Forum: Politik
Rückkehr in den Kalten Krieg: Denn sie wissen nicht, was sie tun
DPA

Markige Worte und militärische Manöver: An ihrer Ostgrenze will die Nato gegenüber Russland jetzt Stärke zeigen. Der Kalte Krieg ist zurück. Nicht mal 25 Jahre hielt die Entspannung.

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Emil Peisker 04.09.2014, 20:55
550. Ihre Prinzipien verloren...

Zitat von multi_io
"Rückkehr in den Kalten Krieg: Denn sie wissen nicht, was sie tun" Wir (der Westen) haben den ursprünglichen kalten Krieg nicht deswegen beendet, weil wir bis dahin nicht gewusst hätten, was wir taten, und dies nun plötzlich erkannt hätten. Wir haben den kalten Krieg beendet, weil die geänderten Rahmenbedingungen dies zuließen. Wenn sich die Rahmenbedingungen wieder zurückändern, kehrt auch der "kalte Krieg" zumindest in irgendwelchen Teilaspekten wieder zurück, ganz einfach. Der Westen hat sich den kalten Krieg nicht ausgesucht, er wurde ihm aufgezwungen.
Werter Herr Augstein.

Was reitet Sie, den Kurs Putins nicht als Ursache der jetzigen Krise zu erkennen?

Die gesamte Linke in Deutschland leidet an der selben Blindheit.
Ihre Fähigkeit zur scharfen Analyse, die ich immer bewunderte, ist Ihnen komplett abhanden gekommen.

Wachen Sie auf, Putins Spiel ist reine Machtpolitik. Ihr Verständnis für sein Treiben, besonders Ihre Bemerkung, bei der Ukraine sei Schluss, ist die uverblümte Anerkennung der Ansprüche Putins gegenüber einem souveränen Staat.

So klangen Chamberlain und andere auch, die den Tschechen klarmachten, dass Hitler "nur" seine Sudetendeutschen "schützen" wolle.

Es gibt keinerlei Recht der Russen die Ukrainer aus der EU zu halten. Das "bis hierher und nicht weiter" ist völkerrechtswidrig und wir sollten es lauter sagen.
Sie haben aus irgendeinem Grunde Ihre Prinzipien verloren, hoffentlich finden Sie sie wieder.

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k.g.sturm 04.09.2014, 21:00
551. Augstein Logik

Augstein, der Mann mit der kapitalen Wahrnehmungsstörung. Die völlig richtige Argumentationskette mit den Fehlern der EU-Osterweiterung und dem Assoziierungsabkommen bricht zusammen mit Putins Reaktionen der letzten Wochen. Die EU hatte inzwischen seine Befindlichkeit verstanden. Sehr spät aber doch. Mit Sicherheit wäre eine für beide Seiten mit der Ukraine eine vernünftige Regelung gefunden worden. Aber nein, Herr Putin will mehr, will seine Stärke zeigen, die Gegner an die Wand fahren lassen. Kindisch und dumm. Was er damit erreicht? Er sät Angst bei den Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts. Er erreicht, dass die Ukraine jetzt erst reicht in die EU und Nato will. Glückwunsch Herr Putin.

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passagier1 04.09.2014, 21:06
552. Die Grenzen des Westens

Zitat von Newspeak
Soll man Putin, der bei aller Kriegsrhetorik der NATO der Verursacher dieser Krise ist (immerhin können sich souveräne Staaten selbst ihre Bündnisse aussuchen, auch die Ukraine) klein beigeben?
nun ja, dies ist eben ein Grund für den Bürgerkrieg. Es ist eben n i c h t so klar, dass sich die gesamte Ukraine der EU und Nato anschließen möchte. Als sich abzeichnete, das die Ukraine unter Jakunowitsch nicht der westlichen Attraktivität erliegt, wurde dieser aus dem Amt gejagt und durch geneigtere Personen ausgetauscht (Jatze macht's). Auch die Überzeugungskraft von Waffen, konnte die Ostukrainer nicht vom Gegenteil überzeugen. Zu hunderttausenden flohen diese eben in die andere Richtung. Gekränkte Eitelkeit auf der westlichen Seite und Großmachtgehabe auf der russischen Seite befeuern diesen Konflikt, der nach wie vor ein innerukrainischer ist.

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GustavMager 04.09.2014, 21:11
553. Falsche Perspektive.

Der Autor schreibt: "Die Wahrheit ist: Putin hat lange zugesehen, wie ihm Nato und EU immer näher rückten. Bei der Ukraine war Schluss. Der Westen musste das wissen...."

Damit hat er aus Sicht von P. vielleicht sogar recht. Nur: wer außer Putin selbst ist verpflichtet, auf dessen Albträume zu reagieren?

Warum braucht Putin Verständnis für seine Ängste, dass die Ukrainer so leben wollen wie wir und daher angeblich seine Einflusssphäre stören?

Ein Linker wie Augstein muss doch eigentlich die Wünsche der ukrainischen Bevölkerung mehr respektieren als die Paranoia eines der normalen Welt entkoppelten Alleinherrschers.

