Forum: Politik
Reaktionen in britischen Medien: "May wird an die Seitenlinie verbannt"

Der Brexit wird verschoben, dafür gab die EU nun grünes Licht. Obwohl das auch Theresa Mays Plan war, sehen britische Medien die Premierministerin als geschwächt. Die wichtigsten Stimmen zur Nacht von Brüssel im Überblick.

Seite 12 von 17
newbie99 22.03.2019, 12:09
110. Guter Lösungsansatz der EU

Es ist richtig, dass die EU einer Verschiebung zugestimmt hat. Und diese Formulierung berücksichtigt angemessen das Problem der Europawahl. Soweit so gut. Es kommt es erneut auf May an.

Ihre bisherige Strategie war es, die Parlamentarier in eine Situation zu bringen, in der ihnen klar wird, dass sie nur noch zwischen diesem Deal und No-Deal entscheiden können - und dass sich dann eine Mehrheit für diesen Deal findet, um wenigsten den No-Deal zu verhindern.

Zumindest für die übergroße Mehrheit der Menschen, die einen No-Deal-Brexit als schlecht ansieht, birgt diese Strategie aber ein enorm hohes Risiko - nein: es ist eigentlich ein Verbanque-Spiel. Keinen Plan B zu haben, gehört hier quasi explizit zur Strategie. Wenn dann etwas schief geht, kommt's zum No-Deal - so wie gerade fast geschehen, weil der Parlaments-Präsident diesem Spiel ein Ende bereitet hat.

Bei der ersten Runde hat das Parlament schon gefährlich lange mitgepokert und ist nicht zurückgewichen. Es ist fraglich, ob das beim nächsten Mal anders verlaufen wird. May hat nun etwas Luft. Zeit, die sie dazu nutzen könnte, eine andere Strategie zu entwickeln - vielleicht das zweite Referendum?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Beat Adler 22.03.2019, 12:10
111. Corbin und Johnson koennen es auch NICHT besser!

Zitat von kjartan75
Das ist eine Einschätzung, die ich in keiner Weise teile, weil Labour eine vollkommen andere Vorstellung von einem Deal gehabt hätte, der im Übrigen der EU sehr viel mehr gelegen hätte. May hat ohne Not von Anfang ihren Handlungsspielraum auf Druck der Brextremisten extrem eingeschränkt, als sie von ihren "red lines" sprach. Zudem hätte sie mit Labour an der Seite genügend Stimmen bekommen, um einen Deal, der in keiner Weise so ausgefallen wäre, wie Sie mutmaßen, weil der Deal nur über die "red lines" der Hardliner zustande gekommen ist. Der Deal ist im Übrigen sehr vage formuliert, weil May gar nicht sagen konnte, welcher zukünftige trade deal eine Mehrheit finden wird. Auch das wäre in einer überparteilichen Zusammenarbeit konkreter möglich gewesen. Fakt ist: Der Deal ist nur deshalb so seltsam (wie backstop-Regelung, die nichts weiter ist, als eine Lösung des "have cake and eat it"-Problems), weil May gänzlich nie an das Land gedacht hat, sondern nur an ihre Partei, dass diese nicht auseinanderfliegt.
Der von Jeremy Corbin vorgeschlagene Labourdeal kann die Rest EU der 27 OHNE die Persoenfreizuegigkeit NICHT akzeptieren!

Boris Johnson sagte, dass es einfach waere in Bruessel so richtig auf den Tisch zu schlagen, dann tun die EUler Alles, was Britania will! Schlagen die Hacken zusammen und bruellen Aye aye Sir/Mam, was immer ;-)

Beides ging NICHT, weder der Labourdeal noch das auf den Tisch schlagen.

Was ging, das Einzige das ging, war das 585 seitige Austrittsabkommen! Das liegt vor und soll wegen einem Vorfall aus dem Jahre 1604 nun nicht mehr im House of Commons behandelt werden. Sind wohl Alle irre geworden;-)
mfG Beat

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Dieter Koll 22.03.2019, 12:11
112. ich finde es beeindruckend...

wie hier von einigen immer darauf rumgeritten wird, die Briten wären einer "von außen gesteuerten Kampagne" aufgesessen. Jeder Brite hatte von der Ankündigung der Volksabstimmung bis zur Durchführung Zeit, sich zu informieren. Niemand war gezwungen, sich den Unsinn auf Bussen durchzulesen und dann daran zu glauben. Ein Volk, welches nicht in der Lage ist, zwischen Fakten un Lügen zu unterscheiden, sollte auch nicht in der Lage sein, an solchen wichtigen Abstimmungen teilzunehmen. Immer wieder wird ja auch hier die Unfähigkeit von Politikern angeprangert...teilweise auch zu Recht. Nimmt man aber so ein Ergebnis her, dann sind die all die "Besserwisser und Besserkönner ohne Mandat" keinen Deut besser.
Die Briten die gewählt haben und auch die, die eben nicht gewählt haben, wollen den Brexit, also sollen sie ihn halt kriegen. Wenn das für uns Einbußen bedeutet, ist das nervig... aber es ist halt so.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
rainer82 22.03.2019, 12:15
113. Großes Kompliment an die EU!

