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Schröder über Kohl: "Sein Vermächtnis bleibt eine Verpflichtung"
REUTERS

Er schlug im Bundestagswahlkampf 1998 Helmut Kohl als SPD-Herausforderer - und beendete damit die 16-jährige Kanzlerschaft des Christdemokraten. Ein Gastbeitrag von Gerhard Schröder zum Tod seines Vorgängers.

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jojack 17.06.2017, 07:36
40.

Zitat von maxis.papa
Mir fällt es sehr schwer über seinen Tod zu trauern, dass ein Mensch gestorben ist, ist traurig, ja, aber der "Kanzler der Einheit" hat auch viele dunkle Seiten: Die Spendenaffäre mit seinen Versprechen den Spendern zur Verschwiegenheit, die "blühenden Landschaften" im Osten der Republik, auf die heute noch viele vergeblich warten, ... Möge er in Frieden ruhen, sein Vermächtnis ist für mich jedoch nicht halb so groß, wie es jetzt überall dargestellt wird, er war wohl nur zur rechten Zeit am rechten Ort.
Nein, Helmut Kohl war nicht nur zur rechten Zeit am rechten Ort. Die Art und Weise, wie er die deutsche und die europäische Einigung vorangetrieben hat, sind beispiellos. Am Besten fällt der Kontrast zu anderen Politikern, aber insbesondere zu führenden Köpfen im linken Lager auf: zu nennen sind da vor allem Helmut Schmidt und Oskar Lafontaine. Schmidt hat war bekannterweise kein Mann von Visionen wie Kohl, sondern ein Pragmatiker. Unter ihm gab es zwar auch eine Weiterentwicklung Europas, aber diese waren weit weniger mutig als die eines Helmut Kohls. Schwer vorstellbar, dass Schmidt wie Kohl auf seinen Bauch gehört hätte, als er den mutigen 10-Punkte-Plan zur Wiedervereinigung vorstellte, als noch niemand davon sprach.

Aber insbesondere der Bundestagswahlkampf 1990 hat deutlich gemacht, welches Format dieser Helmut Kohl im Vergleich zu seiner politischen Konkurrenz hatte. Sein Herausforderer Lafontaine hatte keine bessere Idee, als anlässlich der Wiedervereinigung eine Neiddebatte im Westen loszutreten. Währenddessen hat Kohl von Anfang an Patriotismus für alle Deutschen gezeigt. Ihm das Zitat der "blühenden Landschaften" zum Vorwurf zu machen, ist äußerst missgünstig. Im Vergleich zu den Zuständen der DDR und auch zu den anderen Ländern des ehemaligen Ostblocks ist Ostdeutschland heute im Übrigen durchaus eine "blühende Landschaft". Dass ein Bundeskanzler optimistisch an die Mammutaufgabe der Wiedervereinigung herangeht, ist im Übrigen eher ein qualifizierendes Merkmal.

Ich verneige mich vor dem Lebenswerk Helmut Kohls und danke ihm ganz persönlich, dass er uns Ostdeutschen nach dem Schrecken des Sozialismus die Perspektive der Wiedervereinigung gegeben und durchgesetzt hat.

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jojack 17.06.2017, 07:40
41.

Zitat von Metternich
Sein Vermächtnis ist wirklich Verpflichtung, auch bei aller Kritik an seinem Fehlverhalten bezügl. der Spendenaffäre. Angela Merkel führt dieses Vermächtnis nicht in Kohls Weise fort, und nur durch dessen Affäre konnte sie überhaupt die politische Position erreichen, die sie heute hat. Sie hatte damals die Situation eiskalt ausgenutzt! Wir und die derzeitigen Politiker sollten uns an Kohls Einstellung zu Europa viel mehr erinnern. Es wird Zeit das zu tun!
Der Fairness halber muss man sagen: Die Umstände der Zeit prägen ihre politische Führung. Darum gibt es heute kaum noch so unterhaltsame Rededuelle im Bundestag, wie etwa die zwischen Strauß und Wehner in den 1970er Jahren. Und darum hätte es ein klassisch konservativer Politiker wie Kohl in der heutigen Medienlandschaft schwerer, sich zu behaupten. Merkel ist die perfekt angepasste Figur an die Erfordernisse der medialen Dauerpräsenz. Sagt nie etwas, das aneckt, immer vorhersehbar, keine Leidenschaft, nur Sachlichkeit.

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vulcan 17.06.2017, 07:41
42.

Zitat von carlitom
Ich weiß nicht, wie oft und wo Sie schon im Osten waren und vor allem, ob Sie vor der Wende auch dort unterwegs waren. Ich denke aber, dass Sie weder die eine noch die andere Erfahrung gemacht haben, sonst würden Sie sowas nicht behaupten. Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht, von der Restaurierung ganzer geradezu kriegsähnlich zugerichteter Städte und Landschaften über den Gegensatz zur Umweltverschmutzung damals bis hin zu Infrastruktur, Tourismus und Industrieansiedlung. Da ist so vieles passiert, dass es wirklich absurd ist, das zu leugnen.
Ganz recht - dafür zahlen wir ja nach wie vor alle fleißig und begeistert den Soli, er ursprünglich mal auf zwei Jahre angelegt war.

