Forum: Politik
Rekordarbeitslosigkeit - Versagt die Politik?

Statistik hin, Hartz IV her: Nach wie vor sind Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos. Werden die erfolgten und geplanten Reformen ausreichen, oder brauchen wir neue Konzepte gegen die Krise? Was würde eine Wende am Arbeitsmarkt herbeiführen?

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Saul Paenger 21.12.2005, 11:32
1940. Na gut, kein Kommentar

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,390990-2,00.html

"Normalerweise versuchen Einwanderungsländer ja, qualifizierte Arbeitskräfte ins Land zu holen, in Deutschland war es umgekehrt. Als Mitte der siebziger Jahre dieser Markt zusammenbrach, hatte man einen hohen Anteil unqualifizierter Arbeitskräfte, aber keine entsprechenden Jobs mehr. Das ist seitdem eine der Hauptquellen der Arbeitslosigkeit in Deutschland."

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M Heimann 21.12.2005, 11:59
1941. ...

"Es ist doch so, Arbeit im sozialen Sektor, für die eigentlich der Staat zuständig sein sollte, bringt keinen Geldwert obwohl er geldwert (wertvoll) sein sollte. Im Sinne der heutigen Wirtschaftspolitik muß es sich lohnen, rechnen oder wie auch immer das man nennen soll."

Zitat von Der Neffelbachfischer
Ja, so wird es wohl mehrheitlich gesehen, nicht nur in der Wirtschaftspolitik, sondern auch in vielen Beiträgen hier (wo ja keine wirtschaftspolitischen Entscheider, sondern gewöhnliche Bürger schreiben) wird es offensichtlich so gesehen. Es ist aber – da sind wir uns einig - eine arg verkürzte Sichtweise.
Da gibts auch eine Erklärung für. Sie haben ja vielleicht schon etwas von den Kondratieff-Zyklen gehört, die langen Wellen der Innovation. Die letzte war die "Informationstechnologie". Jetzt fragen sich natürlich schon so einige, was denn die nächste sein könnte. Manche tippen auf die Gentechnologie. M.E. wird aber das "Genetikzeitalter" genauso ein Rohrkrepierer wie das nie da gewesene "Atomzeitalter". Von "Computerzeitalter" kann man allerdings durchaus sprechen, denn der Computer hat alle Lebensbereiche durchsetzt und zumteil rgelrecht revolutioniert. Vom Genmais waren die indischen Bauern drei Jahre lang begeistert, dann kamen die Missernten. Monsanto zahlt natürlich keine Entschädigung, aber scheint so, als würde sich die Evolution, die bisher für Genmutationen zuständig war, nicht derart in ihre Regel eingreifen lassen. Die Biotechnologie ist wieder was anderes. Da sehe ich auch zukünftige Entwicklungen.

Andere sehen den 6. Kondratieff z.B. so:
"Große Produktionsfortschritte erzielt man heute nicht mehr in erster Linie durch noch bessere Hardware, durch noch bessere Technik oder durch besseren Zugang zu Fremdkapital. Die wirklichen Durchbrüche in der Produktivität,...erreicht man dadurch, daß man die Art und Weise, wie Menschen zusammenarbeiten, anders gestaltet: Umorganisation in Richtung Gruppenarbeit...In der Informationsgesellschaft...geht es um die Verbesserung der Schnittstelle Mensch-Mensch, um die Verbesserung der Kooperation und Kommunikation…". (Leo A. Nefiodow, GMD-Forschungszentrum)

Das leuchtet auch ein, denn in einer so komplex vernetzten Welt, wie heute, kommt es wieder viel mehr auf die Fähigkeiten von Kommunikation und Kooperation an, oder man nennt es auch "networking".
Genauso, wie damals, als die Eisenbahn die Welt eroberte, einige glaubten, dies sei nun der Untergang der Welt und ebenfalls die Einstllung zu Computern war in den 80ern ähnlich, bricht eben nun die Panik in konservativen Kreisen aus und man versucht mit allen Mitteln die "heile Welt" des Kapitalismus, wo noch alles seine Ordnung hatte mit der strikten Aufteilung von Arbeitgeber und Arbeitnehmer und einem linearem Berufsweg, zu bewahren. Da wird dann an Stellen, wo man sich fragt, was das da zu suchen hat, der Untergang des Abendlandes durch das Gespenst des Sozialismus beschwört, als würden wir uns immer noch in der Zeit der Industrialisierung und der Arbeiterrevolution befinden.

