Forum: Politik
Rätsel Osten: Unsere Brüder und Schwestern von drüben
Patrick Pleul/ DPA

Jetzt haben diese Ossis schon wieder rechts gewählt, in den Osten kann man also ab sofort nicht mehr reisen. Kann man aber doch. Sollte man sogar. Dann könnte man vielleicht erfahren: "Den Osten" gibt es nicht.

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k70-ingo 02.09.2019, 15:30
200.

Zitat von adieu2000
Eine populistische Partei die unbequeme Fragen auf provozierende Art und Weise stellt, die Nationalisten und vielleicht auch braunen Brüdern eine Plattform bietet, soll die das Problem sein? Scheinbar haben wirklich viele Menschen Fragen, die sie nicht beantwortet oder angemessen erklärt bekommen. Und die Politik und superschlaue Journalisten kontern: mit denen reden wir nicht, wer die wählt, wählt Nazis und Rassisten. Macht man es sich da nicht ziemlich einfach, oder lenkt man nur von den eigenen Defiziten ab? Es ist unterirdisch wie wenig substantielles man gegen die AfD vorbringen kann, ich bin von soviel geistiger Armut wahrlich enttäuscht. Es tut Not sich mit der ganzen Realität auseinander zu setzen.
Inwiefern lenkt man von eigenen Defiziten (welchen eigentlich?) ab, wenn man sich weigert, mit fremdenfeindlichen, nazistisch unterwanderten Rechtspopulisten zu reden?

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Nur ein Blog 02.09.2019, 15:33
201.

Zitat von bluebill
Was gerade im Osten passiert, kann morgen genau so im Westen passieren. Die Menschen wurden nach der Wende ausgebootet und fallen gelassen. Ihr Leben, ihr Wertegefüge, ihre Leistungen wurden von jetzt auf gleich als Schrott deklariert. Der Kapitalismus, von dem sie sich die goldene Freiheit erhofft hatten, entpuppte sich als gieriges, alles vernichtendes Raubtier. Sogar heute, 30 Jahre später, hat sich nicht viel daran geändert. Ganze Landstriche wurden zu abgehängten Provinzgegenden, wo nichts investiert wird, weil es sich wirtschaftlich nicht rentiert. Busse, Bahnen, Arztpraxen, Geschäfte, all das muss Profit bringen, oder es entsteht eben nicht. Die Belange der Bewohner werden gar nicht betrachtet - ach, die ewig gestrigen Ossis, was haben die wieder zu nörgeln. Das fühlt sich für die Leute, die da wohnen, nicht gerade wie Wertschätzung an. Dazu geistern immer wieder aberwitzige Gesetzvorlagen durch die Medien, die die Reste ihrer Existenzgrundlage zu vernichten drohen. Höhere Steuern, Verbote, Mobilitätseinschränkungen. Warum sollten diese Menschen die Parteien wählen, die ihnen das eingebrockt haben? Oder die sich davon nicht genug absetzen? Da ist es durchaus nachvollziehbar, wenn sie in Scharen irgendwelchen Rattenfängern nachlaufen. Hauptsache nicht mehr so weitermachen wie bisher. Wäre die AFD erstmal an der Regierung, wäre es schnell vorbei mit ihrer Beliebtheit, denn sie hat nicht wirklich ein tragfähiges Alternativkonzept. Sowenig wie seinerzeit der Kapitalismus. - Allerdings gibt es etliche Gegenden im Westen, wo es genauso läuft. Abgehängt, unterversorgt, zukunftslos. Auch da kann die AFD gut hochkommen. - Man darf eben nicht einfach durchregieren und nur auf seine Lieblingsklientel schauen. Das rächt sich früher oder später. Nicht nur in Ossiland.
In einer Demokratie ist immer eine Alternative möglich - "alternativlos" war ein miese Wortwahl der Kanzlerin - und sie braucht die schon lange nicht mehr. Eigentlich meinte sie immer: praktisch zwingend, unsere Lösung ist die einzig mögliche.

Fernab vom Sachlichen:
Logo und Name sind eben schon per se ein Knaller: Alternative für Deutschland! Und jetzt noch "Vollende die Wende!" Darauf muss man mal kommen. Angesichts der Tatsache, dass "seriöse Werbeagenturen" die AfD meiden, sie ziemlich "handgestrickt" daherkommt, sind die Wahlkampfsujets doch meist sehr gelungen. So gelungen, dass sie nicht mal mehr gegen die AfD ins Feld geführt werden können in der öffentlichen Diskussion.

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k70-ingo 02.09.2019, 15:37
202.

