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Rechtsextremer Bundeswehr-Oberleutnant: Die rassistische Gedankenwelt des Franco A.
DPA

Bereits im Jahr 2014 fiel Oberleutnant Franco A. mit einer rassistischen Masterarbeit auf, fabulierte über Rassenreinheit, hetzte gegen Migranten. Aus den Bundeswehr-Akten ergibt sich eine unglaubliche Chronologie des Wegschauens.

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spon-facebook-10000012354 03.05.2017, 10:20
80. Erstaunliche Strukturen

Anfänglich habe ich das Agieren von Frau von der Leyen als maßlos überzogen bewertet. Allerdings je mehr über den Fall an die Öffentlichkeit dringt umso fragwürdiger wird die Aktion. Der Oberleutnant legt also als „Prüfungsleistung“ eine Schrift vor, die von Fachleuten aber auch dem Leiter der Ausbildungsschule als völlig unwissenschaftlich bewertet wird. Mit einer sehr merkwürdigen Begründung erhält er eine „zweiten Versuch“. Er war sich offenbar absolut sicher, dass er entweder mit seiner Arbeit durchkommt oder selbst wenn dies nicht der Fall ist, er einen zweiten Versuch bekommt unter den Augen des französischen Leiters der Akademie. Über diesen Vorfall erfährt offenbar weder der MAD noch andere Stellen etwas. Es gibt eigentlich nur zwei Erklärungen: Erstens ist der Personalmangel bei der Bundeswehr so groß, dass offenbar wirklich jeder akzeptiert wird, der die körperlichen Anforderungen erfüllt und/oder man kann damit rechnen, auf ein „heimliches“ Verständnis mit solchen Thesen zu treffen. Beide Erklärungen sind sehr beunruhigend.

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knuty 03.05.2017, 10:21
81.

Zitat von carlitom
Ich dachte, er wäre aufgefallen, weil man eine von ihm deponierte Waffe am Wiener Flughafen gefunden hat.
Stimmt, da habe ich falsch gedacht.

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interessierter10 03.05.2017, 10:28
82. Was viele vorausgesagt haben,...

... tritt jetzt ein. Durch die Abschaffung der Wehrpflicht fehlt ein Korrektiv bzw. eine Öffentlichkeit, die der einem Militär immanenten Tendenz zum Nationalismus, Rassisimus und Faschismus entgegenwirken kann. Aber wer wollte damals schon dem ach so schneidig daherkommenden, hochwohlgeborenen Guttenberg samt BILD-Gefolge widersprechen....

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mostly_harmless 03.05.2017, 10:32
83.

Zitat von Nobody X
[...] Es geht in diesem Fall nicht um die UN-Flüchtlingskonvention, sondern darum, dass anscheinend nicht geprüft wurde, ob es sich überhaupt um einen Flüchtling handelt. Und die Tatsache, dass mit dem Flüchtlingsstrom vereinzelt auch Terroristen ins Land kommen konnten, stärkt den Verdacht, dass möglicherweise auch häufiger nicht sorgfältig genug geprüft wurde.
Es geht sehr wohl um die UN-Flüchtlingskonvention. Und es geht um Rechtssaatlichkeit. Wenn jemand nämlich behauptet, er sei ein Flüchtling, und der jeweilige Staat verweigert ihm die Rechte die ein Flüchtling hat, dann muss dieser Staat vorher BEWEISEN, dass es sich nicht um einen Flüchtling handelt. Ansonsten handelt es sich schlicht um einen Rechtsbruch.
Was nun die Qualität der Prüfung angeht: Es hat bis Herbst 2016 gedauert, bis überhaupt alle Flüchtlinge, die 2015 ins Land gekommen sind, registriert waren. Oder anders gesagt: Potentiell kann jemand Anfang 2015 nach D gekommen sein, und wurde erst im Herbst 2016 erfasst. Und das alle erfasst wurden, ist ja nur das offizielle Statement und basiert auf der These, dass man zumindest zu Gesamtanzahl kennt. Bei dem Chaos und den lange Zeit offenen Grenzen bezweifle ich das massivst.
Es wurde IMHO nicht nur "nicht sorgfältig genug geprüft" es herrschte über Monate das reinste Chaos. Die Abwicklung der ganzen Sache war derart dilettantisch, es ist ein unfassbarer Skandal, dass der Minister, der dieses Komplettversagen zu verantworten hat, noch im Amt ist.