Zitat von
In einem Gemeinwesen wird immer verteilt. Hier finde ich den Begriff der „Umverteilung“ so bezeichnend, der ja einen negativen Beigeschmack hat, und zwar interessanterweise für alle verschiedenen Argumentationsparteien, die ihn benutzen. Verteilt wird in einer Gemeinschaft jedoch immer.
Verteilt wird doch schon dadurch, dass wir eine hocharbeitsteilige Gesellschaft haben. Die tun gerade so, als wären sie Robinson auf der einsamen Insel, der sich alles selber erarbeitet hat und nun kämen die Kanibalen und wollten ihm etwas davon wegnehmen. Wer der Ansicht ist, er wolle nichts verteilen, der sollte doch auch auf die Leistung anderer verzichten. Vielleicht gibts ja noch irgendwo ein paar einsame Inseln, auf die man ziehen kann und dann auch von allem, was man sich selbst erarbeitet hat, behaupten kann: "MEINS!"

Zitat von
In früheren Epochen war es wohl die Sippe, die dieses archaische gesellschaftliche „Versicherungssystem“ realisiert hat.
Das "wohl" können sie weglassen. Daran besteht kein Zweifel.
Zitat von
Heute, in unserer hoch arbeitsteiligen Gesellschft, musste „der Staat“ viele dieser Aufgaben übernehmen,
Und diese hocharbeitsteilige Gesellschaft entstand in der Industrialisierung. Die Menschen, die es aus der Landwirtschaft gewohnt waren, sich selbst zu versorgen, haben die Tradition sogar noch eine Weile aufrecht erhalten. Es ist kein Zufall, dass der Schrebergarten im Ruhrgebiet entstand und anfangs die Häuser in den Kohlebausiedlungen mit Nutzgärten ausgestattet waren.

Zitat von
Ich empfinde mich als durchaus egoistisch, wenn ich mir über das Wohlergehen meiner Mitmenschen Sorgen mache.
Es hat eben weniger mit "Sozialromantik" zutun, als dass es sogar nachweislich langfristig die bessere Strategie ist. Selbst unter niederen Lebewesen wie Bakterien gibt es Kooperationen, obwohl die nicht einmal über solche Begriffe wie "sozial" nachdenken können.

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Volkhard Ehlert 21.12.2005, 12:06
1942.

Zitat von Pirx
Herr Ehlert, "Meinungen" sind, ob von Politikern, Fachleuten oder der Bevölkerung - zum Glück - immer vielfältig. Allein die Eigenschaft "perfekt" ruft meinen Widerspruch hervor. Ein perfektes System ist immer von Randbedingungen abhängig, sollten sich diese ändern muß sich das System ändern, möglicherweise muß es ersetzt werden. Bei Systemen die nicht mehr geändert werden können, denke ich immer an etwas statiches, an Stillstand oder Endzeit, jedenfalls nicht an Fortschritt.
Zustimmung, genauso sehe ich es auch. Da sind Sie weiter als Frau Heimann..et.. al.

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Saul Paenger 21.12.2005, 12:09
1943.

Zitat von M Heimann
Selbst unter niederen Lebewesen wie Bakterien gibt es Kooperationen, obwohl die nicht einmal über solche Begriffe wie "sozial" nachdenken können.
Da sind die Bakterien aber nicht alleine!

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Sybilla84 21.12.2005, 12:14
1944. ALG-II-Missbrauch viel geringer als befürchtet

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat einen ersten Datenabgleich bei den Empfängern von Arbeitslosengeld II (ALG II) durchgeführt und feststellen müssen, dass der Leistungsmissbrauch geringer ist als im Sommer diskutiert. Wie die Nürnberger Behörde am Mittwoch mitteilte, wurden 7,5 Millionen ALG-II-Empfänger kontrolliert, wovon 2,45 Millionen in einem weiteren Beschäftigungsverhältnis stehen oder andere Einkommensquellen wie Renten haben.

Allerdings hat die "weit überwiegende Mehrheit" nichts gegenüber der Agentur verschleiert, sondern "diese Tatsachen in ihrem Antrag angegeben", hieß es weiter. Darunter seien beispielsweise auch 650.000 Leistungsempfänger, die ihre Einkünfte aus Erwerbstätigkeit der BA gemeldet haben. Somit liegt laut BA auch kein Leistungsmissbrauch vor.

http://makeashorterlink.com/?D1D42695C

Warum fühle ich mich als Bürgerin von Herrn Clement und seinen medialen Konsorten abermals geäfft gefoppt und genarrt?

