Forum: Politik
Schottland und der Brexit: Ohne uns
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Schottland will den Brexit nicht hinnehmen. Regierungschefin Nicola Sturgeon bringt ein Veto des schottischen Parlaments ins Gespräch - und treibt ein neues Unabhängigkeits-Referendum voran.

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zardoz77 26.06.2016, 15:49
20. Demokratur

Man stelle sich vor es würde die Regel geben, dass wenn die deutsche Mannschaft bei der EM nur ein einziges Tor kassiert, sie das Turnier verlassen muss. Klingt unfair? Ist unfair!

Aber genauso ist es doch nun auch mit dem Brexit. Die Brexiter können immer wieder neuen Anlauf nehmen. Alle 5 Jahre oder alle 10 Jahre. Die Zeitspannen sind willkürlich und nirgendwo in einer Prozessordnung festgeschrieben. Die Schotten werden bald über einen UK-exit abstimmen lassen, obwohl sie das schon 2014 gemacht haben. Wer genau regelt das eigentlich mit den zeitlichen Abständen? Wer garantiert die langfristige Rechtssicherheit von Volksabstimmungen?

Fakt ist jedenfalls: ist UK erst mal raus aus der EU, dann dauerts Jahrzehnte bis man wieder über eine Rückkehr überhaupt nur nachdenken kann. Hätten die EU-Befürworter gewonnen, wäre das nur ein kurzlebiger Sieg gewesen. Denn die nächste Brexit-Abstimmung hätte ja in wenigen Jahren wieder auf den Tisch kommen können. Ist für mich ein unfaires Spielchen und hat eigentlich nüscht mit Demokratie zu tun. Da können die Volksabstimmungs-Befürworter noch so sehr von der perfekten Demokratie schwärmen. Es ist aber nicht demokratisch. Wäre ich Verschwörungstheoretiker würde ich behaupten, dass Volksabstimmungen eher dazu genutzt werden, um Staaten von innen zu atomisieren oder zumindestens unter Dauerfeuer zu nehmen. Irgendwann aber bricht jede Burgmauer wie man nun in UK sehen kann.

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eternalchii 26.06.2016, 15:49
21.

Zitat von gmv-meldet-sich
Wie wird sich künftig ein selbständiges Schottland in der EU bei Mehrheitsentscheidungen verhalten, wenn die Schottischen Interessen nicht berücksichtigt sind? Solidarisch?
Sie reden ja so, als wäre das irgendeine unwichtige Entscheidung. EU oder nicht EU kann für Schottland eine existenzielle Entscheidung sein. Und wie solidarisch hat man sich denn 2014 gegenüber Schottlands verhalten? Denen wurde die Pistole auf die Brust gesetzt, als sie souverän werden wollten: ein Austritt aus GB hätte für die Schotten auch einen Austritt aus der EU bedeutet. Also blieb man. Kein Wunder, dass die Schotten sich jetzt veräppelt fühlen und erneut wählen wollen.

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Putin-Troll 26.06.2016, 15:52
22. Antidemokratische Umtriebe

Ein demokratisches Votum ist zu akzeptieren. Punkt. Jetzt juristische Winkelzüge auszupacken ist ein gefährliches Spiel mit dem Feuer. Zwar gibt es in Schottland eine Mehrheit für den Verbleib in der EU, doch haben die Schotten erst vor kurzem dafür ausgesprochen ein Teil des Vereinigten Königreichs zu bleiben und dieses will nun mal mehrheitlich den Austritt. Mit gefangen, mit gehangen.

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Greggi 26.06.2016, 15:59
23. Ist doch ganz einfach ...

Wenn Großbritannien will, dass Schottland kein zweites Referendum ausruft und im United Kingdom bleibt, muss London halt mehr überweisen als Brüssel. Wo ist das Problem? Was man nicht mit Geld lösen kann, kann man mit sehr viel Geld lösen.

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b.toennies 26.06.2016, 15:59
24. Lieber mal genauer hinschauen ;-)

Zitat von hinschauen
Was mich bei der Diskussion über eine schottische Unabhängigkeit immer wieder irritiert ist, wie selbstverständlich Brexit-Gegner akzeptieren, dass hier eine Region sich unabhängig von einem Staat erklären will, zu dem es seit Jahrhunderten gehört - und das ernsthaft eigentlich erst, seit es glaubt, davon wirtschaftlich profitieren zu können. Das ist doch Nationalismus in Reinstform.
Schottland "gehört" nicht einfach zu UK. Es ist in blutigen und grausamen Schlachten (das wird in England gerne unter den Teppich gekehrt unterworfen worden. Ebenso übrigens wie die niedrig geschätzt 10 Millionen Menschen die im Namen der englischen Krone in den Kolonien von den Engländern abgeschlachtet worden sind.)
Und die neuen europäischen Nationalisten müssten dafür eigentlich grösstes Verständnis haben wenn sich eine Region für unabhängig erklären will - nur doof das die jetzt in der EU bleiben wollen und nicht raus wollen...

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helmut_s 26.06.2016, 16:00
25.

