Forum: Politik
Sarrazin-Debatte: Die Gegenwut

Wegen seiner polemischen Muslim-Schelte steht Thilo Sarrazin am Pranger, aber eines begreifen seine Kritiker offenbar nicht. Der Provokateur verkörpert etwas, das sich nicht ausgrenzen lässt: die Wut*von Leuten,*die es satt haben, für ihre Integrationsangebote beschimpft zu werden.

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cosmopolit2010 06.09.2010, 17:13
110. sonnenklar

Selbstverständlich hat der Autor recht.

Das laissez-faire der Vergangenheit nützt niemandem. Jetzt gilt es zu handeln um größere Probleme in der Zukunft zu vermeiden.

Aus meiner Sicht das wichtigste:
- Mehr Lehrer/innen
- Mehr Kindergärtner/innen
- Kinderkarte nach dem Stuttgarter Vorbild für ALLE Kinder

Unterm Strich eine positive, gesellschaftsübergreifende Sozialisierung der Kinder.

Für obige Zwecke muss einfach mal Geld in die Hand genommen werden. Ansonsten laufen duch Versäumnisse in Zukunft immer mehr Kosten auf.

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jim_nihilist 06.09.2010, 17:13
111. Deutschlehrer bitte sammeln

Zitat von duk2500
Man liest zweimal und ist immer noch erstaunt: Es gibt im SPON doch noch objektiven, mainstreamkritischen, aufklärerischen Journalismus.
Ein Kommentar ist eher selten objektiv. Aufklärerisches konnte ich auch nicht erkennen. Mainstreamkritisch sein in einem Mainstreammagazin - das soll mir mal einer zeigen.

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Gabri 06.09.2010, 17:14
112. Titel

Zitat von mbschmid
Ich stelle mir gerade vor, ich wäre gut integrierter türkischer Einwanderer, zahle hier Steuer, bin noch nie dem Staat zur Last gefallen, meine Kinder machen Abitur. Warum soll ich mich mit irgendwelchen dummen Leuten beschäftigen blos weil sie meine Landleute sind? Und natürlich werde ich sauer, wenn mich jemand mit denen genetisch in einen Topf wirft und behauptet ich mache das Land kaputt in dem ich lebe. D
Ja warum? Aber warum sollen sich Deutsche, die, sagen wir mal, ab 1930 geboren sind, also unsere Großeltern, Eltern, ja sogar unsere Kinder immer noch für Gräueltaten entschuldigen oder diese sühnen, die eine Generation davor begangen hat?

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standuke 06.09.2010, 17:14
113. Danke für diesen Beitrag.

Zitat von sysop
Wegen seiner polemischen Muslim-Schelte steht Thilo Sarrazin am Pranger, aber eines begreifen seine Kritiker offenbar nicht. Der Provokateur verkörpert etwas, das sich nicht ausgrenzen lässt: die Wut*von Leuten,*die es satt haben, für ihre Integrationsangebote beschimpft zu werden.
Sehr richtig. Diesem Kommentar möchte ich noch Folgendes hinzufügen: Die Reaktionen aus der Politik und den Medien in den letzten Wochen haben gezeigt, dass es den meisten, die TS und sein Buch/seine Thesen so vehement bekämpfen gar nicht um die Fakten geht. Den einen geht es um die Verschleierung Ihres Versagens, den anderen um die Auflage bzw. Einschaltquote.

Es ist schlicht erbärmlich, wie die Meinungsfreiheit in diesem Land von den höchsten Amts- und Würdenträgern mit Füssen getreten wird. Da wird ein Unbequemer schlicht abgewürgt und die Talkshows übertreffen sich in billigster Propaganda.

Gerade gestern noch durfte bei Anne Will (aber kann nicht) eine junge Türkin der dritten Generation als Vorzeigeobjekt herhalten.

