Forum: Politik
Rhetorische Eskalation im Flüchtlingsstreit: Der Kampf der Worte
DPA

Seit Jahren verschärft sich der politische Streit um Zuwanderung - auch rhetorisch. Worte werden zu Waffen, die Gräben in der Gesellschaft tiefer. Plädoyer für eine verbale Abrüstung.

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mallangsam 07.07.2018, 14:10
20. Alles richtig

nur das die CSU niemals auf dieses Mittel verzichten wird. Es ist ja gerade kennzeichnend für sie so ihre Themen zu platzieren, z.b. Ausländermaut, um klar den rechtsunkonformen Subtext zu setzen. Vielleicht sollte man die Grenzen bzgl. einer regierungs- bzw. koalitionsfähigkeit einer Partei entlang ihres Sprachgebrauchs ziehen, nicht nur inhaltlich. Sachlichkeit als Prüfstein, Populismus als Ausschlusskriterium. Das hielte ich für gut, bedeutet aber, das die CSU entweder ihre gesamte Führungstroika austauscht, oder aus der Regierung ausscheidet. Populistische Opposition- statt kollaborativer Regierungspoliik verträgt sich nicht mit Koalitionspolitik.

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wachner 07.07.2018, 14:13
21. @tueedlich

"Prima Artikel. Zumal er auch ein wenig die Maske vom Gesicht der Frau Merkel beiseite schiebt. Im Grunde sind die Aussagen aller Pseudo-Christen (Seehofer, Dobrindt, Merkel) gleich. Bloß die sog. Christlichsozialen hauen ordentlich drauf und pöbeln munter weiter, während die Christlichdemokraten (Frau Merkel) in die selbe Kerbe hauen, aber meinen, niemand würde es merken. Es ist alles irgendwie: Pfui-Teufel!"

vielleicht irre ich mich, aber ich glaube, sie haben eine Kernaussage des Textes nicht verstanden. Man soll sprachlich abrüsten. Ich verstehe den Text so, dass die Autorin die sprachliche Nüchternheit der Kanzlerin schätzt.

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murksdoc 07.07.2018, 14:17
22. Fangen Sie damit an

Bezeichnen Sie nicht jeden noch so berechtigten Punkt der Kritik als "Hass", nicht jede Sorge als "Angst", "Panik" oder "Phobie". NIEMAND sitzt heute mehr an "Stammtischen" und da, wo es sie noch gibt, ist darüber und darunter auch kein "Dunst". Nicht jeder ist ein "Populist", nur weil er keine Bachelor für Soziologie der Universität Bielefeld besitzt und bei uns gibt es Menschen, die auf bestimmten Gebieten Fachkompetenzen haben, selbst wenn sie keine Kolumnen in SPON darüber schreiben dürfen. Die allgemeine Deklaration der Menschenrechte gilt auch für den weissen Mann, egal welchen Alters und nicht jeder Witz ist sexistisch oder homophob, nur weil er nicht über alte weisse Männer ist. Das wäre schonmal ein kleiner Anfang und dann würden Sie auch merken, daß ich Ihr Druckerzeugnis nicht deswegen nicht kaufe, weil ich zu geizig dazu bin.

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Walther Nasskamp 07.07.2018, 14:19
23.

Ja, Sprache ist Macht. Vor allem dann, wenn sie von den schon Mächtigen genutzt wird, um ihre Macht zu stärken.
Es gibt einen Aspekt, der mir in der Betrachtung der Autorin fehlt. Es ist die Versuchung, komplexe Zusammenhänge im eigenen Sinne zu verkürzen. Dabei greift der eine nach einem Euphemismus, der andere nach einem Dysphemismus. Je nachdem, welchen Standpunkt man vertritt. "Asyltourismus" ist so ein Dysphemismus. "Flüchtling" ist so ein Euphemismus, wenn mit dem Begriff auch diejenigen erfasst werden, die nicht auf der Flucht sind. Insofern geht es auch nicht um einen "Flüchtlingsstreit", wie die Autorin die Situation in ihrer Überschrift sprachlich ungenau benennt.
Und da sind wir auch bei einem großen Problem, nämlich der sprachlichen "Schlamperei" (ich gebe zu, ein Dysphemismus), die nicht selten mitverantwortlich für fehlende Lösungen ist, denn Voraussetzung für eine Problemlösung ist die exakte Beschreibung des Ist-Zustandes mit allen negativen Folgen (des Problems also).

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zweifelturm 07.07.2018, 14:19
24. @7 Karlsiegfried

Das was Sie unter Politik zu verstehen scheinen ist die Manifestation von Primitivität, Minderbemitteltheit und Unkultur. Also so richtig was für den braunen Bodensatz in seiner ganzen Erbärmlichkeit. Ein :weiter so: in diesem Sinne ist die Herrschaft des Pöbels, griechisch: Ochlokratie.

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Neandiausdemtal 07.07.2018, 14:27
25. Verrückt!