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Margaretefan 03.05.2017, 10:41
84.

So wie es der Artikel aufzeigt, sollte jedem klar sein, dass es toleriert wurde. Der schlimmste Fall ist damit aber noch lange nicht aufgezeigt worden. Übelste nationalistische, bis hin zu rassistischen Denkstrukturen, dürften aber leider kein Alleinstellungsmerkmal in Teilen der Bundeswehr sein. Es dürfte sich um ein Problem handeln, dass beim Militär, gleich welcher Nation, recht weit verbreitet ist. Junge Menschen davon zu überzeigen, dass sie im "Ernstfall" ihr Leben für das Vaterland opfern, bedarf halt immer einer "Schulung", die darauf abzielt nationalistisch zu denken. Dass der Hang zur Bereitschaft sich militärischen Strukturen unterzuordnen, bei Menschen mit nationalistischen Tendenzen recht hoch sein dürfte, ist auch nichts Neues. Dass die Abschaffung der Wehrpflicht zum Booster für derartige Tendenzen wird, sollte auch niemanden wundern. Trotzdem bin ich der Meinung, dass nun nicht der Fehler begangen werden sollte, die gesamte Bundeswehr als braunen Sumpf zu bezeichnen. Auch wenn ich selbst kein Freund des Militärs bin, bin ich nicht so weltfremd, zu meinen, dass der Verzicht aufs Militär eine reale Option wäre. Leider. Es sind sehr viele junge Menschen, die dort ihren Dienst tun. Alles Mögliche dafür zu tun, dass solche Vorkommnisse und auch diese menschenverachtenden Rituale, die immer mal wieder aufgedeckt werden, möglichst im Keim erstickt werden, sollte allerdings machbar sein. Das kostet, wie alles auf der Welt Geld. Menschen, denen im Ernstfall abverlangt wird ihr Leben zu riskieren, haben aus meiner Sicht jedes Recht der Welt auf bestmögliche Betreuung und Unterstützung. Wenn Milliarden für Waffen da sind, muss auch Geld für die dort ihren Dienst tuenden Menschen da sein. Mit dem Aussortieren solcher Extremfälle, wird es auch nicht getan sein. Oder meint jemand, das dieser Typ, wenn er denn 2014 schon aussortiert worden wäre, ein besserer Mensch geworden wäre?
...und im Wahljahr nun nach dem Rücktritt der zuständigen Ministerin zu schreien, scheint mir wenig sinnvoll. Dass überlasse ich dann den im Wahlkampf befindlichen Parteien. Da schaue ich der Dame lieber auf die Finger, wie sie denn nun damit umgeht. Mit dem Rausschmiss von Generälen oder sonstigen Vorgesetzten, gleich welcher Ebene, lassen sich derartig strukturelle Probleme nun mal leider nicht lösen. Letztendlich bleibt ein Militär immer ein Militär. Und ein Militär wird niemals eins zu eins in einer freiheitlich, demokratischen Grundordnung aufgehen können. Eine Zwickmühle bleibt es also leider immer.

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almeo 03.05.2017, 10:44
85.

Zitat von jojack
[...] Und gerade das linke politische Lager hat sich eifrig bemüht, Bundeswehr auch gesellschaftlich madig zu machen. Als Beispiel sei nur einmal genannt, dass Bundeswehr-Angehörige an vielen Schulen nicht mehr für den Dienst an der Waffe werben dürfen. [...9
Hoppla, Ihnen ist aber schon klar, dass an Schulen auch die Sparkasse und der Spiegel keine Werbeveranstaltungen abhalten dürfen? Es ist schlimm genug, dass die Bundeswehr auf Messen und Veranstaltungen sich oft genug im "Blaulichtbereich" mit dem Schützenpanzer neben Rettungswagen und Feuerwehrauto stellen darf.
Am Zustand der Bundeswehr ist nicht das "linke Lager" Schuld, sondern die Tatsache, dass die Bundeswehr nach der Abschaffung der Wehrpflicht ein Sud für all jene ist, die es nicht mal zur simpelsten Ausbildung geschafft haben und wirklich gar keine andere Alternative mehr sehen als zum Bund zu gehen. Das, gepaart mit dem Reiz für Schusswaffen und der Bereitschaft zu töten sorgt eben dafür, dass eine ganz besondere Sorte Mensch dort landet. Das ist erstmal nicht schlimm, irgendwer muss ja den Panzer am Hindukusch steuern und - da bin ich ganz egoistisch - mir ist das durchaus recht, dass ich das nicht selbst machen muss. Aber es braucht dort gerade in der Führungsebene keinen Korpsgeist wo irgendwo in der hintersten Ecke noch ein Rommel Portrait an der Wand hängt, sondern viel mehr echte, gefestigte Demokraten als Gegengewicht. Und ja, vielleicht täte als Korrektiv auch mehr "Linke" als Leiter einer Kaserne nicht schlecht!