Schade, dass sie sich dafür hergegeben hat, aber sie muss ja auch ein Buch promoten, also Schwamm drüber. Bei Beckmann vor einigen Tagen war es eine andere Dame, die als Beispiel für gelungene Integration diente, das war ebenso peinlich wie widerlich, weil es schlicht einem einzigen Zweck diente, nämlich diejenigen der Lächerlichkeit preiszugeben, die das Buch von Herrn Sarrazin nicht direkt in der Luft zerissen haben, sondern ernsthaft darüber diskutieren wollten.

Perfide Medienwirklichkeit, um genau diese gut integrierten Minderheiten, die sich da haben vorführen lassen geht es ja gar nicht. Es geht darum dass dies eben Minderheiten sind. Mann hätte vielleicht mal ein paar Szenen aus dem Nachmittagsprogramm der Privaten einspielen sollen, da wäre es dann klarer geworden, was Herr Sarrazin bemängelt.

Dank der Kommentarfunktion der Online Medien (schade dass es das für TV noch nicht gibt) fühlte man sich dennoch nicht ganz allein auf weiter Flur sondern man konnte bemerken, dass es weitere denkende Bürger in diesem Land gibt, die Probleme beim Namen nennen können und wollen.

Und erfreulicherweise habe ich nur sehr sehr wenige fremdenfeindliche, rassistische Kommentare lesen können. Teils war's wohl die Zensur, in dem Fall richtig so, in weiten Teilen habe ich aber das gute Gefühl, dass vor allem meine Generation (Jahrgang 67) durch die Gnade der späten Geburt (nach 45 und nach APO-Zeiten) weitaus weniger befangen ist und sich nicht mehr reflexartig der Rassismus-Nazi-Keule beugt.

Frau Merkel würde uns wohl gerne wieder umerziehen, und wir wissen ja wo das herkommt, doch das wird nicht mehr funktionieren.

Schön, dass dieser Kommentar die Angelegenheit wieder ein wenig ausgewogener macht. Schade, dass er so spät kommt.

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N.Elias 06.09.2010, 17:15
114. Schade,...

dass SPON wieder zur Verharmlosung des selbsternannten Eugenik-Experten übergegangen ist. Sarrazins Argumentation ist sozialdarwinistisch bis nationalsozialistisch. Beruhingen Sie sich: das hat nichts mit Nazi-Keule zu tun, sondern ist eine ganz nüchterne Einschätzung. Die Argumentation funktioniert doch so: Das "Volk" wird als biologisch konstitutierte "Volksgemeinschaft" beschrieben, die es vor minderwertigen Einflüssen zu schützen gelte. Damit sind diemal nicht die Juden gemeint, sondern die per se degenerierten Muslime (Ausnahmen bestätigen die Regel). Dabei betont Sarrazin zu recht, dass es ihm in seinem Buch viel weniger um Genetik geht, als seine Kritiker behaupten. Nein, es geht die die bösen Werte, um kulturelle Vererbung "der Muslime", welche sich in einer Bildungsferne niederschlägt. Es geht um kulturell vererbte Dummheit. Der Volkskörper müsse vor diesen minderwertigen Einflüssen geschützt werden. Klingelt's?
Viele Sarrazin-Gegner machen nun den Fehler, Sarrazin nur auf der moralischen Ebene zu kritisieren. Zu Recht fragen sich seine Fans: Nur weil es nicht politisch korrekt ist, kann es ja trotzdem stimmen. Und genau das ist der Punkt, der mich stört? Warum wird jemand, der falsche Zahlen benutzt, wissenschaftliche Studien bis zur Unkenntlichkeit fehlinterpretiert und pseudowissenschaftliche Sozialdarwinisten zitiert, überhaupt noch ernst genommen? Man muss ihm doch seinen Pfusch um die Ohren hauen. Wo er Recht hat: Oberflächlich betrachtet sind die Muslime in Deutschland binldungsferner als die Nichtmuslime. Das ist richtig. Aber wenn man genauer hinschaut, machen Iraker, Iraner, Afghanen öfter Abitur als die Deutschen. Nur die Türken (das Gros der Muslime in Deutschland) fallen stark ab.
Am Islam kann es also nicht liegen. Interessante These, aber leider vollkommen unsinnig. Warum fallen also die Türken ab, kann man nun fragen? Das wäre wissenschaftlich etwas legitimer. Gut, aber muss man unseren türkischen Mitbürgern eine solche Debatte zumuten? Was haben wir davon? Der Grund liegt doch auf der Hand. Es waren nun einmal keine Akademiker, die in den 70er Jahren eingewandert sind. Aber auch die Gastarbeiter-Kinder können Akademiker werden. Das sieht man in allen europäischen Ländern, aber nur in Deutschland in zaghaften Ansätzen. Warum nicht? Fragen Sie mal die OSZE!

