Forum: Politik
Rechtsruck in Deutschland: Welches Volk?

Nicht nur rechte Extremisten verachten den Verfassungsstaat - immer mehr Bürger schließen sich an. Sie denken wie im Deutschen Reich: völkisch. Doch das Volk, das sie beschwören, gibt es gar nicht.

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hellas1955 29.02.2016, 17:51
280. Deutschland ist wertvoll...

..weil es ein demokratischer Rechtsstaat ist und nicht weil es deutsch ist. Willi Brandt wurde Emigrant, weil er Deutschland als Demokratie liebte. Ohne das Grundgesetz und die Menschenrechte ist dieses Land überflüssig. Deutsch heisst nicht Abstammung, sondern Verfassungstreue. Für alle deutschnationalen Schreihälse bietet sich Helgoland als Gefängnisinsel an, denn Mallorca nimmt sie bestimmt nicht auf. Der Ballermann ist eben auch nicht mehr das, was er einmal war.

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moistvonlipwik 29.02.2016, 17:51
281.

Zitat von woanders
Tja Herr Augstein, wollte man Ihrer Logik folgen, dürfte es ebenfalls kein Volk der Vereinigten Staaten von Amerika, keine Franzosen, keine Engländer, keine Kanadier usw. geben. In alle diese Länder wandern seit Jahrhunderten Menschen ein. Allerdings hindert das die Einwohner jener Länder nicht daran, ein patriotisches Selbstverständnis zu entwickeln, bzw. zu besitzen. Da ist es nicht wirklich wichtig, ob der Urgrossvater aus Europa/ Asien etc. als armer Schneider nach New York ausgewandert ist. Dessen Nachfahren verstehen sich als lupenreine Amerikaner und keine würde ihnen diese selbstgewählte Idendität absprechen wollen. Sie aber tun genau dies, indem sie den Zuwanderern in Deutschland eine deutsche Idendität absprechen, da ja offensichtlich die Deutschen selbst keine Idendität besitzen. Sollten sie sich allerdings als Deutsche outen, sind sie natürlich völkisch und rechts bzw. rechtsextrem. Schon eine sehr krude These.
Tja - wie erklären Sie sich eigentlich den Siegeszug derjenigen, die tatsächlich diese "kruden These" zum Maßstab ihres Handelns machen: die ökonomischen Eliten.
Die haben sich vollkommen vom Staat emanzipiert. Sie können überall produzieren (oder das lassen). Und ihnen sind irgendwelche "Zugehörigkeiten" oder Identitäten vollkommen egal.
Und sie werden Jahr für Jahr stärker.

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tempus fugit 29.02.2016, 17:52
282. Eben,...

Zitat von GinaBe
Die Frage nach "dem einen" Volk ist m.E. nach von der falschen Seite aus aufgezäumt. Sicherlich spielen einfach massive Identitätsschwierigkeiten von vielen eine Rolle dafür, daß sie sich einem solch dumpfen Selbstbild aussetzen. Besonders im Osten gab es den Bruch mit der sozialistischen Lebensweise. Auch im Westen veränderte sich seither die Gesellschaft durch die ausgerufene Globalität der Dinge und Märkte. Aber schon zuvor herrschte emsiges Reisen, persönliches Abwandern, Erfahrungen sammeln und die durch Commonwealth oder österreichisch- ungarische Monarchie bedingten Großreiche, die Durchmischungen diverser Regionalitäten hervorbrachten, kulturell, kulinarisch, literarisch, modisch... Genau dieses schafft ja schließlich Kultur. Auch der Import von Religion hat den europäischen Kontinent inspiriert, von den Mauren angefangen bis zur Schopenhauer´schen Transformation buddhistischer Weisheit im 19. Jahrhundert. Wenn sich "das Volk" lediglich aus der gemeinsamen (deutschen) Sprache ableiten möchte, wäre dazu lediglich zu sagen, daß es wohl in breiter Schicht versäumt wurde, Kindern und Jugendlichen mindestens eine zusätzliche Fremdsprache mit auf ihren Lebensweg zu geben, damit sie sich in Europa bzw. auf der Welt sprachlich verständigen können. Auch andere Schriften lesen zu können, eröffnet durchaus Welten und Mensch outet sich nicht als Analphabet. In dem Zusammenhang sei eventuell die Bildungsreform 1972 zu kritisieren. Denke ich an meine 4 Enkelkinder, sind nicht nur sie "gelungene" individuelle Mischlinge aus dem slowenischen und österreichischen, deutschen und polnischen Kulturkreis. Was heßt da schon, einen Pass zu haben, der einem eine Nationalität verpasst? Wieviel Glück oder Pech verspricht der Standort der Wiege dem Kind ein gelungenes Leben....
...wäre deutsche Volkskultur wertiger ohne Döner und ohne Pizza und ohne Sushi und Tzatsiki?