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Mr. Tuttle 03.05.2017, 10:45
86. Das ist kein Versagen...

... sondern eine verdeckte Art der Zustimmung. Anders ist es nicht erklärbar, warum so eine Hetzschrift überhaupt als Masterarbeit angenommen wurde - von der Frage nach Wissenschaftlichkeit mal ganz abgesehen - und warum es keine echten Sanktionen gegeben hat. Außer der Auflage: Du schreibst jetzt so lange Masterarbeiten, bis wir eine offiziell anerkennen können. Also bitte! Die Vorgesetzten haben ihn und damit ihre eigene Haltung verteidigt. Da gibt es nichts schönzureden oder zu entschuldigen oder zu relativieren. SPON - sonst auch nicht zurückhaltend mit Meinungsjournalismus - trifft hier eine falsche, weil viel zu vorsichtige, Wertung. Wie kann man nur im Ansatz darauf kommen, dass es in einer stark hierarchischen Institution, die über Waffen verfügt und über Befehlsketten funktioniert, reflektiert denkende, gewaltferne und demokratisch gesinnte Menschen gäbe? Allenfalls ein paar verträumte Weltverbesserer in homöopathischen Dosen, deren Leidensfähigkeit sicher auch nicht unendlich ist. Das Militär muss immer eingehegt werden.

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Bondurant 03.05.2017, 10:49
87. Warum die Zensur?

Bundeswehr-Oberleutnant Franco A. soll einen fremdenfeindlichen Anschlag geplant haben. Tatsächlich offenbarte A. schon 2014 seine rassistische Gedankenwelt in seiner Masterarbeit.

Also, ein zwingender Zusammenhang zwischen Offenbarung rassistischer Gesinnung und Planung eines Anschlages besteht logisch jedenfalls nicht. Insofern ist der zitierte Abschnitt eine ordentliche sprachliche Fehlleistung. Sachlich ist schon seltsam, dass bisher kein einziger konkreter Vorwurf publik gemacht wurde, etwa welches Verbrechen genau Franco A. eigentlich wie geplant (oder gar begangen) haben soll. Stattdessen entdeckt man ganz aufgeregt irgendwelche rassistischen schriftlichen Äußerungen. Das reicht dann, um in der Berichterstattung so zu tun, als stünde die Machtergreifung durch irgendwelche rechtsextremen Militärzirkel quasi unmittelbar bevor. Wovon soll abgelenkt werden?

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C-MC 03.05.2017, 10:53
88. Im Gegenteil...

Zitat von dr_bernd_schramm
Wahlkampf hin oder her, ob sie will oder nicht: Von der Leyen ist dem Amt nicht gewachsen und muss gehen.
Ich bin der Meinung, dass sie sich richtig verhält, indem sie sich nicht an dem Corpsgeist beteiligt. Sie kritisiert die Missstände offen, das ist unter den gegebenen Umständen der richtige Weg.

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PETERJohan 03.05.2017, 10:55
89. Nicht unerwartet

ist die rassistische Einstellung nicht nur von ihm.Die NPD und Co hatten offen dazu aufgerufen:"GEHT IN DIE BUNDESWEHR" und lernt das Handwerk mit Waffen und Munition.Eine generelle Überprüfung muss jetzt folgen. Ein Einzelfall ist der Oberleutnant nicht.Die Abschaffung der Wehrpflicht war ein Fehler.

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