Forum: Politik
Sarrazin-Debatte: Die Gegenwut

Wegen seiner polemischen Muslim-Schelte steht Thilo Sarrazin am Pranger, aber eines begreifen seine Kritiker offenbar nicht. Der Provokateur verkörpert etwas, das sich nicht ausgrenzen lässt: die Wut*von Leuten,*die es satt haben, für ihre Integrationsangebote beschimpft zu werden.

Seite 34 von 169
emdemuc 06.09.2010, 18:24
330. Ja, aber

Zitat von DrNo
(...)Da haben sich dann in der relativ eingegrenzten Population Eigenheiten im Genpool herausgebildet oder bewahrt. Eine Vermischung der Volksgruppen gab es früher viel seltener als heute. Die Globalisierung und die Möglichkeit einfach und schnell weit zu Reisen gab es früher nicht. Eine Durchmischung von Volksgruppen kam dadurch seltener vor.
Ja und Nein. Natürlich gabe es (insbesondere vor der Aufklärung) weniger Durchmischung der Volks- und Religionsgruppen. Aber im 19. und 20. Jahrhundert gab es doch insbesondere in Deutschland eine große Zahl von "Mischehen", was ja auch durch die Nürnberger Rassegesetze und ihre Definition von "Mischlingen ersten und zweiten Grades" dokumentiert ist. Aus Populationsgenetischer Sicht sind natürlich ein paar Generationen nichts. Aber eine differenzierte Sichtweise wäre es ja gewesen, die Herrn Sarrazin davon abgehalten hätte, Studien zu polemisieren, die er weder gelesen (wahrscheinlich) noch verstanden (sicher) hatte.


Zitat von
Was viele auch vergessen ist, dass es das Recht auf Religionsfreiheit erst seit relativ kurzer Zeit gibt. Je nachdem, in welcher Familie man früher aufwuchs oder welcher Religon (z.B. Grafschaft, Königreich) der Landesherr angehörte, wurde einem die Religionszugehörigkeit vererbt. Das war auch bei den evangelischen oder katholischen oder orthodoxen Christen so. Erst heute kann man so nach Lust und Laune die Religion wechseln wie von einem Mantel zum anderen. Früher war die Religionszugehörigkeit fest mit der Familie und dem Volk, dem man zugehörte, verknüpft.
Wenn wir als so vermeintlich aufgeklärte diese Konnotationen jedoch zementieren statt einen strikt laizistischen Kurs zu fahren, dann bieten wir doch nur einen Deckmantel an. Die Debatte muss geführt werden, aber es muss doch auch klargestellt werden, dass in unserem Staat Staat und Kirche getrennt sind und man etwas falsch sieht, wenn man sich z.B. zuerst als Muslim sieht und die Regeln des Islam über die unseres Grundgesetzes stellt. Damit haben wir ein Problem, aber nicht weil Muslime ein bestimmtes Gen hätten...

Beitrag melden
phonoroid 06.09.2010, 18:24
331. Kulturschutz

Zitat von nocheinbuerger
Vielleicht sollte es als Hinweis genommen werden, daß Integration wie überall eine Bringschuld der Einwanderer ist. Alle Versuche, über mehrsprachige Formulare bei den Behörden, über "Integrationslotsen" oder milliardenteure Sprach- und Förderprogramme deren Eingliederung in die hiesige Gesellschaft zu erreichen, müssen fehlschlagen, weil ich zum einen niemanden integrieren kann, der das nicht will. Zum anderen sind solche "Integrationsprogramme" eine geradezu kafkaeske Fehlsteuerung und Verschwendung von Mitteln, denn so wird jeglicher Anpassungsdruck von den Einwanderern genommen, sich mit der hiesigen Sprache, den hiesigen Verhältnisse und den hiesigen Normen beschäftigen zu müssen. Hier sind die Multikultipropheten der eigenen fleißig selbstverbreiteten ideologischen Prämisse auf den Leim gegangen, die Einwanderer würden nichts lieber tun als sich in die deutsche Gesellschaft integrieren, und es wären nur die fremdenfeindlichen, xenophoben Deutschen, die ihnen die Eingliederung und das offenbar eifersüchtig gehütete Herrschaftswissen namens deutsche Sprache verwehrten. So kommt es eben, wenn man in Zuwanderern nicht mündige, erwachsene Menschen, sondern Schutzbefohlene sieht, die es gegen eine ausländerfeindliche deutsche Gesellschaft zu verteidigen gilt. Dieser Rassismus ist viel subtiler, denn er kommt in der Gestalt der Xeno- oder Islamophilie daher. In Wahrheit stecken dahinter eine chronische Ich-Schwäche von Menschen und jahrelang gepredigter nationaler Selbsthaß und Selbsterniedrigung der deutschen Gesellschaft, die weltweit weder verlangt noch geschätzt wird. Im Gegenteil ist eine solche Haltung wie keine andere geeignet, Verachtung zu wecken. Wie sollten sich Zuwanderer in dieses Deutschland integrieren und es achten, wenn die Deutschen (zumindest seine tonangebenden Eliten) sich nicht einmal selbst achten und die eigene Nation und Kultur nicht schätzen?
Schätzenswerter Beitrag, der objektiv und uneitel,auch respektvoll auf ein wesentliches psyschologisches Moment aufmerksam macht. Nämlich die Notwendigkeit von gelebter Identität, sowohl national und kulturell.
Nur so zeigt sich nämlich, ob unsere eigene Kultur bei bestehender Gemengelage überhaupt Bestand haben kann. Da hilft nämlich keine Behörde, die Gemeinschaft ist hier insgesamt gefragt.

