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Russlands Strategie auf der Krim: "Was der Westen denkt, ist Putin inzwischen egal"
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Moskau handelt auf der Krim schnell, hart und ohne Rücksicht auf den Westen. Putin wolle Fakten schaffen, sagt Dmitrij Trenin vom Moskauer Carnegie-Center. Zur Ukraine habe er kein Vertrauen mehr - und sein Image in Europa sei ihm egal.

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skeptikerjörg 01.03.2014, 13:45
80. Realpolitik

Putin spielt hinsichtlich der Krim also das Süd-Ossetien und Abchasien Szenario: Bedrängte und in ihren Rechten bedrohte ethnische Russen rufen das "Vaterland" zur Hilfe. Sollte er damit durchkommen, stellt sich die Frage, was das sogenannten Budapest Memorandum von 1994, in dem USA, UK und Russland die territoriale Integrität und Sicherheit der Ukraine garantiert haben - übrigens im Gegenzug zum ukrainischen Verzicht auf die seinerzeit vorhandenen ca. 450 Nuklearwaffen.
Und was ist mit den 52% Nicht-Russen auf der Krim? Wer fragt, was die wollen?
Hätte die EU Rückgrad, würde sie Herr Putin in Aussicht stellen, sämtlich wirtschaftlichen Kontakte zu unterbrechen, wenn Russland die Abspaltung der Krim von der Ukraine betreiben sollte und wenn Russland nicht umgehend seine Streitkräfte auf der Krim zurück in ihre Kasernen beordert. Aber wer hat schon politisch Rückgrad, wenn seine wirtschaftlichen Interessen massiv tangiert wären, wenn man sich von russischem Gas und Öl abhängig gemacht hat, wenn Russland ein wichtiger Exportmarkt ist?
Also wird man mal wieder Krokodilstränen weinen, die Ukraine bedauern, Putin 4 Monate lang nicht zum Galadinner einladen und dann zur Tagesordnung übergehen. Realpolitik eben.
Das Schlimme ist, dass es absehbar war. Wer die "altrussische" Propaganda der letzten Wochen in den russischen Staatsmedien verfolgt hat, war gewarnt, reagiert hat niemand.
Aber laut Gerhard Schröder ist Putin ja ein lupenreiner Demokrat, mit dem sich eben gut Geschäfte machen lässt.

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matijas 01.03.2014, 13:48
81. Freiheit

Zitat von MephistoX
Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sehen jedenfalls anders aus und ich kann die derzeitigen Freiheitsbestrebungen der Ukrainer mehr als nachvollziehen !
Sie meinen damit aber nicht, dass das Verbot des Russischen als zweite Amtssprache eine Provokation ist?
Sie meinen vermutlich auch nicht, dass das angedrohte Verbot der russisch-orientierten Parteien eine jetzt schon stattfindende Behinderung von freien Wahlen ist?
Sie meinen wahrscheinlich auch nicht das Recht der Krim, selbst über den eigenen Status zu entscheiden?

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Peronitas 01.03.2014, 13:48
82. No Spy Abkommen

Wie wäre es mit einem No-Spy-Abkommen mit Russland und seitens der EU mehr Kooperation mit jenen? Die USA fallen uns zunehmend in den Rücken und verarschen uns wo es nur geht. Russland mag hart sein, wenigstens zeigen sie es offen und sind nicht so falsch wie die Amis

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doubletrouble2 01.03.2014, 13:49
83. Ein Krim-Krieg lohnt sich nicht.

Ein solcher Konflikt käme den Westen teuer zu stehen und Putin müsste ihn unbedingt führen, sonst könnte er abdanken. Der Preis für die Krim muss aber eine NATO-Mitgliedschaft der Rest-Ukraine sein, sonst wird der russische Machthaber noch größenwahnsinnig. Letzten Endes muss er dann mehr Geld für seine Armee ausgeben und es bleibt abzuwarten, wie lange er das durchhält. Mittelfristig aber erlangt er in Russland den Status eines Gottes oder eines Hundes, je nach Ausgang des Konfliktes.

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hdwinkel 01.03.2014, 13:50
84.

Zitat von Drunken Masta
...Und an die ganzen Russlandversteher: Wie kann man so jemanden gut heißen, der systematisch das bisschen Demokratie wieder abbaut und die Redefreiheit unterdrückt? Wollen sie lieber so leben? Oder ist das alles schön weit genug weg und es ist irgendeine seltsame Form des Frustabbaus gegenüber dem eigenen Staat, der natürlich auch nicht alles richtig macht?...
Was verstehen Sie selbst denn von Rußland?
Glauben Sie wirklich, daß das russische Volk seinen 'Diktator' hasst?
Dann sollten Sie sich einfach mal mit tatsächlichen Russen unterhalten.
Die Opposition in Rußland ist nicht deswegen ein kleines Häuflein (daß zur Hälfte auch noch aus Radikalen besteht) weil sie so unterdrückt wird. Das ist gar nicht nötig. Die Menschen haben einfach noch nicht vergessen, wie es ihnen in der Ära Jelzin ergangen ist, wie ein Ex-Botschafter konstatiert:

"1998 platzte die Blase, der Staat war bankrott. Die Wirtschaft brach um mehr als die Hälfte zusammen. Die Auswirkungen ließen sich sogar an der sinkenden Lebenserwartung (Männer von 64,8 auf 57,7 Jahren) ablesen. 1995 lebten 50% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, 21 Millionen unter der Hungergrenze. "
https://www.uni-hildesheim.de/fb1/in...-perspektiven/
DAS war die vom Westen forcierte Einführung der Marktwirtschaft in einer Art Schockstrategie.

