Forum: Politik
Rosneft-Job für den Altkanzler: Karacho Schröder!
AFP

Die große Aufregung um den möglichen neuen Russen-Job von Gerhard Schröder ist Unsinn. Warum sollte ein Sozi kein Geld verdienen? Und was spricht eigentlich gegen gute Beziehungen zu Russland?

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mostly_harmless 22.08.2017, 11:22
210.

Die Sache hat IMHO 2 Facetten
- Es ist natürlich NICHT in Ornung, wenn Schröder bei einem Konzern anheuert, der auf der Sanktionsliste steht.
- Die Empörung von Union und FDP ist lächerlich, das Wechselspiel zwischen Politik und Wirtschaft inklusive Einflussnahme ist bei diesen Parteien normal. Reines Wahlkampfgetöse.

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Bondurant 22.08.2017, 11:24
211. Hier

hat Augstein ausnahmsweise mal recht:

Was sollten die Deutschen gegen einen Selfmademan haben - und gegen gute Beziehungen zu Russland?
Es gibt einiges, was man diesem Altbundeskanzler vorwerfen kann. Seine Arbeit für die Russen gehört nicht dazu.


Ein guter Draht zu "den Russen" im allgemeinen und Putin im besonderen ist für Deutschland überlebenswichtig, vor allem jetzt, wo der Trump im Porzellanladen unberechenbar zu sein scheint. Gerade erst hat unser Freund Wladimir in Syrien bewiesen, dass er nicht davor zurückscheut, die Arbeit zu machen, die allen Europäern nützt. Wenn mit Schröder einer der unseren in der Nähe dieses Mannes sitzt, kann das nicht schlecht sein.

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pratter 22.08.2017, 11:24
212. Volle Zustimmung, Herr Augstein !

(was selten genug ist bei mir und ihren Kolumnen).
Die Welt etwas entpannter, neidfrei und realistischer einschätzen - das fehlt den meisten Deutschen.
Als könnten die eifernden Foristen etwas ändern an Dingen, die ohne sie und sowieso laufen.
10% Reiche gibt es überall - da kann der moralisierende und allesbesserwissende Durchschnitts-Spiegel-Forist staccato Hüpfen. Er wird es nicht ändern, sondern lediglich seinen zur Grundausstattung eines deutschen Michel gehörenden Dauerneid päppeln.

Aber das Allerwichtigste, Herr Augstein, das begreifen Ihre selbsternannten Jünger nicht. Die für Deutschland existenzielle Bedeutung guter Beziehungen zu Russland.
Der Ami ist weit weg, stänkert nur gern weitab seiner Grenzen.
Schröder war und ist Pragmatiker, clever und vorallem Selbstdenker.

Sein "Nein" zum Irak-Krieg seinerzeit wird ihn für immer einen Platz im Gedächtnis vernünftig denkender Menschen in Deutschland bescheren - ebenso wie seine pragmatischen Russland-Connections, die er, stur wie er ist, vorbei an der amerikanisch lancierten und von deutschen Nichtselbstdenkern fanatisch aufgenommenen Rußlandphobie.
Keine Ahnung haben, aber lautstark aus der spießigen Deckung Für oder Gegen etwas sein, je nach ideologischem Gusto - das war schon immer verhängnisvoll für Deutschland.
Man bedenke, wo wäre Deutschland heute, wenn Schröder nicht
1. den Eintritt Deutschlands in den Irak-Krieg verweigert hätte
2. die HartzIV-Reformen nicht durchgedrückt hätte.

Wo würde Deutschland in Zukunft sein, wenn nicht Schröder (und viele andere) unbeeindruckt der Amerika- und EU-Hörigen gute Beziehungen zu Rußland pflegten?

Darauf eine Cohiba und einen guten Roten !

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suplesse 22.08.2017, 11:30
213. Der direkte Weg zu Gazprom ist statthaft,

der Umweg übers Bundeskanzleramt nicht. Das ist auch nach Amtsrücktritt ein Konflikt von Interessen. Die Russen haben sich mit Schröder einen politischen Vorteil in Deutschland, über den Hintereingang in die deutsche Machtzentrale eingekauft. Darum ist das verwerflich Herr Augstein. Herr Schröder wurde damals nicht gewählt, um russische Interessen in Deutschland zu ermöglichen, sondern um deutsche Interessen im In-und Ausland zu vertreten. Bundeskanzler, auch a.D. sind Repräsentanten des deutschen Staates. Helmut Schmidt z.B. hat das positiv sein ganzes Leben lang verkörpert.

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charlybird 22.08.2017, 11:35
214. Jau, jau, jau......

