Forum: Politik
Rede im Wortlaut: "Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung"
MARCO-URBAN.DE

Richard von Weizsäckers berühmteste Rede hielt er bei der Gedenkveranstaltung im Plenarsaal des Deutschen Bundestages zum 40. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa. Hier der Wortlaut.

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regelaltersrentner 31.01.2015, 23:17
10. So sehr ich Herrn Weizäcker geschätzt habe,

dennoch möchte ich nicht versäumen, wie in unserer Gegend die Menschen die Befreiung erlebt haben:

In der amtlichen Bonner Sammlung
„Dokumente deutscher Kriegsschäden“ (1. Beiheft, Bonn 1960)wird ein Freudenstädter Augenzeuge zitiert, der die „Befreiung“ seiner Heimatstadt wie folgt schildert:

„Nach einer mehrstündigen Feuerpause, in welcher die Franzosen bei Besenfeld auf die Übergabe der Stadt
warteten, setzte das Artilleriefeuer von neuem an, dauerte die ganze Nacht über und legte die ganze
Innenstadt in Schutt und Asche. Den Rest besorgten tags darauf die einziehenden Truppen. Weiße Franzosen, Fremdenlegionäre, Marokkaner und Algerier besetzten
die Stadt und errichteten ein Schreckensregiment, welches einmalig in der Kriegsgeschichte ist.“

„Es wurde 3 Tage lang gemordet, geplündert, vergewal-
tigt und Häuser angezündet. Frauen von 16 bis 80 Jahren
waren Freiwild.“

„Väter und Mütter, die sich schützend vor ihre Angehörigen stellten, wurden niedergeschossen; die Schreie der gequälten Menschen hallten durch
die Nächte.“

"Zirka 800 Frauen wurden geschändet und
meldeten sich zur ärztlichen Untersuchung im Krankenhaus.“

Colonel Charles Lindbergh, Amerikas Fliegerheld, berichtete in seinem Kriegstagebuch vom 23. Mai
1945 von „dreitausend deutschen Mädchen und Frauen aus dem Raum Stuttgart“, die in Krankenhäusern
behandelt worden seien, weil französische Kolonialsoldaten aus dem Senegal sie vergewaltigt hatten.
Lindbergh in seinem Kriegstagebuch vom 19. Mai 1945:
„Daheim bringen unsere Zeitungen Artikel, wie wir die unterdrückten Länder und Völker ‚befreien‘. Hier verste-
hen unsere Soldaten unter dem Ausdruck "befreien" soviel wie sich Beute verschaffen. Alles, was man einer
feindlichen Person abnimmt oder aus dem Haus trägt, wird der Sprache der GIs zufolge "befreit". Leicas werden "befreit", Waffen, Proviant, Kunstwerke, einfach alles. Ein Soldat, der eine Deutsche vergewaltigt, hat sie befreit.

Wir wollen Versöhnung im geeinten Europa. Aber müssen wir unser Gedächtnis löschen?

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janix_ 31.01.2015, 23:43
11. Vielleicht noch ein Video verlinken ...

Der Text ist gelesen bereits durchdacht eindrucksvoll, doch Weizsäckers vernünftige Vortragsmanier (kein Wehner oder Strauß, kein Kohl) erklärt viel der damaligen Wirkung.

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nocturno2401 01.02.2015, 06:11
12. Was fuer eine Rede!

Als 1980 geborener habe ich Richard v. Weizsaecker nur vage in Erinnerung. die Nachricht seines Todes hat mich ehrlich betroffen gemacht. Mir, wie sicher auch vielen anderen meiner Generation, mag er wie der Archetyp des Bundespraesidenten vorkommen. Vornehm und gesetzt, weise und verstaendig, ein Mann von Welt, Charakter, Benimm und ehernen Moralvorstellungen, die alleine um des Anstands willen (und nicht nur deswegen), nie preis gegeben werden koennen.
Genau dies spiegelt sich auch in dieser epochalen Rede wieder. Es muss kein tamm tamm und grosse Worte gemacht werden. Ehrlichkeit und moralische Integritaet ueberzeugen immer. Verstaendigung und Dialog anstatt Hass und Gewalt. Toleranz und Miteinander anstatt Ablehnung und Gegeneinander. Wir vergessen immer allzu leicht, dass Freiheit nicht selbstverstaendlich, sondern das hoechste Gut des Menschen ist. Arbeiten wir dafuer, dass wir sie auch weiterhin verdienen. Nutzen wir unseren Verstand und nicht irgendein wie auch immer geartetes Gefuehl oder schlimmer noch Angst, um uns von anderen abzugrenzen oder zu definieren.
Richard v. Weizsaecker war immer mehr Sein als Schein und davon koennen sich nicht nur unsere heutigen Politiker eine Scheibe abschneiden, sondern wir alle. Deswegen bleibt er in Erinnerung und deswegen war er schon zu Lebzeiten historisch.

