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Referendum zur Präsidialverfassung: Das merkwürdige Wahlverhalten der Deutschtürken
DPA

Eine deutliche Mehrheit der türkischen Staatsbürger in der Bundesrepublik hat für Erdogans Präsidialsystem gestimmt - viele aus Trotz gegenüber Deutschland. Das zeigt, dass sie noch lange nicht angekommen sind.

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DCSUI 17.04.2017, 14:34
440. Schweiz / Deutschalnd

Zitat von Oliver P.
Ein guter Kommentar. Aber Deutschland sollte sich auch die Frage stellen, warum die Türken in der Schweiz das Referendum klar abgelehnt haben, obwohl der Ausländeranteil dort noch höher ist als hier. Das (angebliche) Ergebnis ist für die Deutschtürken genauso peinlich wie für die deutsche Integrationspolitik. Die Schweiz macht es uns einmal mehr vor.
Dass es in der Schweiz keine Ja-Mehrheit gab, hat eher damit zu tun, dass in der Schweiz im Verhältnis zu Deutschland prozentual mehr Kurden leben und weniger AKP-Anhänger. Mit Integration hat dies, denke ich, nur minim was zu tun. Die Türken in der Schweiz sind jedoch meist sehr gut integriert, das muss man sagen. Würden in der Schweiz weniger Kurden leben, hätte es wahrscheinlich auch ein JA gegeben. Die grosse kurdische Gemeinschaft in der Schweiz hat hier jedoch für das klare NEIN gesorgt. Das Resultat der Abstimmung möchte ich als Schweizer nicht kommentieren oder gar kritisieren. Das ist Sache der türkischen Opposition und geht mich als Nicht-Türke nichts an.

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theodema 17.04.2017, 14:34
441.

Zitat von paula_f
schon Anfang des Jahres als die Lira an Wert verlor hat Erdogan seine Landsleute aufgefordert ihre Euros in Lira zu tauschen, der Verlust war absehbar. Die Tourismusbranche liegt am Boden und die vielen Bauprojekte Erdogans sind international finanziert, dafür steigen nun die Zinsen - weil auch ausländische Investitionen ausbleiben werden braucht die Türkei bald mehr Geld. Die Imame hier kennen die Einkommen ihrer Mitbürger besser als die zuständigen Finanzämter, ein probates Mittel wäre hier lebende Türken mit Einkommen im Ausland in der Türkei zu besteuern.
Leider wird es für alle Türken teuer und zwar für diejenigen die jubeln und für die anderen 50% der Bevölkerung, die trauert...

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Das Pferd 17.04.2017, 14:34
442.

Zitat von rme
69%, mehr als 2/3 der in Deutschland lebenden und in der Türkei wahlberechtigten Menschen haben sich nicht für das Ja entschieden. Ich denke, das ist eine gute Nachricht. Die schweigende, moderat und demokratisch denkende Mehrheit wird nur leider nicht so stark wahrgenommen, wie die laute, radikal und antidemokratisch auftretende Minderheit. Das ist die schlechte Nachricht. Dass die politische Gewaltenteilung in der Türkei nun auch formal abgeschafft wurde, stand doch schon vorher fest.
wenn Sie das schon auf die Zahl der Wahlberechtigten runter brechen:
dann haben 18% der Wahlberechtigten sich gegen eine Diktatur ausgesprochen! Gegen willkürliche Verhaftungen, Polizeiterror, Krieg gegen die Kurden und Todesstrafe.
Ob sie nun desinteressiert sind oder die Diktatur aktiv bejahen, ist eigentlich egal.

18% ! Der Türkischen Wahlberechtigten! Und da sind schon die Kurden mitgezählt. Unter den eigentlichen Türken ist der Anteil noch geringer.

Und das ist eine gute Nachricht? OK, vielleicht verglichen mit "die Türken stehen vor Wien".

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agt69 17.04.2017, 14:34
443. Vielleicht auch andere Interpretation möglich

Vielleicht lassen sich diese Zahlen auch anders deuten. Die Wahlbeteiligung in der Türkei lag bei 87 Prozent, während nur 50 Prozent der in Deutschland lebenden Türken ihre Stimme abgeben haben. Vielleicht ist das ein gutes Zeichen. Vielleicht bedeutet das, dass 50 Prozent der hier lebenden Türken die Türkei eben nicht mehr als "ihr Land" bezeichnen und sich daher an einer türkischen Abstimmung gar nicht beteiligen.
Zudem scheint es ja auch bei dieser Abstimmung wieder so gewesen zu sein, dass die gebildeten Teile der Bevölkerung eher mit NEIN gestimmt haben. Nun ist es ja so, dass es nicht unbedingt die türkische Bildungselite war, die hierher gekommen ist, um ihr Glück als Gastarbeiter zu suchen.
Ich glaube, dass die generelle Aussage "Türken in Deutschland haben für Erdogan gestimmt, weil die Integration gescheitert ist" mit Vorsicht zu genießen ist.

