Forum: Politik
Rätsel Osten: Unsere Brüder und Schwestern von drüben
Patrick Pleul/ DPA

Jetzt haben diese Ossis schon wieder rechts gewählt, in den Osten kann man also ab sofort nicht mehr reisen. Kann man aber doch. Sollte man sogar. Dann könnte man vielleicht erfahren: "Den Osten" gibt es nicht.

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Stresspille 03.09.2019, 12:08
390. ... Psychologen und Psychonalytiker sind gefragt

... ich bin leider nicht.

In den letzten Tagen war ich doch verwundert zu hören, daß die angeblich schlechte wirtschaftliche Lage in den Landkreisen mit hohem AFD-Zuspruch gar nicht so sehr ausschlaggebend war. Denn die AFD ist oft - auch - in solchen Regionen stark gewesen, denen es wirtschaftlich gar nicht so schlecht geht.

Die von der AFD thematisierte Einwanderungspolitik kann es auch nicht sein, denn nach Deutschland gelangen so gut wie keine Einwanderer mehr. Auch der Zustrom aus Syrien und über das Mittelmeer ist zum Erliegen gekommen. Überall stehen die Aufnahmelager leer oder sind längst wieder abgebaut.

Überhaupt ist das AFD Programm doch eher rücksichtslos, neoliberal bis nichtsagend unausgegoren. In jedem Fall aber nicht geeignet, um Hoffnung bei Rentnern, Arbeitslosen und sozial Schwachen zu wecken. Es sei denn sie wären erpicht auf eine Kürzung ihrer Zuwendungen.

Und wie kann es sein, daß dieselben Leute, die vor ein paar Jahren PDS und die Linke gewählt haben, jetzt zu einer faschistischen Partei wechseln? Das kann man eigentlich mit Inhalten und politischer Gesinnung nicht logisch erklären.

Trotzdem scheint es so zu sein, daß einige die Partei wählen, weil sie meinen, mit deren Ideen übereinzustimmen. Weil sie scheinbar besonders die Menschen im Osten verstehen und für sie sprechen.

Vielleicht liegt der Grund viel tiefer in der Psyche der Menschen. Denn wie kann es sein, daß wir - nach 30 Jahren - immer noch von Ossis und Wessis reden? Durch was soll das noch begründet sein? Stammbaum, Blut und Erde? Bin ich ein Ossi, wenn ich nach Dresden umziehe oder erst meine Kinder? Oder die auch nicht?

In Bayern wurde mir mal - scherzhaft - gesagt, daß man erst die Lederhose tragen dürfe, wenn man die bayrische Hymne frei vortragen könne. Werde ich vielleicht zum Ossi, wenn ich das Lied der AFD singe?

Ist das alles vielleicht das Ergebnis der Sehnsucht nach Identifikation, Abgrenzung und - verlorener - Ost-Gemeinschaft ?

Das kennt man ja auch im Westen. Die Bayern haben ja auch das "Mia san Mia" über viele Jahrzehnte in der CSU gesehen. Die Wahl der CSU war somit immer auch ein Bekenntnis zur Heimat, zu Bayern und dem katholischen Glauben.

Diese regionale Vertretung des "Wir" ist nun von der AFD gekapert und der Linken weggenommen worden.

Das war leicht, denn die Linke hat sich nicht nur zu einer Bundespartei entwickelt, sondern auch der Weltoffenheit verschrieben. Sie
kann so das Bedürfnis nach Abgrenzung kaum mehr verkörpern

- es geht um Emotionen. die Inhalte sind eigentlich (und erschreckenderweise) "Wurscht".

Nur so kann ich mir erklären, wenn sich Jugendweihe- und Trabi- Ostalgie zu Faschismus gesellt.

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ancoats 03.09.2019, 12:09
391.

Zitat von hhg-werk.dienste
Wenn ich diesen Beitrag schon wieder lese,könnte ich kotzen. Dieses Schwarz-Weiß denken in diesem Bericht. Die AFD hat zum Teil die Positionen der CDU wie vor 30 Jahren und wird dann als Rechtsradikal diffamiert.Das zeigt doch nur,wie weit die Medien nach links gedriftet sind.Das wird nicht mehr lange gut gehen,wenn die Berichterstattung immer so einseitig ist.Irgendwann werden die Medien ins Fadenkreuz geraten,weil die Leute die Nase voll haben,sich von den Medien ständig irgendwelche vorgefertigte Meinungen,Agenden oder gar Framing-Methoden unterjubeln zu lassen. Würden die Medien und die Presse absolut neutral Berichten,würde es mit Sicherheit auch nicht aus der Bevölkerung zu "Lügenpresse-Geschrei"kommen.
Beschäftigen Sie sich bei Gelegenheit mal bitte mit den Aufgaben und Funktion einer freien Presse in einer Demokratie, außerdem mit dem grundsätzlichen Unterschied zwischen Nachricht und Meinung. Ich bin mir ebenfalls fast sicher, dass Sie den Fachterminus "framing" erst kürzlich zum ersten Male gehört haben; da könnten Sie sich bei Gelegenheit auch mal schlau machen. Und last not least: bei wem und warum sollten denn bitte die Medien "ins Fadenkreuz geraten" - oder soll das etwa eine plumpe Drohung sein? Falls ja: ich glaube, so was nennt man "Allmachtsfantasien"...