Zitat von franz.v.trotta
Zitat: "Vor allem im Hinblick darauf, wie viele Haushalte und Arbeitslose er, der Alt-Kanzler, ohne Not an den Rand ihrer Existenz und darüber hinaus gebracht hat." Sehr einseitige Darstellung. - Vertrauen Sie doch Ihrer BILD-Zeitung, in diesem Fall ein unverdächtiger Zeuge: Die "Bild"-Zeitung schrieb gerade: "Mit der Agenda 2010 legte er das Fundament für den heutigen wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands und bezahlte mit seiner Kanzlerschaft. Er stellte das Land über sich selbst."
Es ist doch längst eine Mär, dass die Veränderung der Arbeitsbedingungen und die Maßnahmen für Arbeitslose unter der Agenda 2010, also Hartz4, den großen Wirtschaftsinput gebracht haben sollen.
ES war ganz einfach der mit den Gewerkschaften langfristig ausgehandelte Lohnstopp plus gesonderte Tarif und Kurzarbeitseinheiten.
Selbst Müntefering und sogar Clement haben das zugegeben.
Oder glauben Sie im Ernst, dass die massenhaften 1 Euro Jobs und die ganzen Leihbilliglohnverträge den ''Aufschwung'' gebracht haben.
Wie das denn ? Durch Blätter aufsammeln im Park ?
Die globale Konjunkturdelle war schneller vorbei, als eine Legislatur und Politik und Wirtschaft haben dankenswerterweise ihr neues Knechtschaftsinstrumentarium beibehalten dürfen, dass uns mittlerweile als Billiglohnland ausweist..
Und eine tolle Bilderbuchgeschichte für Leute wie Sie, die die Wirtschaftsweisheiten aus der Bildzeitung entnehmen.
Die erzählt Ihnen auch, dass der Weihnachtsmann schneller kommt, wenn er mehr Rentiere anspannt.

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franz.v.trotta 22.08.2017, 11:51
215. Anderes Urteil

Zitat von charlybird
Es ist doch längst eine Mär, dass die Veränderung der Arbeitsbedingungen und die Maßnahmen für Arbeitslose unter der Agenda 2010, also Hartz4, den großen Wirtschaftsinput gebracht haben sollen. ES war ganz einfach der mit den Gewerkschaften langfristig ausgehandelte Lohnstopp plus gesonderte Tarif und Kurzarbeitseinheiten. Selbst Müntefering und sogar Clement haben das zugegeben. Oder glauben Sie im Ernst, dass die massenhaften 1 Euro Jobs und die ganzen Leihbilliglohnverträge den ''Aufschwung'' gebracht haben. Wie das denn ? Durch Blätter aufsammeln im Park ? Die globale Konjunkturdelle war schneller vorbei, als eine Legislatur und Politik und Wirtschaft haben dankenswerterweise ihr neues Knechtschaftsinstrumentarium beibehalten dürfen, dass uns mittlerweile als Billiglohnland ausweist.. Und eine tolle Bilderbuchgeschichte für Leute wie Sie, die die Wirtschaftsweisheiten aus der Bildzeitung entnehmen. Die erzählt Ihnen auch, dass der Weihnachtsmann schneller kommt, wenn er mehr Rentiere anspannt.
Die von mir zitierte und von Ihnen kritisierte "Wirtschaftsweisheit" stammt aus dem hier diskutierten Artikel von Herrn Augstein. Anderes Urteil:

Die Wochenzeitung DIE ZEIT unter der Überschrift "Die Agenda 2010 war ein unerwarteter Erfolg":
"Unter dem Strich aber bleibt: Ohne die mit der Agenda 2010 verbundenen Reformen wäre es Deutschland nicht gelungen, sich vom "kranken Mann des Euro", wie es das britische Wirtschaftsmagazin Economist noch vor gut zehn Jahren titelte, zu einer international höchst wettbewerbsfähigen Volkswirtschaft mit einem beneidenswert robusten Arbeitsmarkt zu wandeln."

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morkfromork 22.08.2017, 12:00
216. Augsteins Doppelmoral

Ich habe nichts dagegen wenn ehemalige Politiker Posten in der Witschaft annehmen. Nur glaube ich nicht, dass Augsteins Kommentar so positiv ausgefallen wäre, wenn es sich hier um einen konservativen Politiker handelte.
Er kommt aus seiner Ideologieschleife eben nicht raus!

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labuday 22.08.2017, 12:03
217. die Mär vom Billiglohnland Deutschland it und war IMMER eine Mär !

