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Rechtspopulisten: Die AfD und der nationale Sozialismus
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Die AfD dürfte künftig auf einen Politikmix setzen, der in der deutschen Geschichte schon einmal furchtbar erfolgreich war: Rassismus plus Sozialstaat. Dann droht der Aufstieg der Rechten zur Massenbewegung.

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nojoe 05.02.2018, 17:32
80. Donnerwetter, Augstein!

Ich bin beglückt bei Spiegel so etwas zu lesen. Als Liberaler teile ich zwar nicht ganz Ihre Auffassung darüber, wie man denn nun richtig zu handeln hat und welche Schritte zu ergreifen sind. Aber ich freue mich, dass jemand wie Sie erkannt hat, dass sich der einfache Mann nicht identifizieren kann mit einer Linken, der irgendwelche Gender-Angelegenheiten oder der Kampf gegen Fat-Shaming oder die der Familiennachzug und die Erhaltung der unkontrollierten Einwanderung wichtiger sind als die soziale Frage.
Linksliberale Kabarettisten und Satiriker wie Bill Maher haben das Problem schon lange erkannt und angesprochen.
Ich unterstütze noch immer die ordoliberalen Ziele (nicht das, was hier ständig als liberal bezeichnet wird) und halte diese noch immer für richtig, aber ich erkenne an, dass es stets ein wirklich sozialdemokratisches Korrektiv geben muss, was nicht nur Flauseln im Kopf hat, sondern auch für den kleinen Mann kämpft.

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im_ernst_56 05.02.2018, 17:33
81. Das ist nicht neu

Zitat von häretiker1412
"AfD-Gründer Lucke war ein vom Euro enttäuschter Wirtschaftsliberaler". Nanu Herr Augstein, das hat sich in Ihrem Artikel "Eine Partei aus der Gruft der Geschichte" vom 23.10.2014 aber noch ganz anders angehört, als Sie Luke als "deutschnationalen Rechtspopulisten" bezeichnet haben. Das zeigt ja, dass Ihre Feindbilder nicht ganz kohärent sind.
Dass sich die Einschätzung von Personen der Zeitgeschichte bei Herrn Augstein schon mal ändert, ist nicht neu. Er hielt auch mal Donald Trump für das, im Vergleich zu Hillary Clinton, geringere Übel. Vielleicht liegt es an mangelnder Menschenkenntnis,vielleicht am Unwillen, sich mit Personen intensiver auseinanderzusetzen, oder einfach daran, dass sich der Vergleichsmaßstab ändert. Als Lucke auftauchte, war von Höcke und seinen rechten Sprüchen noch nicht die Rede. Jetzt wo Höcke als Rechtsextremer durch die Medien geistert, ist Lucke plötzlich nur noch ein vom Euro entäuschter Wirtschaftsliberaler, also eigentlich ein ganz akzeptabler Typ.

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Matyaz 05.02.2018, 17:34
82. Die Geschichte wiederholt sich...

zum ersten Mal als Tragödie, zum zweiten Mal als Farce. Wenn es richtig schlecht läuft, werden sie sich periodisch bis zur Grösse der FPÖ aufblähen, bevor sie sich wieder durch Skandale und nicht zu verbergende Unfähigkeit selbst zerlegen. Mich nervt ausserdem dieser ständige apologistische Erklärungsversuch der Linken, soziale Ungerechtigkeiten würden zum Anwachsen solcher Strömungen führen. Gelangweilte und gehässige Menschen gibt es eben, und wenn die von keinen grösseren materiellen Problemen geplagt werden wie etwa derzeit, neigen sie dazu ihre Ressentiments lustvoll auszuleben, das sind keine"besorgten Bürger" oder soziel bedrohte Existenzen, das sind charakterlich fragwürdige Leute , denen es fad im Schädel ist.

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interstitial 05.02.2018, 17:45
83. wer ist hier wirklichkeitsfern?