Beitrag melden
bittrich 06.09.2010, 18:24
332. Hallo?

Zitat von Daniel Hoogland
Die Wellen schlagen hoch in der Heimat. Statistiken zeigen auf, daß zweite und dritte Generation Einwanderer sich in Frage Geburtenrate total Ihr Umfeld anpassen.
Sie benutzen das Wort "Heimat". Wo kommen Sie denn bitte her? Türkei liegt recht nahe, denn die Aussage "...dass zweite oder dritte Generation ... total ihr Umfeld anpassen." spricht vom Slang dafür.

Entschuldigung vielmals, aber Ihr Beitrag liest sich wie ein gesteuertes Pamphlet irgendeines Ghostwriters von der Ditip oder einer anderen auch wirtschaftlich in Deutschland "interessierten" Gruppe. Outen Sie sich und sagen, wer Sie sind und was Sie wollen, dann diskutieren wir weiter!

Den Beitrag des Herrn Matussek halte ich für brilliant, er hätte jedoch schon am Donnerstag oder Freitag kommen können. Dann wäre vielleicht auch der SPD einiges erspart geblieben. Jetzt hat sie den Schlamassel, aus dem sie so schnell nicht wieder rauskommen wird.

Beitrag melden
normen.kruschat 06.09.2010, 18:24
333. Gleiches nicht mit Gleichem Vergelten...

Man sollte nicht vergessen, woher die Ideen von Vernunft und Retionalität kommen: Aus dem Orient. Ohne die Quellen wäre es vermutlich auch so ohne weiteres nicht zur europäischen Neuzeit, also der heutigen Moderne gekommen.

Es gibt leider auch nicht DEN ISLAM. Der Islam - oder selbsttitulierend das wahre Christentum - ist entstanden aus der selben Reformbewegung, aus der einmal auch der Jesus-Kult als jüdische Reformbewegung entstanden ist. Das sollte man nicht vergessen. Die Wurzeln sind sehr eng beieinander. Gleichwohl haben sich die Kulturen anders entwickelt. Leider ist von der Aufklärungstradition wenig übrig geblieben. Die europäische Moderne bedroht andere zivilisatorische Leistungen. Nur weil wir uns als Europäer vom neuzeitlichen Denken, das auch seine Risse und pathologischen Züge trägt, nicht trennen können, heißt das noch lange nicht, dass dieses Denken Anspruch hat für die ganze Welt. Der Vorzüge zum Trotz - ist das neuzeitliche Denken und darin auch der Staat und die Demokratie eine Kultur neben anderen. Identität schließt eigentlich immer ihre Hybridität normativ ein. Menschenrechte gelten auch für Menschen woanders.

