Forum: Politik
Sarrazin-Debatte: Die Gegenwut

Wegen seiner polemischen Muslim-Schelte steht Thilo Sarrazin am Pranger, aber eines begreifen seine Kritiker offenbar nicht. Der Provokateur verkörpert etwas, das sich nicht ausgrenzen lässt: die Wut*von Leuten,*die es satt haben, für ihre Integrationsangebote beschimpft zu werden.

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Ben-99 06.09.2010, 20:30
590. Matussek wieder

Zitat von
Aber seine Befunde zur missglückten Integration der türkischen und arabischen Immigranten sind über jeden Zweifel erhaben.
... ach ja? Indem er mit falschen Statistikauswertungen und rassistischen Vorurteilen über die angebliche Minderbegabung von Menschen aus bestimmten Ländern die ohnehin bei uns reichlich vorhandene Fremdenfeindlichkeit noch weiter anheizt?

Man erinnere sich: Auf dem Höhepunkt des Mißbrauchsskandals fühlte sich Matthias Matussek (vielleicht sogar von ganz oben) berufen, in einem schon fast bizarr anmutenden Kommentar die Würdenträger der katholischen Kirche in Schutz nehmen. Auch schon damals bagatellisierte der Autor, den ich auf anderen Gebieten übrigens sehr schätze, die Vorwürfe und stellte sie als bedauerliche Einzelfälle dar.

Diesmal wird ganz tief in die Kiste mit dem stärksten Abschreckungsvokabular gegriffen: "Terrornahe islamistische Vereine", "Ehrenmorde", "Morddrohungen gegen Karikaturisten", "'du Christ!' als Schimpfwort", usw. Plötzlich erinnert man sich wieder an seine nicht zu unrecht umstrittenen reichlich deutschtümelnden Bücher-Werke. Er kann es wohl einfach nicht lassen.

Zitat von
denn das Publikum hat einen hochentwickelten Instinkt für Fairness. Der Beistand für Sarrazin beweist es. Die Deutschen lernen dazu.
Nur weil jetzt an den Stammtischen tausendfach "Bravo!" gelallt wird? Machen Sie sich nicht lächerlich, Herr Matussek. Denn sonst wollen die feinen Herrschaften des Feuilletons doch auch nicht mit der oft einfältigen, reaktionären "Stimme des Volkes" in Verbindung gebracht werden.

Auf Wiki ist zu lesen:

Zitat von
Nach eigener Aussage ist Matussek ein praktizierender Katholik, der regelmäßig das Sakrament der Beichte nutzt, um Vergebung für seine Sünden zu erlangen.
Das bringt aber nichts, wenn man dann weiterhin immer wieder dieselben Fehler begeht.

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avollmer 06.09.2010, 20:31
591. Da bleibt sie ...

Zitat von karl1000
im forum wimmelts von Zeitgenossen, die Sarrazin als Hugenotte oder Sarazene bezeichnen oder beschimpfen. Gleichzeitig machen ihm die gleichen Leute den Genvorwurf. Wo bleibt da die Logik?
Erstens enthält seine eigene offizielle Biografie den Hinweis auf seine hugenottische Abstammung, zweitens hat er selbst geäußert, dass diese hugenottischen Vorfahren von sarazenischen Piraten abstammen. Er zählt also selbst zu dem Personenkreis mit arabischem Migrationshintergrund.

Er grenzt im Kapitel "Die Bildungsfernen" die Problemgruppe explizit auf Migranten aus muslimischen Ländern ein oder Türkei, Afrika, Naher und Mittlerer Osten, wie er schreibt.

Als eine seiner Begründungen warum gerade diese Migranten Probleme haben, führt er neben dem Koran auch genetische Gründe an.

Und da bleibt sie die Logik, auf der Strecke. Er selbst ist das beste Beispiel, dass es weder der Koran noch die Genetik sind. Mit diesen Voraussetzungen sind auch seine Vorfahren nach Westeuropa eingewandert. Seine eigene Existenz ist einer der Belege für die prinzipielle Integrationsfähigkeit von muslimischen Arabern in Westeuropa. Genau um diese implizite Unlogik geht es in den Vorwürfen. Es ist die gleiche Unlogik wie sie sein Buch zeigt. Es geht bei diesen Vorwürfen gerade darum, dass diese Kombination nicht logisch ist, sondern absurd.

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Kommentare 06.09.2010, 20:34
592. Sarrazin

Während meiner langjährigen Tätigkeit musste ich feststellen , das die vom mir betreuten moslemischen Jugendlichen ( 16 -20 Jahre alt ) , sich nicht im geringsten für die Geschichte ( Vorraussetzung für das Entstehen des Grundgesetz und der sozialen Marktwirtschaft interressierten . Im Gegenteil , ´jeder gutgemeinte Versuch prallte gegen eine unsichtbare Wand : Man lernt z.B den Koran auf Arabisch stolz auswendig hat aber nicht die gerinste Ahnung was im Koran steht weil man kein Arabisch kann . Der Koran und die Sharia kennt keine Trennung zwischen Religion und Staat . Das Grundgesetz ( Unabhängigkeit von Justiz und Humanismus im westlichen Sinne existiert doch nicht ) Im Koran ist angeblich schon alles ( weltlich und Religiös von Allah schon festgeschrieben und unverrückbar - welch ein Gegensatz zum Grundgesetz ( freie Enfaltung der individuellen Persönlichkeit ) Ich finde es gut das Herr Sarrazin diese Debatte die längst überfällig war endlich "losgetreten" hat.