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marcus ernesto 21.12.2005, 12:17
1945. Wieso Phobien?

Zitat von M Heimann
Ich habe den Eindruck, hier leiden einige unter Sozialismus-Phobie, so als ständ "der Russe" (mal davon abgesehen, dass "der Russe" auch keinen Sozialismus hat mehr)schon an der polnischen Grenze. Was sollen solche Kommentare?
Wieso Phobien, Frau Heimann? Darunter verstehe ich ein Verhalten, welches weitestgehend defensiv und reagierend ist. Mein Verhältnis zum Sozialismus/Kommunismus ist aber nichts dergleichen, denn dafür verachte ich derartige quasi-faschistische Denkmodelle viel zu sehr. Angriff ist hier die beste Verteidigung und die Verpflichtung zur Humanität, auf das derartige Theorien nie wieder Gültigkeit erlangen.

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M Heimann 21.12.2005, 12:18
1946. ...

Zitat von matt_us
Danke, ich habs gelesen. Nochmal der gleiche Kommentar wie vorher (Herr Pappenheimer hat ja auch schon mal einen Artikel zitiert in den es um diese Goldman Sachs Studie geht). Hier geht es um die Wettbewerbsfaehigkeit Deutschlands in der Welt, nicht generell um Vorschlaege die Rekordarbeitslosigkeit abzubauen.
Sie haben aber schonmal davon gehört, dass Deutschland Exportweltmeister ist und sich daher zurzeit um seine Wettbewerbsfähigkeit eher geringere Sorgen machen muss, aber das Problem der Rekordarbeitslosigkeit immer brisanter wird? Haben sie überhaupt mitbekommen, worum es geht? Scheint mir nicht so.

Zitat von
Wenn die Lohnsumme sinkt, sinkt die Binnennachfrage. Herr Schumacher, Deutschland Volkswirt von Goldman Sachs sagt hier das gleiche wie Frau Heimann. Das weniger Lohn weniger Binnennachfrage bedeutet ist richtig, aber nur wenn es keine neuen Jobs gibt. Wenn theoretisch durch 10% weniger Lohn, 10% mehr Jobs entstehen wuerden, waere ja alles im Lot.
Eine Argumentation, die sich auf "wenn theoretisch,..wuerde...waere" stützt, ist doch wohl die schwachste Argumentation, die man sich vorstellen kann. Da sie es immer noch nicht mitbekommen haben, noch einmal für sie, denn wir brauchen uns gar nicht auf "koennte...wenn...wuerde" berufen.
Seit 1997 steigen die Löhne nicht mehr, zurzeit sinken sie sogar. Ist dadurch die Arbeitslosigkeit gesunken, oder gestiegen?
Was soll ihr "wenn...wuerde...koennte", wenn es bereits Erfahrungswerte gibt, die eindeutig belegen, dass Lohnsenkungen eben nicht zu weniger Arbeitslosigkeit führen?
Können sie mir mal erklären, wieso sie das ständig ignorieren und hier mit einem völlig absurden "wenn... koennte...wuerde" argumentieren?
Lassen sie auch mal öfters ein paar Gläser fallen, denn koennte ja sein, dass die morgen nicht nach unten fallen, sondern nach oben?

Zitat von
Wenn die Arbeitskosten um 6% fallen ohne dass die Lohnkosten fallen (MWPOT), wird Arbeit billiger. Es koennen neue Jobs entstehen. Und sie werden auch entstehen. Wieviel weiss keiner.
Und auch noch einmal extra für sie (und so langsam frag ich mich, was ich von ihrer geistigen Aufnahmefähigkeit halten soll, dass einfachste Prinzipien einfach so an ihnen vorbei gleiten, als würden sie diese überlesen.)

KEIN Unternehmen stellt Arbeitskräfte ein, die es nicht braucht, auch wenn sie noch so wenig Lohn kosten. Wenn also der Absatz nicht steigt und das Unternehmen daher auch nicht mehr prdofuzieren muss, dann werden auch nicht mehr Arbeitskräfte eingestellt.
Ist das bei ihnen nun angekommen, oder soll ich es noch ein paar Mal wiederholen? Oder zweifeln sie vielleicht daran, dass ein Unternehmen nur so viel herstellt, wie es auch absetzen kann? Dann erklären sie mir mal bitte, wie sie darauf kommen, dass ein Unternehmen so dumm sein könnte, auf Lager herzustellen. Das tun höchstens die subventionierten Bauern mit den Butterbergen.