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der_bulldozer 17.06.2017, 07:45
43. @ 5: Ganz so schön ist es aber nicht

Es ist viel erreicht worden im Osten, das kann auch niemand abstreiten. Diese Wende hat aber nicht Helmut Kohl vollbracht, sonder viele mutige Menschen im Osten, die in Leipzig und anderen Städten auf die Straße gingen. Kohl wurde, wie alle anderen Politiker des Westens, vom Mauerfall 1989 überrascht. Aber es sind schon noch heute, 27 Jahre nach der Wiedervereinigung, ein paar Baustellen offen: Fehlende Gleichheit bei Löhnen und Renten, schwacher Mittelstand, hohe Arbeitslosigkeit und immer noch starke Vorurteile gegenüber den „Ossies“.

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drent 17.06.2017, 07:58
44. In seiner Rede in Dresden

hat er für Deutschland den Begriff "Nation" gebraucht. Das würde heute kein Politiker mehr wagen. Er würde in allen Medien als Rechtsextremist verteufelt.

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arch.aisch 17.06.2017, 07:58
45. Kohls Verdienste

sind heute eher unbestritten. Und wie bei allen Dingen des Alltags hat man sich in seiner Amtszeit natürlich nicht selten an den Kopf gegriffen. Schon heute lässt sich absehen, was man dereinst über unsere aussitzende, zettelablesende, zögerliche, unbegabte, integrationsunfähige (weiß gar nicht, wo ich aufhören soll) Frau Merkel zu berichten haben wird. Sie ist ja nur seit 2 / 3 Jahren an der Macht, weil sie ihren Job so unglaublich schlecht macht. Was diese Anmerkungen im Zusammenhang mit Helmut Kohls Tod zu suchen haben, ist unerfindlich. Es zeigt, dass die Menschen offensichtlich nicht in der Lage sind, auch nur einen Tag mal über den Alltagstellerrand hinaus zu blicken. (Das ist ja leider auch einer der Gründe, warum es der Europa-Gedanke immer wieder so schwer hat)

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michael_silie 17.06.2017, 08:17
46. Schon vergessen?

Die geistig-moralische Wende ist das Vermächtnis von Helmut Kohl. Unter dem Motto ?Leistung muss sich wieder lohnen? wurde Marktwirtschaft entsozialisiert. Und der Kanzler der Bosse hat dessen Weg konsequent fortgesetzt. Wer war korrupter?

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dumti 17.06.2017, 08:29
47.

Helmut Kohl war ein Politiker, dem es nicht um den kurzfristigen Erfolg ging, sondern ein Mann, der unermüdlich für seine Vision gearbeitet hat, auch wenn wir ihn damals belächelt und verspottet haben. Heute geht es nur noch um möglichst gute Umfragewerte vor der Wahl, um danach wieder in die gleichen Muster zu verfallen und wenig bis nichts zu bewegen. Der Schulz- Effekt war bereits vorbei, noch ehe er richtig begann. Frau Merkel hat den Amtsbonus, ja selbst die Grünen langweilen ihre Stammwähler zu Tode....Das ist alles, was Deutschlands Spitzenpolitik derzeit zu bieten hat.....Darum: Alle Achtung vor Helmut Kohl .

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touri 17.06.2017, 08:44
48.

Zitat von dasmagazin2017
Reichlich süffisant, wie Schröder da über "berechtigte Kritik" an Kohls Verfehlungen spricht. Muss das sein? Gerade Schröder? Den schnellen Wechsel zu Gazprom, deren Pipelineprojekt er als Kanzler maßgeblich gefördert hat, muss man ja wohl auch "berechtigt kritisch" sehen. Wer im Glashaus sitzt! Da wollte ein Sozialist nur eines: Geld, viel Geld!
Das Pipelineprojekt dient unserer Versorgungssicherheit. Ich sehe an der Stelle nur sehr wenig kritisch. Russland war immer ein verlässlicher Handelspartner und ich wünschte Frau Merkel hätte die Deutsch-Russische Freundschaft nicht in die Mülltone geworfen, und zwar schon lange vor der Krimkrise.

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touri 17.06.2017, 08:47
49.

Zitat von marc VH
Im Ausland hat er den Ruf der Größte Kanzler aller Zeiten zu sein.Ein wenig mehr Kohl würde Europa gut stehen. Ja es gab die Parteispenden aber sein Vermächtnis darauf zu beschänken wäre nicht Gerecht. Ein Mann mit einer Riesenvision für Europa ist von uns gegangen.
Kohls verdienste in allen Ehren, aber er war auch ein Mitinitiator des Euro, der am Ende die EU wahrscheinlich auseinanderreißen wird. Auf der anderen Seite profitiert die deutsche Wirtschaft massiv durch den Euro, wenn kümmert da schon die Rest EU... wenn es nur Target 2 nicht geben würde...

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