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Ylex 06.09.2010, 17:15
115. Ausgezeichneter Kommentar

Ein ausgezeichneter Kommentar, zugleich eine scharfe Analyse, die die deutsche Bevölkerungsmehrheit von der notorischen Unterstellung des Rassismus und des Chauvinismus überzeugend exkulpiert.

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waka waka 06.09.2010, 17:15
116. ...

Zitat von kiu77
gewissermaßen intelektueller Dünnpfiff. Matussek versteht sich ja als "positiver Deutscher", will im Klartext heißen: Neu-Deutschnationaler, der darauf besteht, dass man das auch noch gut finden können soll. Seine Art von Integration ist das beten von Rosenkränzen auf das Gefühl des Stolzes ein Deutscher sein zu können. Wie immer also oberpeinlich. Da schämt man sich dann Deutscher zu sein. Stolz wäre ich auf andere Aspekte statt dem Bewundern eines fies berechnenden Demagogen wie Sarrazin.
Geht's auch mit einer halben Begründung für den Nonsens?

"intelektueller Dünnpfiff" (mit übernommenen Schreibfehler) gestehe ich aber ihrem Beitrag - kiu77 - zu!

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Der Markt 06.09.2010, 17:15
117. Danke

"Es ist die Wut von Leuten, die es satt haben, als rückständig empfundene Praktiken in ihre Gesellschaft, die einen langen und mühevollen Prozess der Aufklärung hinter sich hat, zurückkehren zu sehen. Die es satt haben, für ihre Angebote an Eingliederungshilfen beschimpft und ausgelacht zu werden. Die es satt haben, über terrornahe islamistische Vereine zu lesen, über Ehrenmorde, über Morddrohungen gegen Karikaturisten und Filmemacher oder zu hören, dass auf Hauptschulhöfen "du Christ!" als Schimpfwort benutzt wird."

Danke, Herr Mattusek. Besser kan man es nicht sagen.

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vk64 06.09.2010, 17:15
118. ?

Zitat von Matussek
Es sind diese Passagen in Sarrazins Buch, die mir die interessantesten scheinen. In ihnen spricht sich die Melancholie darüber aus, dass die Deutschen nicht nur demografisch an ihrem Verschwinden arbeiten, sondern sich auch von ihren Bildungshorizonten verabschieden. Wer das rassistisch nennt, hat nichts kapiert.
Was verteidigt Matussek da eigentlich.?
Im oben kopierten Absatz von Melancholie dahingehend zu sprechen, dass die "Deutschen nicht nur demografisch an ihrem Verschwinden arbeiten" ist genau das, was zu Recht rassistisch genannt wird.

Nicht diejenigen, die das rassistisch nennen, haben nichts kapiert, wie Matussek sich echauffiert, sondern der Autor des Artikels selbst.

Wieso sollten die Deutschen denn demografisch verschwinden?

Haben wir nicht- als eines der letzten ziviliserten Länder der Welt- uns endlich vom jus sanguinis als dominantem Insdtrument der Staatsbürgerschaft verabschiedet?.

Warum sollten "die Deutschen!" aussterben?

Möglich, dass sich die häufigsten Vornamen etwas ändern- nicht mehr Justin und Kevin und Jaqueline, sondern Mehmet, Ahmet, Igor. Bis hierhin kann ich nur sagen: na und?

