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RAF-Morde - unendliche Aufklärung?

Überraschende Wende im Fall Siegfried Buback: Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker könnte doch am Mord des Generalbundesanwalt beteiligt gewesen sein. Die Aufklärung der RAF-Morde - eine unendliche Geschichte?

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rabenkrähe 30.08.2009, 20:37
340.

Zitat von Ludwig Schmidt
Werter schlabund, dann waren es eben gelangweilte Großstadtjugendliche, gelangweilte Großstadtstudenten, gelangweiltes linkes Establishment. In jedem Fall waren es simple Verbrecher, die ein wenig zufällig in die große Weltpolitik gerieten, sich darin sonnen wollten und sich dann doch dabei verbrannten. Einen wirklich großen Dienst hätten sie der Demokratie erweisen können: Die Wahrheit erzählen. Aber nicht mal diese Chance zu ergreifen waren sie in der Lage. Damit ist die Zeit, die zum zuhören eingeräumt gehörte, abgelaufen! Es ist vorbei. Jetzt kehrt nur noch irgendwo, irgendwie ein Strafgericht die letzten Flusen zusammen. Grüße!
......

Nur haben sich diese Strafgerichte als äußerst schlusig, inkorrekt und manipuliert erwiesen. Augenscheinlich war es gewollt, blind abzuurteilen, da wurde auf manches Detail nicht so geschaut, wenn es denn überhaupt vorlag.
Die unendliche Geschichte der Aufklärung der RAF-Morde wird nie beendet sein, und das liegt zuallererst an den Ermittlungsbehörden, die zusammendichteten, was ihnen paßte, und die "Wahrheit" nebensächlich fanden.
rabenkrähe

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dementi 31.08.2009, 20:22
341. Stark anzunehmen ...

Zitat von
Das hatte das Bundesinnenministerium unter Verweis auf Nachteile, die Deutschland drohten, 2008 abgelehnt.
... dass jahrzehntelang unschuldige von diesem rechtsstaat zu terroristen gestempelt und inhaftiert wurden. Anzunehmen auch, dass bei dieser sachlage die wahren mörder in kreisen der politik und justiz zu suchen sind? Zumindest sehen das nun viele so, denen die 'RAF'bisher absolut egal war ...

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zenonrc 31.08.2009, 20:23
342. Okay,

Zitat von wabalu
Mann Gottes, ich habe im Westend gearbeitet von 1969 -1975 und dann in der Taunusanlage. Wir haben damals alles hautnah miterlebt, die Verhaftung Baders und Raspes in Eschersheim, die besetzten Altbauvillen im Westend, die Krawalle um die besetzten Häuser im Kettenhofweg, Fischers Putztruppe , der Frankfurter SDS Verein um die Wolf-Brüder! Sie brauchen mir nichts zu erzählen, ich sage nur: Zeitzeuge!
meine kleine Schwester und ich haben kurz vor der Verhaftung Baaders an deren Wohnung angeklingelt.
Die Tuer wurde auch kurz geoeffnet, aber Abo's wollte man nicht.
Am Abend dann die news.
Wir sind also beide Zeitzeugen und uns wahrscheinlich auch schon mal ueber den Weg gelaufen.
Wenn die Bundesanwaltschaft nun vom "Staatsschutz" verlangt die Akten offen zu legen, dann wiederholt sich ein Moment in unserer Geschichte.
Wir sind nochmals Zeitzeugen. Denn derartiges Auftreten der Justiz waere damals undenkbar gewesen.
Vielleicht gibt es ja doch noh Hoffnung ;)

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zenonrc 31.08.2009, 20:35
343.