Zitat von bn
""Festung Europa", noch so ein Begriff. Wer sich kritisch mit der europäischen Migrationspolitik auseinandersetzt, nutzt ihn, um Abschottungstendenzen zu beschreiben." SPON vergisst hier, dass es auch viele Menschen gibt, die sich kritisch mit der Migrationspolitik auseinandersetzen, zu dem Schluss kommen, dass Europa keine Abschottungspolitik betreibt, sondern vielmehr nach wie vor viel zu viele Menschen aufnimmt. Oder ist diese Kritik das, was SPON nennt: "Für rechte und rechtsextreme Gruppierungen ist es der Wunschzustand der EU." Dann waeren wir wieder bei dem Versuch, Sprachhoheit zu gewinnen. Kritiker sind die linken, die guten. Weniger ungesteuerte Einwanderung ist gleich Abschottung. Die boesen, die rechten, wollen das. Man koennte den Eindruck gewinnen, dass der eher linksgerichtete Sprachgebrauch Mainstream ist, und dass es einige Versuche auf der rechten Seite gibt, diesen aufzuweichen - was Linke natuerlich nicht so toll finden, weshalb sie sich gegen den Verlust ihrer Sprachhoheit so wehren.
In einer durch und durch ökonomisierten und kapitalistischen Welt von linkem Mainstream und linker Sprachhoheit zu schwadronieren, ist wirklich bodenlos. Allerdings ist es in diesem Zusammenhang immer wichtig darauf hinzuweisen, dass Kapitalismus und Faschismus prima miteinander auskommen. So lange wir nicht in einem demokratischen und sozialistischen System leben, ist hier gar nichts links. Am allerwenigsten der Mainstream.

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drent 07.07.2018, 14:29
26. Festung Europa

Mit einer Festung konnte man nie angreifen. Immer nur verteidigen. Hat doch auch was für sich.

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Putenbuch 07.07.2018, 14:31
27. Guter Ansatz, aber inkonsequent umgesetzt

weil: einseitig.

Die Spaltung wird doch von beiden Seiten betrieben. Auch die "Linke" spaltet dauernd. Niemand sucht den Dialog, geschweige denn Konsens.

Jeden, der nicht mit der Migrationspolitik einverstanden ist als "Nazi" oder "Rassisten" zu bezeichnen ist auch nicht hilfreich bei der Überwindung der gesellschaftlichen Spaltung und treibt letztendlich den Wähler nur in die Arme der AfD.

Auch SPON beteiligt sich fleißig am Gebrauch von stigmatisierenden Begriffen: "Wutbürger" ist z.B. einer davon, "bildungsfern" ist auch schön.

Ich hatte eigentlich erwartet, einen Artikel darüber zu lesen, wie die gesellschaftliche Spaltung überwunden werden könnte. Stattdessen gabs nur fingerzeigende Schuldzuweisungen..

Naja, nächstes Mal vielleicht. :-)

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losmajos45 07.07.2018, 14:31
28.

Die rechte Retorik ist, nach meiner Meinung, schon längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Die Deutschen, die Ungarn, die Polen, die Franzosen, die Italiener, die Österreicher, die Dähnen und die Franzosen (bestimmt habe ich welche vergessen), werden aber nichts ändern.
Das war früher so und ist auch heute so. Zu bequem ist das Sofa.
Niemand kann alle Ernstes behaupten, dass seit dem dritten Reich eine echte soziale Evolution stattgefunden hätte. Sie hat ja nach dem dreissigjährgen Krieg auch nicht stattgefunden. Nur die Sofas haben sich geändert. Sie sind noch bequemer.

Wenn für Regierungen die Bildung und Aufklärung der Bevölkerung schon von klein auf weiterhin einen so geringe Priorität hat, dann soll sich bitte niemand über diese dumpfen Ängste in Teilen der Bevölkerung wundern.
Diese Ängste erzeugen bei den Menschen den Druck, der sich dann in der Beschuldigung von Ausländern, Juden und anderen Minderheiten Bahn bricht.

Und die Politiker ? Die bedienen sogar noch diese Ängste. Dann fühlen sich ihre Wähler verstanden, und können auf dem Sofa sitzen bleiben. Und der Politiker, ganz nebenbei, auf seinem Posten.

Für den Einen das Sofa. Dem Anderen sein Posten.
WIR werden den Rechtspopulismus NICHT aufhalten.

Hoffentlich werden wir mal nicht vor unseren Kindern Rechenschaft ablegen müssen.

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getraenketholi 07.07.2018, 14:34
29. Erosion der viel zitierten Werte Europas

Mit der Migrationsproblematik ,wird auch die Dünnhäutigkeit der zivilisatorischen Errungenschaften (liberte,fraternite, egalite etc.) von Europa gegenwärtig. Ein gefundenes Fressen für Agitatoren,die zunächst mit Worten , für unheilvollere Zukunftsszenarien den Boden bereiten.Mit Wortscharmützel werden die ethischen Grenzen elastisch gemacht bis gar kein Widerstand vorhanden sind. Gott behüte vor grösseren Herausforderungen.

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