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lavoisier 04.09.2014, 21:13
554. Herr Augstein

Ihr Artikel ist wirklich lesenswert und hebt sich wohltuend ab von dem restlichen Müll den die anderen Zeitungen (Insbesondere die Herren von der FAZ) publizieren ab. weiter so, ich bin ein echter Fan von Ihnen

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sch123 04.09.2014, 22:54
555. ...

Zitat von Emil Peisker
Werter Herr Augstein. Was reitet Sie, den Kurs Putins nicht als Ursache der jetzigen Krise zu erkennen? Die gesamte Linke in Deutschland leidet an der selben Blindheit. Ihre Fähigkeit zur scharfen Analyse, die ich immer bewunderte, ist Ihnen komplett abhanden gekommen. Wachen Sie auf, Putins Spiel ist reine Machtpolitik. Ihr Verständnis für sein Treiben, besonders Ihre Bemerkung, bei der Ukraine sei Schluss, ist die uverblümte Anerkennung der Ansprüche Putins gegenüber einem souveränen Staat. So klangen Chamberlain und andere auch, die den Tschechen klarmachten, dass Hitler "nur" seine Sudetendeutschen "schützen" wolle. Es gibt keinerlei Recht der Russen die Ukrainer aus der EU zu halten. Das "bis hierher und nicht weiter" ist völkerrechtswidrig und wir sollten es lauter sagen. Sie haben aus irgendeinem Grunde Ihre Prinzipien verloren, hoffentlich finden Sie sie wieder.
Sie übersehen, dass in der Ukraine bei Weitem nicht die Einigkeit herrscht, die sie hier unterstellen.
Sie vergessen, dass in der Ukraine momentan eine Regierung das eigene Volk in den Städten mit schwerer Artillerie beschießen lässt, von denen viele ethnische Russen sind.

Und Putin mit Hitler zu vergleichen ist schon sehr geschmacklos.

Vielmehr ist es doch so, dass Deutschland nun auch mit Material Faschisten in der Ukraine unterstützt, die Russen angreifen. (Ja, viele Batallione sind ultranationalistisch, gelinde gesagt) Und für meinen Geschmack schreien viel zu viele in Deutschland Hurra, oder fordern gar noch stärkeres Engagement und Eskalation und sehnen sich nach der harten Hand gegenüber Putin. Sicherlich ist der auch kritisch zu sehen, aber hierzulande sollten sehr viele mal einen Gang runterschalten und nicht so geschichtsvergessen sein...

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erfurter66 04.09.2014, 22:56
556. Früher oder später..

... werden wir blöden Menschen uns gegenseitig ausrotten. Und warum? Weil die meisten mehr haben wollen als die anderen, mehr Geld, mehr Macht, mehr Einfluss und schön das eigene Scheißego befriedigen. Wir werden es nicht mehr lernen. Die Mittel zur Ausrottung sind ja ausreichend vorhanden. Unsere armen Kinder!

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sierrabravofour 04.09.2014, 22:58
557.

Zitat von bosemil
Zuerst wurde der russische Bär von der EU und Nato so lange gereizt bis er aus seiner Höhle gekrochen kam. Jetzt fallen alle aus den Wolken und wundern sich daß ihn nicht wieder zurück bekommen. Hat man alles vergessen? Lernt man denn im Westen NIE ?
Glauben Sie wirklich das Geschwätz vom russischen Bär?
Der ist alt und hat nur noch ein zwei funktionierende Zähne. Man ist in Russland jetzt unheimlich stolz das man gegen die UAF Erfolge feiert. Der Bär kann also gerne aus der Höhle kommen und versuchen mit der NATO zu spielen. Die wird sicher gerne sein Fell an die Wand nageln.

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alexschäfer 05.09.2014, 23:00
558. Danke - ordentlicher Artikel

Ist ja komisch das der Kosovo anerkannt wurde obwohl Jugoslawien bzw. SCG ebenfalls ein souveräner Staat war - wo blieben da die Aufreger? Wie war da die Argumentation - die Macht des Faktischen? Nun ja dann gibts ja keine Fragen. Neurussland wäre dann der neueste Staat. Merkel und Co haben uns in diese Krise geführt und ich hoffe nur das wir im kommenden Winter keinen kalten Hintern bekommen.

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andreasmanni 05.09.2014, 23:03
559. Die Fatalität der Spieltheorie

Guter Kommentar von Jakob Augstein, der auf die unselige "Spieltheorie" als geistigen Hintergrund für das Handeln der USA aufmerksam macht:
"Das Denken des Kalten Krieges folgte der ausweglosen Logik der Spieltheorie: Rechne stets mit den schlechtesten Absichten und den besten Fähigkeiten deines Feindes. Jetzt wird wieder so gedacht."
Die "Spieltheorie" baut auf dem logischen Egoismus als einziger Konstanten auf. Daher wird sie dem komplexen realen Geschehen nicht gerecht und wirkt sich fatal aus.

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