Forum: Politik
Sarrazin-Debatte: Die Gegenwut

Wegen seiner polemischen Muslim-Schelte steht Thilo Sarrazin am Pranger, aber eines begreifen seine Kritiker offenbar nicht. Der Provokateur verkörpert etwas, das sich nicht ausgrenzen lässt: die Wut*von Leuten,*die es satt haben, für ihre Integrationsangebote beschimpft zu werden.

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jolanda78 06.09.2010, 18:02
250. Und was jetzt?

Zitat von Baikal
... das sollen die Eltern machen und deshalb sollten auch nur noch Eltern einwandern dürfen die das auch können, die nicht mehr per Familiennachzug importiert werden und dann sofort in H4 landen. Alle anderen Länder bestimmen nach Punkt- oder anderen Systemen die genehmen Einwanderer, nur in hier wird eine Art Reservetürkei aufgeschlage, die Worte und Forderungen Erdogans sprechen dafür und für sich.
Sehr schön volle Zustimmung. Haben sie auch Vorschläge die keiner Zeitmaschine bedürfen? Ich weiss nämlich nicht, wie wir das hier ungeschehen machen sollen:
http://www.heise.de/tp/blogs/foren/S...19034527/read/

So und nun? Was machen wir JETZT mit denen die ihren Kindern ein Deutsch beibringen können? H4 kürzen ist keine Lösung, denn die meisten von denen bekommen kein H4, auch wenn einige ihnen das glauben machen möchten.

Ich bin schon gespannt auf ihre Antwort.

VG,
Jolanda

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Michael Giertz 06.09.2010, 18:02
251. Ein paar Worte zu "politische Korrektheit"

Zitat von sysop
Wegen seiner polemischen Muslim-Schelte steht Thilo Sarrazin am Pranger, aber eines begreifen seine Kritiker offenbar nicht. Der Provokateur verkörpert etwas, das sich nicht ausgrenzen lässt: die Wut*von Leuten,*die es satt haben, für ihre Integrationsangebote beschimpft zu werden.
Ich möchte die Gelegenheit einmal mehr nutzen, um ein Problem anzusprechen, was meiner Meinung nach in Deutschland schlichtweg jede Diskussion unmöglich macht.

Sarrazin mag ja polemisieren und übertreiben, er mag ungeschickt in seiner Wortwahl sein und zu sehr pauschalisieren. Seine Sprüche zum "Juden-Gen" sind jenseits des Akzeptablen. Und nicht jeder Muslim ist ein integrationsunwilliger Frauenunterdrücker, nicht jede Muslimin eine Kopftuchträgerin.

ABER: Sarrazin ist eben auch schlichtweg politisch unkorrekt. Er hat eine Debatte angestoßen, die längst überfällig war, nämlich die, ob unsere Integrationsbemühungen auch wirklich Erfolg haben. Ich sage mal einfach frei heraus, dass es eindeutig zu viele Fälle des Misserfolgs gibt, dass wir Parallelgesellschaften haben, dass nicht jeder Migrant sich integrieren lassen will sondern seinen eigenen Stiefel macht. Ich sage aber auch, dass es hunderttausende Migranten gibt, die sich perfekt in die Gesellschaft einfügen, die für mich eben genauso deutsche Staatsbürger sind, wie ein Bürger, der seine deutschen Ahnen bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen kann.

Politische UNkorrektheit hilft also möglicherweise brennende Themen endlich auf den Punkt zu bringen, ab dem Debatten sinnvoll sind. Probleme müssen einfach klar benannt werden, notfalls auch per Übertreibung, damit sie als Probleme wahrgenommen werden. Und das ist Sarrazin einfach gelungen - egal, ob er eigentlich nur Werbung für sein Buch machen wollte oder nicht.

Wenn also in Deutschland endlich mal Probleme angegangen werden sollen, dann sollten wir vielleicht anfangen, die "political correctness" regelmäßig fallen zu lassen. Ich habe da so einige Themen, wo sich das lohnen würde:

"Positive Diskriminierung" ist der politisch korrekte Begriff für "Diskriminierung aller anderen, die nicht der Randgruppe angehörig sind".
Gerade wenn ich da an "Quotenregelungen" und co denke, steigert sich bei mir regelmäßig die Wut - weil nicht mehr Wissen, Qualifikation und Leistungswille honoriert werden, sondern die Angehörigkeit zu einer bestimmten Randgruppe ausreichend ist, um z.B. einen Arbeitsplatz zu erwerben.

"Mindestlohndebatte" - wenn da mal endlich Tacheles gesprochen würde, wenn mit dem Finger auf jene Unternehmer gezeigt würde, die sich mit Händen und Füßen dagegen wehren, dann würde vielleicht endlich Bewegung in die Sache kommen. Fakt ist, dass nunmal, dass die "Kombilöhne" aus Lohn + Hartz IV schlichtweg sozial unzumutbar sind, weil sie den Erwerbstätigen als auch den Staat unzumutbar belasten.