Zitat von charlybird
Es ist doch längst eine Mär, dass die Veränderung der Arbeitsbedingungen und die Maßnahmen für Arbeitslose unter der Agenda 2010, also Hartz4, den großen Wirtschaftsinput gebracht haben sollen. ES war ganz einfach der mit den Gewerkschaften langfristig ausgehandelte Lohnstopp plus gesonderte Tarif und Kurzarbeitseinheiten. Selbst Müntefering und sogar Clement haben das zugegeben. Oder glauben Sie im Ernst, dass die massenhaften 1 Euro Jobs und die ganzen Leihbilliglohnverträge den ''Aufschwung'' gebracht haben. Wie das denn ? Durch Blätter aufsammeln im Park ? Die globale Konjunkturdelle war schneller vorbei, als eine Legislatur und Politik und Wirtschaft haben dankenswerterweise ihr neues Knechtschaftsinstrumentarium beibehalten dürfen, dass uns mittlerweile als Billiglohnland ausweist.. Und eine tolle Bilderbuchgeschichte für Leute wie Sie, die die Wirtschaftsweisheiten aus der Bildzeitung entnehmen. Die erzählt Ihnen auch, dass der Weihnachtsmann schneller kommt, wenn er mehr Rentiere anspannt.
da können sie wiederholen so oft wie sie wollen - es bleibt ein Märchen.
Deutschland liegt an 7. Stelle in Europa (nicht nur der EU) und weit über dem Durchschnittslohn der EU.
Einige skandinavischen Ländern liegen zwar deftig höher, auch die Schweiz, so um 20 bis 50 % - ABER man sollte bedenken, dass die Lebenshaltungskosten z.B. in der Schweiz um 80 % höher liegen als in Deutschland - es sei denn man kauft im deutschen Grenzgebiet ein .
Höhere Verdienste in Skandinavien und der Schweiz werden durch höhere Lebenshaltungskosten aufgefressen.

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Gruuber 22.08.2017, 12:10
218. Dem Schein-Sozialdemokraten Schröder...

hoch anzurechnen, dass er nicht am (kriminellen) Angriffskrieg gegen den Irak teilgenommen hat, ist eine Verkennung der Absichten der US-Außen- und Kriegs-Politik.

Glaubt wirklich jemand, die USA würden zulassen, dass Deutschland ein Erdölland besetzt und dort als Besatzer das Sagen hätte?

Dasselbe auch im Erdölland Libyen. Glaubt wirklich jemand, das Deutschland dort Krieg führen und das Land besetzen hätte dürfen? Zwecks Herbeiführung von "Demokratie und Rechtsstaatlichkeit"?

Da würde Deutschland von den USA schneller vertrieben werden, als es schauen könnte.

Nicht einmal gegen den Iran dürfte Deutschland Krieg führen und ihn a la USA besetzen.

Und selbstverständlich musste Deutschland unter Schröder auch etliche Milliarden für den kriminellen Krieg gegen den Irak beisteuern. Wie übrigens auch Japan.

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vera gehlkiel 22.08.2017, 12:10
219.

Zitat von Mikle
Augsteins Meinung und meine kollidieren meistens, weil ich nicht mal im Zweifel links bin. Aber heute hat er völlig Recht. Natürlich dienen die US Sanktionen gegen Russland in erster Linie der amerikanischen Energiewirtschaft, die Russen sollen ausgebootet werden. Und da wir nur eine einzige, kleine Putin-Versteher Partei haben, kann Schröders Job in Russland für uns nur hilfreich sein, ganz besonders auch durch seine persönliche Beziehung zu Putin. Und was sein Gehalt betrifft, 170 000€ netto, das ist deutlich weniger als Schulzs Einkommen in Brüssel. Und der musste kaum Steuern bezahlen.
Man kann, wie ich es sehe, auch Links sein und daran glauben, dass Augstein mit seinem Aufruf zur Mässigung bei Betrachtung neuester Aktivitäten von Schröder insgesamt recht hat. Und die selbstgefällige Heuchelei mit Putin bei den Konservativen und Grünen, diesen rein auf die Rolle eines immerzu böswilligen Störenfriedes zu reduzieren, kann einem wahrscheinlich, damit man ein tragfähiges Bild bekommt, sogar auf den Sack gehen, wenn man eine Frau ist. Wenn Schröder uns Deutschen dabei hilft, an günstiges Gas zu kommen, was dazu nicht mal durch Fracking aus dem Boden gepresst wurde, macht er nichts anderes als das, was alle tun. Und was sogar Lindner, Özdemir oder Bartsch als Aussen- oder Energieminister gegebenenfalls zu tun haben würden. Nämlich, seinen Beitrag zu leisten, dass der Laden weiterhin brummt. Solange sich die Jungs von der CSU in Katar die Klinken in den teuersten Hotels der Welt in die Hand geben, Merkel fleissig mit riesigen Delegationen durch China tourt, und sich alle regelmässig in Saudi-Arabien zum Plausch mit den Machthabern eines der autokratischsten Länder dieser Erde treffen, gibt es nur äusserst wenig moralische Substanz hinter den Werturteilen, die über Schröder abgegeben werden. Man mag sich eine bessere Welt erbasteln, indem man alle Guten von allen Bösen säuberlich trennt, aber das ist letztendlich Denke in kindlicher Primärprozesshaftigkeit. Es dient unserer Selbstbeglückung, wie ein Schnuller. Was zwar zur Merkel-Dekade passt, wir aber wieder so langsam ablegen müssen.

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