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tillmatic 17.04.2017, 14:34
444. Zum Ankommen...

...gehört auch der Wille zum "Ankommen" dazu. Und der ist offensichtlich nicht gegeben. Zeit hierfür gab es genug. Ich denke das eine doppelte Staatsbürgerschaft hierfür nicht besonders hilfreich ist. Man neigt dazu sich jeweils das Beste...oder was einem am besten passt herauszupicken.

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AW19 17.04.2017, 14:34
445. Die Fehler bei sich selbst suchen......

Viele türkische Gastarbeiter fühlen sich nicht wohl bzw. nicht verstanden. Dann wählt man halt Erdogan und stellt sich gegen die Mehrheit der jungen Bürger, welche die Zukunft gestalten wollen, in der Türkei. Wie clever!! Fragt euch mal, warum ihr die einzige Volksgruppe seid, welche sich nach über 50 Jahren in Deutschland hierüber noch beklagt. Übrigens sehen dies viele türkischstämmige Mitbürger genauso. Diese hatten aber auch den Wunsch sich zu integrieren. Dennoch bereichern diese Mitbürger mit ihrer Herkunft und ihrer Kultur unser Leben. Meine Empfehlung daher an die Nörgler, ab in die Türkei und bei der Gestaltung helfen, sofern man sie lässt. Denn Platz und Perspektiven für Familie und 5 Kinder gibt es dort sicherlich reichlich. Hier wird euch niemand vermissen.

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taglöhner 17.04.2017, 14:34
446.

Man muss festhalten, dass der größte Teil ja nicht aus Zuneigung zur abendländisch-freiheitlich-demokratischen Kultur hierhergekommen ist.
Zudem gibt es einen länderübergreifenden Zusammenhang zwischen Bildungsferne und totalitärem Gedankengut.

Auch muss man berücksichtigen, dass ein Teil der Dinge, die sie als Kernelemente ihrer Kultur empfinden, weder von der Stammbevölkerung, noch von den Gesetzen des Landes toleriert werden.

Was mich sehr ernüchtert hat ist, wie eine Reihe hier sozialisierter, studierter Intellektueller sich im Wahlkampf für Erdogan stark gemacht hat.

Alle, die ich wahrgenommen habe, hatten allerdings auffälligerweise einen Background als islamistische Eiferer.

Wenn Deutschland etwas dafür kann, dann dadurch, falschen Vorstellungen und Entwicklungen nicht entschieden entgegengetreten zu sein.
Auch ich war einmal der festen Überzeugung, mit der Einbürgerung würde sich das Problem binnen einer Generation erledigen.

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rainer82 17.04.2017, 14:35
447. Von Rechtsextremisten umzingelt

bleibt Deutschland hoffentlich ein demokratischer Rechtsstaat, der NPD und AfD zum Trotz. Polen, Russland, Ungarn und auch die Türkei sind schon zu Diktaturen verkommen. In Österreich und den Niederlanden war die Abwehrschlacht der demokratischen Parteien einigermaßen erfolgreich, und auch die französischen Neofaschisten um Le Pen dürften spätestens im 2. Wahlgang chancenlos sein. Umso wichtiger, dass Typen wie Höcke, Gauland, Petry & Konsorten nicht auch die deutsche Politik noch mehr in Verruf bringen können.

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K.Hexemer 17.04.2017, 14:35
448. wenn...

man verzeihe mir die bildhafte Sprache, "Freilandhühner" für "Käfighaltung" votieren dann ist etwas gründlich schief gelaufen! Und nein, das sind nicht mangelnde Integrationsbemühungen von deutscher Seite, das ist ein komplett falsche Verständnis von Integration, Freiheit und Demokratie auf Seiten derer die jetzt sich selbst, aber bedauerlicherweise auch der anderen Hälfte ins Knie geschossen haben!

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Auggie Smith 17.04.2017, 14:35
449.

Ein guter Freund hatte ein Recht witziges Gleichnis aufgestellt. Er meinte, das ganze Theater wäre vergleichbar mit frei lebenden Hühnern, die für die Käfighaltung im Nachbardorf stimmen. Und jetzt füge ich hinzu, folgend der Argumentation hier, sie taten es vor allem aus Trotz gegenüber den Hühner, die vor Käfighaltung gewarnt haben, nur weil sie sich bevormundet fühlen.

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