"Rentnerdebatte" - auch hier brauchen wir endlich mal Klartext. Die Salamitaktik mag ja den Volkskörper für eine Weile ruhig halten. Aber wie wäre es einfach mal mit schonungsloser Ehrlichkeit? Die Renten sind nicht sicher, die Finanzierung steht auf tönernen Füßen. Wir, die jetzt erst um die 30 Jahre alt sind, werden auch nicht mit 70 in Rente gehen dürfen, wenn sich nicht auf der Einnahmenseite irgendwas ändert.

Und derer Themen gibt es viele. "Political Correctness" mag ja die Seele streicheln - aber die Wahrheit ist es nicht.

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Strichnid 06.09.2010, 18:03
252. ...

Zitat von fiutare
Ich glaube Ihnen gerne, dass Sie Ihre Migration als vorbildlich und gesellschaftsdienlich ansehen. Was haben Sie dafür bei Ihren Landsleuten getan?
Was tun Sie bei Ihren Landsleuten, um auf weniger Diskriminierung deutscher Türken am Arbeitsmarkt und am Wohnungsmarkt hinzuwirken?

Und warum ist jeder für "seine Landsleute" verantwortlich?

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mbschmid 06.09.2010, 18:03
253. Ja, das sage ich gern aus vollem Herzen.

Zitat von Wer ich wirklich bin
Wie üblich bei Sarrazin-Fans. Keinerlei Argumente. Außer natürlich: Man hatt die Moslems satt. Das will man halt endlich wieder sagen dürfen.
Die Religionszugehörigkeit kann, im Gegensatz zur Nationalität jeder sehr frei wählen. Nationalität auch, aber ist schwieriger. Nichts also gegen türkische Atheisten. Aber Moslems, ja da sage ich die habe ich satt bis oben hin.
Und es ist mir ziemlich egal, wie gemässigt der Islam ist, den jemand vertritt. Jede Religion ist eine Katastrophe, aber unter dem Dach des Islams gibt es mit Abstand die schlimmsten Auswüchse. Und kaum Moslem grenzt sich richtig ab und sagt ich vertrete den Islam X und nicht den Islam Y von Saudi Arabien, wo Minderheiten im Namen der Religion gefoltert werden (von Terroristen muss ich gar nicht erst reden).
Und darum, ja, ich habe den Papst schon satt und wie, die Moslems aber doppelt und dreifach. Und solange die Moslems alles tun, damit ich nicht zwischen roten, grünen und blauen Moslems unterscheiden kann, so wie die Christen dafür sorgen, dass ich zwischen Katholiken, Protestanten und fundamentalistischen U-Booten unterscheiden kann, so lange habe ich eben alle Moslems satt.

Und damit bitte kein Missverständnis aufkommt. Wenn den da ein gebürtiger Türke ist, der in etwa so oft in die Moschee rennt, wie sein auf dem Papier christlicher Nachbar, nämlich so gut wie nie, und mehr an seinem Bankkonto als an seinem Seelenheil interessiert ist, dann werde ich mich mit dem sicher bestens verstehen. Aber wenn einer schon betonen muss, dass er Christ, Moslem oder Jude ist, dann gehe ich persönlich in Deckung. Ich habe sie wirklich echt alle satt, so wie sie da sind.

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mistersteve 06.09.2010, 18:03
254. So nicht ....

Zitat von air plane
und paradoxerweise sind es ja die rot-grünen werte, die durch die mäßig-integrationswilligen, die gegenstand des themas sind, negiert werden. ist doch irre: wir linken/grünen setzen uns für "die" ein, und zum dank erhalten wir blanke verachtung.
Das habe ich seit den allerersten Anfängen, als die Problematik mit GEWISSEN Einwanderern (es sind ja weder alle Einzelpersonen noch alle Volks- oder Religionsgrupen betrofffen, gottseidank) thematisiert wurde, NIE verstanden.

Wie kann man einerseits gewisse gesellschaftliche Errungenschaften (wie allein schon bei der gesellschaftlichen Stellung der Frau oder anderen Aspekten der Geschlechterrollen) verfechten und andererseits bei bestimmten Einwandererkreisen, bei denen genau hier eine fast noch archaische Denke herrscht, alles relativieren, verniedlichen und mit einem Mantel des gutmenschlichen Friede-Freude-Eierkuchen überdecken wollen?

Zitat von harrold
Wieso verlogen? Dass die "Elite" es ernst meinen könnte mit ihrem Humanismus und mit der Toleranz gegenüber Migranten kommt Ihnen nicht in den Sinn? Das lässt tief blicken, sorry.
Toleranz gegenüber Intoleranz? Auch DAS lässt tief blicken, sorry.

