinn) hat gleich mehrere Schwachpunkte.
1. In das Gesetz das wohl in seinem originalen Teil durchgegangen wäre wurden Teile des abgeschmetterten Gesetzes Macron II eingefügt.
2. Angekündigt wurde es indem zu Beginn! von Regierungsseite sagte dass es sowieso mit dem Notstandsparagraphen 49-3 verabschiedet wird, also nicht auf parlamentarischem Wege
3. Hollande verkündet standig dass die Sozialpartner, sprich Unternehmer und Gewerkschaften sich einigen sollen. Bei diesem Gesetz aber hat man quasi auf die Konsultation der Gewerkschaften verzichtet, und einen Entwurf vorgelegt der den Medef entzückte.
4. Der Medef ist der Arbeitgeberverband der 'Grossen', dh nicht der Mittel- und Kleinunternehmen, das Gesetz ist auf die 'Grossen' zugeschnitten, wird aber teilweise von den Mittel- und Kleinunternehmen, den Handwerkern und Freiberuflern abgelehnt.
5. Zu den Gewerkschaftlern kommen nun vor allem protestiernde Gymnasiasten aber auch Studenten. Und zwar aus der 'unteren Mittelschicht' die bei 25% Jugendarbeitslosigkeit, bei 80-90% CDDs dh kurzfristigen Zeitverträgen, bei ständig angebotenen un- oder schlechtbezahlten Lehrgängen nun keine Zukunft mehr sehen und deren Eltern das grosse Potential der PS-Wähler stellen.
6. Hollande will ein Gesetz das zu Beginn einer Amtsperiode gemacht werden muss, am Ende einer Amtsperiode machen, also auf die schnelle Art, so geht das nicht.
7. Mit diesem Gesetz in dem genauso rumgeändert wird wie in dem jetzt zurückgezogenen Versuch über eine Verfassungsänderung sucht Hollande eine Mehrheit 'Rechts im PS' und in der 'linken Rechten', irgendwie überparteilich. Ein Wahnsinn 1 Jahr vor den Wahlen in einer Zeit in der sich die Opposition profilieren muss. Seine eigene 'linke PS' steht eh schon auf den Barrikaden.
Das sind nur sieben von vielen Punkten. Hollande gräbt sich selber sein Grab. Gestern abend hat ein Diskussionsteilnehmer in itv gesagt, dass er Hollande für machiavellisch hielt, wie er da versucht mit verschiedenen ständig wechselnden Mehrheiten zu spielen oder gar spielt, dass er sich aber getäuscht habe, Hollande sei nur ein schlechter Präsident. Dieser Beurteilung ist nichts hinzuzufügen!

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localpatriot 31.03.2016, 13:35
36. In Frankreich lebt man wie Gott

... auf jeden Fall ist die Lebensqualität dort wichtiger als in D und wenn die Arbeitslosigkeit die Lebensqualität beeinträchtigt, dann fühlt man sich gezwungen etwas zu tun.

Leider sind Arbeitsgesetzesänderungen weltweit ein schwieriges Thema, und M Hollande mit seinen Ministern ist möglicherweise nicht die richtige Gruppe um da etwas zu erreichen.

Persönlich hatte ich immer das Gefühl als wären die Konsequenzen des Euros wie man sie in D erlebt, also Exportboom durch weiche Währung, gerade das umgekehrte für Frankreich, denn Frankreich war vor dem Euro immer auf die schleichende Abwertung der Währung als Ausgleichsmechanik angewiesen.

Der Euro lasst das nicht zu, also muss man auf das Konzept der 'Internen Abwertung' zurückgreifen und das bedeutet Verringerung der Löhne und oder der Rahmenbedingungen, weniger Bequemlichkeit bei der Arbeit, also mehr malochen für weniger Belohnung damit mit der Konkurrenz, also D und China, besser fertig wird.

Erstaunlicherweise berichtet die OECD die Produktivität pro Arbeitsstunde mit etwa 59 US$ für beide Wirtschaften und wer die Zahlen bis auf 1970 zurückverfolgt findet keinen grossen Unterschied über den gesamten Zeitraum. Eigentlich ein Paradox welches man nur durch die Methode der statistischen Erhebung erklären kann.
Quelle http://stats.oecd.org/Index.aspx?DataSetCode=PDB_LV

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CommonSense2006 31.03.2016, 13:45
37.

Zitat von behemoth1
Das ist total falsch, denn Frankreich hatte als eigenständiges Land schon damals sehr große Probleme, die man nur gut kaschiert hatte und alle machten da mit. Sie sollten mal lieber sich das genauer anschauen und die sozialistischen Träumerein beseite schieben.
Total richtig, denn eigentlich interessiert mich gar nicht so genau, worin die französischen Probleme bestehen, ob es nun der üübertriebene Zentrlismus ist die Mittelstandsfeindlichkeit oder der sozialistische Wohlfahrtsstaat.
Hauptsache, es bleiben französische Problem und werden nicht europäische.
Und natürlich kann man zu hohe Löhne mti Abwertung gut bekämpfen. Hat zwar den Nachtei, dass man die strukturellen Probleme nicht angeht, aber den Vorteil, dass man wiedergewählt werden könnte. ;-)

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nieselpriem 31.03.2016, 13:58
38. Aber natürlich,

Zitat von Darwins Affe
Haben Sie mal überlegt, dass vielleicht der Euro für die hohen Arbeitslosenzahlen in den Südländern verantwortlich ist? Frankreich z.B. kann nicht mehr abwerten und erwirtschaftet ein steigendes Handelsdefizit. Deutschland zahlt mit erheblichem Wohlstandsverlust. Die Schweiz z.B. hatte in den letzten 10 Jahren 40% Einkommenssteigerungen, Deutschland (inflationsbereinigt) gerade mal 5%.
was wird denn wohl die Konsequenz sein.Die Währungsunion wurde mit festen Regeln eingeführt
und keiner hat sich dran gehalten. Die Südländer nicht aber auch die Deutschen und Österreich. Das das nicht lange funktionieren wird war doch klar. Der Euro war unter diesen Bedingungen ein katatrophaler Fehler und wird uns um die Ohren fliegen. Von den Schulden werden wir niemals was wiedersehen, da ist der Begriff
Wohlstandsverlust ja harmlos.

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hokuspok 31.03.2016, 14:17
39. Hollande findet kein Rezept gegen die Arbeitslosigkeit.

Und dabei ist das Problem schnell zu lösen: Einfach mehr arbeiten!

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