Zitat von helmut.alt
und Arbeiterkinder das Nachsehen haben ist schon eine sehr wirklichkeitsferne Feststellung Herr Augstein. Es gibt in Europa kein zweites Land, in dem der Universitätsbesuch billiger und einfacher ist als in Deutschland, nämlich umsonst. Hier wird von Ihnen ein "Klassenkampf" herbeigeredet, wo keiner ist. Auch Ihre anderen Thesen sind nicht gut begründet.
Dass die Höhe des Bildungsabschlusses in Deutschland im Vergleich zu den allermeisten anderen Ländern, innerhalb und außerhalb Europas, mit am stärksten mit den in der Familie schon vorhandenen Bildungsabschlüssen korreliert, ist ein Faktum, dass inzwischen durch mehrere unabhängige internationale Studien bestätigt wurde. Die OECD hat genau diesen umstand verbunden mit einer Warnung als problematisch für die Zukunftsfähigkeit herausgestellt, erinnern sie sich?
Eine wirkliche Erklärung habe ich ejtzt auch nicht, aber es ist offensichtlich feststellbar so. Weil die Folgekosten der Ausbildung ungebremst weitergegeben werden? Weil die Deutschen kreditscheu sind? ODer einfach selber schuld? Weil hierzulande soziale und ökonomische Schranken immer noch sehr fest verschränkt sind? ICh weiss es nicht, ich mag es nicht, aber doch, es ist so

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53er 05.02.2018, 17:46
84. Wer Kampfamazone Weidel

gestern abend bei Anne Will bestaunen durfte, wird wohl kaum auf die Idee kommen, die AfD als auch nur ansatzweise sozial einzustufen. Wenn sie das wäre, könnte selbst ich mich noch für sie begeistern. Aber das ist sie nicht, im Gegenteil, Weidel und Co. vertreten knallharte Kapitalinteressen und sind daher auch nicht abgeneigt, mit der FDP zu koalieren. Die zögert noch, weil sie Angst hat, ihr Stammklientel zu vergrätzen. Wenn der Damm bricht, kann sich Deutschland auf Einiges gefasst machen. ich würde das Konglomerat dann eher als nationalliberal oder rechtskapitalistisch bezeichnen. Ich glaube, die meisten AfDler haben noch nicht gemerkt, wohin die Reise wirklich hingeht.

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demokrat2 05.02.2018, 17:47
85. Und sage keiner: Das wollten wir nicht!

Wir sind auf dem Weg in den rechten National-Sozialismus? Das scheint vielen egal, weil sie die Macher, die Gewinner in Deutschland sind. Es ist ein Zusammenschluss von Geldraffern, Betrügern, Leugnern, Steuerhinterziehern, Boniljägern, die das Heft mit Hilfe der liberal-konservativen CDU/CSU und FDP an sich gerissen haben. Sie haben der AfD zu leicht den Zutritt in unsere Demokratie ermöglicht. Sie betreiben lieber SPD-Bashing, statt für mehr demokratische Kultur zu sorgen, in der wir alle einen Platz finden. Bildung ist Ausgrenzung, Integration nur für ausländische Fachleute. von denen wir uns einen Nutzen versprechen und genauso wie die deutschen Arbeitnehmer ausgenommen werden können, denn die Eliten entscheiden allein. wer kommen und bleiben darf.

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flux71 05.02.2018, 17:57
86.

Zitat von Fürstengruft
Merkel hätte die AfD vermeiden können...
Ein völlig unsinniges Argument. Nur die Wähler hätten die AfD vermeiden können. Jeder einzelne, und jeder für sich.

Aber offensichtlich ist jeder achte der Wähler lieber als Rechtsaußen ein Demokratieverächter, als sich mit den Problemen des Landes ernsthaft, aber aufgeklärt, zivilisiert und vernünftig auseinanderzusetzen. Das merkt man deutlich jeden Tag wieder, wenn man sich anschaut, mit welchem Vokabular jene Klientel hier und überall anders hausieren geht.

Wenn die Gedanken es bis zur Zunge geschafft haben, ist es bis zur Hand auch nicht mehr weit.

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klardenkendermensch 05.02.2018, 18:03
87. Verantwortung jedes einzelnen Wählers