Zitat von aus-berlin
Es sagt ja auch keiner, dass es ein exklusives ostdeutsches Problem ist. Nur scheint es im Osten immer nochmal schlimmer zu sein. Ich habe ja bewusst "Ostdeutschland" als Fläche mit NRW verglichen. Das sind beides male ca. 16/17 Millionen Einwohner. NRW ist auch so stark gewachsen wegen den Flüssen Rhein und Ruhr. Die Bahn kam erst später dazu. Der Osten wird auch an seiner Entwicklung gehindert wegen fehlender Infrastruktur. Autobahn und Bundesstraße ist super. Toll, Toll, Toll. Aber als junger Mensch mit Ausblick auf eine breite Zukunft hilft mir ein guter und günstiger ÖPNV mehr als eine breite Autobahn. Versuchen Sie das einfach mal zu verstehen und nicht mit Gegenargumenten weg zu wischen. Die Wähler wählen dann immer noch AfD.
Welcher junge Mensch macht denn seine Wahlentscheidung oder gar seine berufliche Lebensgestaltung vom ÖPNV-Angebot im Heimatort abhängig?
Und wählt dann AfD, wenn die Busverbindung schlecht ist?

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aus-berlin 02.09.2019, 15:37
203. Fakten!

Zitat von Mentor 54
Vielleicht erlaubt die Forumsmoderation ja gnädigerweise mal das kommentarlose Zitieren von Fakten: Gesetzliche Durchschnittsrenten 2018: Alte Bundesländer Männer 1.095 Euro Frauen 622 Euro Neue Bundesländer Männer 1.198 Euro Frauen 928 Euro Ich könnte jetzt noch viel dazu schreiben, aber da ich anscheinend wieder mal auf der schwarzen Liste stehe, spare ich mir die Mühe.
Sie meinen natürlich nur die staatliche Rente. Im Westen kommt dann noch bei vielen eine betriebliche und private Rente dazu. Auch war das Thema Wohneigentum im Westen ein stärkeres als im Osten.

Unterm Strich zählen nicht irgendwelche Statistiken. Es zählt die gelebte Realität der Bürger. 25% der Ostdeutschen empfinden das nun mal so. Es mag nicht alles stimmen, aber diese Ihre Überheblichkeit sorgt für Wut. So überzeugen Sie keinen.

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iris b. 02.09.2019, 15:38
204. @ cabeza_cuadrada / 184

Zitat von cabeza_cuadrada
ich persönlich höre mir diese Reden nicht an, müsste wohl auch aktiv danach im Netz suchen. Im TV bekommt man davon kaum etwas mit. Die wenigen Talkshows mit AfD Politikern sich doch recht ermüdend. So habe ich eben im Wahlprogramm nach diesen Punkten gesucht. Und vom linken Rand sind genau so Pauschalisierungen und Verdrehungen üblich wie vom rechten Rand. Daher hoffe ich mal dass aus einer Forderung "Asylmissbrauch beenden" nicht "Ausländer raus" gemacht wird. Das sind schon zwei paar Schuhe.
Ach, wissen Sie, Asylmissbrauch findet wahrscheinlich kaum jemand wirklich gut.
Wenn jedoch jemand meint, man könne der überwiegenden Mehrheit der Asylberwerber quasi an der Nase ansehen, dass sie "illegale Migranten" sind und dass man aus diesem Grund die Seenotrettung im Mittelmeer aussetzen sollte und dass man, falls doch noch ein paar solcher "illegaler Migranten" aus einem seeuntüchtigen Schlauchbott gerettet werden sollten, diese ohne jede weitere Prüfung irgendwo an der afrikanischen Küste von Bord werfen sollte und wenn man diese Haltung mit "Asylmissbrauch beenden" beschreibt, dann ist das für mich Missbrauch der Sprache. Den man unbedingt beenden sollte.

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Mentor 54 02.09.2019, 15:43
205.

Zitat von aus-berlin
Das Problem sind genau Sie. Die AfD wurde von JUNGEN Wählern gewählt. Die Alten haben noch eher SPD und CDU gewählt. Indem Sie mit solchen alten Kamellen kommen gießen Sie Öl ins Feuer der AfD. Besser schweigen Sie. Dann wird nicht mehr so viel AfD gewählt.
Die AfD wird am häufigsten von Männern zwischen 30 und 60 gewählt.

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aus-berlin 02.09.2019, 15:49
206. nicht ÖPNV

Zitat von k70-ingo
Das Streckennetz der Bahn ist ein Grund, AfD zu wählen? Meinen Sie das ernst? Sie kennen sich in NRW offensichtlich nicht aus, daher der Hinweis, daß dort der ÖPNV, gerade der mit der Bahn, in erbärmlichem Zustand, bzw. im ländlichen Bereich de facto gar nicht vorhanden ist. Ich wohne in einem Speckgürteldorf im unmittelbaren Ruhrgebietsumland - ein ÖPNV findet hier nicht statt. Drei Buslinien, die meist nur zu Schulzeiten und sonst alle zwei Stunden fahren, nachts und am Wochenende gar nicht. Das stört hier niemanden, weil in unserem angeblichen Reichenrefugium jeder Haushalt mindestens ein Auto hat - und ein Grund, AfD zu wählen, ist es schon mal gar nicht. Die haben hier 6 oder 7% bekommen, mehr nicht.
Ich sprach nicht vom ÖPNV! Der ist überall in D schlecht. Außer in Berlin. Ich rede vom so genannten Fernverkehr. Wenn aber das beste zwischen Magdeburg, Rostock, Dresden, Erfurt und Frankfurt/Oder ein Regionalexpress ist, spricht das doch Bände für das, was danach kommt. In NRW kann ich die größeren Städte alle mit einem ICE/IC erreichen. Das Streckennetz ist nur ein Beispiel für die Situation im Osten. Auch in Verbindung mit der Ansiedlung und Konzentration der Arbeitsplätze. Die sind in NRW wesentlich breiter verteilt. Man redet ja dort von einer Metropolenregion und hier eher von Leuchttürmen.