Man muss nur nach Frankreich kucken, was man dort falsch macht. Man integriert nicht, sondern grenzt permanent aus. Die MigrantInnen kommen eigentlich - wenn nicht in schlimmere - dann aber in die üblichen Mühlen, in die jeder normale Deutsche auch geraten kann. Ich erinnere an den Diskurs "Exklusion" á la Kronauer (Habil.-Schrift). In diesem Zug hat der säkulare Glaube "liberale Demokratie" eigentlich gnadenlos versagt... Man muss nicht im Gestern verhaftet sein. Deutschland ist längst in Europa aufgegangen - wir leben nicht mehr im Nationalstaat. Übrigens: der Nationalstaat war eigentlich nur eine kleine und relativ kurze epoche der Theutschen...

Beitrag melden
mistersteve 06.09.2010, 18:25
334. Jedes Ding hat 2 Seiten, auch ganz ohne Relativierung

Zitat von Pepinos
Der Artikel ist eine sehr richtige Bestandsaufnahme, aber: Was soll das ganze Gejammere??? Das Ganze ist nun mal der Preis, den wir bezahlen müssen und noch sehr, sehr lange bezahlen werden - das liegt einfach in der Natur der Sache!! ... Wir sind aber nunmal kein normales Volk - und so schnell werden wir das auch nicht werden. Das ist nunmal der Preis eines schier unausprechlichen Menscheitsverbrechens. Das Ganze hätte man sich vorher überlegen müssen!!! Und nicht jetzt wie ein kleiner Schuljunge weinen!
Na da bin ich ja mal sowas von gespannt auf eine stichhaltige Begründung, warum dann gerade diejenigen, die ihrerseits vor nur wenig mehr als den genannten 65 Jahren (nämlich vor nunmehr guten 90 Jahren) im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten auch schon ein wenn auch auch nicht Jahrtausend-, so aber doch Jahrhundertverbrechen an einer bestimmten Minderheit verübt haben (Stichwort: Armenier), einerseits dieses Verbrechen permanent leugnen (was in Deutschland extremst justiziabel wäre) und andererseits die Schuldgefühlskeule schwingen, um sich immer mehr Gruppenrechte zu ertrotzen.

Mag ja sein, dass in manchen Debatten etwas mehr Demut angebracht wäre, aber dann garantiert nicht nur von deutscher Seite.
Denn merke: Wer im Glashaus sitzt ...

Davon abgesehen: Dass Sarrazins Gen-Thesen ziemlich kontraproduktiv für den EIGENTLICHEN (und viel wichtigeren) Kern der von ihmn thematisierten Problematik waren, wird hoffentlich auch ihm mittlerweile klar geworden sein.

Beitrag melden
orion4713 06.09.2010, 18:26
335. so manipuliert man!

Zitat von Willi Wacker
Genau das. In den Runden mit den üblichen Verdächtigen (ganz schlimm gestern Anne Will) werden zur Beschwichtigung Personen mit "Migrationshintergrund" eingeladen, die als Beispiel für gelungene Sozialisierung dienen. Nun ist aber der Auslöser der Debatte eben nicht die gelungene Integration, sondern die Kehrseite davon. Und da dürfen ruhig einmal die oben genannten Personen das Wort erhalten.
So ist es! Wenn es eine Hartz4-Diskussion im TV gibt, lädt irgend einen Assi ein, um zu zeigen, dass es H4-Missbrauch gibt. Aber bei diesen Diskussionen werden nur integrierte Alibi-Migranten gezeigt!

Beitrag melden
antonwitt 06.09.2010, 18:26
336. Frage

Zitat von thiber
Ich habe immer noch nicht verstanden, was Sarrazin vor allem vorgeworfen wird. Sind es die Aussagen, bei denen er irrt oder jene, mit denen er vollständig richtig liegt?
Genau! Und ich vermute, die meisten Diskussionsteilnehmer wissen es auch nicht. Abgesehen von unserer Politiker-Kaste...

Beitrag melden
schwarzer Schmetterling 06.09.2010, 18:27
337. Na da

fällt mir ein Stein vom Herzen - lieber SPON.

Es gibt bei Euch tatsächlich noch Autoren, die NICHT als Sprachrohr der Regierenden sich hergeben.

Oder darf der Autor JETZT schreiben, nachdem Frau BK entdeckt hat, dass die Ameisen dabei sind ihren Kristallpalast abzureissen?

