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Putschversuch in der Türkei: Erdogan verlangt von Obama Auslieferung Gülens
REUTERS

Der türkische Präsident macht Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich und fordert die Auslieferung des Predigers. Gülen hält dagegen: Der Putsch sei womöglich inszeniert gewesen.

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emo.alberich 17.07.2016, 08:25
110.

Zitat von rosaberg
demokratisch gewählt und alle haben seinem Unwesen zugeschaut. Dass die Geschichte sich so schnell wiederholt, wenn auch am anderen Ort, hätte ich nie geglaubt. Ich persönlich hätte mir einen anderen Ausgang des Putsches gewünscht. Auch ich glaube an eine Inszenierung, schon wegen des Ausgangs.
Mehr noch als der Ausgang erschrecken mich die Reaktionen darauf.

Sogar der Schweizer Aussenminister Didier Burkhalter hat sich dazu verstiegen, in die Welt hinauszuposaunen "Gewalt sei unter allen Umständen" und immer abzulehnen, sei NIE ein Mittel. Das ist in letzter die Negation jedes Widerstandsrechts.

Wenn sich Mittelmächte und NATO-Staaten, bzw. deren Regierungen, die im Fadenkreuz der USA stehen, sich Zwang und Sachzwang beugen, dann kann man das ja noch verstehen. Das müssen für Regierende ganz schwere Entscheide sein - lohnt sich verbaler und diplomatischer Widerstand? Ist er überhaupt möglich?

Aber die Schweiz, als neutraler Zwerg, vom Wiener Kongress genau mit der Absicht stehen gelassen - einen gemeinsament neutralen Fluchtpunkt zu haben, nimmt sich mit solchem Säbelgerassel für einen Antidemokraten ihre ganze Existenzberechtigung. Die diplomatische Arbeit von Jahrhunderten verspielt. Nach dem zweiten Weltkrieg hat die Schweiz wegen ihrer Neutralität 28 Nationen vertreten, die zum Teil derart verfeindet waren, dass ein direktes Gespräch unmöglich war und es einen Mittler brauchte. Die Schweiz hat die USA noch in der Irankrise über Jahre vertreten, auch in Kuba vor der Entspannung dieses Jahr. Ohne diese guten Dienste, wie das in der Sprache der Diplomatie heisst, verliert die Schweiz doch ihre Existenzberechtigung - da kann sie gleich an ihre vier Anrainer aufgeteilt werden, wie das EU-Enthusiasten längst vorsehen.

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emo.alberich 17.07.2016, 08:36
111. mairhanss hat eben doch recht ....

Zitat von Putin-Troll
Das wäre zwar durchaus plausibel (er hätte Mittel und Motiv), es könnten aber auch einfach ein paar mutige, aufrechte Demokraten gewesen sein, die nicht tatenlos zusehen wollten wie die Türkei in den Faschismus abgleitet. Gülen erscheint als Drahtzieher eher unwahrscheinlich. Er hatte sich schon vom Putsch distanziert als es noch so aussah, als würde dieser gelingen, zumal er auch nicht eben ein Liebling des Militärs ist.
Inszenierung ist auch, wenn man etwas kommen sieht und Fallen stellt.
Die perfekt durchorganiserte Abwehr des Putsches lässt auf eine minutiöse Planung schliessen - insbesondere der Einbezug "des Volkes, das die Demokratie verteidigt" hat, wirft mehr Antworten als Fragen auf.

Eine Schweizer Sonntagszeitung bringt ein Bild der Bosporusbrücke mit zwei Panzern und vielen zurückgelassenen Militärgegenständen - Berge von Kleidung - es wäre das erste Mal in der Geschichte, dass sich Putschisten oder Flüchtende überhaupt vor der Flucht ausziehen würden. Kleiderwechsel ist in Einzelfällen möglich - aber doch nicht massenhaft und öffentlich unter den Augen des Mob, der nach Lynchjustiz schreit.

Die Inszenierung kann auch darin bestehen, dass RTE sich einfach minutiös auf die Abwehr vorbereitet hat - der Putsch selbst war doch nur eine Frage der Zeit.

