Forum: Politik
Schottland und der Brexit: Die Angst vor dem Austritt nach dem Austritt
Getty Images

Die Schotten wollen in der EU bleiben - eigentlich. Doch an der Basis rumort es. Droht nach dem Brexit-Referendum sogar noch ein zweites zur Abspaltung von London?

Seite 1 von 11
ackergold 13.06.2016, 16:39
1.

Schottland benötigt nicht die Zustimmung der Zentralregierung, um ein Referendum über den Austritt abzuhalten. Der englische Kolonialismus hat ausgedient und seine Zeit ist vorbei. Die schottische Kultur ist völlig eigenständig und bedarf keiner Bevormundung.

Ich gehe davon aus, dass die Schotten in der EU bleiben wollen und eher aus UK austreten, wenn es zum Brexit kommt. Das sollte dann auch möglich sein.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Mahatu 13.06.2016, 16:54
2. In Schottland willkommen

Schottland heisst im Gegensatz zu manchen englischen Politikern Buerger aus anderen EU Staaten willkommen.

First Lady Nicola Sturgeon haelt EU Buerger fuer eine Bereicherung fuer Schottland, und ihre Partei SNP hat sogar eigene Community fuer diese - New Scots.

Studieren in Schottland ist bis zum Bachelor fuer EU Buerger kostenlos, und einen Master kann Mann/Frau in ca. 1 Jahr machen. Die Regelungen der SAAS (Student Awards Agency for Scotland) bzgl. Studienfinanzierung sind fuer EU Buerger grosszuegiger als anderswo in GB ... und es gibt im boomenden Glasgow oder Edinburgh genuegend Jobs fuer Zuwanderer.

Schottland beherbert eine Reihe von innovativen Unternehmen aus dem IT oder Medizinsektor, ein lohnendes Ziel fuer qualifizierte EU Buerger, die hier willkommen sind.

Es lohnt sich, Schottland zu unterstuetzen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
joG 13.06.2016, 16:54
3. Es ist unklar....

.....wie das auf die Schnelle gehen sollte. Immerhin muss jedes Mitglied zustimmen und einige sogar ein Referendum abhalten, wenn es um die Aufnahme eines neuen Mitglieds geht. Man könnte natürlich alles außer Acht lassen, wie man das normal friemelt, aber das würde eher nicht zum Vertrauen der Bürger in die staatlichen Organe betragen und die Legitimität der Staaten wohl weiter untergraben.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Mister Stone 13.06.2016, 16:56
4. Scheindemokratische Plebiszite

Alle diese Plebiszite der Gegenwart (Schweiz, England) sind manipulierte scheindemokratische Symbole.

Die von den neoliberalen Eliten unerwünschten Ergebnisse werden von der Politik und ihren Medien so brutal mit alternativlosen schwerwiegenden sozialen Nachteilen verknüpft (Rentenkürzung, Steuererhöhung, mehr Arbeitslose....), bis das erwünschte Ergebnis selbst als alternativlos gut oder als das geringste Übel erscheint.

Diejenigen, die solche Plebiszite veranstalten, kennen das Ergebnis vorher. Denn sie arbeiten mit Angst und verbreiten Schrecken. Sie benutzen die Angst der Menschen, dass es ihnen noch schlechter gehen würde, wenn sie den Eliten nicht folgen.

Sie lassen den Wählern eigentlich gar keine Wahl. So arbeitet das System, welches als Demokratie getarnt wird: Wollt Ihr den Brexit, wenn Ihr dafür Eure Renten verliert? Wollt Ihr den Mindestlohn von 18 Euro, wenn Ihr, die Ihr mehr verdient, dafür mehr Steuern zahlen wollt? Wollt Ihr das bedingungslose Grundeinkommen von 2300 Euro (für alle Faulenzer), wenn die (braven) Erwerbstätigen dafür bezahlen müssen?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
adal_ 13.06.2016, 17:04
5. Dat die dat dürfen!

Zitat von ackergold
Schottland benötigt nicht die Zustimmung der Zentralregierung, um ein Referendum über den Austritt abzuhalten.
Danke für die Info. :-) Die Schotten haben vor nicht mal 2 Jahren über ihren Verbleib im Königreich abgestimmt. Das nächste Mal wird das Ergebnis sicherlich anders ausfallen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
klemer 13.06.2016, 17:07
6.