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M Heimann 21.12.2005, 12:27
1947. ...

Zitat von MarkH
Arbeitslos melden und HArtz4 beziehen, kann ich nicht, weil ich Trottel tatsaechlich ein bischen Vermögen angespart habe.
Ich kenne viele ITler, die sich auf so eine Art ihre Existenz "basteln", gut ausgebildete ITler, die, wenn sie die kriminelle Energie dazu hätten, auch ganze Systeme lahmlegen könnten. Die werden aber nicht einmal in der Arbeitslosenstatistik aufgeführt, denn sie sind ja dort nicht gemeldet, obwohl sie auch am Existenzminimum oder noch darunter rumvegetieren. Einige wandern dann auch aus, z,B. ist zurzeit noch Östereich beliebt, da sind in den letzten Jahren eine Menge gute ITler hingewandert.

Scheint so, als würde Deutschland seine IT-Eliten nicht brauchen, aber prima, dass sie sich so viel Sorgen um den Spargelpreis machen. Wir leben scheinbar in einer Bananen(Spargel)-Republik und nicht in einem Hochtechnikland.

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M Heimann 21.12.2005, 12:31
1948. ...

Zitat von matt_us
Aber angenommen wir haetten Recht, nur mal angenommen.
Sind sie eigentlich wirklich nicht in der Lage, sich die Lohnentwicklung der letzten fast 10 Jahre anzuschauen und daraus den Schluss zu ziehen, dass ihre tolle Lösung schon seit 10 Jahren nicht funktioniert?

Sie haben definitiv nicht Recht. Reichen ihnen 10 Jahre als Beweis noch nicht, wollen sie die falsche Methode noch weitere 10 Jahre weiterprobieren?

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M Heimann 21.12.2005, 13:00
1949. ...

Zitat von matt_us
Nur wenn man weiss was db3 ist. Koennen Sie das bitte mal erklaeren.
Sie stellen sich doch hier immer als der große Wirtschaftsexperte hin und da wissen sie nicht, was der db ist? Aber sie meinen, sie wissen, wie sie die Volkswirtschaft retten können?

Der DB (groß geschrieben) ist der Deckungsbeitrag, der db (klein geschrieben) ist der Deckungsbeitrag pro Stück. Der DB/db 1 bezieht sich nur auf die variablen Kosten, der DB/db 2 bezieht die fixen Kosten mit ein und der DB/db 3 auch die Gemeinkosten (das sind kalkulatorische oder neutrale Kosten, die mit der Produktion selber nichts zutun haben zB. die Kosten für eine Kantine oder den Gärtner für den betriebseigenen Garten, oder auch Spenden. Diese Kosten kann man keiner Kostenstelle direkt zuweisen und sie werden in der Gesamtkostenrechnung auf alle Kostenstellen gleichmäßig verteilt). Die Berechnung des DB nennt sich übrigens, zur Abgrenzung von der viel aufwendigeren Gesamtkostenrechnung (die man aber für die Bilanzierung machen muss) Teilkostenrechnung.

Schonmal davon gehört, sie als Wirtschaftsexperte? Solange die Produktion nicht die Stelle der Sprungkosten erreicht (das ist die Stelle, wo die Kapazitäten nicht mehr ausreichen und erweitert werden müssen), interessieren nämlich nur die variablen Kosten und ob und wann sie den Breakeven erreichen, denn die anderen Kosten bezahlt man ja ohnehin. Haben sie schonmal ein bisschen betriebliches Rechnen gelernt? Ich meine, wo sie hier immer DIE Lösung aller Probleme propagieren wäre es doch prima, wenn sie wüssten, wie so ein Unternehmen überhaupt rechnet.

In der Bilanz sind alle Kosten aufgeführt und ebenfalls der Umsatz, natürlich auch die Abschreibungen für Anlagen als deren Wertverlust. Wieso sollte es ein Problem sein, den Personalkostenanteil an den gesamten Kosten zu errechnen? Geben sie mir eine Bilanz und ich errechne ihnen den.

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