Ohne McDoof möglicherweise schon...

Und wie Recht Sie haben - ist nicht lange her, als sich der christliche, evangelische Mullah und seine Schafe eines evangel. Kuhdorfes mit dem christl. Mullah des 900m entfernten katholischen schwarze Schafe noch Wortschlachten lieferten?
Und hin und wieder sich die einen mit den anderen Blöckschafen prügelten...

Und in der Predigt drauf hinwiesen, wo ein 'gottgefälliges' Kreuzchen auf'm Wahlzettel zu machen ist !!!

Ach – warum fallen mir da die anstehenden LT-Wahlen in BW und in Rheinland-Pfalz ein?

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nell2 29.02.2016, 17:53
283. Auch die Gegenwart zeigt es

Hallo Herr Augstein, ich möchte noch ergänzen, dass man hier nicht nur mit der Vergangenheit argumentieren sollte. Klar - Kultur hat immer etwas mit der Geschichte von Völkern zu tun, wenn sie so wollen. Doch was bedeutet eigentlich Kultur und was heißt es, wenn Politiker aus der Mitte in diesem Land von einer Leitkultur reden. Oft sind es doch leere Worthülsen, die jeder für sich interpretieren kann. Und das macht solche oberflächlichen Diskussionen besonders in diesen Zeiten so gefährlich. Da finden sich Rechte, wie Linke und alle anderen ein und jeder interpretiert da was Eigenes rein. Leider spielen da viele Politiker die so oberflächlich von einer Leitkultur reden eher den Rechten Argumente zu. Den vor lauter Oberflächlichkeit bleibt nur ein gemeinsamer Nenner - und zwar "deutsch" muss es sein. Ich bin deutsch aber habe mit vielen dieser Deutschen nichts gemeinsam. Weder lese ich die gleiche Lektüre, noch hören wir die gleiche Musik und diese Liste kann sehr lang werden. Ja, ich höre sogar englische Musik - oh, Wunder. Was ist also Leitkultur. Politiker, die darüber reden sollten konkreter werden, sonst wird es nämlich zur Leid-Kultur!

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thomasschöffel 29.02.2016, 17:57
284. Alle Macht geht vom Volke aus.

Unser Bundesverfassungsgericht, nicht gerade bekannt als Hort rechter Umtriebe, hat festgestellt, daß die Aufgabe der nationalen Souveränität, beispielweise durch Vorgaben aus Brüssel, nicht gestattet ist. Und solange der Souverän bestimmte Sachen so haben will, haben auch Sie sich da zu fügen, Herr Augstein. Unser Grundgesetz sieht nun mal vor, daß alle Staatsgewalt vom Volke ausgehe und nicht von einer beliebigen Bevölkerung. Sie können ja gern anderer Meinung sein und es steht Ihnen ja auch frei, zu versuchen, eine diesbezügliche Änderung des Grundgesetzes zu erreichen.
Und so, wie Sie vermutlich bei sich zuhause die Vorgaben machen, machen wir Deutsche – was immer es auch für Sie sei- die Vorgaben bei uns. Ihr Hausrecht bei Ihnen zuhause haben ich in allen Ehren zu respektieren – und ich weiß ja auch nicht, was oder wer auch immer Sie nun sein mögen – aber ebenso haben andere, solange Sie noch nicht sind wie wir, genau dasselbe Recht wie Sie. Nämlich, über sich selbst zu bestimmen. Das Recht über sich zu bestimmen, wäre nutzlos, wenn man es nicht ausüben könnte.