Zitat von Ludwig Schmidt
Werter schlabund, dann waren es eben gelangweilte Großstadtjugendliche, gelangweilte Großstadtstudenten, gelangweiltes linkes Establishment. In jedem Fall waren es simple Verbrecher, die ein wenig zufällig in die große Weltpolitik gerieten, sich darin sonnen wollten und sich dann doch dabei verbrannten. Einen wirklich großen Dienst hätten sie der Demokratie erweisen können: Die Wahrheit erzählen. Aber nicht mal diese Chance zu ergreifen waren sie in der Lage. Damit ist die Zeit, die zum zuhören eingeräumt gehörte, abgelaufen! Es ist vorbei. Jetzt kehrt nur noch irgendwo, irgendwie ein Strafgericht die letzten Flusen zusammen. Grüße!
Ich denke Sie irren hier.
Die RAF hat, vom Gesetz ja auch bis zur Genuege geahndete, Verbrechen begangen, aber mit ihrem Einsatz die deutsche Gesellschaft in ein politisches Bewusstsein gefuehrt, welches im Straussenland bisher nicht existierte.
Und ich denke wir tun diesen Leuten, in islamischen Laendern wuerden sie Maertyrer genann, Unrecht, wenn wir ihren Beitrag zu der Gestaltung einer gerechteren Gesellschaft totschweigen.
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich habe nicht vor eines jener Regierungsmitglieder umzubringen, die Milliarden Ihrer Steuergelder in die "high finance" verschieben.
Heute brauchen wir keine Gewalt mehr, Internet bildet und verbindet.
Aber damals sah die Sache anders aus.
Ich bitte das zu beruecksichtigen.

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Andreas.Tombrink 31.08.2009, 21:02
344.

es wäre ja schön, wenn immer so ermittelt würde. Aber anscheinend bedarf es schon einer Menge "Nachdruck", das man Jahre später wieder ermittelt.

Bei anderen wären die Akten evt. schon verstaubt....

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Ludwig Schmidt 31.08.2009, 23:17
345.

Zitat von zenonrc
Ich denke Sie irren hier.
Das kann gut sein, das kann immer passieren.

Zitat von zenonrc
Die RAF hat, vom Gesetz ja auch bis zur Genuege geahndete, Verbrechen begangen, aber mit ihrem Einsatz die deutsche Gesellschaft in ein politisches Bewusstsein gefuehrt, welches im Straussenland bisher nicht existierte.
Puh, an dieser Diskussion möchte ich mich so nicht beteiligen: falsche Generation, falsche Herkunft. Sorry, aber für mich haben die RAF und ihre Sympathisanten (gleich ob offen oder heimlich) diese Relevanz nicht. Und ich schreib im folgenden auch gerne, warum nicht und warum sie es nicht mal verdient hätten:


Zitat von zenonrc
Und ich denke wir tun diesen Leuten, in islamischen Laendern wuerden sie Maertyrer genann, Unrecht, wenn wir ihren Beitrag zu der Gestaltung einer gerechteren Gesellschaft totschweigen.
Es geht nicht ums totschweigen. Mir ist es darüber hinaus egal, wie man sie in Arabien benennen würde, wie andere sie benennen. Ich habe bereits klar geäußert, dass diese Menschen für mich schnöde Verbrecher waren bzw. z.T. sind. Alles andere wäre aus meiner Perspektive auch unangemessen.

BTW: Wenn die WestDeutschen die westdeutsche Linke und wer weiß ich nicht noch alles-Metapherngeber wie die RAF braucht(e) um sich gesellschaftspolitisch auseinanderzusetzen, dann ist das von mir aus so-interessieren tut es mich nicht und Relevanz hat es auch keine für mich. Darüber hinaus ist es ein Armutszeugnis für eine Gesellschaft.


Zitat von zenonrc
...Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich habe nicht vor eines jener Regierungsmitglieder umzubringen, die Milliarden Ihrer Steuergelder in die "high finance" verschieben.
Na ein Glück dass es nur meine Milliarden sind, stellen Sie sich vor, sie würden sich am Vermögen des gesamten Volkes vergreifen...Aber mal ohne Scherz: Eine Gesellschaft, die sozio-ökonomische Verteilungskonflikte durch gegenseitige Tötungen austragen muss, macht etwas falsch-und zwar beide Seiten. Dazu: Nicht meine Generation hat diese Gesellschaft erschaffen oder gemacht bzw. Negativierungen nicht verhindert, das waren schon vorangegangene, Sie verstehen?

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Christian Wernecke 01.09.2009, 09:14
346.

