Forum: Politik
Rätsel Osten: Unsere Brüder und Schwestern von drüben
Patrick Pleul/ DPA

Jetzt haben diese Ossis schon wieder rechts gewählt, in den Osten kann man also ab sofort nicht mehr reisen. Kann man aber doch. Sollte man sogar. Dann könnte man vielleicht erfahren: "Den Osten" gibt es nicht.

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stefan taschkent 02.09.2019, 10:04
1. Alle vier Himmelsrichtungen

Es nervt dann doch irgendwann - dieses ewige Ossi-Wessi Ding. Herr Kuzmany, Sie mögen Nord, Süd, West, und meinethalben Ostdeutscher sein. Ossi oder Wessi sind Sie nicht. Sie machen mit Ossi/Wessi nur den Graben tiefer (oder wahlweise die Mauer höher). Schlimmer noch, wenn Sie sich so klassifizieren. Kleiner Test: Welche Attribute verbinden Sie denn mit Ossi, und welche mit Wessi? Welche Definition von Ossi-Wessi ziehen Sie denn da heran? Und: Treffen die Attribute des Wessi auf Sie zu? Na sehen Sie, also lassen Sie uns doch bitte bei den vier Himmelsrichtungen bleiben bzw. zurückkehren.

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rememberhistory 02.09.2019, 10:08
2. Für Freiheit, Demokratie und Toleranz!

Ich will und kann den Teil der Menschen nicht mehr verstehen, die AfD wählen! Es gibt nach 3o Jahren Mauerfall, Freiheit, Demokratie und Wohlstand bei all den kleinen Makeln unserer Gesellschaft keinen Grund die Rassisten, Neonazis, Geschichtsverdreher und Polarisierer der Afd zu wählen. Es hilft nur eins, immer und überall seine Stimme für Freiheit Demokratie und Toleranz zu erheben!

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haarer.15 02.09.2019, 10:09
3. Neue Mauern entstehen

Ich selbst bin immer gerne in die neuen Bundesländer gefahren, kenne viele Landesteile gut - aber nun vergeht mir abrupt die Lust dazu. Zu Brandenburg hab ich noch private Kontakte. Aber ich weiß, dass z. B. das tiefbraune Sachsen für mich definitiv zur No-go-Area geworden ist. Tut mir leid, aber es schnürt mir angesichts dieses dauerhaft provinziellen Kleingeistes, der straff fremdenfeindlichen Haltung und der Hassbotschaften von Rechts die Kehle zu. Das ist dort nicht mehr erklärbar. Herr Kuzmany, rechtsextrem-nazistisch zu wählen, dafür kann es kein Verständnis geben. Null - zu keinem Zeitpunkt und Nirgendwo.

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Frust 02.09.2019, 10:10
4. Prozentual

Irgendwie reicht es langsam, immer das ostdeutsche Wählerverhalten zu kritisieren. Die AfD wird keineswegs nur von abgehängten Ossis gewählt. Prozentual fallen die Ergebnisse natürlich ins Gewicht, in absoluten Zahlen leben aber mehr AfD-Wähler in den westlichen Bundesländern.

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dr.joe.66 02.09.2019, 10:16
5. Was ist eigentlich so schwer zu verstehen?

Menschen, die Jahrzehnte lang in einem Unrechtsregime gelebt haben mit der permanenten Propaganda, dass es ihnen super gut geht und es bald perfekt sein wird.
Dann haben sie Gefängnis und Schlimmeres riskiert und haben das Regime friedlich gestürzt.
Um sich in einem Turbokapitalismus wieder zu finden, der ihnen nicht Sicherheit gibt, sondern Jobs abbaut. Damit die Aktionäre im Westen noch reicher werden. Während ihnen gleichzeitig windige Autohändler das Geld aus der Tasche zogen für Schrott-Golfs. Und jetzt wo sie sich neue Golf leisten können, finden sie heraus, dass diese Betrugssoftware haben, damit die Aktionäre im Westen noch reicher werden.
Und wieder erzählt ihnen ein System, dass sie hart arbeiten sollen, damit es ihnen bald besser geht, während sie sehen, dass die Rentnerin nebenan nicht mehr weiß wovon sie die Miete bezahlen soll. Und die Enkel sind längst weg, im Westen.
Was ist so schwer daran zu verstehen, dass diese Menschen F**k You sagen? Dass diese Menschen jetzt auch das neue Regime satt haben und es irgendwie loswerden wollen?
Ich habe Angst vor der AfD. Aber die AfD ist nicht das Problem. Sie ist die falsche Antwort auf die richtigen Fragen. Fragen, die die West-Parteien nicht beantworten wollen. Und DAS ist das Problem.

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jerkrussel 02.09.2019, 10:18
6. Lange Zeit hatte ich Vorbehalte gegen den Osten

Heute liebe ich ihn.
Als Norddeutscher mittleren Alters hatte ich die Wende bewusst erlebt. Der Osten hat mich immer gegruselt, so dass ich ihn lange gemieden habe.
Heute genieße ich jeden Meter, den ich jenseits der alten Grenze verbringen kann.
Ich glaube fast, dass ich verstehe, warum viele Ostdeutsche so wählen, wie sie jüngst gewählt haben.
Es muss sich in unserer Gesellschaft einfach viel mehr ändern. Integration , Identifikation, Teilhabe und Sicherheiten müssen geschaffen werden.
Stattdessen regiert der Kommerz. Unsere Politiker beschuldigen sich gegenseitig und liefern selbst doch kaum brauchbare Ergebnisse. Wenn es gesellschaftlich so weitergeht, dann wird es nicht besser werden.
Der Osten hat so viel zu bieten.