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CommonSense2006 29.02.2016, 17:58
285. Schön gesagt

"Unsere Kultur und unsere Werte sind von solcher Art, dass man ihnen beitreten kann. Es ist eine Bekenntniskultur, keine Abstammungskultur.

Und es gibt keine geheimnisvolle Substanz, die nur von Deutschen an Deutsche weitergegeben wird und die man nur durch Geburt erlangt, und danach nicht mehr."

Das ist wirklich schön gesagt. Aber leider nur eine Dreiviertelwahrheit. Denn natürlich kann man auch als Zugewanderter die deutschen Grundwerte annehmen und ich persönlich kenne sogar etliche Araber, besonders Syrer, die das bereits komplett vollzogen haben. Aber das ist ein Prozess, der Jahre braucht und eine gewisse Bildung und Reflektionsfähigkeit voraussetzt.
Und genau da verstehe ich Menschen, die befürchten, dass bei der großen Anzahl von Menschen, die jetzt in so kurzer Zeit kommen, genau das nicht passieren wird und die daher Ghettos und Subkulturen bilden werden, die dan mit der deutschen Kutltur und den Werten nicht viel am Hut haben werden.
Und das sehen interessanterweise auch meine syrischen Freunde so und die sagen es auch ganz klar.

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annoo 29.02.2016, 17:59
286.

Zitat von moistvonlipwik
Zitat von im_ernst_56 "Die Argumentation von Herrn Augstein ist nicht neu. Es war unter deutschen Linken schon immer angesagt, die Existenz einer deutschen Identität, die aus einer gemeinsamen Kultur, Sprache und Geschichte herrührt, in Abrede zu stellen. "
Vielleicht können die Linken einfach denken? Es hat mit in Abrede stellen nämlich gar nichts zu tun, sondern mit der Frage, was Deutsch ist, was die Kultur ist, wessen Sprache gesprochen wird, und von welcher Seite aus man Geschichte betrachtet.

Sie haben Angst, man nehme Ihnen "Ihr Deutschsein" weg, seien Sie jetzt ganz starkt, "Deutsch sein" ohne Definition, was darunter verstanden wird, gibt es genau so wenig wie das Volk, die Nation, etc. Lesen Sie Max Weber, dann wissen Sie, dass das nur ein Glaube an die Gemeinsamkeit ist, ein Stammverwandschaftsglaube.
Weder die Sprache ist in Deutschland einheitlich (und war es noch nie), noch die Kultur, schon gar nicht die Geschichte.

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karldhammer 29.02.2016, 18:00
287. Das besagte Bild

habe ich schon vor ein paar Monaten gesehen. Es kommt sicher nicht von Steinbach, sondern geister schon länger im Netz herum.

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spon_2087627 29.02.2016, 18:01
288. Bekenntniskultur

Schon schoen, Herr Augstein mit der Bekenntniskultur. Was machen wir aber mit denen, die sich nicht dazu bekennen und denen, die sich dazu bekennen sich aber nicht daran halten? Und es scheint doch so, dass es immer mehr werden.

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copsejap 29.02.2016, 18:01
289. Da läuft der Draht heiß...

... Herr Augstein. Sie sind einfach klasse! Vielen Dank, beides sollte immer mal wieder erwähnt werden : )

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