Zitat von zenonrc
Die RAF hat [...] mit ihrem Einsatz die deutsche Gesellschaft in ein politisches Bewusstsein gefuehrt, welches im Straussenland bisher nicht existierte. [...]
Tilman P. Fichter, von 1963 bis 1970 Mitglied im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS), sagte im Feature "Der Baader Meinhof-Komplex" von Stefan Aust sinngemäß, dass die RAF mit ihrer Kriminalisierung die beginnende Aufklärung der Öffentlichkeit durch die Studentenbewegung in Deutschland über Nazi-Vergangenheit und Vietnam-Krieg überhaupt erst in Gefahr gebracht hat.

Die von der RAF erhoffte Unterstützung ihres "bewaffneten Kampfes" durch die Linken blieb dagegen weitgehend aus und das "politische Bewußtsein" der Öffentlichkeit fand am ehesten seinen Ausdruck in Kanzler Helmut Schmidts Ausruf: "Sie irren sich! Die Massen stehen gegen Sie!"

Die Handreichung Willy Brandts durch die Worte "Wir wollen mehr Demokratie wagen" war ein Brückenschlag zu den tief frustrierten Studenten, sicher aber keine Reaktion auf den beginnenden RAF-Terror Anfang der siebziger Jahre. Von den Spuren der RAF blieb nur noch ein nie zuvor gesehener Polizeiapparat übrig. Das ist nun wirklich kein besonderer Verdienst.

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Ludwig Schmidt 01.09.2009, 09:16
347. Teil 2

Zitat von zenonrc
Heute brauchen wir keine Gewalt mehr, Internet bildet und verbindet. Aber damals sah die Sache anders aus. Ich bitte das zu beruecksichtigen.
Nein. Das berücksichtige ich nicht.

Ich schrieb hier bereits, dass es ja anerkennenswert war und ist, wofür die 68er zunächst kämpfen mussten und z.T. eben mit Gewalt erkämpfen wollten,...nur war es diese Generation, deren gewaltsamer Arm feige und hinterhältig mordete, vollkommen überfordert mit dem weltpolitischen Strudel in den sie gerieten.

Und der friedliche Teil? Der, der durch die Institutionen marschierte? Will der sich wieder, wie zur aktiven Zeit bezüglich der RAF, heimlich sympathisierend und klatschend aus der eigenen Verantwortung stehlen-man war ja nicht aktiv dabei, waren ja andere Zeiten...und eigentlich siond am Zustand heute gaaaanz andere Schuld, man selbst war da nicht beteiligt, nee schon klar!

Bevor wir uns miß verstehen: Ich bin in der ehem. DDR aufgewachsen. Wir waren angepasst, keine Regimegegner aber auch keine aktiv handelnden. Damit weiß ich aber eben sehr genau, wie wichtig und anstrengend es ist, sich konsequent mit sich selbst und seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Und die Wahrheit, die Wahrheit ist immer hart. Sehen Sie, wenn man im StaSi-Knast Hohenschönhausen gefragt bekommt: und das habt ihr zugelassen? Dann kann man sich aus der Verantwortung stehlen und sagen: Na, wollten wir nicht...na wussten wir nicht...na, gab doch kein Internet...so schlimm war es ja nicht...ich war doch nicht aktiv dabei...die bösen Amerikaner hatten uns bedroht,mit Atomwaffen gar! Oder man stellt sich der Vergangenheit und wird ehrlich zu sich-war es nicht genau das, was eine Frau Ensslin, eine Frau Meinhof in dem wenig substanziellem, was in diesem Millieu publiziert wurde, meistens genau so forderten?

Doch was stattdessen? So wie die RAF seinerzeit feige mordete, so schweigen die Mitglieder heute feige...kein Wort der Entschuldigung, ... uh, sie wollen heute ihre Ruhe, sie wollen heute ein normales Leben...

Und in dieser Klientel sehen Sie Relevanz? In dieser Klientel sehen Sie auseinandersetzungswürdiges?

Sie schrieben, dass Sie Zeitzeuge sind. Na dann erzählen Sie aus dieser Zeit, aber lassen Sie nichts weg! Erzählen Sie den jüngeren Generationen, welch Klima der Angst, welch Klima der Entsolidarisierung das Land erfasste als eine Gruppe von Menschen beschloss mordend durch das Land zu ziehen.