Um das Horrorszenarios eines weiteren Aufstiegs der Rechtspopulisten zu verhindern, ist es zum einen notwendig, dass alle Verantwortlichen in Politik und Medien, schonungslos offen legen, dass diese rechten, neonazistischen Populisten eben gerade keine Rezepte für die Probleme unserer Zeit haben und auf Dauer gerade denen am meisten Schaden werden, die für ihre plumben Parolen besonders anfällig sind, offensichtlich wird das ja schon an der katastrophalen Politik von Trump in den USA und der Ukip in England, die sich gerade selbst zerlegt und mit dem Brexit dem eigenen Land und denen die auf sie reingefallen sind am meisten schadet. So wäre es in Deutschland mittel- bis längerfristig genauso. Unser Wohlstand ist darauf aufgebaut, dass wir freien Handel mit anderen Ländern treiben können, einen funktionierenden Rechtsstaat haben, offen für neue Ideen, Gedanken und auch Menschen sind, die bereit sind sich bei uns einzubringen, entsprechend unserem Grundgesetz. Die verführerischen Hetzparolen von Recht, versprechen leider kurzfristig scheinbare Linderung, führen aber langfristig unweigerlich ins Verderben, gerade das wird doch besonders durch unsere Geschichte mehr als offensichtlich. Deshalb liegt es in der Verantwortung jedes einzelnen Wählers sich bewußt zu sein, welche katastrophale Auswirkungen seine Stimme für die AfD haben wird und ob er dies vor seinen Kindern und Kindeskindern verantworten kann und will und er sich bewußt ist, dass er sich irgendwann, wenn es dann leider zu spät sein wird, die Hand abhacken will, mit der er die hetzerischen Populisten von der AfD gewählt hat. Der oft gehörte Satz: "Meine Stimme zählt doch eh nicht" stimmt eben nicht und gefährdet unsere freiheitlich, liberale Demokratie besonders dann, wenn sich nicht jeder Wähler seiner Verantwortung bewußt ist.

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interstitial 05.02.2018, 18:03
88.

Zitat von friedrich.grimm@gmx.de
"Die Nazis haben damals zwar gemeinsame Sache mit der Industrie und den Konzernen gemacht. Aber erst einmal kauften sie sich die Gunst des Volkes." War es nicht so, dass diese gemeinsame Sache mit der Industrie und den Konzernen die arbeitende Bevölkerung einiges gekostet haben? Das war Absenkung der Löhne um 10%, bei gleichzeitigem "einfrieren" der Löhne. Die AfD tickt kein Haar anders. Wer gestern Abend die Aussagen einer Alice Weidel gehört hat, wird das bestätigen können. So sind z.B. nicht sachbezogene Befristungen für die AfD in Ordnung, weil, so die Begründung, die Firmen flexibel bleiben müssten. Diesen Schwachsinn gaben auch schon CDU-Politiker von sich, und ich hätte von diesen gerne einmal gehört, was sie damit sagen wollen. Heißt es doch nichts anderes, als dass der "Sklave" zu jeder Zeit zu funktionieren hat.
Naja, die Nazis haben sich jahrelang damit gebrüstet, 4 Mio Arbeitslose in Lohn und Brot gebracht zu haben, vor allem durch massive staatliche Investitionsprogramme in Fernstraßen und metallverarbeitendes Gewerbe......*hust*....
Nur, und da muss ich anderen Foristen beipflichten, war die Situation in den späten 20ern/frühen 30ern ein bisschen eine andere, die innenpolitische Lage war so, dass die Auseinandersetzungen auf der Straße gewalttätiger waren, als wir uns das heute vorstellen wollen, es wurde regelmäßig geschossen, und es sind in der Weimarer Republik vermutlich einige tausend Menschen aus politischen Motiven umgebracht worden. Diverse radikale Splittergruppen aller Ränder haben illegal Waffen gehortet, die Arbeitslosigkeit war nicht wesentlich höher als heute, wenn man die Statistikbereingungen abzieht, aber die Lage der Arbeitslosen ungleich schlechter, es kam öfter vor, dass entkräftete Arbeitslose in den Warteschlangen der Suppenküchen vor Hunger zusammengeklappt sind. Insofern waren die Umstände damals in jeder Hinsicht krasser und Radikaler. Aber, und insofern muss ich widerrum Herrn Augstein beipflichten: Das Muster, die politischen Denk- und Reaktionsstrukturen sind, stark abgemildert, aber vergleichbar, laufen in erschreckend ähnlichen Bahnen. Und das macht Sorge. Es läuft nur nicht so schnell, weil es allen (noch) viel besser geht. Also haben wir, im Gegensatz zur Weimarer Republik, hoffentlich mehr Reaktionszeit. Hoffentlich nutzen wir sie.

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interstitial 05.02.2018, 18:05
89. So gings mir auch

Zitat von marty_gi
Was hat eine Ehe fuer alle mit gerechten Loehnen zu tun? Was die Gleichberechtigung der Frau mit befristeten Beschaeftigungen?
Den Teil der Argumentation habe ich auch absolut nicht verstanden. Vielleicht ist mir da irgendeine Ironie durch die Lappen gegangen, aber für oder gegen was der Absatz sein sollte, ist mir nicht nachvollziehbar. Von meiner Warte aus war der Abschnitt einfach nur komplett daneben.

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