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Joern-Michael 06.09.2010, 18:03
255. Krokodilstränen und Rolle rückwärts

Zitat von sysop
Wegen seiner polemischen Muslim-Schelte steht Thilo Sarrazin am Pranger, aber eines begreifen seine Kritiker offenbar nicht. Der Provokateur verkörpert etwas, das sich nicht ausgrenzen lässt: die Wut*von Leuten,*die es satt haben, für ihre Integrationsangebote beschimpft zu werden.
Na, lieber SPIEGEL/SPON...? Krokodilstränen und Rolle rückwärts?

An der auf einmal beklagten politsch-korrekten Schlammschlacht gegen Sarrazin a la

"Die Feuilletonisten der "Zeit" rufen igitt und die bei der "FAZ" verdammen bei Sarrazin besonders jene anstößigen Passagen, die er nicht geschrieben hat, aber eigentlich hätte schreiben wollen, und die also erst mühsam konstruiert werden mussten, was sicher eine Heidenarbeit war."

habt Ihr fleissig mitgemacht.

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Ylex 06.09.2010, 18:04
256. Wulff sitzt in der Falle

Zitat von hometiger
a) Angenommen, Wulff bestätigt die Abberufung: Dann würde er sich endgültig zum überflüssigsten Amtsträger der Bundesrepublik machen. b) Angenommen, Wulff weist die Abberufung zurück: Es wäre eine Ohrfeige für das Kanzleramt... ...Nun wird sich zeigen, ob Wulff "Format" oder "Rückgrat" hat.
Stimmt - Wulff sitzt in der Falle. Vielleicht weiß ja sein alter Kumpel Maschmeier Rat - der kennt sich aus mit haarigen Situationen.

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botok01 06.09.2010, 18:04
257. gelungene Integration

Ich las heute in einer Tageszeitung, der Ob-Mann der SPD-Grundsatzkommission gehe davon aus, 95 % der hier lebenden Migranten seien hervorragend integriert.
Wo sind diese Integrationswunder?

Die Debatte, die Sarazin angestoßen hat, ist nützlich, auch wenn man seine Auffassungen nicht im Detail teilt.
Sie legt nämlich den Finger in die Wunde. Die Integration, die lange Zeit auch gar nicht gewollt war, ist nicht nur misslungen. Sie findet bis auf wenige Ausnahmen schlicht nicht statt.
Auch wenn es Herr Erdogan nicht gerne hört. Integration bedeutet auch Assimilation. Wir können uns wachsende Parallelgesellschaften nicht leisten.

In diesem Sinne ist dem Autor des Artikels zu danken. Die veröffentlichte Meinung, die aus jedem, der sich kritisch mit dem Thema auseinandersetzt, einen Nazi oder wahlweise Ahnungslosen macht, ist unerträglich.

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Gesine Ungefragt 06.09.2010, 18:04
258. Zwischenruf von Max Goldt

Da das Wort hier so oft und so gerne verwendet wird, hier mal ein kleiner EInwurf aus der modernen Etikette.

Was man nicht sagt:

"Gutmensch: Die Kritik an denen, die es mit der political correctness übertrieben haben, war berechtigt, und diejenigen, die das Wort "Gutmensch" prägten, sind keine schlechten Menschen. Der Begriff ist inzwischen aber in der rechten Ecke angelangt, wo er zum Diskreditieren jeder emanzipatorischen Bewegung, jeder Form von "Weltverbesserung" verwendet wird."


(Aus: Max Goldt: Wenn man einen weissen Anzug anhat. Ein Tagebuch-Buch. Reinbek b. Hamburg 2002, S. 54.)

Dient hier nur zu Selbstaufklärung, nicht zur breiten Diskussion, da ja anscheinend sich hier alle einig sind, wie es sich gehört.

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Sapere aude 06.09.2010, 18:04
259. Ach...

Zitat von Baikal
... das sollen die Eltern machen und deshalb sollten auch nur noch Eltern einwandern dürfen die das auch können, die nicht mehr per Familiennachzug importiert werden und dann sofort in H4 landen. Alle anderen Länder bestimmen nach Punkt- oder anderen Systemen die genehmen Einwanderer, nur in hier wird eine Art Reservetürkei aufgeschlage, die Worte und Forderungen Erdogans sprechen dafür und für sich.
In anderen Ländern gibts z.B. auch Pflichtkindergärten ab 3 Jahren, mit Ausländerquoten. Da lernen Ausländerkinder spielend die Landessprache und sind beim Schuleintritt nicht mehr von Einheimischen unterscheidbar. "Das" ist echte Integrationspolitik. Aber genau das wollen die meisten der Leute die sich jetzt so ereifern ja gar nicht. Pflichtkindergärten? Um Gottes Willen! Gar noch umsonst? Das ist ja Kommunismus! Und Ausländerkinder in die schicken Kindergärten in den Mittelstandsvororten? Dann ist endgültig Schluß.
Andere Länder sind uns Jahrzehnte voraus! Und unser wohlfeiles Gequatsche von Integrationspolitik ist ahnungslose Selbstbeweihräucherung.

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