Ich lebe nördlich von Glasgow und muss erst mal eins klarstellen: der Author zeichnet ein total veraltetes Bild der Stadt. Klar es gibt Easterhouse und ein paar andere Viertel, die noch arg nachhängen. Aber sonst hat sich die Stadt in den letzten 15 Jahren dramatisch verändert. Viele neue Firmen haben sich angesiedelt, es gibt eine rege Start up Szene, neue Museen, fantastische Klubs, und vor allem herzliche, offene Menschen (auch und gerade in Easterhouse!).

Und ja, wenn der Brexit kommt, kommt auch Boris. Und wenn Boris kommt, werden sich die Schotten unabhängig machen. Da gibt es keine Zweifel.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mottasvizzera 13.06.2016, 17:37
7. Erinnert mich an die EWR-Abstimmung 1992 der Schweiz...

Damals votierten auch die französisch-sprachigen mit 80% und die mehrheitlich französisch sprachigen mit 60% für einen EWR Beitritt - alle deutschsprachigen und der italienisch sprachige Tessin mit Zweidrittelmehrheit dagegen. Unter dem Strich kam wegen der deutschsprachigen Mehrheit ein ganz knappes Nein mit einem Nein-Überschuss von 60'000 oder 0.6 Prozent-Unterschiede zustande.
Das Zerwürfnis dauerte einige Jahre und man sprach von einem "Röstigraben" (Rösti= Kartoffelgericht der deutschsprachigen Schweiz, aber weniger in der französischsprachigen Schweiz) bis zum Jahr 2001, als es um die Abstimmung um Beitrittverhandlungen zur EU ging, welches dann mit 76% abgelehnt wurde und zwar von allen Kantonen. Die der EU am freundlichsten gesinnten Kantone Jura und Neuenburg brachten es nur auf einen Ja-Anteil von 44% - in der Ostschweiz und der Zentralschweiz war der Ja-Anteil nur gerade zwischen 6 und 14%, im Tessin 15%.
Aber es kam niemandem in den Sinn, sich deswegen zu trennen, obwohl diese Option ja möglich wäre...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
freizeitverkaeufer 13.06.2016, 17:46
8. Schöne Grafik!

....aber die EU nimmt's und die EU gibt's. Genau in dieser Reihenfolge. Das gilt insbesondere für irgendwelche Zuschüsse. Wie wohlhabend Deutschland vor EU- Zeiten einmal war, und wie gut die deutsche Infrastruktur in Schuss war, wissen heute nur noch die älteren Westdeutschen. Es glauben doch tatsächlich viele jüngere Mitbürger, daß die EU in Deutschland irgendwelche Projekte "fördert". Dabei überweist die EU in solchen Fällen nur einen kleinen Teil der exorbitanten deutschen EU- Beiträge zurück. Die Briten behalten künftig ihr Steuergeld im Lande und investieren es 1 zu 1 im Lande. Brexit? Schlauer wär's als EU - Nettozahler.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Proggy 13.06.2016, 17:54
9. Keine Zweifel?

Zitat von klemer
Ich lebe nördlich von Glasgow und muss erst mal eins klarstellen: der Author zeichnet ein total veraltetes Bild der Stadt. Klar es gibt Easterhouse und ein paar andere Viertel, die noch arg nachhängen. Aber sonst hat sich die Stadt in den letzten 15 Jahren dramatisch verändert. Viele neue Firmen haben sich angesiedelt, es gibt eine rege Start up Szene, neue Museen, fantastische Klubs, und vor allem herzliche, offene Menschen (auch und gerade in Easterhouse!). Und ja, wenn der Brexit kommt, kommt auch Boris. Und wenn Boris kommt, werden sich die Schotten unabhängig machen. Da gibt es keine Zweifel.
Die Gegenargumente (größtenteils Angstmacher) zum letzten Referendum werden bleiben: völlige Neuverhandlungen zum EU-Beitritt, Rentenansprüche, schottische NHS-Sonderleistungen, Aufgabe der Währung, Verflechtungen englischer und schottischer Betriebe, Import-, Export ins Rest-UK etc.pp.
Ein wichtiger Teil der Pro-Argumente wiegen nicht mehr (z.B. Erlöse aus der Ölförderung) soviel und neue Gegenargumente kommen dazu (EU-Außengrenze zu England, ungebremste Einwanderung).
Wie die zahlreichen in Schottland lebenden Engländer abgestimmt haben (gegen die Unabhängikeit) ist bekannt und wird sich auch nicht ändern.
Ein anderes Ergebnis sehe ich nicht im Falle eines zweiten Referendums.
Grüße aus Morayshire

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 11