Die EU, oftmals zerstritten (vor allem wenn es um den Umgang mit den nationalistischen Extremisten in Italien, Polen und Ungarn geht), präsentiert sich in Sachen Großbritannien dieser Tage wirklich in Bestform.
Die Erpressungsversuche der Briten verpuffen angesichts des gemeinsamen Handels der 27 Länder. Damit hätte wohl niemand gerechnet. Die gestrige Entscheidung, die dem absurden Spektakel der wankelmütigen Briten ein baldiges Ende bereitet, ist ein gutes Beispiel für kluge Entschlossenheit. Die EU hat gestern ganz nach dem Motto "Es reicht!" reagiert und damit den Erwartungen aller Anhänger der Union entsprochen. Taktisch brillant! Es liegt nun an den Briten, ob sie tatsächlich offenen Auges in den ja auch inzwischen von der gesamten (!) britischen Presse prophezeiten Untergang steuern wollen, oder ob sie sich besinnen und das Steuer noch herumreißen. Der bislang von Ihnen angerichtete (nicht nur wirtschaftliche) Schaden ist ja bereits groß genug.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
denny101 22.03.2019, 12:16
114.

May handelt konsequent und macht angesichts der aussichtslosen Situation im britischen Parlament das einzig richtige: sie will den Brexit und sie will den Deal mit der EU. Wir dürfen doch nicht glauben, dass May + EU nicht auch um die Ecke denken können. Taktisch ist es das Beste, was sie in dieser Situation machen können. Sieht mir daher sehr nach einer engen Abstimmung zwischen May + EU aus. May reicht eine maximale Anfrage um Verlängerung ein, um die Knalltüten im Londoner Parlament zufrieden zu stellen und um nicht als Brexit-Verhindererin dazustehen (dann wäre sie nämlich schnell weg vom Fenster und es gäbe das reine Chaos).
Und die EU baut als Gegenleistung für eine überschaubare Fristverlängerung (die ja wirklich nichts bringen wird) und als letzte Warnung maximalen Druck auf die Sturschädel auf. May ist fein raus und wenn die Knalltüten im Parlament sich die Verantwortung für Chaos übernehmen wollen, dann sollen sie. Dann sind sie hoffentlich nach den nächsten Wahlen raus aus dem Geschäft. Und wenn nicht, na dann hat das "britische Volk" wirklich nichts besseres verdient...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
querulant_99 22.03.2019, 12:20
115.

Zitat von Johannes60
Spannend! Was passiert denn jetzt, wenn die Briten auch bis zum 12. April keine Entscheidung hin bekommen. Werden sie dann sofort oder doch erst am 22.05. aus der EU verabschiedet?
Nein, dann werden die Europa-Wahlen verschoben, um noch etwas Zeit zu gewinnen...
Es sind noch lange nicht alle Möglichkeiten ausgereizt. ;-)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
berther 22.03.2019, 12:22
116. Eine gute Lösung

Erstens hat damit die EU jede Chance des United Kingdom, die EU als den uneinsichtigen Buhmann hinzustellen, zunichte gemacht.
Zweitens hat die EU das Gesetz des Handelns übernommen.
May steht nun im Zugzwang.
Schafft sie es, ihre Krawallmacher zuhause in die Reihe zu stellen, hat sie Zeit bis zum 22 Mai.
Schafft sie es nicht, heißt es zum 12 April unwiederbringlich:
Bye bye, Britons!
Die Zeit des britischen Unterhauses, die EU wie einen Hampelmann springen zu lassen ist endgültig vorbei.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
oldman2016 22.03.2019, 12:25
117. May is coming, May is going

May is coming and May is going. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Stephan H. 22.03.2019, 12:30
118. Das wird...

Zitat von isi-dor
Das wird ihr ziemlich wurscht sein, weil sie nach dem Rückzug von Art. 50 selbstredend zurücktreten wird. Im Grunde steht jetzt schon fest, dass in UK Neuwahlen nicht mehr zu vermeiden sind; Parlament und Regierung sind nach dieser peinlichen Performance völlig verbrannt. Niemand weiß, was dann auf der Insel passieren wird.
... sicher nicht besser mit einer Neuwahl. Die tiefe Spaltung der Bevölkerung ist bereits passiert. Die Tories sind auch tief gespalten. Labour ist postionslos. Ich befürchte nach einer jetzigen Wahl wird UK ein sehr zersplittertes Parlament aus bestehenden und neuen Parteien haben (UKIP, Farage neue Partei, ERG Group wahrscheinlich neue Partei, Independant Group etc.). Es besteht die Gefahr dass UK ohne wirkliche Regierung dasteht da dann wirklich alles in Trümmern liegt.....

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Neandiausdemtal 22.03.2019, 12:31
119. Die gibt es doch!

Zitat von Bonnefortune
Vielleicht kommt man in der EU angesichts des derzeitigen Desasters auch 'mal auf die Idee, prinzipielle Austrittsmodalitäten zu formulieren ( oder zu konkretisieren ), damit es beim nächsten Exit nicht wieder zu jahrelangem Gezerre mit all den bekannten Konsequenzen für Wirtschaft und Reputation/ Sinn der EU kommt....
Die Briten wollen diese Regeln aber nicht anerkennen. Ganz einfach.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 12 von 17