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istanbulu 17.07.2016, 08:43
112. @pascal3er2

" Problem: Die Bevölkerung will in der Türkei wirklich ins Mittelalter zurück. Also sollte Erdogan mit dem IS gemeinsame Sachen machen. Aber das macht er mit seinen Glaubensbrüdern ja bereits. Von daher, die Türkei ist am Ende..."
Das ist so nicht richtig. Die Mehrheit der AKP war 52%, ziemlich genau so viel wie beim Brexit. Und genauso zerrissen ist nun auch die politische Situation in der Türkei. Eine Mehrheit ist nicht immer die Mehrheit, besonders auch wenn es bei den Wahlen durchaus auch Protestwahler fur die AKP gab.Und Wähler die nicht Erdogan, aber sein Motto..ich mache die Türkei wieder groß, gewählt haben.
Klingt .... übrigens wie ein gewisser Prasidentschaftskandidat aktuell.

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querulant_99 17.07.2016, 09:01
113.

Zitat von kladderadatsch
Mit den letzten Maßnahmen Erdogans (Säuberung der Unis, Presseverfolgung und dem Absetzen von 3000 Richtern) dürfte die Türkei nicht mehr als Demokratie einstufbar sein, womit auch die NATO-Zugehörigkeit in Frage steht, da es sich hier um eine "Wertegemeinschaft freier demokratischer Staaten" handelt.
Quatsch!

Die NATO war immer ein geostrategischer Bündnis. In dieser Hinsicht ist die Türkei ein sehr wichtiger Staat.Da ist es viel wichtiger, dass eine stabile Staatsführung vorhanden ist, und man drückt lieber beide Augen zu, wenn es dort Demokratiedefizite gibt.

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haresu 17.07.2016, 09:06
114. Ein Putsch an der kurzen Leine

Dieser Putsch war viel zu klein und viel zu unprofessionell um erfolgreich sein zu können. Haben die Putschisten selber an einen Erfolg geglaubt? Der Putsch hatte kein Gesicht, irgendeine Verlautbarung scheint es auch nicht gegeben zu haben. Denkbar ist, dass die Putschisten sich viel stärker unterstützt glaubten und diese Unterstützung plötzlich ausblieb. Jedenfalls war das Scheitern des Putsches sehr schnell klar. Eine Eigendynamik konnte nicht entstehen. Erdogan hat schnell reagiert und war vielleicht auch gut verbreitet. Dass den türkischen Diensten völlig verborgen geblieben sein sollte, dass da etwas gärt ist eigentlich undenkbar. Gleiches gilt für die loyalen Teile des Militärs. Die plötzliche Annäherung an Russland immerhin verbunden mit einer unangenehmen Entschuldigung passt gut in das Gesamtbild. Aber wie immer bei der Diskussion derartiger Verschwörungstheorien ist nicht die Frage entscheidend wer was getan oder gewusst hat sondern wer profitiert. Und das ist eindeutig Erdogan. Jetzt kommt die Diktatur.

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melea 17.07.2016, 09:12
115. Streitkultur

Nach Putin und Merkel legt sich Erdogan nun auch mit Obama an. Der türkische Egomane ist auf dem Weg zur Weltherrschaft, der Sultan aller Moslems und danach aller unterjochten Ungläubigen. Wenn erst die Fahne des ISIS über dem Petersplatz in Rom weht (erklärtes Ziel), dann werden alle erkennen müssen, wer die Ansagen macht.

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emo.alberich 17.07.2016, 09:13
116. Einverstanden ....

Zitat von jufo
es funktionierte in der Vergangenheit nur selten diktatorische Strukturen militärisch abzulösen und in eine Demokratie zu überführen. Außer Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg fallen mir nur erfolgreiche Revolutionen ein. und jedesmal waren es teuer errungene Demokratien und das Militär kam von außen. Ausgeschlossen ist es nicht aber die vergangenen Militärputsche in der Türkei waren brutal. ein armes, verwirrtes und inzwischen zutiefst misstrauisches Land die Türkei. Es tut mir sehr leid.
... die Ablösung von Diktaturen durch das Militär ist nicht einfach.

Doch man muss die Alternative sehen: Weiterführung der Diktatur - in dem Falle einer islamistischen Diktatur.

Man kann es auch so sehen: die Armee ist Teil der (abgeschafften) Demokratie, völlig auf Militär verzichten nur kleine Staaten, wo sie überhaupt keinen Sinn machen, weder gegen innen noch gegen aussen.