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knotterer 06.09.2010, 20:34
593. Ah jetzt ja ...

Zitat von moritzdog
Zwang zur Integration sollte nicht bestehen. [...]
Soll ein Vater nicht daran gehindert werden seiner Tochter die Vulva gemäß gültiger Normen seines afrikanischen Kulturkreises abzuschneiden?

Integration bedeutet Anerkennung von Normen und der Sanktionen ihrer Nichteinhaltung.

Zitat von
GG Art 2 [...] (2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. [...] StGB § 223 Körperverletzung (1) Wer eine andere Person körperlich mißhandelt oder an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. [...]
M.E. ist Zwang ein funktioneller Bestandteil von Integration.

Zitat von moritzdog
Wer sich aber nicht integrieren will, sollte von jeder staatlichen Hilfeleistung ausgeschlossen werden.
Ah ok. Wir zwingen euch nicht euch zu integrieren, aber zu futtern gibts ab jetzt nix mehr ...

Entzug von Hilfe ist Sanktion. Sanktion ist Zwang.
Guckst du http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/
Suchst du: "Zwang", "Sanktion", "Integration"

Friedliche Grüße

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Mannskerl 06.09.2010, 20:34
594. Je dümmer ...

... desto stolzer.

Das gilt für nationalistische Türken genauso wie für dünkelhafte Deutsche (oder solche, die sich dieses Label geben. Wie zum Beispiel weiland der Anstreicher aus dem österreichischen Braunau).

Dass ein Rot-Grünes-Multikulti hanebüchener Blödsinn war, steht auf einem anderen Blatt.

Hier geht es um Herrn Sarrazin und darum, was er strategisch zu erreichen trachtet, indem er "Volkes Meinung" vorformuliert.

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mr_supersonic 06.09.2010, 20:36
595. Darauf habe ich gewartet.....

Zitat von chgogolok
... "weniger Vorurteile", natürlich, vor allem gegenüber Deutschland (selten so gelacht). Auch in Britannien gibt es in so manchen sozialen Umfeldern einen Groll gegen Einwander aus Polen, gegen "Pakis" usw. Schauen Sie mal in die Leserzuschriften in Blättern wie "Mail", "Telegraph" usw. - von wegen Entspanntheit.
Natürlich weiß ich über die vermeintlichen Nazivorurteile. Und dass es dort auch Probleme mit Einwanderern gibt.

Kommt da einer auf die Idee, das auf die Religion der Einwanderer zu schieben? Oder auf alle Einwanderer?
Und ist das Vorurteil, alle Tommies sagen zu den Deutschen Nazis nicht doch nur noch ein Vorurteil?

Es gibt einen Grund, warum Hitler nur in Deutschland möglich war....

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volldiskret 06.09.2010, 20:37
596. Welch eine Wohltat......

Herr Matussek, volltreffer! Das weitere gezicke hier sollte Sie nicht stören. Um es mit donfrank43 zu sagen: "Chappeau Herr Matussek! Besteht für den Spiegel als ernstzunehmendes politisches Journal also noch Hoffnung?
Herrlich Ihre klaren Worte."

Noch etwas zu meiner Person: Meine Eltern kommen aus Südamerika, ich bin in Deutschland geboren, bin ganz sicher kein Nazi oder "Rechts". Das brauche ich auch gar nicht zu sein. Es reicht, Augen und Hirn zu haben und dazu in einer bekannten Autostadt aufgewachsen zu sein. Noch fragen?

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Mannskerl 06.09.2010, 20:37
597. Wie die Fronten wechseln!

Zitat von juh
Frau Pawlak vom Focus nannte Broder (den Juden) gar einen "Brandstifter"... In der Hysterie der Debatte vergessen einige schon ihre eigenen Tabuvorgaben, eijeijei... Auf einen kritischen Rückruf entgegnete die Focus-Redakteurin: "Oh Gott, ein Irrer" (in den beiden letzten Diktaturen wurden Dissidenten, Kritiker, (In)Fragesteller schnell mal als irre bezeichnet, manchmal sogar eingewiesen...) Und sie meinte: "...wenn Sie mir noch einen Gefallen tun wollen. Schauen Sie sich Spiegel.de, taz.de, titanic.de oder sonst irgendetwas an. Wir sind auf LEser wie Sie wirklich nicht scharf..." Danke für den Tipp - so bin ich hier bei dieser trefflichen Situationsbeschreibung gelandet, die auch meine Gegenwut verbalisiert.
Interessant, nicht wahr, wie der Focus den Spiegel als geistesliberale Stimme abgelöst hat, während der Spiegel zum Presseamt der Bundesregierung degeneriert ist.

