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Raúl Castros Bilanz in Kuba: Luxus für Touristen, Knast für Dissidenten
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Raúl Castro hat in zwölf Jahren an der Macht mehr verändert als sein Bruder Fidel in 48. Wirtschaftlich gab er sich liberal, politisch knallhart - nun scheidet der Staatspräsident, die Castro-Ära endet. Eine Bilanz.

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gunpot 18.04.2018, 16:30
1. Leider hat der Artikel nicht alles

erwähnt. Insbesondere das militärische und somit regimeerhaltende Engagement Kubas in Venezuela. Ich mag es nicht gern zugeben, aber Trump hat mit seiner harten Linie gegenüber Kuba nicht einmal so unrecht.

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larzac 18.04.2018, 16:44
2. Kleinunternehmertum spaltet die Bevölkerung

Resumée aus drei Wochen Cuba-Urlaub (selbst organisierte Rundreise) im November 2017:

Das Kleinunternehmertum in Cuba schafft in der Tat extrem ungleiche Verhältnisse.

Privatvermieter verlangen zwischen 25 und 45 CUC (entspricht in etwa dem Dollar) pro Nacht und Doppelzimmer. Mit einer einzigen Übernachtung überschreiten sie meist bereits den Monatslohn eines im Staatsdienst angestellten Cubaners (ca. 25 CUC pro Monat). Hochgerechnet auf einen Monat und evt. mehrere Zimmer (ein Privatvermieter hatte acht Zimmer in Havanna) erwirtschaften sie ein wahres Vermögen – kein Wunder, dass kein einziger Familienangehöriger der Vermieter zur Arbeit ging… aber Hausangestellte hatte…

Und für eine Stunde Taxifahrt in einem Oldtimer werden auch 50 CUC verlangt.

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www.yzx.de 18.04.2018, 17:05
3. Spaltung

Zitat von larzac
Und für eine Stunde Taxifahrt in einem Oldtimer werden auch 50 CUC verlangt.
Die Neidgesellschaft hat sogar Markus Lanz schon thematisiert. Und ich bin Trump für seine harte Linie von Herzen dankbar und hoffe, dass wieder weniger Amis nach Havanna kommen, denn die haben die sowieso schon kaputten Preise in der Stadt erstmal richtig kaputt gemacht. Bei uns im Osten der Insel zahle ich nach wie vor für eine Fahrt, z. B. im V8-Cadillac, an den Strand, Chauffeur wartet den ganze Tag, 35 Dollar. In Havanna zahle ich das mit klapperigem Peugeot oder Lada für einen Fußweg von 30 Minuten. Doppelt so teuer wie in Deutschland. Mit drei Jahren Amis vor Ort haben sich die Preise in vielen Bereichen locker verdoppelt, wenn nicht gar verdreifacht. Was es für die Leute, die nach wie vor mit 20 Dollar im Monat auskommen müssen (sic!), immer schwieriger macht. Klar, dass da mehr und mehr Neid entsteht. Ob außer wachsender Ungleichheit aus den USA irgendwas auf die Insel exportiert wurde, da hatte ich schon immer meine Zweifel. Was die im Artikel genannten Minus-Zahlen ja zu bestätigen scheinen. Für jeden Ami im Plus bleibt ein Kanadier weg, so mein Gefühl. Die fahren aus gutem Grund dahin, wo nicht so viele US-Amerikaner sind. Der Osten der Insel ist die letzten Jahre weitgehend vor zahlungskräftigen und -willigen Touris von der US-Ostküste frei geblieben. Trotzdem ist selbst da die Ungleichheit und damit der Neid gewachsen. Und das ist nicht die einzige "andere" Seite der Reformen. Beispiel: Durch die Hamsterkäufe der vielen Paladare sind die vom Staat mühsam am Embargo vorbei beschafften Lebensmittel von Jahr zu Jahr schneller ausverkauft, was dann durchaus auch Leute verärgert, die über Devisen verfügen.

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marialeidenberg 18.04.2018, 17:52
4. Die Masse der Bevölkerung lebt im Elend,

nach wie vor der Revolution. Das Elend hat jedoch andere Schwerpunkte. Das nach-revolutionäre Elend ist überzuckert mit freier medizinischer Versorgung (auf sehr niedrigem Niveau) und einem Analphabetentum in der Nähe von 0%. Das aber schafft noch kein Brot. Der revolutionäre Elan der ersten Generation (die noch vergleichen konnte) ist fast gänzlich verschwunden.

Die späte DDR trug einen Grauschleier, Cuba erträgt sein Elend etwas fröhlicher, vielleicht liegt's am Wetter.

Die Machart der linken Diktatoren ist Sachen Menschenverachtung, Militarismus, Interventions-/ Invasionsbereitschaft und Selbstbeweihräucherung nicht von der ihrer rechten Gesinnungsbrüder zu unterscheiden.

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entredostierras2011 18.04.2018, 17:52
5.