Alles das macht Putin nicht besser als er ist, sollte aber unser eigenes Handeln mal etwas überdenken. Es könnte z.B. keine so gute Idee gewesen sein, der griechischen Bevölkerung tatsächliche Hilfen vorzuenthalten:
" Folgen der Sparpolitik: Säuglingssterblichkeit in Griechenland steigt um 43 Prozent"
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...-a-954879.html
Und auch für die Ukraine ist exakt dieselbe Politik zu erwarten.
Tolle Werbung für unser ach so überlegenes demokratisches Gesellschaftsmodell...

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global player 01.03.2014, 13:51
85. Machtpolitik

Zitat von Ex-Jugoslawe
Jemand aus EU oder USA soll dem Welt erklären warum sie jetzt Russland an die Int. regeln Erinnern und warum sie die selbe regeln nicht befolgt und eingehalten haben im falle von Ex-Jugoslawien und 1999 im falle von Serbien wo sie eigenmächtig agiert haben und gegen Internationalem recht das Kosovo von Serbien getrennt haben.
Die gleiche Frage kann man an den Westen bezüglich Abchasien stellen, dessen Unabhängigkeit er nach der Abspaltung von Georgien nicht anerkannt hat, obwohl dieser Fall mit dem Kosovo vergleichbar war, das anerkannt wurde. Es geht in der Politik eben nicht um Gerechtigkeit oder gleiche Prinzipien sondern um die Erhaltung oder Ausweitung des eigenen Machtbereichs.

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nuschem 01.03.2014, 13:51
86. Lössbar ?

Seit Tagen ist recht genau beobachtbar das Putin gar nicht interessiert ist an einer friedlichen Lössung. Er wird die Ukraine nicht gehen lassen. Die Krim ist hier der Hebel mit dem er ansetzen wird. Da die Nato und die USA sich in appaesment übt kann er schalten und walten. Klar erkennbar sind seit Tagen sieht die Weltöffentlichkeit zu wie Truppen ohne Kennzeichnung wichtige Strategische Punkte übernehmen die für eine schnelle invasion nötig sind.
Nähmlich die Millitärflugplätze. Nun werden pseudopolitische voraussetzungen geschaffen. Wie die forderung der Duma genauso wie das bitten der Russen auf der Krim. Dies alles erinnert irgentwie doch sehr stark, und das nicht erst seit der Olympischen Spiele an die zustände in Europa ab 1936. Dahinter steht ein starkes China das in ruhe beide seiten machen lässt. Wann und wie reagieren die Nato und die USA entlich ? Und zwar auch als Millitärbündniss ?

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ernie78 01.03.2014, 13:53
87. Putin finde ich glaubwürdiger als die usa...

die usa bezeichnen sich als freund aber belauschen, spioneren uns bis auf das knochenmark.

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radostinsommerwald 01.03.2014, 13:57
88. Treffer

Zitat von Leser_M
unabhängig davon was der politische Westen will (ich vermute mal die entspricht in den meisten Fällen nicht den Interessen der Bürger) Man beachte auch die konkrete Kritik an den europäischen Medien.
Die westliche (Aussen-)Politik geht inzwischen systematisch an den Interessen der bürger vorei. Die Bürger haben Interesse an einem zuverlässigen Staat und einem starken Mittelstand. Derzeit läuft es auf eine Oligarchie der Megakonzerne und vor allem des Finanzsektors inner der geplanten "Freihandelszone" USA/EU hinaus, in welcher staatliche Gerichte durch "Schiedsgerichte" ersetzt werden. Russland ist das Gegenmodell zu einer solchen Entwicklung: Nationalstaat plus unternehmerische Freiheit plus persönliche Freiheit.

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maburayu 01.03.2014, 13:57
89.

Zitat von L_Kaiser
Bitte informieren Sie sich erst bevor Sie schreiben - bei der Krim handelt es sich um eine autonome Republik. Diese genießt weitgehende Sonderrechte - wohne selber in der Ukraine und habe auf der Krim Immobilienbesitz. Die Regierung dieser autonomen Republik erkennt die neue Führung nicht an. Und ob diese juristisch rechtmäßig legitimiert ist, ist auch nicht so klar wie es viele westler gerne hätten. Diese Krimregierung hat Russland offiziell um Unterstützung gebeten. Hat russland einen noch 25 Jahre geltenden Vertrag bezüglich Truppenstationierung auf der Krim. Ihre Darstellung mag sich mit großen Teilen der deuschen Medienlanschaft decken aber Sie enstpricht nicht der Realität. Viele Grüße aus der Ukraine
Wenn Sie so ein Bescheidwisser sind, dann können Sie mir ja auch sagen, warum die Krim um militärischen Beistand bittet, ohne dass sie wirklich von der Ulraine bedroht wird. Die hat ja zur Zeit wahrlich anderes zu tun? Also für mich sieht das eher nach einen guten Zeitpunkt aus, die Krim zurück ins Reich zu holen. Schon die demonstrative militärische Besetzung des Parlaments der Krim spricht nicht wirklich für eine Reaktion auf eine Unterdrückung aus de ukraine, sondern nach Fakten schaffen und hier eben russische.

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