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schensu 03.09.2019, 12:11
392. Hui

Zitat von k70-ingo
Ach, in der DDR gab es keine Altnazis, die Karriere im Staatsdienst, in der Partei oder in der Wirtschaft gemacht haben?
Sie meinen die Reiterstaffeln, welche dann geschlossen eine Ortsgruppe der GST stellten?;o)) Was ne Karriere.
Nun mal Butter bei de Fisch. Zeigen Sie mir den DDR - Filbinger! Wo waren die Ost - Äquivalente zu Globke, Gehlen & Co.?
Wo die Nazi - Lehrer im Schuldienst?
Legen Sie los!

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g_bec 03.09.2019, 12:12
393. Oha.

Zitat von ford_mustang
Ich bin ein alter Westberliner. Erst wurden die Leute in den (nicht mehr ganz so) neuen Bundesländern von der SED verar...t. Danach haben das dann die anderen Parteien, vorne weg die CDU, mit Kanzler Kohl, besorgt. Niemand hat sich um eine geschmeidige Integration der ehemaligen DDR-Bürger in das bundesdeutsche System gekümmert. Wie wären die Wahlergebnisse wohl z. Bsp. in Niedersachsen, wenn von dort die gebildete Mittelschicht in großen Scharen abgewandert wäre. Die Prozentzahlen für extreme Parteien wären hoch. Ist einfache Mathematik. Auch sogenannte Wessies (übrigens ein Begriff, der vor der Wende nur von Westberlinern für BRD-Bürger benutzt wurde) wählen Rechts. Interessanterweise meistens Die, die in Ecken wohnen, wo es so gut wie keine Ausländer gibt. Für mich gibt es jedenfalls nicht die "Ossies", sondern halt nur Deutsche. Manche leben im Norden, Süden, Westen und Ja, halt auch im Osten. Mittlerweile leben wir länger ohne, als mit der Mauer. Das Diese immer noch in den Köpfen ist, ist Schuld der Politik und leider auch der Medien.
Oh, ist Integration nicht auch zu allererst eine Bringschuld? Zumindest hört man das aus alternaiver Ecke doch immer, wenn es um "Ausländer" geht. Nur beim Ossi ist es nicht mehr so? Immerhin kann man ja etwas überspitzt behaupten, dass die alle freiwillig mit ihrer Wahl 1990 in die Bundesrepublik migriert sind.
Außerdem stimmt das mit dem "niemand hat sich um eine geschmeidige Integration der ehemaligen DDR-Bürger in das bundesdeutsche System gekümmert" so ja nun auch nicht. Schon gleich gar nicht bei jenen, die nach 1989 geboren wurden, die sich auf ihr Ossisein aber sonstwas einbilden.

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k70-ingo 03.09.2019, 12:14
394.

Zitat von rudi_ralala
Die CDU tot? In NRW steht sie doch nach Ihrer Aussage wie eine Deutsche Eiche, auch wenn sie dort nur rumsteht. Nicht Sie oder die CDU von NRW bestimmen über die kommende Koalition in Sachsen, sondern die dortigen Parteien. Da gibt es auch in der CDU Stimmen, die eine Koalition mit der AfD nicht ausschliessen.
Och, die NRW-CDU steht nicht nur rum, sie macht auch was.
Zum Beispiel Autobahnen heile. Jetzt unter Schwarz-Gelb werden die Versäumnisse von Rot-Grün, etwa die desaströse Verkehrspolitik, aufgearbeitet.

Allerdings hat das alles nichts mit der AfD zu tun.
In NRW hat nichts und niemand etwas mit der AfD zu tun. Die spielt hier einfach keine Rolle.
Auch nicht bei der NRW-Wahl 2017. Da konnte die AfD ihr Monothema Flüchtlinge nicht anbringen. Das hat niemanden interessiert.

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durch blick 03.09.2019, 12:16
395. @nachdenklicherbuergergestern, 17:40 Uhr 263. Wie..

Um mal einen Punkt herauszugreifen, der des Fachkräfte qualifizieren. Ich würde als Unternehmer keinen mit Hakenkreuztatoos verzierten Arier für meine Firma qualifizieren und einem meiner Kunden zumuten, sorry. Da nehme ich dann lieber einen Weltbürger in unserer globalen Handels- und Wirtschaftswelt. Wer sich selbst abhängt durch ewiggestriges Verhalten ist selber Schuld an seiner Misere, da kann er Paroöen brüllen und nackte Ärsche in die Kammera strecken so lange er will. Das verbessert seine Situation ganz sicher nicht. Es war schon immer so, Erfolg oder Mißerfolg liegt immer in seinen eigenen Entscheidungen begründet.
Habe die Ehre DB

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hubert.westerbeck 03.09.2019, 12:16
396. Schöne Aussichten!