Und nein: Zum Mörder wird man nicht gemacht! Über Mord, auch in der juristischen Auslegung des Wortes, entscheidet jeder für sich allein! Erzählen Sie, wie friedlicher Protest, das Engegement in demokratischen Institutionen-nicht aber deren Bekämpfung mit Waffen, ihre Abschaffung gar-dieses Land positiv veränderte...Reflektieren und erzählen Sie!

Entschuldigen Sie bitte die kleine Eitelkeit, aber: Sie und Ihre Generation haben noch einen langen Weg vor sich.

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zenonrc 01.09.2009, 15:22
348. Nr ganz kurz:

Zitat von Ludwig Schmidt
Und nein: Zum Mörder wird man nicht gemacht! Über Mord, auch in der juristischen Auslegung des Wortes, entscheidet jeder für sich allein! Erzählen Sie, wie friedlicher Protest, das Engegement in demokratischen Institutionen-nicht aber deren Bekämpfung mit Waffen, ihre Abschaffung gar-dieses Land positiv veränderte...Reflektieren und erzählen Sie! Entschuldigen Sie bitte die kleine Eitelkeit, aber: Sie und Ihre Generation haben noch einen langen Weg vor sich.
Interessante Beitraege.
Ich muss leider gleich los, deshalb antworte ich hier nur kurz auf diesen Abschnitt.
Mord ist nicht zu entschuldigen, darueber brauchen wir nicht zu diskutieren.
Aber die Radikalisierung, der bewaffnete Kampf, ist ja nicht einfach so vom Himmel gefallen.
Da gab es auf friedlich begonnenen Demonstrationen die Faelle Rudi Dutschke, Benni Ohnesorg. Damals hat der Apparat panisch auf die Stoerung der "Ordnung" reagiert.
Wasserwerfer, Schlagstoecke und Schusswaffengebrauch.
Sie koennen ja mal in die Dokumentationen hereinschauen.
Und nicht nur in Deutschland hat sich daraufhin ein bewaffneter Widerstand entwickelt, der Gesellschaften auch dazu zwang sich mit Themen auseinanderzusetzen, die vorher tabu waren.

Sie sprachen in einem anderen Beitrag von der DDR. Dort gab es ja auch diesen Druck vom Staat, aber keine demokratischen Institutionen mit denen sich der Buerger dagegen wehren konnte. Sich unter Lebensgefahr ueber eine vermiente Grenze zu schleichen ist auch eine Art von Widerstand. Die, welche dabei umkamen haben auch Geschichte geschrieben und mit ihren Schicksalen zur Evolution beigetragen.

Es ist nun einmal eine Tatsache, dass Druck Gegendruck erzeugt. Und in den 60er Jahren stand eine heranwachsende Generation in der BRD schwer unter Druck.

Was den noch langen Weg betrifft der vor uns liegt, so ist das ein gemeinsamer und meiner Ansicht nach nicht auf bestimmte Generationen beschraenkt.
Ich wuerde vorschlagen wir reichen uns die Hand und blicken nach vorne ;)

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robert krug 01.09.2009, 16:17
349.

Zitat von zenonrc
Interessante Beitraege. Ich muss leider gleich los, deshalb antworte ich hier nur kurz auf diesen Abschnitt. Mord ist nicht zu entschuldigen, darueber brauchen wir nicht zu diskutieren. Aber die Radikalisierung, der bewaffnete Kampf, ist ja nicht einfach so vom Himmel gefallen. Da gab es auf friedlich begonnenen Demonstrationen die Faelle Rudi Dutschke, Benni Ohnesorg. Damals hat der Apparat panisch.....
Wenn Sie hier von aktio et reactio sprechen, so wäre dies nur richtig, wenn Sie den Kausalzusammenhang nicht umgekehrt hätten: Zuerst waren die Radaumacher auf der Straße und erzeugten den Druck (actio), danach kam der Staat (reactio).

Traumtanzer wie Dutschke wollten diesen Staat nicht und drifteten in Richtung kommunistischer Diktatur. Daran ändert auch nichts, dass die Brüder es vielleicht nicht Eins zu Eins kopieren wollten. Im Ergebnis hätte das aber nichts geändert: 20 bis 40 Tote!

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