In dem Fall haben sich die Putschisten als Hüter und Vertreter des Volkes gesehen - ein (offenbar vorbereiteter) Teil des Volkes sah das nicht so. Angeblich unbewaffnet stellt sich "das Volk" den Putschisten entgegen.

Zu Revolutionen kommt es, wenn niemand mehr auf Seiten des Volkes steht.

Die Ägypter hätten auch gerne eine Demokratie - haben das versucht - mit dem Ergebnis eines demokratisch gewählten Islamisten an der Spitze der Übergangsregierung. Die Mehrheit der Ägypter begrüsste das Militär und al-Sisi als neuen Übergangspräsidenten wegen seines Kampfes gegen die Islamisten, die Muslimbrüder. Auch Tunesien, das sich erfolgreich gegen den Kleptokraten Ben Ali erhoben und die Demokratie vorangebracht hat, leidet heute mehr unter dem Terror als zuvor unter dem autokratischeren Ben Ali. Demokratie kann offenbar nur gelingen, wenn es innere und äussere Sicherheit gibt.
Auch in Frankreich und anderen Demokratien wird Notrecht verhängt, die Demokratie temporär ausgesetzt, In Frankeich wegen des Krieges gegen den Terror, in Ägypten um sie nicht ganz abschaffen zu lassen.

Allerdings denke ich, dass RTE einen Fehler macht, wenn er nun so gegen die Armee vorgeht - Die Armee ist nie 100% gegen das Volk und kein Diktator kann gegen die Armee regieren.
Der Armeeputsch ist sozusagen die Vorstufe einer Revolution - von denen mir keine einfällt, die nicht extrem blutig gewesen wäre.

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paulaschwarz 17.07.2016, 09:15
117. Die jetzigen Aktionen

nach dem 'gescheiterten Putsch' sind offenbar von langer Hand vorbereitet.
Ein 'echter' Putsch - man kennt es aus anderen Ländern/Berichten - hätte die beteiligten Soldaten nicht zur schnelllen Aufgabe gezwungen, ohne von ihren Möglichkeiten Gebrauch zu machen.
Vermutlich wussten diese nicht einmal genau warum und gegen wen sie die Brücken sichern sollten.
Schaurig 'schöne' Inszenierung zur Durchsetzung weitreichender Änderungen hin zu einer präsidialen Diktatur. Gleichzeitig auch noch einen Grund kreiiert den politischen Gegner Gülen 'heim holen' zu können.
ErdoWahn hat offenbar sehr genau die Handlungsweisen eines Deutsch-Österreichers studiert - und setzt das Erlernte erfolgreich um. Sehr zum Gefallen seinerer Nationalstolzen und religiös orientierten Klientel.

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emo.alberich 17.07.2016, 09:18
118. Volle Zustimmung ...

Zitat von jackbubu
Ich glaube auch der Putsch war inszeniert. 1. So wie es aussieht schlecht vorbereitet, mit anscheinend wenig Personal (keine Piloten mit Kampfflugzeugen) 2. kein wirklicher Rückhalt aus der Bevölkerung 3. selbst Erdogan Gegner haben den Putsch nicht unterstützt Irgendwie passt das alles nicht. Es war anscheinend schwach durchdacht und es musste klar sein das bei einem scheitern Erdogan gestärkt aus der Sache kommt. Und wenn nicht bald die westliche Welt kannte zeigt haben wir in Europa und besonders in Deutschland ein Problem. Der Typ macht Wahlkampf auf deutschen Boden, gerade sozial schwache junge Türken träumen von einem türkischen Deutschland, Muslimenverbände tuen jetzt schon wenig für Integration und sehen sich immer als Opfer. Dank Merkel und ihrer Politikerkaste werden wir jetzt schon als schwach entfunden.
... ausser bei Ihrer "Merkelschelte". Das hilft nun auch nichts, im Gegenteil - diese Politikerschelten nach dem Motto jeder gegen jeden und alle gegen alle im Westen lassen ihn noch schwächer aussehen.

Mindestens so weit muss man im Westen wieder kommen, dass man Meinungen des politischen Gegners bekämpft und nicht mit persönlichen Argumenten auf einander einprügelt. Politikerkaste wie Volk.

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w1w2w3 17.07.2016, 09:21
119. verschwöhrungstheorien

wird das genannt was nicht dem main stream entspricht. Aber was sind den verschwöhrungstheorien nichts weiter als eine Theorien wie jede andere.

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