Zitat von hinschauen
Was mich bei der Diskussion über eine schottische Unabhängigkeit immer wieder irritiert ist, wie selbstverständlich Brexit-Gegner akzeptieren, dass hier eine Region sich unabhängig von einem Staat erklären will, zu dem es seit Jahrhunderten gehört - und das ernsthaft eigentlich erst, seit es glaubt, davon wirtschaftlich profitieren zu können. Das ist doch Nationalismus in Reinstform.
Vielleicht sollten die Nationalisten da ganz genau hinsehen und lernen. Nichts ist naheliegender, als sie mit ihren eigenen Waffen zu bekämpfen.
Die Staaten, Kulturen und Völker, die sie mit ihren Gedanken permanent umkreisen, existieren so nämlich einfach nicht.

Daraus ergibt sich auch die Blaupause einer Ultima-Ratio-Antwort auf die neuen Deutschtümler: sollte es eine völkisch-nationale Bewegung in D-Land jemals so weit an die politische Macht schaffen, dass sie ihre Abkapselungsvorstellungen umsetzen kann, wird es Zeit für die Zerlegung des Gesamtgebildes, die Sezession einzelner Bundesländer.

Oder glauben Sie tatsächlich, dass der Konsens hier im Land so gross ist - schon rein nach geographischer Zugehörigkeit der Bevölkerung gerechnet - dass man tatsächlich von einem homogenen Gesamtgebilde ausgehen könnte? Die eher parallel zu gesellschaftlichen Schichten laufenden Bruchlinien rechnen wir mal gar nicht mit ...

Tja, letztlich existieren die gleichen Sprengkräfte, die die EU zu zerreissen drohen, nämlich auch auf supranationaler Ebene.

Was folgt daraus?
Es gibt eigentlich nur einen einzigen friedens- und wohlstandsbewahrenden Weg: den des Konsenses, nicht den der Spaltung und des Ressentiments.

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conrath 26.06.2016, 16:02
26. PM Cameron hat den Schierlingsbecher...

...an seinen Nachfolger gereicht den es noch nicht gibt. Und so wie es jetzt steht wird es einen aus den Reihen der Brexiteers nicht geben. Die oder der wäre sofort oder bald erledigt. Nein, Cameron möchte die Suppe nicht auslöffeln, die er selbst anrichtrte: er möchte unter Verweis auf seine pro-EU Haltung dann den Retter der Tories in Not spielen. Derweil soll die EU sich gedulden. .. Perfidie wohin man schaut. Das Schottland davon genug hat (wir ja wohl auch ) will ich gerne glauben.

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Child 26.06.2016, 16:03
27. Jahrhunderte?

Zitat von hinschauen
Was mich bei der Diskussion über eine schottische Unabhängigkeit immer wieder irritiert ist, wie selbstverständlich Brexit-Gegner akzeptieren, dass hier eine Region sich unabhängig von einem Staat erklären will, zu dem es seit Jahrhunderten gehört - und das ernsthaft eigentlich erst, seit es glaubt, davon wirtschaftlich profitieren zu können. Das ist doch Nationalismus in Reinstform.
Naja - faktisch sind es maximal 4 Jahrhunderte - und auch das nur weil die Köngreiche England und Schottland ab da einen gemeinsamen König hatten. Die Reiche an sich waren da aber immernoch getrennt. Wirklich begründet wurde ein gemeinsames Reich erst 100 Jahre später - wobei sich die "Übergangswehen" über die folgenden 50 Jahre hinzogen. Womit wir bei etwa 2,5 Jahrhunderten landen.

Fakt ist, das es in Schottland schon immer Bewegungen für Unabhängigkeit von England gegeben hat. Diese sind weniger wirtschaftlich sondern grundsätzlich zuallererst historisch begründet.

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schorsch_schwegler 26.06.2016, 16:06
28. die schotten mal wieder

Schottland und der Brexit
Ohne uns , ach ja , euch Schotten bleibt nichts anderes Übrig , als mit Raus aus der EU , da ihr ja zu Voreilig wart mit eurer Volksabstimmung ,
die wurde 2 Jahre zu Früh abgehalten , und jetzt kann es dauern bis wieder eine gemacht werden kann , dann noch einmal warten bis zur Aufnahme in die EU ,
wenn sie bis dahin dann noch so besteht wie sie jetzt ist , :-)

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_gimli_ 26.06.2016, 16:07
29.

Zitat von eternalchii
Sie reden ja so, als wäre das irgendeine unwichtige Entscheidung. EU oder nicht EU kann für Schottland eine existenzielle Entscheidung sein. Und wie solidarisch hat man sich denn 2014 gegenüber Schottlands verhalten? Denen wurde die Pistole auf die Brust gesetzt, als sie souverän werden wollten: ein Austritt aus GB hätte für die Schotten auch einen Austritt aus der EU bedeutet. Also blieb man. Kein Wunder, dass die Schotten sich jetzt veräppelt fühlen und erneut wählen wollen.
Genau das ist der Punkt. Die Schotten stimmten 2014 gegen die Souveränität, WEIL sie unbedingt in der EU bleiben wollten, ein Aufnahmeantrag aber im Falle der Eigenständigkeit durch GB (notwendige Einstimmigkeit der EU-Mitglieder) abgelehnt worden wäre.

Und genau WEIL Schottland unbedingt in der EU bleiben will, findet ein neues Referendum nun unter eine völlig anderen Voraussetzungen statt.

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