Diese Stimme der Vernunft hätte schon vor einer Woche kommen können - dann hätte sich der Spiegel wohltuend abgehoben und wäre seinen Traditionen treugeblieben. So bleibt ein bitterer Nachgeschmack über willfährige Schreiberlinge, die sich bei Euch austoben konnten und die Demokratie mit Füssen traten und gleichzeitig sich am öffentlichen Teeren und Federn von TS beteiligt haben, zu dem die Politik aufrief. Das wäre mal eine echte Überlegung wert, ob man da in Zukunft nicht was ändert und vielleicht in 2 Monaten bei der Politik nachfragt - WAS habt ihr getan, ausser labern?

Die kritische Stimme des Spiegel war es, die mich vor nun schon längerer Zeit zum Leser machte, und gewiss nicht mich allein.

Beitrag melden
Walther Kempinski 06.09.2010, 18:27
338. Kern der Debatte

Zitat von semper fi
Diese (neue) Integrationsdebatte wurde und wird nicht von Sarrazin bestimmt, sie wurde von ihm angestossen. Und es war an der Zeit, dass eine solche Debatte einmal aus der Ecke angestossen wurde.
In 3 Monaten wird niemand mehr wissen, wer Sarrazin war. Es sei denn er macht wieder den Kuckuck und kommt aus seinem Häuschen raus. Wen trifft es dann? Ich hoffe mal das Milliardengrab "Aufbau-Ost". Das Projekt kostet den Staat nämlich wesentlich mehr als jede ausländische Hartz4-Familie die in Deutschland lebt oder leben wird.

Zitat von
Denn - es wurden jede Menge dieser Debatten geführt. Diese allerdings sehr vom einem Standpunkt aus, der von Roth & Co., aber auch von Böhmer (CDU), in eine vollkommen falsche Ecke gesteuert wurde. Z. B. auch durch Schweigen zu dieser unsägliche Anti-Assimilationsrede Erdogans.
Pfeiffer, Buschkowsky, Stoiber, der Fall Mehmet. Es gab schon genug solche Diskussionen. Der Stammtisch kann sich aufregen wie er will. Er selbst hat keine Lösungen anzubieten. Das Problem ist in Jahrzehnten gewachsen und kann nicht übermorgen gelöst werden. Damit muß man sich abfinden oder man tritt der NPD bei.

Und Erdogan war ganz schlau. Ich würde ihn so trickreich ansehen wie den Sarrazin. Er sprach ja explizit von Assimilation und nicht von Integration. Möglicherweise meinte er sogar Integration, jedoch kann man ihm das nicht nachweisen. Assimilation jedenfalls will niemand. Assimilation ist nämlich ziemlich harter Tobak. Ein Assimilierter ist nicht viel mehr als ein Abziehbild von einer Gesellschaft, wie man sie sich wünscht, jedoch nicht genau weiß was es ist. Stichwort Leitkultur. Ich erwarte von keinem Ausländer, dass er Alkohol säuft, Schweinefleisch frißt und in Swingerclubs geht. Das ist alles optional, wers will solls machen. Aber das ist nicht der Kern der Debatte.

Beitrag melden
explorer 2 06.09.2010, 18:27
339. Was ich nicht verstehe...

Was ist daran verwerflich, dass die Muslime bei uns mehr Kinder kriegen, als der Durchschnitt. Wir sollten uns über jedes Kind, was noch geboren wird, froh sein und uns eher animiert fühlen sollen, auch mal wieder ein paar mehr Kinder auf die Welt zu setzen.

Was ist daran verwerflich, dass die muslimischen Väter Angst um ihre Töchter haben, wenn sie täglich im Fernsehen unde auf der Strasse sehen, wie sich unsere Kultur zur Ballermannkultur degeneriert hat.

Was ist daran verwerflich, dass türkische Frauen als Jungfrau in die Ehe gehen möchten.

Was ist daran verwerflich, dass die türkischen Familien besser zusammen halten. Das ist eher vorbildlich.

Verwerflich ist, dass eine junge Türkin in einem Anfall von Wut über eine vermeintliche Ungerechtigkeit sagt: Wir werden euch schon aus eurem Land herausgebären.

Verwerflich ist auch, dass es in einem deutschen Bundesland mit rotgrüner Regierung einen Behördenerlaß gab, der es den Beamten im Strafvollzug verbot, die Tatsache nach Außen zu tragen, dass die Insassen eines Gefängnisses zu 85 % einen Migrationshintergrund, vorwiegend muslimisch hatten.

Beitrag melden
Seite 34 von 169
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!