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nocheinbuerger 06.09.2010, 20:38
598. Die ewig gleichbleibenden Argumente zur Vernebelung

Zitat von conny2
Integration ist keine Harmonieveranstaltung, auch wenn namentlich die Grünen über Jahrzehnte das Lied vom Multikultitrallala gesungen haben
Gegenfrage: Warum sollen die Deutschen überhaupt gezwungen sein, Millionen von Menschen aus der Türkei und muslimischen Ländern zu integrieren? Sie stellen das so dar, als sei das eine auf Steintafeln gemeißelte Tatsache, die wir Deutsche hinzunehmen hätten wie das Wetter. Wo war denn der Ursprung des Problems? War in den Verträgen mit der Türkei nicht ausdrücklich vorgesehen, daß die Gastarbeiter a) nicht für immer im Land bleiben, sondern nach zwei Jahren gehen oder nach dem Rotationsprinzip ausgetauscht werden und b) nur Leute aus den östlichen Gebieten der Türkei ins Land kommen sollten und nicht diejenigen aus den ländlichen Regionen Anatoliens? Wozu sollten denn dann Integrationsmaßnahmen irgendwelcher Art getroffen werden? Wie lange sind die Gastarbeiter und deren Nachkommen (aus türkischen Ehen) denn schon hier, und wieviele Familienangehörige haben sie in der Zwischenzeit nachgeholt? Hat man die Türken auch dazu gezwungen, oder haben sie sich in das Land gedrängt?

Zitat von
Soll man die (angeblich) nicht integrationswilligen Ausländer massenhaft abschieben oder soll man sie zwangsintegrieren?
Das ist zwar sicher außerhalb Ihrer Vorstellungswelt, aber für Sie noch einmal: Wer sich hier integrieren wollte, der hat das bereits längst getan. Diejenigen, die das nicht wollen oder in ihren türkisch geprägten Vierteln mit einer komplett türkischsprachigen Infrastruktur nicht mehr nötig haben, wird man auch mit den teuersten "Integrations- oder Sprachprogramm" nicht dazu bringen. Können Sie sich wirklich nicht vorstellen, daß hier viele Leute aus ganz anderen Gründen in D sind als mit der Absicht, sich zu integrieren? Könnte das sein, daß man hier ohne große Mühe über das Sozialsystem ein Einkommen erzielen kann, daß man im Herkunftsland auf Grund mangelnder Qualifikation niemals erreichen könnte?

Zitat von
Oder soll man ihnen die finanzielle Unterstützung streichen, mit allen Folgen die das hätte, wie z.B. Obdachlosigkeit und erhöhte Kriminalität etc.?
Wer hier keinen Arbeitsplatz nachweisen kann und seine Existenz nicht selbst bestreiten kann, müßte dann nach drei Monaten das Land verlassen, so wie es z.B. Mexiko praktiziert.

Zitat von
Ich vermute mal, dass nichts davon den gewünschten Erfolg bringen würde, im Gegenteil: Der soziale Unfrieden würde enorm ansteigen und die angeblich nicht integrationswilligen Ausländer würden sich trotz solcher Maßnahmen nicht willig integrieren. Und was dann?
Im Gegenteil. Wer hier gesellschafts- oder integrationsfeindliches Verhalten noch durch die Gewährung von Sozialleistungen honoriert, setzt erst recht die falschen Signale. Wo soll dann für die integrationswilligen Ausländer ein Anreiz bestehen?

Zitat von
M.E. kommen wir nur auf verfassungsemäße Art weiter, d.h. wenn wir uns alle noch mehr um Integration bemühen als bisher
Wieso in aller Welt muß sich die aufnehmende Gesellschaft D um die Integration von Zuwanderern bemühen wie um deren Lern- und Arbeitsbereitschaft? Nicht die Deutschen sind in ein anderes Land, sondern diese Ausländer sind nach Deutschlang gekommen, und zwar aus eigenem Entschluß. Also haben sie die Pflicht und Schuldigkeit, für ihr Einkommen zu sorgen und sich um die Eingliederung in die hiesige Gesellschaft zu bemühen. Ist das wirklich so schwer zu begreifen?

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bittrich 06.09.2010, 20:38
599. Titel!

Zitat von jolanda78
Verzeihung, aber wann wurden sie schon einmal von einem Türken als "scheiß Kartoffel" bezeichnet? Ist das wirklich schon passiert? Und wenn ja, war das jemand den sie eher bemitleiden oder eher beneiden würden? Glauben sie, dass diesem Menschen dadurch Vorteile entstehen? Und warum werfen Sie mich mit denen in eine Schublade? Gibt es denn keine deutschen Vollidioten von denen Sie beleidigt wurden? Wäre es nicht rassistisch, wenn wir nur den türkischen Vollidioten eine Lektion erteilen? VG, Jolanda
Nein, es wäre nicht rassistisch, denn es ist immer noch ein Unterschied, ob ich von einem Türken in Deutschland wegen meines Deutschseins beleidigt werde oder von einem Deutschen wegen meiner roten Haare. Und es wird der Tag kommen, wo Sie diesen Unterscheid zu spüren bekommen. Ich hoffe, er kommt sehr bald!

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