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spon_4_me 02.09.2019, 10:19
7. Sie lesen

„viele Analysen und verstehen es (sprich: das Wahlverhalten im sog. Osten) dennoch nicht“? Sollten Sie dann nicht den Beruf wechseln, Herr Kuzmany? Ich meine das nicht böse. Aber wenn Profis sich zu etwas lang und breit äußern, auch um uns Laien ein Stück weit zu erklären, weshalb und wieso die Dinge so sind, wie sie sind, und dann erklären: Aber eigentlich verstehen wir es nicht - dann Helm ab zum Gebet. Ich vermute, Sie können so oft Sie wollen nach Sachsen, Thüringen und Brandenburg reisen. Der „confirmation bias“ in Ihrem Kopf reist immer mit.

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NAL 02.09.2019, 10:19
8. Warum soll man Parteien wählen,...

die und seit 30 Jahren nur die Hucke vorgelogen haben. Wir wurden betrogen und bestohlen, der Arbeitsplätze beraubt und sollten den Westen als Heiligtum ehren und ihm dienen. die blühenden Landschaften waren wohl als industriefreie Zone und damit verbunden als Zone der Arbeitslosen gedacht. Es ist nun mal so, das die westdeutsche Reklame den Menschen im Osten den Kopf verkleistert hat, aber die Realität von 30 Jahren deutschem Parteieinerlei (CDU, CSU, SPD, FDP und die vermanschte Linke) haben den Menschen gezeigt, das wir einen eigenen Weg gehen müssen. Die Politik der letzten 30 Jahre ist für die Richtung in die es geht verantwortlich.
Ich habe inAnfang der 90iger in Frankfurt (Am Main) anhören müssen, wie ein West gesagt hat: Ich fahre erst in den Osten wenn dort die gleichen Lebensbedingungen sin wie bei uns.

Nun nach 30 Jahren haben wir die gleichen, ja teilweise höheren Preise wie im Westen. Wir haben eine Nahverkehrsinfrastruktur, die ein Witz ist. Die Zugverbindungen, vor allem die Fernverbindungen, aber auch der Nahverkehr wurden gestutzt bis ganz beseitigt. Die Arbeitsplätze wurden erfolgreich beseitigt und neue geschaffen? eher nicht. Kein großer Konzern hat sich im Osten angesiedelt, die Lohnlage ist ein Spiegel der Politik. Niedrige Löhne immer weiter steigende Mietpreise das ist unserer Politik zu verdanken. Also bitte denkt auch mal an die Worte des Westens an die DDR. Alle Stimmen sollten gehört werden (Opposition z.b.).
Jetzt mit einmal, wenn es an das eingemachte geht, gelten die Worte nicht mehr und zeigen die verkommene Moral der Politik vor allem im westlichen Teil Deutschlands.
Die Antwort ist auf dem Vormarsch, ob es uns gefällt oder nicht. Die Bewegung hies früher "Wir sind das Volk" und wurde vom Westen gefeiert, nun kommt diese Bewegung wohl langsam in der BRD an.

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Katzazi 02.09.2019, 10:21
9.

Danke für diesen Beitrag. Leider bin ich nicht wirklich häufig in Ostdeutschland. Aber ich bin auch in diversen anderen Bundesländern nur selten. Viele Menschen im Osten sind tolle Menschen. Viele Orte sind malerisch und es gibt viele schöne Gegenden. Manche Städte mausern sich auch langsam zu recht guten Adressen, mit denen manche Städte im Westen (gerade im Ruhrgebiet, wo ich derzeit häufiger bin) überhaupt nicht mithalten können. Wenn ich Menschen sehe, sind es für mich erstmal Menschen. Ich kann ihnen nicht ansehen, wo sie herkommen, ob sie Deutsche sind oder nicht und noch weniger ob sie Ostdeutsche sind oder nicht. Und selten kann ich ihnen ansehen, was sie wählen. Tatsächlich habe ich da in alle möglichen Richtungen da schon falsch gelegen. Entsprechend offen sollte man Menschen entgegentreten. Was aber nichts daran ändert, dass manches im Osten sicherlich angepackt werden sollte. Im Westen aber übrigens auch. Da muss denke ich angesetzt werden. Aber eher was tatsächlich konkrete Probleme anbelangt, anstatt mit der Gießkanne auf potentielle Probleme zu regnen oder sich in gefühlten Problemen zu verlieren. Aber schlussendlich geht es darum positive Zukunftsideen aufzuzeigen und diese anzugehen aber auch sie zu kommunizieren. Es gibt viel zu tun. Die, die das im Moment am ehesten schaffen sind aktuell die Grünen. Die zweite Partei, die im Osten teils erhebliche Zugewinne gemacht hat. Was langsam auch die Union erkennt, insbesondere dort die CSU. Auch wenn das mehr wie Aktivismus aussieht.

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