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humptata 01.02.2015, 07:26
13. Eine gute Idee, dem Leser Weizsäcker Rede

nochmal in ganzer Länge anzubieten.

Die ist heute so aktuell damals, besonders die letzten vier Absätze.

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uksubs 01.02.2015, 07:46
14. vor dieser rede

Zitat von nightwarrior
Der 8. Mai 1945 war kein Tag der Befreiung! Anweisung der Vereinigten Stabschefs der US-Army 1945: "Deutschland wird nicht zum Zwecke der Befreiung besetzt, sondern als besiegte Feindnation zur Durchsetzung bestimmter Ziele!" Vergleichbare Aussagen gab es auch von Winston Churchill.
gab es viele, die noch zu wenig verstanden hatten oder wollten, inzwischen als "zweite schuld" bekannt.
dass selbst nach dieser rede noch immer solche existieren, zeigt ihr kommentar und ist beschämend.

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eldoctor 01.02.2015, 08:37
15. Personenkult

Ich tue mich schwer mit dem Ausmaß der Verehrung für diesen Mann. Ich habe ihn immer als arrogant empfunden, als ein Mann, der seine Intellektualität als Grenzlinie zwischen sich und dem Rest der Welt gebrauchte. Seine berühmte Einschätzung des 8. Mais als Tag der Befreiung war auch damals keineswegs neu. Sogar in den Geschichtsbüchern der DDR wurde dieser Tag immer als Tag der Befreiung angesehen. Wo ist hier das Außergewöhnliche?

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joergroger 01.02.2015, 08:52
16. Befreiung vom Terrorregime

Wolfes74
Verstehe ich Sie richtig, das die "sogenannten" Befreier, alle Überlebenden Deutschen hätten umbringen sollen? Das Adolf Regime hatte damit ja schon seit 1933 angefangen Gegner zu ermorden und so die Zweifler und Kritiker entweder verscheucht oder Sie mundtot und gefügig gemacht.
Im Umkehrschluss heißt ihre Forderung nichts anderes, als das jedes Volk, welches unter einem Terrorregime durch Größenwahnsinnige oder andere Mörderbanden regiert wird, in Generalhaftung genommen wird und dafür die Todesstrafe bekommt!?
Ehrlich gesagt scheint mir, das ihre fanatischen Forderungen sehr nahe an die geistig und moralischen Werte dieser Regime anknüpfen.
Ich danke Herrn Weizsäcker für seine Arbeit für Deutschland und seine humane Rede, die für jeden Deutschunterricht Pflichtlektüre sein sollte.

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teff03065 01.02.2015, 09:33
17. RvW...

war sicherlich eine der wichtigsten Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte. Ich bin ein 80er Jahre Kind und er war DIE Figur, die es für die Generation meiner Eltern möglich gemacht hat, sich mit ihrer Elterngeneration zu versöhnen. Er nahm die Bedeutung dieser Chance, die Deutschland nach der Befreiung gegeben wurde, ernst. Er begegnete ihr mit Demut und Verantwortungsbewusstsein. Ohne ihn wäre Deutschland heute nicht dort, wo es heute steht...DANKE!

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Drscgk 01.02.2015, 11:21
18. Die beste Rede zum 40. Jahrestag des Endes

des II.Weltkrieges, das war diese Rede wohl. Allein die beste Rede wird erst dann zur Tat, wenn sie einvernehmlich verstanden worden ist und einvernehmlich handelnd verwirklicht wird. Verwirklicht wird Tag für Tag, von allen: Von den Tätern, den Opfern, den Mitbeteiligten und den Unbeteiligten. Allein, davon kann sogar heute, 70 Jahre nach dem Ende des II.Weltkrieges, keine Rede sein. Und dafür, dass es noch immer so überaus grausam geblieben ist, sorgen emsig und öfters mit hohem Aufwand ehemalige Täter, ehemalige Opfer, ehemalige Mitbeteiligte und ehemalige Unbeteiligte. Und sie alle sehen sich weltweit in vorteilhaftestem Himmelslicht.

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Endlager 01.02.2015, 11:28
19. Menschenverachtender Unsinn

Ich habe selten etwas dermaßen Menschenverachtendes gelesen! Nicht nur machen sie ein ganzes Volk für das Unrechtsystem der NS-Diktatur verantwortlich, Sie propagieren auch Völkermord als eine Art "Endlösung"! Von einer "hohen Rückfallquote" zu sprechen und alle Deutschen zu einer ständigen Gefahr zu verleumden ist auch unter aller Kanone!

Zudem lassen Sie die Österreicher völlig außen vor, und nichtdeutsche Massenmörder und Diktatoren wie Mao, Stalin und Pol Pot, die zusammen über 100 Mio. Menschenopfer zu verantworten haben, hat es für Leute wie Sie nie gegeben...

http://www.bpb.de/internationales/asien/china/44259/mythos-mao?p=all

http://www.welt.de/print-welt/article619557/Die-Vertreibung-aus-der-ideologischen-Waermestube.html

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