Auch die zweite geschürte Angst entspringt einer kaum noch nachzuvollziehenden Phantasielosigkeit- die Furcht vor der Verabschiedung von den (deutschen) Bildungshorizonten kann man nur noch als paranoide Wahnvorstellung bezeichnen, von krankhaftem Mißtrauen in die "urdeutsche" Bevölkerung sowie in die Zuwanderer geprägt.

Bildungsdefizite sind sowohl in sozial benachteiligten Gruppen der Bevölkerung, die man als "deutsch" im Matussekschen Sinne verstehen kann, wie auch bei Migranten, die überprportional häufiger sozial benachteiligt sind, festzustellen.

Das ist aber allenfalls eine Prekariatsdebatte, unabhängig vom Staatsangehörigkeitsrecht.

Natürlich müssen Defizite im Bereich der vorschulischen und der schulischen Erziehung schnellstmöglich ausgebügelt werden. Betroffen von diesen Defiziten ist aber eben nicht nur die jammernde Mehrheitsgesellschaft,die nun hofft, in Sarrazin einen neuen Heilsbringer gefunden zu haben, sondern die Individuen aus Migrantenfamilien selbst.

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass Sprache der Schlüssel zur Integration ist.

Nur, wenn ein Land wie die Bundesrepublik sich jahrezehntelang trotzig weigert, sich in blinder Realitätsverweigerung als Einwanderungsland zu verstehen,und den Zuwanderern das Gefühl gab, mehr oder weniger unerwünschte Gäste auf Zeit zu sein, braucht man nun nicht über die Folgen zu lamentieren.

Es ist richtig, Zuwanderern etwas abzuverlangen. Die dafür notwendigen Strukturen jedoch müssen von der Gesellschaft des jeweiligen Aufnahmelandes geschaffen werden.wer sich dann noch weigert, die Angebote der Gesellschaft anzunehmen, handelt in der Tat verantwortungslos.

Wir können konstatieren, dass sowohl im Bereich der Erkenntnisse wie auch der Umsetzung gute Fortschritte in Deutschland gemacht worden sind. Das Land befindet sich auf einem guten weg. Spät, aber noch lange nicht zu spät.

Dann kann Zuwanderung für alle Seiten ein gutes Geschäft sein.

Davon aber liest man doch bei Sarrazin und Matussek recht wenig.

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Pepinos 06.09.2010, 17:16
119. es hat seine Gründe

Es hat seine Gründe warum man in Deutschland ganz schnell unter "Gesinnungsverdacht" steht, wenn man das Wort "Jude" und "Gen" in den Mund nimmt. Und es hat seine Gründe warum man hierzulande nicht die Debatten um Leitkultur etc. führen kann, wie sie in anderen Ländern ganz normal sein mögen.

Das kann einem gefallen oder nicht, es kann einen anwidern, gar krank machen oder einfach nur langweilen - aber es ist nunmal so!! Ein Jahrtausendverbrechen ist nun mal nicht nach 65 Jahren vergessen und verarbeitet, zumal in fast jeder europäischen Familie noch zumindest die direkten Nachfahren derjenigen, die von Deutschen getötet oder gar abgeschlachtet wurden, leben.

Der Artikel ist eine sehr richtige Bestandsaufnahme, aber: Was soll das ganze Gejammere??? Das Ganze ist nun mal der Preis, den wir bezahlen müssen und noch sehr, sehr lange bezahlen werden - das liegt einfach in der Natur der Sache!! Sollen wir jetzt von irgendein imaginärs Welt- und/oder Gerechtigkeitstribunal, gar vor Gott treten und sagen: Wir halten das nicht mehr aus, bitte befreit uns doch von dieser unerträglichen Last, damit wir auch endlich wieder Wörter wie "Gen" und "Jude" in den Mund nehmen können und auf der Hand liegende Debatten führen können, so wie die anderen Völker auch??

Wir sind aber nunmal kein normales Volk - und so schnell werden wir das auch nicht werden. Das ist nunmal der Preis eines schier unausprechlichen Menscheitsverbrechens. Das Ganze hätte man sich vorher überlegen müssen!!! Und nicht jetzt wie ein kleiner Schuljunge weinen!

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