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Schröders Teilzeitvorschlag - die Lösung für das Pflegeproblem?

Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland steigt. Familienministerin Schröder will nun Berufstätige unterstützen, die Angehörige zuhause pflegen - mit einer Art Arbeitszeitkonto. Ein guter Vorschlag?

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chirin 07.04.2010, 08:56
80. Schröders Teilzeitvorschlag -die Lösung der Pflegeprobleme?

Zitat von traveller81
Vielleicht ist manches, was Sie schreiben, für die Foristen nicht zumutbar?
Nein, Morotti hat recht, es werden nur die der politischen Richtung des Spiegels entsprechenden Beiträge veröffentlicht.

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siegeline 07.04.2010, 12:37
81.

Für den Eingangsartikel stellt sich mir ein handfestes sachliches Problem: Es heißt da:

„BERUFSTÄTIGE, die ihre Angehörigen pflegen, bewegen sich oft selbst am Rande des Zusammenbruchs.“

Dann heißt es: „was mehrere Ursachen hat.“ Da bin ich nun als Leserin natürlich gespannt, welche Ursachen aufgezählt werden:

Da heißt es: „Zum einen“
1.seien sie oft selbst nicht mehr jung, durchschnittlich 60 Jahre alt,
2.40 Prozent seien selbst schon im Rentenalter
3.und häufig seien es Kinder oder (noch schlimmer offenbar) Töchter, die ihre greisen Eltern versorgen
4.und (offenbar noch schlimmer): Oft seien es ja auch Frauen, die ihre Männer pflegen.

„Zum anderen“ (nun wird vielleicht ja besser erhellt, warum gerade BERUFSTÄTIGE pflegende Angehörige so belastet sind):
1.„haben immer mehr Menschen neben der Pflege auch noch einen Job zu leisten“
2. „Heute sind es schon 54 Prozent“.
3.Allerdings, schränken die Autorinnen dann wieder ein, würde ja nur jeder Sechste Vollzeit arbeiten.

Nun soll’s der Leser offenbar begriffen haben.

Liebe Autorinnen, wenn Sie sich schon solcher Klischeesprache wie „am Rande des Zusammenbruchs“ (was übrigens Ihre Fallbeispiele keineswegs veranschaulichen, Zitat eines Pflegenden: "Es ist eine große, aber eine schöne Herausforderung.") bedienen, sollte man meinen, dass Sie sich dann auch der Aufgabe stellen, tatsächlich zu analysieren, was Pflege für Angehörige so anstrengend macht und vor allem auch für berufstätige Angehörige so anstrengend macht, worum es Ihnen ja angeblich hauptsächlich geht.

Mehrheitlich nur teilweise berufstätig sein, 60 Jahre alt sein, im Rentenalter sein, Tochter oder Sohn oder Ehepartner sein, sind da wohl kaum per se die ausschlaggebenden Faktoren.

Da sich die Autorinnen keine Mühe machen, auch nur ansatzweise im Detail herauszuarbeiten, was Pflege für (berufstätige) Angehörige so belastend macht, muss ich ihnen unterstellen, dass ihrem Artikel unreflektiert der Tenor unterliegt: Wer so dumm ist, einen Angehörigen zu pflegen, dem ist ohnehin nicht zu helfen. Diesen Verdacht nährt auch der Schlusssatz: "Lesen Sie, was ... Angehörige auf sich nehmen, was sie durchstehen müssen..."

Putzig ist auch: Im Vorspann des Einstiegsartikels kündigen die Autorinnen die vier Fallgeschichten mit den Worten an: „schildern Betroffene ihre Lage – UND ERKLÄREN, WAS IHNEN WIRKLICH HELFEN WÜRDE.“

Nun, kein Einziger tut dies. Man hat wohl vergessen, zu fragen.

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altebanane 08.04.2010, 10:28
82.

Zitat von siegeline
Putzig ist auch: Im Vorspann des Einstiegsartikels kündigen die Autorinnen die vier Fallgeschichten mit den Worten an: „schildern Betroffene ihre Lage – UND ERKLÄREN, WAS IHNEN WIRKLICH HELFEN WÜRDE.“ Nun, kein Einziger tut dies. Man hat wohl vergessen, zu fragen.
Das ist mir auch aufgefallen. Also lieber Spiegel - falls Sie mal jemanden suchen, der Ihnen die Artikel schreibt - nehmen Sie doch mich - ich kann das zwar auch nicht, aber mir fallen immerhin spätestens beim zweiten Durchlesen dees Verzapften völlige Unschlüssigkeiten auf, die Blamage ist somit kleiner...

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larssen 10.04.2010, 13:00
83. es bleibt eine Schande

Zitat von larssen
eine Diskussion um eine Verbesserung der unerträglich schlechten Situation zu erreichen ist extrem wichtig. Auch wenn der Vorschlag nicht ausgereift ist hilft es falls das Thema nicht wieder nach kurzer Zeit vergessen wird. Ich habe selbst meine Mutter betreut, solange ich es neben dem Beruf tun konnte. Als sie rund um die Uhr betreut werden musste (Pflegestufe 2) musste ich sie in einem Heim unterbringen. Dieses Heim, anthroposophisch geführt, tritt nach Außen als Hort der Glückseligkeit auf. Im Innern sieht es allerdings genau so rabenschwarz aus wie wohl fast überall. Meine Mutter wurde regelrecht krankgepflegt. Ihr Zustand hatte sich so verschlechtert, dass ich den Rettungsdienst holen musste. Sie bekam keine Luft und hatte einen Puls von 150 Schlägen, trotzdem hat niemand einen Arzt verständigt oder mich. In der Notaufnahme wurde auch noch unversorgtes Dekubitus Geschwür festgestellt, mit den Worten einer Schwester:"Das tut einem selbst weh, wenn man sowas sieht". Das bestehende System in den Altenheimen ist unerträglich stümperhaft und wird auch noch böswillig ausgenutzt. Ich mache mir selbst schwerste Vorwürfe nicht erkannt zu haben wie meine 86 jährige Mutter dort gequält wurde bis hin zu Ohrfeigen und dem üblichen Alleinlassen in der Nacht. Denn wenn sie klingelte kam erst ewig niemand und es wurde ihr gedroht damit sie nicht klingelt, teilweise wurde die Klingel sogar ausgesteckt. Ein Leben in Angst und Schmerzen wollte ich meiner Mutter ersparen und wählte deshalb dieses teurere Heim mit guten Ruf, vergeblich. Heime sind in Deutschland die Hölle, egal wie toll die Broschüre sein mag. Nun liegt meine liebste Mutter im Sterben und ich kann die Fehler nicht rückgängig machen. Ich hasse unser Land dafür, wie es mit alten Menschen umgeht!
leider ist gestern am 09.04.10 eine Woche nachdem ich sie ins Krankenhaus habe bringen lassen meine Mutter gestorben.
Kommentare wie:"es ist ein schönes Alter (86)", kann man ich sparen. Dieses System hat meine Mutter vor der Zeit getötet, ganz bewusst! Es geschieht täglich tausendfach. Wir sind ein Volk von Mördern durch Unterlassung. Die dämliche Begründung es sei kein Geld vorhanden kann ich nicht mehr hören. Für Rettungsschirme für systemrelevante Banken ist Geld aufzutreiben, für die Menschen nicht. Ich wiederhole mich: Es ist eine verdammte Schande!!

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