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spiegelneuronen 02.09.2019, 15:52
207. Sagt mal wo kommt ihr denn her? Aus Schlumpfhausen bitte sehr!

Abgesehen von wenigen Metropolen (Sünden-Babel oder Hipster Berlin und industrielle sächsiche Hochburgen Dresden, Leipzig), war östlich der Elbe immer kleingeistiges und rückständiges Junkerdenken angesagt. Preußisch inspierierter Drill als Bautzen oder Dresden hat dies nur umlackiert.

Und regelmäßig kamen Auslwärtige und erklärten den dortigen Hilfsbedürftigen die Welt:

- Zunächst ein arbeitsloser österreichischer Postkarten-Zeichner.
- Dann ein Georgier und weitere sowjetische Generalsekretäre
und nun -

- eine ehem. Goldman-Sachs - Mitarbeiterin aus NRW (mal auch Schweizerin) - A. Weidel,

- ein Münchner, der Brandenburg entdeckt hat und meint studiert zu haben aber garantiert in der Bundeswehr war - A. Kalbitz,

ein Hesse, der schon bei Wallmann (CDU) in krininelle Nähe kam. - A. Gauland.

Und immer noch nichts gelernt? - Vielleicht ist selber denken besser als hinterher rennen? Das wäre eine echte ALTERNATIVE jenseits der blauen Schlümpfe.

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Thomasmuens 02.09.2019, 15:54
208. Schade

Wählt was ihr wollt! Ihr werdet es früher oder später bekommen! All die Billionen sind ja nicht genug gewesen. Freiheit zu reisen wohin man will: Nicht genug! eine der freiheitlichsten Verfassungen der welt! Brauchen wir nicht! „Wir wurden ja angeschlossen!“ Schade! War wohl nix mit der Wiedervereinigung. Wählt wen ihr wollt! Macht Euer Ding! Aber macht es allein! Ohne uns! Aber dann zahlt auch alles zurück!

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Stresspille 02.09.2019, 15:55
209. Außenwirkung

Na ja, die Wahlen in den östlichen Bundelsländern werden auch international beachtet.

Mögliche Investoren werden sich die Landkarte mit den AFD Hochburgen jetzt genau anschauen und die befallenen Landkreise, möglicherweise aber sogar das ganze Regionen meiden. Sie werden stattdessen dorthin gehen, wo sie ihre internationalen Geschäftspartner auch besuchen möchten und ihre Mitarbeiter sicher vor Faschisten sind.

Wenn man so ein beschissenes Bild im Ausland abgibt, dann braucht man sich nicht zu wundern, daß keiner investiert, keiner was kauft und es kaum Arbeitsplätze gibt. Die werden nämlich nicht vom Staat geplant oder "geschaffen", sondern von frei agierenden, privaten Unternehmen - schon gemerkt?

Die Washington Post schrieb schon 2015:

https://www.washingtonpost.com/world/europe/new-far-right-anti-immigrant-sentiment-hits-german-streets/2015/01/23/dd23ec5c-a282-11e4-9f89-561284a573f8_story.html

"... Ahmed, a 36-year-old Moroccan, hoped to find a better life in Europe’s economic powerhouse, Germany. But these days in Dresden, he said, he is afraid to walk the streets.

This urban phoenix rebuilt from ashes after World War II is the center of a movement against immigrants — Muslims in particular — that has shocked much of the rest of Germany even as anti-immigration marches have spread to 10 cities nationwide. Downtown Dresden, Ahmed and other immigrants here say, has become a no-go zone for them on Monday nights, when the Patriotic Europeans Against the Islamization of the West — or Pegida, in German — stages its weekly rallies. ... "

Tja, wenn es um Investitionen geht, dann stehen die Staaten, Länder und Regionen durchaus in Konkurrenz zueinander. Und darum freut es mich, wenn vielleicht stattdessen - in unserer Region - investiert wird.

Hier haben sie nicht vor jedem Mist Angst. Wir laden alle ein, sind zu allen freundlich, rollen für unsere Kunden den roten Teppich aus ... und achten auf unseren guten Ruf ...

Wer meint mit der AFD die richtige Außenwirkung zu erzielen - viel Glück damit !

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