Jetzt haben 25 % eine Partei gewählt, die Hass schürt, Geschichtsverklitterung betreibt und Nationalismus predigt. Wie sieht es in 5 Jahren aus? Dann sind es 35 % oder 40 % oder noch mehr. Wenn ausreichend viele diesen Bauernfängern auf den Leim gegangen sind, werden gewisse Schritte eingeleitet, von denen später dann niemand etwas gewusst haben will: Verbot von Parteien, Massenverhaftungen, Deportationen. Rechtsgerichtete Nationalisten geben eine einmal gewonnene Machtposition nicht so einfach wieder her. Schon jetzt stehen im Osten Deutschlands nur noch 40 % auf Seiten der Demokratie - das heißt im Gegenschluss, dass 60 % bereits für eine Diktatur sind. Wo endet das? Bei der Reichtagswahl 1930 hatten die Braunen auch "nur" 25 % zusammengebracht (NSDAP und DNVP). Wenig später war die Katastrophe perfekt. Wollen wir Deutschland retten, dann zieht die Mauer wieder hoch - und bewacht sie vom Westen aus! Wenn nicht, dann wird es in weniger als einer Generation wieder Krieg in Europa geben. Die Nationalisten (= Kriegstreiber) sind allerorten auf dem Vormarsch!

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k70-ingo 03.09.2019, 12:19
397.

Zitat von nachdenklicherbuerger
Mit Errungenschaften die zu erhalten und aus meiner Sicht keine Selbstverständlichkeit sind meine ich: Arbeitsplätze, den relativen Wohlstand, ausgebaute Infrastruktur, sanierte Gebäude, ausgebaute Kindergärten, Arbeitslosengeld, selbst das ALG II, Rente, Krankenversicherung , Kindergeld usw… Da liegt vieles im Argen und ist verbesserungswürdig aber zumindest gilt es dies zu erhalten. Wenn man in der von Ihnen genannten OSTZONE vor 30 Jahren quasi wieder bei Null angefangen hat, und gerade auch in den 90ern gewaltig ins Strudeln kam, hierbei nicht zu vergessen: jeder Zweite war ohne Beschäftigung, offizielle Arbeitslosenquote damals in der Gegend in der ich lebe 29 % (Ohne ABM, Umschulung, Lehrgänge und sonstiges..), und sich nun ein Leben neu aufgebaut hat, dabei auch das Gefühl hat, endlich angekommen zu sein, dann ja dann reagiert man sehr sensibel und beobachtet genau, wenn da Umbrüche entstehen, die einem wieder alles zunichte machen lassen können. Die soziale Sicherheit in diesem Staat ist dabei eine durchaus beachtenswerte Komponente. Und es ist logisch, dass diese irgendwann kollabieren könnten. Die AfD wird es sicher nicht richten, wie ich aber bereits geschrieben hatte, ist sie leider derzeit die einzige Plattform die gewählt werden kann, wenn man nicht für unbegrenzten Zuzug steht und man dies den sog. Altparteien als Wählerwillen aufzuzeigen. Wenn die Mehrheit das anders sieht, muss ich das hinnehmen. Allerdings müssen in einem demokratischen Staat auch andere Meinungen akzeptiert werden. Genauso wie Sie hinnehmen müssen, dass die Zeiten leider vorbei sind, in denen Sie in die Ostzone (ganz weltmännisch von Geburt an) als vielbereistes Wesen mit Papis Auto fahren konnten um den ganzen kulleräugigen, niedlichen, bedauernswerten Geschöpfen vorführen zu können , wie klein doch die gemeine Welt des Ossis ist. Pardon, das konnte ich mir nicht verkneifen… Nix für ungut ;-)
Aha, also zeigt man durch AfD-Wählen auf, daß man erkannt hat, das Errungenschaften wie Arbeitsplätze, Wohlstand, Infrastruktur, Rente, Arbeitslosengeld, Kindergärten und sanierte Gebäude gefährdet sind??

Durch was sind diese Errungenschaften überhaupt gefährdet?
(jetzt sagen Sie nicht, durch die Flüchtlinge)

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playintime 03.09.2019, 12:19
398.

Zitat von k70-ingo
Ach, in der DDR gab es keine Altnazis, die Karriere im Staatsdienst, in der Partei oder in der Wirtschaft gemacht haben?
Es gab die bestimmt auch Nur eben nicht so viel, weil alle vor den Russen nach Westen flüchteten und der Rest fast alle unerkannt blieb. Und die wurden nicht Ministerpräsidenten oder Bundespräsidenten, sondern landeten im Knast bei einer eventuellen Enttarnung.

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g_bec 03.09.2019, 12:20
399. Ursache und Wirkung

Zitat von meinsenf123
Und als sie zum dreihundertachzigtausendsten mal "der Wolf kommt!" schrien, hörte keiner hin... Die "Normalisierung" von Nazis und deren Gedenkengut durch den Jahrzehntelangen inflationären Gebrauch analoger Vorwürfe als blosses politisches Instrument gegen alles Mögliche und Unmögliche scheint nun ernsthafte Konsequenzen nach sich zu ziehen.
Nicht "der Wolf kommt!" ist das Problem im Osten. Sondern das Ignorieren des Wolfes, der seit 30 Jahren da ist und sich fröhlich vermehrt!

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