Zitat von www.yzx.de
Die Neidgesellschaft hat sogar Markus Lanz schon thematisiert. Und ich bin Trump für seine harte Linie von Herzen dankbar und hoffe, dass wieder weniger Amis nach Havanna kommen, denn die haben die sowieso schon kaputten Preise in der Stadt erstmal richtig kaputt gemacht. Bei uns im Osten der Insel zahle ich nach wie vor für eine Fahrt, z. B. im V8-Cadillac, an den Strand, Chauffeur wartet den ganze Tag, 35 Dollar. In Havanna zahle ich das mit klapperigem Peugeot oder Lada für einen Fußweg von 30 Minuten. Doppelt so teuer wie in Deutschland. Mit drei Jahren Amis vor Ort haben sich die Preise in vielen Bereichen locker verdoppelt, wenn nicht gar verdreifacht. Was es für die Leute, die nach wie vor mit 20 Dollar im Monat auskommen müssen (sic!), immer schwieriger macht. Klar, dass da mehr und mehr Neid entsteht. Ob außer wachsender Ungleichheit aus den USA irgendwas auf die Insel exportiert wurde, da hatte ich schon immer meine Zweifel. Was die im Artikel genannten Minus-Zahlen ja zu bestätigen scheinen. Für jeden Ami im Plus bleibt ein Kanadier weg, so mein Gefühl. Die fahren aus gutem Grund dahin, wo nicht so viele US-Amerikaner sind. Der Osten der Insel ist die letzten Jahre weitgehend vor zahlungskräftigen und -willigen Touris von der US-Ostküste frei geblieben. Trotzdem ist selbst da die Ungleichheit und damit der Neid gewachsen. Und das ist nicht die einzige "andere" Seite der Reformen. Beispiel: Durch die Hamsterkäufe der vielen Paladare sind die vom Staat mühsam am Embargo vorbei beschafften Lebensmittel von Jahr zu Jahr schneller ausverkauft, was dann durchaus auch Leute verärgert, die über Devisen verfügen.
Also ich als Kanadier bleibe nicht deshalb aus Kuba weg, weil da jetzt der eine oder andere U.S. Amerikaner gesichtet wird, sodern schlicht und einfach deshalb, weil es andere, attraktivere Ziele in der Karibik und in Suedamerika gibt. Sind moeglicherweise nicht ganz so billig wie Kuba, aber so what? Der Revolutionskult geht mir zumindest dermassen auf den Keks, dass ich schon alleine deshalb da nicht mehr hin moechte. Und wenn der eine oder andere companero die Kaufkraft der Gringos abschoepft, so what? Capitalism 101... :-).
In einem gebe ich Ihnen allerdings recht: Preis/Leistungsverhaeltnisse der privaten Restaurants in Havana war in der Tat unterirdisch... Dann doch lieber ein Feinschmecker-Restaurant in Medellin oder eine churrasceria in Paraty.... :-)

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zzipfel 18.04.2018, 17:55
6. Ist doch schön ... dass Leute die eigenverantwortlich tätig sind

Zitat von larzac
Das Kleinunternehmertum in Cuba schafft in der Tat extrem ungleiche Verhältnisse. Privatvermieter verlangen zwischen 25 und 45 CUC (entspricht in etwa dem Dollar) pro Nacht und Doppelzimmer. Mit einer einzigen Übernachtung überschreiten sie meist bereits den Monatslohn eines im Staatsdienst angestellten Cubaners (ca. 25 CUC pro Monat). ... Und für eine Stunde Taxifahrt in einem Oldtimer werden auch 50 CUC verlangt.
mehr verdienen, als Leute, die in der marxistischen Verwaltung sinnlos Akten produzieren oder die in marxistisch-leninistischen Instituten "wissenschaftlich forschen" oder in sozialistischen Betrieben irgendwelchen sozialistischen Schrott produzieren? Find ich gut. Auf diese Art und Weise erledigt sich der Sozialismus irgendwann von selbst.

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wi_hartmann@t-online.de 18.04.2018, 18:00
7. Kuba

Zum System der Castrobrüder gibt es sicherlich einige Schwächen
die zu kritisieren sind.
Im Vergleich zur Batista-Diktatur der Kuba zum größten Bordell und
Spielhölle der benachbarten US-Amerikaner machte, war Fidel
Castro der große Befreier der auch auf Dauer von den meisten
Kubanern "getragen" wurde.
Die Bootsfahrer nach Miami waren die Nutzniesser unter Batista,
die in der Schweinebucht nochmals die verdiente Abfuhr erhielten.

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DerNachfrager 18.04.2018, 18:05
8. Eine Harte-Währungs-Oberschicht hatten wir in den 90ern auch....

...in Ländern wie Polen und Tschechien. Aber die haben sich entwickelt und sind in Europa längst wirtschaftlich auf Augenhöhe. Aber solange Kuba seine Partner nur als Milchkühe betrachtet (100%Risiko für die Kapitalisten, 95% vom Gewinn für die Partei) wird daraus nix. Dabei hat Kuba glänzend ausgebildete Fachkräfte (das Schul- und Ausbildungssystem ähnelt stark dem deutschen) aber die kubanischen Mathematiker und Industriemechaniker verdienen mehr mit dem Putzen von Hotelzimmern.

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whoispaul 18.04.2018, 18:07
9. auch unter

Fidel gab es schon viele Geschäftsmöglichkeiten und Paladare gab es schon Ende der 90er, Ungleichheiten gab es auch dort schon.
@xyz das sehe ich im Falle Cubas ganz anders, Änderung durch Annäherung!

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